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8. Bad Waldseer Lauffieber

[eingestellt am 17. Mai 2010]

Von: Jochen Höschele

Fotos: Jochen Höschele

Vor dem Marathonstart

Emil Wild: Sieger Schülerlauf Kids 3

Störche zieren das gesamte Stadtbild

Startaufstellung Halbmarathon

Und ab geht die Post: Martin Döhler (li.), Thomas Geisenberger (Mitte) und Konstantin Häcker

Hier noch zusammen: Roswitha Weber (verdeckt) und Pamela Veith (3560)

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Thomas Geisenberger vor Konstantin Häcker

Die Verfolger: Alexander Härdtner (3215), Martin Döhler (Mitte) und Andreas Schur (rechts)

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Roswitha Weber gewinnt klar den Halbmarathon der Frauen

Pamela Veith wird nach langer Verletzungspause Dritte

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Heike Hietsch (3313) und Sabine Sonnenschein (3312)

Spitzengruppe Marathon: Dietmar Veith (links), Alexander Schwarz (4056), Torsten Moch (4022), Michael Schlecht (4111)

Begegnungsverkehr

Birgit Fauser führt den Marathon der Frauen an

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Niko Adam eilt schnellen Schrittes dem Ende der ersten Runde entgegen

Am Ende 3:17:39 h für Maximilian Gahr

Hier noch auf Position 2 der Frauen: Nicole Benning

Am Ende Dritte im Marathon der Frauen: Ute Wöhrmann

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Stadtansicht

1:24:05 h für Andreas Koroll (3082) und 1:24:01 h für Dino Tadello (3408)

Dietmar Walter kämpft um die letzten Sekunden

Thomas Feirle läuft 1:28:48 h

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Isolde Maier-Kling wird zweite Frau (1:30:53 h)

Dennis Deuringer

Sylvia Küßer (TSG Leutkirch) wird Vierte im Halbmarathon

Alexander Schwarz kann den Marathon gewinnen (2:48:33 h)

Michael Schlecht wird Zweiter (2:48:44 h)

Für Dietmar Veith heute „nur“ Rang drei: 2:51:42 h

Gemeinsamer Zieleinlauf

Nicole Benning freut sich über ihren Marathonsieg

Spitzengruppe 10 km: Michael Kurray (vorne), Daniel Zuger (Mitte), Nikolai Widmann (hinten)

Verfolger bis zum Schluss: Philipp Posmyk (2329), Tobias Kolbeck (2051) und Michael Münz (2185)

Julia Schmitt wird Dritte bei den Frauen über 10 km (38:35 min)

Brigitte Hoffmann läuft 40:48 min

Christian Vetsch gewinnt in 46:38 min die AK M75 (!!!)

Platz 6 und 4: Tobias Kolbeck (2051) und Tobias Schanne (2060)

Die Siegerin über 10 km: Margit Adelwarth (2135)

Siegerehrung der Bad Waldseer Stadtmeister

Gesamtsiegerehrung Marathon

Die Führenden des SchwabenGoldCups: Margit Adelwarth und Nikolai Widmann

Acht Grad plus und Fieber - Neuer Teilnehmerrekord im Herzen Oberschwabens

Bad Waldsee, 15. Mai 2010 - Mehr als 2.000 Teilnehmer und sicher doppelt so viele Zuschauer zog es am Samstag Nachmittag nach Bad Waldsee. Eines hatten sie alle gemeinsam, sie fieberten mit bei der größten Laufveranstaltung Oberschwabens. Im Programm sind ein vermessener 10 km Lauf, ein vermessener Halbmarathon, die klassische Marathondistanz und ein Staffelwettbewerb sowie verschiedene Kinder- und Jugendläufe.

Dem Bad Waldseer Lauffieber eilt ein guter Ruf voraus, gute Stimmung, schöne Strecke und einwandfreie Organisation, das sind die Attribute, die man immer wieder hört, wenn die Sprache auf das Lauffieber kommt.

Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung ist der Marktplatz in der historischen Altstadt des knapp 20.000 Einwohner zählenden Mittelzentrums in der Region Bodensee-Oberschwaben. Neben der Altstadt sind es vor allem der während der letzten Eiszeit entstandene Stadtsee und die Moor- und Kneippbäder, für die die Stadt bekannt ist.

Los geht es mit dem Staffellauf, gefolgt von den Bambini, die von ihren mindestens genauso nervösen Eltern begleitet werden.

