11. Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz
Fotos: Peter & Gabi Gründling
Trainer Kurt Stenzel umringt von “seinen Mädels”: Spiridon Frankfurt wird Dt. Mannschaftsmeister (Frauen) 2010
Werner Heiter (1184) hat eigentlich mit Wettkämpfen abgeschlossen. Hinter ihm 2. M65 Walter K. Johnen (1218)
Fliegen durch Mainz: Manuel Bach (4515) 1. MHK Halbmarathon und Boris Zehner (175) 2. M30 Halbmarathon. Bei ihnen Dietmar Bier (1. M40 Marathon) und Tobias Laue (4. M35 Halbmarathon)
3. M45 Thomas Dehaut (1022) eingerahmt von Carsten Glaser und Ingo Bäuerlein (beide TSV Windeck Burgebrach – 2. Mannschaff)
Mainz bleibt Mainz wie es läuft und lacht
Mainz, 09. Mai 2010 – m³ - Muttertag ist Marathon in Mainz. Das war nicht immer so, seit die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt 2000 ihren eigenen Marathon bekam, aber meistens. Bei seiner elften Austragung ist der Marathon inzwischen fast so eng mit der 200.000 Einwohner-Stadt an Rheinkilometer 500 verbunden wie die Fastnacht und der FSV Mainz 05. Daß es auch eine 12. Austragung geben wird, das bekamen die Läufer des närrischen elften Durchgangs schon morgens mit auf den Weg, als sie um 9.30 h im strömenden Regen auf die Strecke geschickt wurden. 10 Grad Celsius – höher kletterte das Thermometer an diesem Tag nicht. Und das in einer Stadt, in der schon so manche Marathon-Hitzeschlacht geschlagen wurde. Nur 2001 war es mal ähnlich schlecht.
Wie bei vielen Marathons, so ist auch hier der Familienname weit hinter dem Vornamen zurück. Obwohl dieses Jahr bereits zum vierten Mal die Deutsche Meisterschaft nach Mainz vergeben wurde, erreichten gerade mal 1.407 Marathonis das Ziel (248 davon in der DM-Wertung). Dieser Zahl stehen 5.977 Halbmarathonis und 220 Zweierstaffeln gegenüber. Es gibt in Mainz zwar eine eigene Halbmarathonwertung, aber buchen kann man die Hälfte der Königsstrecke nicht. Jeder muß sich für Marathon anmelden, jeder muß die Marathon-Startgebühr bezahlen. Und trotzdem sind die rund 10.000 zur Verfügung stehenden Startplätze ratzfatz weg. Nach nur zwei Wochen mußte die Anmeldung bereits Anfang Oktober 2009 geschlossen werden. Wer allerdings über seinen Verein für die Deutsche Meisterschaft melden wollte, konnte das noch bis auf den letzten Drücker aufschieben.
Mit der Rheingoldhalle haben die Mainzer ein Wettkampfzentrum, das genügend Platz für alles bietet, was das Läuferherz an Drumherum begehrt. Startnummernausgabe, Info, Trouble Desk, Nudelparty, Marathonmesse, jede Menge Toiletten – alles ist hier vorhanden. An diesem Muttertag 2010 war sie morgens vor allem auch als warmer und trockener Aufenthaltsort “bis auf den letzten Drücker” beliebt.

Um 9.15 h wurden erstmal 42 Handbiker auf den Weg geschickt, eine Viertelstunde später dann die, die die Strecke zu Fuß bewältigen wollten und konnten. Durch die einheitliche Anmeldung ist es in Mainz nicht möglich, Halb- und Marathonis zeitlich zu trennen und dadurch das Feld beim Start ein bißchen zu entzerren. Die Strecke verläuft auf zwei nur teilweise identischen Runden. Das war nicht immer so, aber das sich wie Kaugummi ziehende Stück nach Weisenau, das zwischen km 15 und 20 als Wendepunktstrecke bewältigt werden muß, ist eher unattraktiv und in der zweiten Runde war es natürlich noch schwerer zu laufen als in der ersten. So nahm man das Stück vor einigen Jahren vom Plan und läßt die Läufer seitdem über die Theodor-Heuss-Brücke auf die andere Rheinseite wechseln. Die Schleife durch Mainz-Kostheim, das politisch allerdings zur hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden gehört, ist ebenso lang und wenn man wieder Mainzer Boden erreicht, sind die übrigen 14 km wieder identisch mit der ersten Runde, abgesehen vom Appendix nach Weisenau natürlich. Nach der Durchquerung der Altstadt läuft man am Südbahnhof direkt auf die gut 1 km lange Zielgerade.
