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Zwicker, Patrick

[eingestellt am 18. Mai 2010]

Von: Rainer Baumgärtner

Fotos: privat

Vom Volksläufer zur Elite der deutschen Mittelstreckler in der B-Jugend. So könnte das Porträt von Patrick Zwicker vom TV Offenbach überschrieben sein. Angefangen bei den D-Schülern bis zu den A-Schülern gab es in der Südpfalz fast keinen Volkslauf, bei dem der heute 16-jährige Offenbacher über die klassische Schülerstrecke von 1000 Metern nicht am Start war. Und war er da, stand zugleich auch der Sieger fest. 

Ansonsten reiste das Familienunternehmen Zwicker, auch seine Schwester Saskia ist mit viel Talent in der Leichtathletik unterwegs, zu den regionalen Sportfesten. Patrick durfte werfen, springen und rennen. Bis zu den A-Schülern war Zwicker im Mehrkampf zu Hause. Eine Philosphie die Sinn macht. Wohlwissend, dass viele, die sich zu früh spezialisieren, oft bereits schon in der Jugend nicht mehr zu sehen sind.  Nicht so der Offenbacher. Er verabschiedete sich relativ spät vom Mehrkampf und stieg um auf die klassische Mittelstrecke, die 800 Meter, eine Distanz, auf der der großgewachsene Zwicker ein „unglaubliches“ Talent offenbart. 

Zuvor, ab 2002 sammelte der Offenbacher die Pfalzmeistertitel reihenweise. Herausragend 2005 der Pfalzrekord im Dreikampf mit der Mannschaft und der erste Platz in der DLV-Bestenliste mit 5519 Punkten.     

Wenn die „Fachwelt“ über Zwickers Läufe in Superlativen spricht, ist es Papa Rüdiger, der auf die Bremse drückt. Dabei weiß er ganz genau, wovon er spricht, auch wenn er nach eigenem Bekunden als bekennender Volleyballer sich nicht als Leichtathlet sieht. „Wer zu hoch hinaus will, kann mitunder auch sehr schnell abstürzen“, will Rüdiger Zwicker nichts von allzu hoch gesteckten Saisonzielen wissen. Dennoch gewährt die Familie Patrick jede Unterstützung. Kein Weg ist den Zwickers zu weit, um den Sport ihres Sohnes zu fördern. Bei den Süddeutschen Hallenmeisterschaften musste Mutter Jutta den Fahrdienst übernehmen. Die Fahrt nach Erfurt bei widrigen Straßenverhältnissen hat sich gelohnt. Patrick lief in 1:58 Minuten auf den zweiten Platz, obwohl er als 94-iger noch zum jüngeren B-Jugendjahrgang gehört. 

Zwei Mal in der Woche heißt das Fahrtziel Rülzheim. Dort hat der Offenbacher die Möglichkeit mit der Rülzheimer Leistungsgruppe bei „Ede“ Hamburger zu trainieren. In Rülzheim ist er ein gerngesehener Gast. Mit Jonas Baumgärtner funktioniert das Zusammenspiel. Beide ergänzen sich hervorragend, vor allem wenn es um Qualifikationszeiten für die Meisterschaften geht. Niemand zweifelte daran, dass Patrick die geforderten 1:59 Minuten für die Deutschen über die 800 Meter laufen wird. Mit Ausnahme von Vater Rüdiger, der da schon noch so seine Vorbehalte hatte. Zumindest gestand er zu, dass sein Filius es eigentlich schaffen müsste. 

Und bereits zum Auftrakt der Freiluftsaison 2010 war es dann auch schon soweit. Mit der „Leichtigkeit des Seins“ fegte Zwicker in Bad Bergzabern bei den Bezirksmeisterschaften über die Bahn und lief in 1:55 Minuten der gesamten Konkurrenz davon. Und die Eintrittskarte zur deutschen Jugendmeisterschaft hat er  in der Tasche. 

Nicht wenige trauen ihm zu, unter 1:55 Minuten zu laufen. Selbst „Ede“ Hamburger spricht davon, dass Zwicker noch einiges an Potential im Tank hat. Wie kein anderer explodiert er regelrecht auf den letzten 200 Metern, eine Spurtstärke, die nur schwer von seinen Alterskollegen zu kontern ist. Ein Auge wirft er auf Patrick Schoenball, auch so ein  „Typ“, der für die 800 Meter wie geschaffen scheint. Beide haben gemeinsam, dass sie offen und ehrlich daherkommen und eher die leisen Töne pflegen. Was Zwicker besonders auszeichnet ist die Fähigkeit, sich im Training wie kein anderer quälen zu können. Wenn er Trainingseinheiten über 200 Meter in 24 Sekunden herunterspult und anschließend schon mal mit Wadenkrämpfen flach auf dem Rasen liegt, ist selbst der alte Fuchs Ede Hamburger baff. Diese Trainingseinstellung schätzt auch sein Haustrainer Stephan Werling, bei dem Zwicker trainiert, seit er 14 Jahre alt geworden ist. Zuvor absolvierte er seine ersten Laufschritte ab 11 Jahre bei Birgit Ahrens. 

Auf seinen bislang schönsten Erfolg angesprochen, antwortet Zwicker spontan „die Deutschen Schülermehrkampfmeisterschaften im Blockwettkampf 2009“. Mit 13.555 Punkten stellte Zwickers Team des TV Offenbach nicht nur einen neuen Pfalzrekord auf, hinter Rostock belegten die Südpfälzer einen hervorragenden vierten Platz. 

Der Schüler der Konrad Adenauer Realschule in Landau mag‘s auch in seiner wenigen Freizeit sportlich. Im Sommer zieht es ihn gerne mal ins Schwimmbad, um als Ausgleich zum Laufen einige Bahnen zu schwimmen. Gegensätzlich dazu ist dann schon eher seine Vorliebe für den Wald. Eine Oase der Erholung für den jungen Zwicker, der vor allem den Waldtieren hinterherspäht und eine Einladung zur Jagd gerne annimmt. Dort findet er auch die Ruhe, die er braucht, um das manchmal hektische „Wettkampfgeschäft“ hinter sich zu lassen. 

Auf die sportlichen Zielen angesprochen, will er sich über die 800 Meter nochmals  verbessern, am besten so, dass es reicht, bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Endlauf dabei zu sein. Und wenn nicht, dann eben im nächsten Jahr, sieht Patrick seinem großen Ziel gelassen entgegen. So halt eben wie die Tiere in Zwickers schönen „ grünen Welt“. „Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, lass es doch, es hat doch Zeit“. Ein Satz der für Patrick Zwicker geschrieben sein könnte. Mal sehen, was die Zeit bringt. Nicht wenige drücken ihm die Daumen, dass es nach ganz oben geht, was Patrick Zwicker allemal zuzutrauen ist.

Patricks Bestzeiten: 

800   Meter:  1:55,54 Minuten (2010: Bad Bergzabern)
1000 Meter:  2:41,86 Minuten (2009: Rottweil)
2000  Meter:  6:12,53 Minuten (2009: Bad Oeynhausen)
3000  Meter:  9:46,82 Minuten (2009: Bad Kreuznach)                 

 


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