Um 13 Uhr werden die Marathonläufer losgelassen – 125 waren es heuer. Schnell kristallisierte sich eine vierköpfige Spitzengruppe, bestehend aus Thorsten Moch (SGA Yetis), Alexander Schwarz (SV Laupheim), Michael Schlecht (Meckenheim) und Dietmar Veith (TSV Kusterdingen), heraus, die unwiderstehlich ihr Tempo von knapp unter vier Minuten pro Kilometer abspulte.

Als dann um 13:15 Uhr und 13:25 Uhr die Läufe für die Kinder der Jahrgänge 99/2000 und 97/98 gestartet wurden, strebten die vier „Marathonmusketiere“ durchs Steinbacher Ried gen Tannweiler, um über das stimmungsvolle Reute (hier gab es einen heißen Empfang durch zahlreiche Zuschauer und einen Streckensprecher) wieder nach Bad Waldsee zurückzukehren. Am Rathaus vom Publikum stürmisch gefeiert, bogen die Matadoren auf die zweite Runde ein, die mit der ersten identisch war.

Beim Durchlaufen der Schleife durch die Innenstadt und um den Stadtsee verlor Dietmar Veith bereits den Anschluss an die nunmehr noch dreiköpfige Spitzengruppe. „Ich habe schon gemerkt, dass es heute nicht so läuft und bin, nicht zuletzt auch aufgrund meiner unerklärlichen Herzprobleme, etwas langsamer gelaufen – dabei hatte ich vor dem Rennen noch gedacht, dass heute so richtig was geht.“

Ohne größere Schwierigkeiten erreichte er dann aber doch, etwas überraschend, noch den dritten Gesamtplatz in 2:51:42 h, weil sich Thorsten Moch einen saftigen Einbruch auf der zweiten Hälfte leistete und noch drei Minuten auf Veith verlor.

Die Spitzengruppe hatte nach etwa 1:23 h die erste Runde absolviert, ein Tempo, das Alexander Schwarz und Michael Schlecht beinahe durchlaufen konnten. Keiner der beiden leistete sich eine größere Schwächephase, und so bahnte sich eine Spurtentscheidung an – wenn da nicht, etwa vier Kilometer vor „Ultimo“, ein minimales Nachlassen des Führenden Schlecht gewesen wäre. Alexander Schwarz fackelte nicht lange: “Als Michael etwas langsamer wurde, dachte ich, jetzt muss ich es probieren – ich bin nicht so grundschnell und beim Durchlaufen der Innenstadt nach der Halbmarathonmarke hat er mal einen Kilometer in 3:30 min eingestreut, da bin ich beinahe aus den Latschen gekippt.“ Aber eben nur beinahe – und die Gelegenheit zum Sieg hat Schwarz dann beim Schopf ergriffen und sich Meter um Meter von seinem Kontrahenten abgesetzt. „Der Führungsradler hat mir immer die Abstände gesagt – fünf Meter, zehn Meter, zwanzig. Da wusste ich, wenn ich das Tempo hochhalte, kann ich gewinnen.“

Tat Schwarz auch – in 2:48:33 h war er genau elf Sekunden vor Michael Schlecht im Ziel, drei Minuten später folgte Dietmar Veith, weitere drei Minuten dahinter der „Vierte im Bunde“, Thorsten Moch.

Entsprechend beglückt war der Sieger dann auch im Ziel, der behände mittels Leiter zu den Sprechern hinaufstieg, sich erst artig beim Publikum und dann bei seiner geduldigen Ehefrau Simone bedankte, die ihn in den vier Monaten gezielter Marathonvorbereitung öfter entbehren musste, als ihr lieb sein konnte. Auch die Tochter bekam ihren Papa in diesen Wochen seltener zu Gesicht als üblich, weshalb sich der sympathische Ex-Fußballer aus Laupheim auch ganz speziell bei seinen beiden Frauen bedankte.

Zufall war sein Sieg im Übrigen nicht – letztes Jahr, als Achter des Halbmarathons, versprach er, 2010 wieder zu kommen und dann den Sieg im Marathon anzustreben. Gesagt, getan.

Einziger Wermutstropfen im Freudenbecher war der um drei Sekunden (!!) verpasste Vereinsrekord – das dürfte Schwarz aber in Frankfurt nachholen, wo er Ende Oktober sicherlich versuchen wird, seine Bestzeit noch einmal zu drücken. Die Tempotabelle am Handgelenk war auch für Bad Waldsee schon auf 2:42 h ausgerichtet – na denn.