Im Zielbereich sind massenhaft Absperrgitter aufgestellt, insgesamt sind drei Kanäle eingerichtet. Der zwei Fahrbahnen breite rechts ist für die gedacht, die nur Halbmarathon laufen wollen. Der mittlere ist der Eingang in die zweite Runde für die Marathonis und ganz links laufen sie dann ins Ziel. Ein bißchen Durcheinander an dieser Zone gehört in Mainz wohl dazu und in diesem Jahr erwischte es die Polin Agnieszka Lewandowska. Nicole Leder hatte gerade nach 1:19:46 h als schnellste Frau das Halbmarathonziel erreicht, da tauchte bereits 26 Sekunden später die Polin hinter ihr auf. Nicht nur die Darmstädter Triathletin war überrascht, als Lewandowska ihre Begrüßung ingnorierte und schnurstracks weiter lief. Sie hatte den falschen Kanal gewählt und wollte die zweite Runde schon auch noch in Angriff nehmen. Nachdem sie sich einen Weg durch die Absperrungen gebahnt hatte, konnte sie ihren fünften Durchgangsplatz auch noch über die zweite Runde retten und wurde mit neuer persönlicher Bestzeit Marathon-Fünfte. Hinter ihr liefen auch noch zwei Männer in die Irre.
Nicole und ihr Mann Lothar wollten sich eigentlich als Staffel am Marathon beteiligen, aber irgendwie klappte es nicht mit der Startnummer und so liefen eben beide ihren Halbmarathon für sich. Lothar brauchte 1:16:50 h und wurde Neunter. Er steckt momentan bis über beide Ohren in der Organisation “seines” ersten Triathlons am 06. Juni in Worms, im Juli werden Leders beide beim Ironman in Frankfurt an den Start gehen.
Schnellster Halbmarathoni war Jörn Harland (PSV Grün Weiß Kassel). Der M35er verfehlte mit 1:08:36 h seine persönliche Bestzeit um 44 Sekunden. Die ersten drei Kilometer war er mit der schnellen Kenia-Truppe gelaufen, bis er nachlassen mußte. Danach lief er alleine auf weiter Flur, da fehlt dann schon irgendwie der Biß, um auch noch das Allerletzte aus sich rauszuholen. Dennoch war der große Blonde im Laufschuh zufrieden mit sich und seiner Zeit. Er war übrigens mit der närrischen 11 am Start. Nach 1:10:17 h war mit dem in Mainz lebenden Mosambiker Jose Luis Jessniau Conde der Zweite im Ziel. Er hatte im vergangenen Winter ebenfalls den zweiten Platz bei der beliebten Winterlaufserie des TV Rheinzabern belegt. Die Teilnehmer der ersten beiden Durchgänge werden sich sicher noch an seine vielen lustigen Zöpfchen erinnern, die inzwischen einem Langhaarschneider zum Opfer fielen. Dritter wurden Andreas Lübbers aus Waldalgesheim und zeitgleich Christan Klapproth aus Mainz in 1:13:18 h.
Nicole Leder mußte fast sieben Minuten warten, bis sie ihre tatsächliche “Verfolgerin” beglückwünschen konnte. Die Ingelheimerin Liv Pabst brauchte 1:26:37 h, Inka Wald aus Koblenz 1:29:12 h.
Die letzten Halbmarathonis brauchten fast vier Stunden, in der Zeit waren schon rund 850 MarathonläuferInnen im Ziel.
