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7. Marathon Deutsche Weinstraße - der Halbmarathon

[eingestellt am 19. April 2010]

Von: Jochen Höschele

Fotos: Peter Gründling

Mehr als eine halbe Portion

Bockenheim, 18. April 2010 - Wenige Sekunden vor zehn Uhr am Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim: Die Spannung steigt, und am meisten Nervenflattern dürften die sogenannten „Halben“ haben – die Halbmarathonis, die bereits nach 21,1km wieder unter dem Zielbogen durchlaufen werden. Für sie gilt es, möglichst rasch in den Rhythmus zu kommen, was angesichts der anspruchsvollen Strecke, gespickt mit zahlreichen Bergauf- und Bergabpassagen, viel kniffliger ist, als auf einer flachen Piste. 

Sie stehen alle ganz vorne, in der ersten Reihe, die Favoriten des Halbmarathons, ergänzt durch jene der namensgebenden „ganzen“ Strecke, und katapultieren sich in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Asselheim, sobald der Startschuss erfolgt ist.

Schnell kristallisiert sich eine dreiköpfige Spitzengruppe bei den Männern heraus, die Frauenspitze ginge im dichten Treiben unter, wären da nicht die Führungsradfahrer, die Publikum und auch das Läuferfeld über den Stand der Dinge an der Spitze informieren – einfach vorbildlich, wie so vieles an der Weinstraße.

Die drei Führenden, der Kenianer Benjamin  Kemboi, der Schriesheimer Luca Bongiovanni und der Heltersberger Carsten Bresser, haben gleich einen großen Abstand zwischen sich und die nachfolgenden Halbmarathonläufer gelegt.

In einem aberwitzigen Tempo von knapp über 3:20 Minuten pro Kilometer schießen sie die Hügel hoch und runter – bereits bei der Zwischenzeitmessung in Kleinkarlbach haben sie weit über eine Minuten Vorsprung auf ihren ersten Verfolger, den Bad Dürkheimer Rafael Bender, herausgelaufen, als es passiert: Sie werden kurz fehlgeleitet und müssen dann umdrehen – nichts, was an ihrem Status als souverän Führende hätte rütteln können, aber doch für zusätzliche Hormonausschüttung sorgt (die nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre). 

Vielleicht war es just dieser zusätzliche Adrenalinschub, der den späteren Sieger Kemboi veranlasste, jetzt das Heft des Handelns selbst an sich zu reißen und nicht mehr herzugeben. Völlig locker laufend legte er mal eben hundert Meter zwischen sich und seine Verfolger Bresser und Bongiovanni.

 „Da war nichts zu machen, Carsten und ich haben alles versucht“, so der spätere Zweite, Luca Bongiovanni, hinterher. „Wir haben uns gut ergänzt, meistens habe ich das Tempo hochgehalten, weil mir bewusst war, dass Carsten einen stärkeren Spurt hat als ich.“ 

Dass es nicht zu einer Spurtentscheidung kam, lag dann an mehreren Faktoren – zum einen lief Kemboi einfach in einer anderen Liga und hatte sein Tagwerk nach 1:11:17 h netto beendet, zum anderen zeigte sich der Heltersberger Bresser, der als Mountainbiker bereits zwei Mal bei Olympischen Spielen teilgenommen hat und für den eine Marathonbestzeit von 2:25 h zu Buche steht, nicht nur als äußerst fairer Sportsmann, sondern auch souverän genug, auf den Endspurt um Gesamtplatz zwei zu verzichten: „Carsten hat mich vorgelassen. Das war echt eine großartige Geste“, freute sich der für das Caps-Team  TV Schriesheim startende Bongiovanni hinterher. 

Bresser „verzichtete“ somit auf zusätzliche 125 Euro Preisgeld und eine weitere Flasche Wein, was er aber wohl verschmerzen wird.

Für den Deutschitaliener aus Schriesheim war’s ein perfektes Rennen, auf das er sich unter anderem mit einem Höhentrainingslager in Peru vorbereitet hatte (er lebte dort vier Monate, laufticker.de berichtete über seine Lauferlebnisse in Südamerika). Seine Halbmarathonbestzeit von 1:11 h wäre vielleicht in Gefahr geraten, hätte es da dieses ominöse Verlaufen nicht gegeben. So ganz nebenbei sei bemerkt, dass auch die ca. 240 positiven Höhenmeter, die der „Halbe“ an der Deutschen Weinstraße aufweist, nicht gerade bestzeitentauglich sind. Umso höher ist die Leistung aller zu bewerten. 

Die Lücke, die sich hinter dem Führungstrio auftat, wuchs sich zu einem gewaltigen Loch aus, denn nach dem Duo Bongiovanni und Bresser, die nach 1:12:08 h nur durch eine Sekunde getrennt waren, kam geschlagene vier Minuten lang – nichts. Erst dann tauchte mit Hans-Jörg Dörr aus dem südpfälzischen Hatzenbühl der Sieger der M 45 auf – nach 10km noch 20 Sekunden hinter Rafael Bender liegend, hatte er sich seine Kräfte wohl besser eingeteilt und konnte dem besten Läufer aus dem Kreis Bad Dürkheim auf dem Weg von Kleinkarlbach zurück zum Ziel noch fast eine Minute Rückstand „aufbrummen“.