Angesichts der sehr lauffreundlichen Temperaturen von höchstens acht Grad bei gelegentlichem Nieselregen unterboten vier weitere Läufer die begehrte Drei-Stunden-Marke, eine sensationelle Quote bei 125 Startern.

Bei den Damen sah nach der ersten Runde alles nach einem Sieg der für LG Bad Waldseer Lauffieber startenden Birgit Fauser aus – ihr Vorsprung betrug komfortable 2,5 Minuten auf die locker laufende Nicole Benning, die „nur einen Trainingsmarathon“ absolvieren wollte, hatte sie doch vergangenen Sonntag in Ochsenbach beim 1. Stromberg-Extrem-Lauf (siehe Bericht im Laufticker HIER) triumphiert.

Weitere zwei Minuten hinter Benning in Lauerstellung dann Ute Wöhrmann und Véronique Boillat-Kireev, die aber schon sichtlich angestrengt wirkte und später auch noch auf Rang 5 zurückfallen sollte.

Trainingsmarathon hin oder her – wenn der Sieg in greifbare Nähe rückt, werden gute Vorsätze wie lästiger Ballast über Bord geworfen und erst recht dann, wenn die Beine wider Erwarten leicht sind. So kam es dann auch, dass Benning es nicht dabei beließ, die nachlassende Fauser einzuholen, sondern bei km 34, in Reute, an ihr vorbeizog und sie noch um fünf Minuten distanzierte. Letztlich siegte sie ungefährdet, hatte so ganz nebenbei noch eine schnellere zweite Runde (1:38 h für die erste, 1:37 h für die zweite) hingelegt und freute sich über ihren gelungenen Coup: „Ich musste auf der ersten Runde zunächst mal all die Schnellstarterinnen einholen – am Anfang lag ich so um Platz sechs. Jetzt ist aber vor Biel erstmal Schluss mit Wettkämpfen“, gab sie die Devise aus, denn schließlich möchte sie in der Schweiz über 100 km ihre Vorjahresleistung von 9:06 h bestätigen, wenn nicht sogar verbessern. Dass es dann nochmals zu Platz zwei wie 2009 reicht, daran glaubt die für den EK Schwaikheim laufende Vaihingerin jedoch nicht: „Das war wohl eher eine einmalige Sache und hängt nicht zuletzt auch von der Konkurrenz ab.“

Die war in Bad Waldsee der Ultraspezialistin nicht gewachsen – am ehesten noch die sympathische Birgit Fauser, die im Ziel offen und ehrlich bekannte, „mit so einer Zeit habe ich gerechnet“. Dass es dann auch noch zu Platz zwei langte, freute die Marathonsiegerin des Jahres 2006 (damals in 3:39 h) aber schon sehr: „Ich bin etwas zu schnell los, und als Nicole von hinten ankam, hatte ich einfach nichts mehr zuzusetzen, ihr Sieg geht voll und ganz in Ordnung.“ Sie plant demnächst einen Ausflug auf eine längere und bergigere Strecke: den K78 beim Swiss Alpine in Davos möchte sie im Sommer laufen. Auch hinter Fauser waren die Fronten dann schnell geklärt – Ute Wöhrmann hatte sowohl nach vorne als auch nach hinten genügend Abstand und lief den dritten Platz sicher in 3:25:43 h nach Hause, vor der ebenfalls für Biel trainierenden Petra Wurster, die, ähnlich wie die Siegerin, zehn Minuten unterm Soll blieb: „Eigentlich habe ich 3:40 h angestrebt, aber es lief einfach gut und ich habe mich wohl gefühlt, somit bin ich mit der Zeit natürlich sehr zufrieden – wenn’s auch ein bisschen schnell war für einen Trainingslauf.“

Die Dramaturgie des „Bad Waldseer Lauffiebers“ will es, dass die Halbmarathonläufer, eine Stunde später auf die Strecke geschickt, als die Marathonis, diese quasi „überholen“ – der und die Schnellste der „Halben“ laufen vor den Siegern der langen Strecke ein und müssen auch einige der etwas langsameren Marathonis überholen. Dies ist jedoch kein Ärgernis, weil die Zahl derer, die den „Ganzen“ läuft, doch in einem überschau- und überholbaren Rahmen bleibt.