An der Marathonspitze ging es rekordverdächtig hoch her. Eine große Gruppe aus Kenia, Tansania, Äthopien und Moldavien gönnte sich nichts. Nachgemeldet hatte noch der in der Schweiz lebende Äthopier Tesfaye Eticha, der unter anderem schon die Marathons in Genf, Lausanne, Zürich und an der Jungfrau gewonnen hat. Das Laufglück war ihm in Mainz nicht hold, nach der Zwischenzeit bei km 24 verliert sich seine Spur. Mit Startnummer 9 war Frederik Cherono als Edelhase auf der Strecke. Der M30-Kenianer hat selbst eine Marathonbestzeit von unter 2:10 h, er stieg vereinbarungsgemäß aus, nachdem das Feld auf der zweiten Runde die Theodor-Heuss-Brücke mit ihrem “ekligen” Anstieg zum zweiten Mal geschafft hatte.
Erst auf den letzten Kilometern zog sich das Feld deutlich auseinander. Am Ende hagelte es nur so Bestleistungen: Mohamed Msenduki Ikoki (Tansania) lief mit 2:11:01 h nicht nur neue persönliche Bestleistung (vorher 2:12:43 h, gelaufen in Istanbul 2008) sondern unterbot auch noch den zwei Jahre alten Streckenrekord des dreifachen Mainz-Siegers Andrej Naumov um neun Sekunden.
Der Moldavier Roman Prodius war das erste weiße Gesicht im Ziel. Mit 2:12:31 h lief er die drittbeste jemals in Mainz gelaufene Zeit, seine alte persönliche Bestmarke war sage und schreibe 2:18 min langsamer.
Ihm folgten vier Kenianer, drei davon als Team “run2gether” angemeldet. Richard Chepkwony, Sieger des Münster-Marathons 2009, brauchte 2:13:38 h. Der erst 18jährige Marthondebutant Robert Kipkoech Kirui setzte mit 2:14:25 h seine erste Duftmarke. Koskei Kipkiui schrammte mit 2:17:56 h nur 35 Sekunden an seiner Bestzeit vorbei und Noah Kipruto Chepngabit, ebenfalls Marathondebutant, blieb als sechster und letzter Läufer unter 2:20 h.
Auf Platz 7 kam dann der neue Deutsche Marathonmeister über die Chipmatten. Dennis Pyka (LG TELIS Finanz Regensburg) bliebt mit 2:20:09 h 55 Sekunden über seiner 2009 in Padua aufgestellten Bestzeit, was für ihn aber völlig ok war. Der 38jährige ist ein Spätberufener in Sachen Marathon, der heutige war erst sein “Sechster oder Siebter, so genau bekomme ich das gerade nicht zusammen” innerhalb von erst drei Jahren Marathonkarriere. Sein tägliches Brot verdient er als Marktforscher in München, in einer kleinen Agentur kümmert er sich um die Reisebranche. Sein Training findet unter der Woche regelmäßig und ausschließlich nach Büroschluß statt. Während seines zweiten Meisterlaufs war er überwiegend alleine auf weiter Flur. Schon vorm Start war er in eine der vielen großen “Pitschen” getreten und so begann der Lauf für ihn schon mit nassen Füssen und endete mit Blasen.
Die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft waren für die Zuschauer deutlich an den blauen Startnummern, die alle vierstellig waren und mit einer 1 begannen, zu erkennen. Zwischen Pyka und den neuen Vizemeister, Bastian Kranz (TV Wattenscheid) schob sich noch der Marokkaner Said Azzouzi, der netto nur zwei Sekunden nach Pyka, also faktisch mit ihm zusammen ins Ziel kam.
Bastian Kranz, der Mann der Geherin Sabine Kranz, hat eine Marathonbestzeit von 2:27:38 h, die er mit 2:28:08 h nur knapp verfehlte. Auf Platz 10 dann der Dritte der DM, Philipp Nawrocki, der zusammen mit André Collet Stefan Schnorr von der TG Aachen Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Nawrocki war einer der wenigen mit einem negativen Split, sein zweiter Halbmarathon war 53 Sekunden schneller als der erste.
André Collet kam nur 24 Sekunden nach seinem Mannschaftskameraden ins Ziel. Der 39jährige lebt in Belgien, 2008 war er Zweiter beim Rennsteiglauf, 2009 gewann er gleich seinen ersten 100 km-Lauf in Kienbaum und blieb mit 6:57:16 h auf Anhieb unter der begehrten 7 h-Marke.