Freuen konnte sich der Bad Dürkheimer dennoch, schließlich werden beim Weinstraßenmarathon die schnellsten aus dem Kreis gesondert geehrt, außerdem ist der fünfte Platz auch der letzte Preisgeldrang der Gesamtwertung. 

Auch hinter ihm dann wieder eine beachtliche Lücke, bis mit Hans-Willi Freiberger von der LLG Wonnegau der letzte Läufer unter 1:20 h das Ziel erreichte, unmittelbar gefolgt von seinem Mannschafts- und Altersklassenkameraden Alf Matuschak. 

Als diese eintrafen, gab die Frauensiegerin schon die ersten Interviews – nach 1:18:17 h war Veronica Cheboi mit neuem Streckenrekord über die Ziellinie gestürmt, hatte einen nie gefährdeten Sieg locker nach Hause gelaufen und gerade einmal fünf von insgesamt 1270 Männern den Vortritt gelassen. Eine reife Leistung der W 20erin, der auch Landsfrau Emmily Biwott bei weitem nicht das Wasser reichen konnte. Im Gegenteil, Biwott musste sich gegen Ende noch mächtig strecken, um den zweiten Platz gegen die stark aufkommende Sabine Rankel (LC Bad Dürkheim) zu verteidigen. Hatte sie nach 10km noch ein komfortables Polster von 90 Sekunden, so rettete sie gerade mal 30 ins Ziel.

Der ausgewiesenen Bergläuferin Rankel kamen dabei sowohl ihre Streckenkenntnis, als auch ihre eher defensive Renneinteilung zugute. Fast schon stoisch zog sie ihr Tempo durch und konnte den Abstand zusehends verkürzen – für ein Fotofinish war die Kenianerin dann aber bereits zu weit enteilt. 

Dennoch dufte Sabine Rankel den Preis für die schnellste Läuferin des Landkreises entgegen nehmen, eine Auszeichnung, die ihr beim Weinstraßenmarathon bereits mehrfach zuteil wurde.

Als zweitbeste Deutsche und Gesamtvierte wusste Marion Hebding ebenfalls zu überzeugen. Sie war vor gerade einmal fünf Wochen beim Bienwald-Marathon in Kandel angetreten und hatte dort in 3:05:30 h den dritten Platz belegt. Nun plant sie, als Titelverteidigerin, „den Cup voll zu machen“, will heißen: Sie möchte den „Engelhorn Sports Marathon-Cup Rhein-Neckar“, wie dieses Wortungetüm mit vollem Namen heißt, bestreiten,  und dazu gilt es  „nur noch“ beim MLP Marathon in Mannheim die Halbdistanz erfolgreich hinter sich zu bringen. Das Motto beim Marathon-Cup Rhein-Neckar lautet nämlich „zwei Halbe und ein Ganzer“, und den vollen Marathon hat Hebding ja schon in der Tasche. Sie gab sich hinterher sehr zufrieden, war angesichts ihrer alles andere als optimalen Wettkampfvorbereitung aufgrund von Husten, Grippe und Magen- / Darmproblemen durchaus angetan von ihrer Endzeit von 1:31:37 h. 

Dass sie, mit einer Marathonbestzeit von 2:59 h ausgestattet, auch den Halben deutlich unter 90 Minuten zurücklegen kann, ist klar – vor zwei Jahren war sie an Ort und Stelle fast drei Minuten schneller als dieses Mal.

„Beim Laufen waren die Atemwege frei, bin auch eher mit angezogener Handbremse gelaufen. Leider hatte ich nach dem Lauf wieder mehr Probleme, Luft zu bekommen. Priorität hat nun, wieder ganz gesund zu werden und dann in Mannheim zu versuchen, meinen Titel im Marathon-Cup zu verteidigen.“

Im Vorfeld wurde von der Mannschaft um die sportliche Leiterin Ute Turznik heftig über die Amerikanerin Janna Lau recherchiert, die bei der Anmeldung eine Halbmarathon-Bestzeit von 1:10 h angegeben hatte. Aber niemand fand irgendeine Information über die Frau von den  Virgin Islands, die bei der US-Armee ist und im westpfälzischen Katzenbach lebt. Man vermutete, wie sich jetzt herausstellte zurecht, daß sie, vielleicht aufgrund sprachlicher Probleme, eine falsche Zeit angegeben hat. Janna Lau kam nach 2:06:35 h ins Halbmarathonziel.

Was die Strecke so hergibt und eine Galerie mit über 50 Fotos steht hier

Vieles, sicher nicht alles über das Programm am Samstag und den Marathon könnt Ihr hier lesen

Veranstaltungsseite mit Ergebnislink und Urkundendruck 


Pfälzerwaldmarathon Pirmasens