Die meisten Marathonläufer durfte Thomas Geisenberger auf seinem Weg zum Sieg in 1:11:31 h überholen. Seine Zeit war gleichzeitig Streckenrekord, bisher 1:15:13 h (Andreas Schur). Zweiter wurde Konstantin Häcker (LG Bad Waldseer Lauffieber) in 1:14:08 h, der als einziger in der Lage war, Geisenberger zumindest auf den ersten Kilometern in der Stadt und um den Stadtsee herum zu folgen. Dahinter dann ein spannender Mehrkampf um Platz drei, den letztlich Martin Döhler knapp in 1:15:53 h vor Andreas Schur in 1:16:48 h für sich entscheiden konnte. Für den Bergläufer Geisenberger war Bad Waldsee ein Test- und Trainingslauf, sein Saisonhöhepunkt ist der Swiss Mountain Marathon Cup. Die Wertung besteht aus den Bergmarathons in Liechtenstein, Zermatt und an der Jungfrau. Geisenberger ist schon sehr gespannt und freut sich auf die neue Herausforderung.

Bei den Damen war Roswitha Weber von der TSG Leutkirch wieder einmal eine Klasse für sich – die W50erin, bereits 2008 (in 1:29:14 h) auf der Halbmarathonstrecke siegreich, triumphierte erneut in der Bäderstadt und setzte in 1:25:59 h ein echtes Glanzlicht.

Sie deklassierte ihre Konkurrentinnen geradezu, als Zweite vermochte Isolde Maier-Kling (1:30:53 h) nicht einmal annähernd, mit der um 15 Jahre älteren Weber mitzuhalten. Dritte wurde nach langer Verletzungspause Pamela Veith in 1:32:51h vom TSV Kusterdingen. Sie ist sicherlich noch nicht wieder so fit, wie vor ihrer monatelangen Zwangspause, aber es geht aufwärts!

Herausragend in den Altersklassen neben Weber einmal mehr Willi Waibel, der die M55 in 1:23:17 h dominierte.

Mit 750 Startern war der Halbmarathon auch der teilnahmestärkste Wettbewerb und trug maßgeblich dazu bei, dass ein neuer Teilnehmerrekord verzeichnet werden konnte (125 Marathon, 750 Halbmarathon, 330 über 10 km plus die Kinderläufe).

Als letzter Laufwettbewerb des Tages wird der 10.000 m Lauf über fünf identische Runden durch die Altstadt und um den Stadtsee Punkt 16:30 Uhr gestartet. Schnell setzten sich drei Läufer vom übrigen Feld ab, die die Podiumsplätze unter sich ausmachen sollten: Nikolai Widmann, Daniel Zuger und Michael Kurray. Kurray leistete die meiste Zeit die Führungsarbeit, die anderen beiden im Schlepptau, in gebührendem Abstand dahinter dann eine weitere, etwa fünf Mann starke Verfolgergruppe um Tobias Schanne und Michael Münz. Der A-Jugendliche Nikolai Widmann konnte sich mit einem starken Finish den obersten Treppchenplatz und den Sieg in 34:22 min sichern, dicht gefolgt von Daniel Zuger in 34:30 min und Michael Kurray in 34:34 min.

Bei den Frauen war von Beginn an Margit Adelwarth vorne, sie ließ nie einen Zweifel an ihrer Überlegenheit aufkommen und distanzierte ihre ärgsten Konkurrentinnen, die beiden W20-Läuferinnen Marilem Lloyd und Julia Schmitt um 32 s beziehungsweise 42 s.

Nach der kräftezehrenden und anstrengenden Zeitenhatz konnten alle Teilnehmer im nahe gelegenen Maximilanbad duschen – wer wollte, durfte auch gleich noch zu Sonderkonditionen ins Badewasser hüpfen oder sich von den Masseuren kostenlos durchkneten lassen.

Die stimmungsvolle Siegerehrung folgte dann um 18 Uhr bei glücklicherweise trockenen Bedingungen im Freien auf der „Hochstatt“ in der Innenstadt. Zahlreiche Zuschauer spendeten den Siegerinnen und Siegern Beifall und konnten sich anschließend bei der Open-Air-Party von „Rochsox“, einer bekannten Band aus der Region, noch so richtig einheizen lassen – angesichts der herrschenden Maikälte kein schlechter Gedanke.

Doch so tief die Temperaturen auch gewesen sein mögen, in Bad Waldsee grassiert Mitte Mai das Lauffieber – auch bei acht Grad plus.

Direkter Link zu den Ergebnissen und zur Veranstaltung: www.badwaldseer-lauffieber.de