An seinem 60. Geburtstag war Herbert Rollwa, der zum Jahresbeginn von der TSG Maxdorf zum Vfl Ostelsheim gewechselt war, in Mainz angetreten, um mit seinen Kollegen Günter Krehl und Edmund Schlenker den Mannschaftssieg in der “M60 und älter” zu erlaufen. Leider ging Schlenker der Mannschaft schon auf der ersten Hälfte verloren, die Zeitmatten bei km 17 erfassten ihn schon nicht mehr. Gegen die Meistermannschaft in dieser Altersklasse, den LAV asics Tübingen, hätten es die Ostelsheimer sicher schwer gehabt. M70er Walter Koch, M60er Alfred Gross und M65er Walter K. Johnen brauchten in Summe 9:25:48 h und hatten damit letztlich 1:20 h Vorsprung vor der zweiten Mannschaft in dieser Altersklasse.

Im Endspurt gerade noch ihren ersten Platz retten konnte die Äthiopierin Almaz Balcha Alemu. Bei Halbmarathon hatte sie mehr als eine halbe Minute Vorsprung, bei km 33,7, der letzten Zeitnahme unterwegs, waren es fast 1,5 Minuten. Und dann kam die Weissrussin Sviathlana Kouhan von hinten an wie eine Rakete, die beiden werden mit derselben Nettozeit gelistet. Die Uhr blieb für sie nach 2:34:08 h stehen, für die Weissrussin war das eine deutliche neue persönliche Bestzeit. Ihre alte stand bei 2:37:21 h, gelaufen in St. Wendel 2008.
Auf Platz Drei lief eine Kenianerin ins Ziel, die ihre bisherige Bestzeit von 2:39:23 h zuhause in Kenia gelaufen war. In Mainz brauchte Mildred Chebosis Kiminy 2:35:41 h.
Vierte Frau im Einlauf und damit Deutsche Meisterin auch des Jahres 2010 war Bernadette Pichelmaier. Die W40erin, die 2009 mit 2:38:44 h die Meisterschaft für sich entscheiden konnte, brauchte in diesem Jahr 2:40:58 h. Dabei war ihre zweite Hälfte um sage und schreibe 7:18 min langsamer als die erste. Trotzdem hatte sie nach hinten keine Not, denn nach der Polin Angnieszka Leandowska (2:43:13 h) dauerte es nochmal fünf Minuten, bis nach 2:48:23 h als neue deutsche Vizemeisterin Fakja Hofmann (LG TELIS Finanz Regensburg) feststand, gefolgt von ihrer Mannschaftskameradin Steffi Volke, die 2:51:49 h brauchte.
Den Mannschaftsmeistertitel ihrer Laufkolleginnen Anke Holljesiefken, Karin Schenk und Vera Martens von Spiridon Frankfurt bejubelte die Vorjahresdritte Birgitt Bohn nur hinter dem Absperrgitter. Die 39jährige wurde vor vier Wochen Mutter des kleinen Luke. Anke Holljesiefkens Sohn ist schon 2 ½, was der Mutter, Dr. jur. und wissenschaftliche Mitarbeiteirn an der Uni Frankfurt, wieder Luft zum Laufen verschafft. Sie wurde Neunte gesamt, Fünfte der DM und Siegerin der W35. Spiridon-Erfolgstrainer Kurt Stenzel war mit dem Fahrrad auf der Strecke – eine Neuerung in Mainz, denn noch im Vorjahr durften die Trainer ihre Meisterschafts- und SiegaspirantInnen nur vom Streckenrand aus betreuen.
Im Ziel-Versorgungsbereich unter der Rheingoldhalle warteten je 10.000 Riegel. Brezel, 18.000 Bananen, 900 kg Äpfel und fünfstellige Literzahlen diverser Getränke auf die Läuferschar. Um größeres Chaos zu vermeiden, durften Angehörige diesen Bereich nicht betreten. Nach einer Laufzeit von knapp vier Stunden hatte es nicht nur aufgehört zu regnen, es kam sogar die Sonne durch. So gab es auch abseits der Spitzen-Zeiten noch ein Muttertagshappyend in Mainz.
Veranstaltungsseite www.marathon.mainz.de

