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McLoughlin, Cian

[eingestellt am 09. April 2010]

Von: Nicole Benning

Cian beim Magstadtlauf 2010

Der schnelle Ire

 

2007 beim 25 km Schönbuchlauf in Hildrizhausen: Wer ist denn das? Fragende Blicke in der Spitzengruppe. Ein unbekannter Läufer rollt das Feld auf und übernimmt locker die Führung. „Da will wohl einer als erster an der Verpflegung sein." Doch weit gefehlt. Der, der da dreist überholt hatte, das war Cian McLoughlin, seines Zeichens damals amtierender irischer Meister im Marathon mit einer Bestzeit von 2:18:50 h auf der klassischen Distanz.

 

Seit 2007 lebt der heute 36jährige im Raum Stuttgart, davor für ca. zwei Jahre in Frankfurt, wo er im Trikot von Spiridon Frankfurt am Start war. Auch in Italien war der sprachgewandte Ire schon beheimatet, hat er doch Italienisch und Linguistik in Dublin studiert. Wie so vieles im Leben, war es nicht geplant, in Deutschland heimisch zu werden. Der Liebe wegen ist er gekommen, geblieben ist er wegen guter Freunde und der schönen Landschaft. Er mag die Wälder und die Berge. Und eben gute Freunde.

 

Er rennt, mehr als es gemeinhin als gesund gilt, bezeichnet sich selbst als „entspannt und gelassen", mag die Musik und Konzerte, Katzen, Lesen (leider viel zu selten und zu wenig), unterrichtet Englisch als Sprachlehrer, arbeitet als Übersetzer, backt Brot, sieht gerne Filme und verfügt außerdem noch über eine Ausbildung als Physiotherapeut.

 

Der bescheidene Ire läuft „schon viel zu lange", wie er selbst sagt. Begonnen hat er wohl etwa 1985, 1993 fing er dann an richtig hart zu trainieren. Er startete bei Weltmeisterschaften im Crosslauf und über Halbmarathon für Irland. 2003 lief er den Marathon in seiner nach wie vor bestehenden Bestzeit von 2:18:50 h, womit er nicht ganz zufrieden ist.

 

Seine Eltern haben ihm die Möglichkeit gegeben, sehr viele Sportarten auszuprobieren. Radfahren, Hockey, Schwimmen, Tennis und Wasserball. In der Schule spielte er Fußball, Rugby und gaelic Fußball, war aber nie besonders sportlich oder besonders gut.

 

Es schloss sich einer kleinen Laufgruppe im Dubliner Vorort Blackrock an, was ihm gut gefiel, da dort einige begabte Läufer waren, die ihm zum Vorbild wurden. Sein erster guter Trainer war Seamus Byrne, der bemerkte, dass Cian gerne hart und konsequent trainierte; das härtere Training schlug an, seit 1995 ging es läuferisch aufwärts.

 

Sein vielleicht schönstes Rennen lief er bei der Cross WM 1998 in Marrakesch / Marokko. „Es machte so viel Spaß und es war meine erste Cross WM." Das Beste war wohl die Cross WM 2000 und sein erreichter 77. Platz. Aber so wirklich stolz ist er auf seine Leistungen nicht, wiegelt ab, es ist ihm eher peinlich, zu viel Aufhebens um die eigenen Leistungen mag er nicht.

 

Daher kann er auch dem Fußball nicht so viel abgewinnen: zu viel Hysterie und Tamtam …

 

Über seine sportlichen Ziele schweigt er lieber, denn es besteht ja immer die Gefahr, dass man diese nicht erreichen kann. Das wäre ihm peinlich … Also lieber gut laufen und sich dann im Stillen freuen. Aber noch mal zu einer großen Meisterschaft und dort dann auch gut laufen, das wäre schon was!

Der Trainingsalltag des schnellen Iren ist mittlerweile berufsbedingt sehr spontan. Seit dem Frühjahr 2010 versucht er, wieder zwei Mal am Tag zu laufen, morgens 40 min locker und abends noch mal 60 min. Seine Lieblingseinheiten sind harte Tempowechselläufe im Wettkampftempo von ca. 3 min/km und das jeweils 10 min lang. Oder 5 mal eine 3 km lange bergige Waldrunde

 

Wesentliche Unterschiede zwischen der Laufkultur in Deutschland und Irland kann er nicht feststellen. Lediglich, dass man in Deutschland weniger offen ist als in seiner Heimat. Bis vor zehn Jahren gab es in Irland keine Volkslaufszene wie in Deutschland. Kaum Breitensport. Das hat sich aber grundlegend gewandelt. „Einmal, als ich zurück von Italien nach Irland gekommen bin, hat mich ein Kind beim Laufen gesehen und hat seine Mutter gefragt, „Was macht er denn?" „Er joggt", war ihre Antwort. „Und warum?" Keine Antwort mehr. Es war einfach nicht normal damals."

 

Er schätzt besonders die bescheidenen und hart für ihren Erfolg arbeitenden Sportler. Einen wie Mark Kennealy, der 2009 8. bei der Cross EM war. Er arbeitet Vollzeit, studiert nebenher und betreibt Sport auf diesem Niveau. So etwas sieht man nur noch selten.

 

Die Ursache dafür, dass es sowohl in Irland als auch in Deutschland so wenig gute Langstreckenläufer gibt (mal abgesehen von Martin Fagan – Irland und die Gruppe um Martin Beckmann in Deutschland), sieht er darin, dass es uns allen viel zu gut geht. Die Lebensqualität ist so hoch, dass sich niemand mehr beim Laufen verausgaben muss. Und: wir verbringen zu viel Zeit im Auto und damit im Stau! anstatt uns zu bewegen.

 

Dass sich Cian McLoughlin sehr viel und sehr schnell bewegt zeigen seine Bestzeiten:

10 km: 30:15 min
Halbmarathon: 1:05:28 h
Marathon: 2:18:50 h