34. Hundseck-Berglauf Bühlertal
Fotos: Klaus Adelmann und Jürgen Binder
Hinauf auf den Mehliskopf
Bühlertal, 22. Mai 2010 - Pünktlich zum für die meisten arbeitsfreien verlängerten Pfingstwochenende hatte sich im Südwesten Deutschlands die Sonne dazu entschlossen, dem regenreichen Hundewetter der letzten Wochen den Garaus zu machen. Kein Hundewetter also beim 34. Hundseck-Berglauf im nördlichen Schwarzwald, sondern eitel Sonnenschein allenthalben.
Nimmt man es genau, so war es diesmal eigentlich der 24. Mehliskopf-Berglauf, den der TV Bühlertal da veranstaltete, denn erst zum 24. Mal war das Ziel auf dem Mehliskopf. 10 Mal vorher war das Ziel bereits am Hundseck erreicht, wo die Läuferkarawane nun bei Kilometer 8 vorbeikommt. Das Hundseck ist ein Zinken - alles klar ? Klar ist auf alle Fälle für die Einheimischen, dass ein Zinken eine kleine Ansiedlung, ein Platz, eine Stelle oder sonst etwas ist, was in den meisten Fällen von Natur umgeben ist.
Um den Lauf anspruchsvoller zu machen, packen die Veranstalter seither noch 200 Höhenmeter drauf und so ist der Lauf nun ein richtiger Berglauf, soll in diesem Fall heißen, er endet erst auf dem Gipfel. Den Namen Hundseck-Berglauf hat man beibehalten, der Bekannheit wegen.
Die Gegend um den idyllisch in einem engen Tal gelegenen Ort Bühlertal bietet einen hohen Freizeitwert. Die Skipisten am Mehliskopf, kleine Parks, Minigolf, Heimatmuseum, ausgeschilderte Mountainbike-Strecken, Nordic-Walking-Strecken, Wanderwege und ein Weinlehrpfad locken stetig viele Tagesausflügler und Touristen an. Weinreben, aus denen unter anderem auch ein hervorragender Spätburgunder entsteht, gedeihen auf den Hängen rund um den Ort.
Der anspruchsvolle Berglauf-Parcours führt die Läufer vom „Haus des Gastes“ im Zentrum des 8.000 Einwohner zählenden Luftkurorts Bühlertal über 9,5 Kilometer von 231 m ü.NN zum auf 1006 m ü.NN befindlichen Ziel am Aussichtsturm auf dem Gipfel des Mehliskopfs. Nach dem Start um 15:30 Uhr sind 776 Meter Höhendifferenz mit Steigungen bis fast 20 Prozent, zunächst noch auf Asphalt, bald auf überwiegend durch Schatten spendenden Wald verlaufenden befestigten Fahrwegen, Naturwegen und Trampelpfaden, für die heuer 325 Gipfelstürmer zu bewältigen.
Kurz vor den Läufern waren bereits etwa 200 Mountainbiker einen auf 11,5 km verlängerten Kurs bei einem eigenen Rennen heraufgefahren. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine Terminkollision, vielmehr geht es den Veranstaltern beider Events darum, die Logistik und das ganze Drumherum gemeinsam zu nutzen und bis vor ein paar Jahren gab es auch eine Teamwertung „Läufer plus Biker“. Da die Teilnehmerzahlen an diesem Wettbewerb mehr und mehr zu wünschen übrig ließen, nahm man ihn wieder aus dem Programm.
Den Hundseck-Berglauf 2010 gewann der aktuelle Deutsche Berglauf-Meister Timo Zeiler (1. männl. Hauptklasse) von der LG Eintracht Frankfurt in 41:48 min vor dem Deutschen Berglauf-Mannschaftsmeister von 2009 Matthias Hecktor (1. M35) vom TuS 06 Heltersberg in 42:44 min. Letzterer war mit seiner gelaufenen Zeit recht unzufrieden, denn fast eine Minute Rückstand auf den Sieger schmeckte ihm, auch mit Hinblick auf die Deutschen Berglaufmeisterschaften am Hochblauen in zwei Wochen, überhaupt nicht.
Dritter wurde Jan Mattis Kuhn (2. männl. Hauptklasse) vom LC Diabü Eschenburg in 43:05 min, vor Martin Schedler (1. M30) vom Team Salomon in 44:49 min und Carsten Brod (2. M35) vom TV Konstanz in 45:05 min. Rang sechs erlief sich der 1.M45 Joachim Benz von der LG Brandenkopf in 45:10 min.
Das 3er-Team vom TuS 06 Heltersberg mit Matthias Hecktor, Jonas Lehmann und Marko Becker gewann die Mannschaftswertung.
Sechs Frauen gelang es, unter einer Stunde zu bleiben. Es siegte Jutta Brod (1. W35) vom TV Konstanz in 50:23 min, vor Lea Bäuscher (1. weibl. Hauptklasse) vom Team Salomon in 53:33 min. Dann kamen die starken Damen der Altersklasse W45: Britta Müller von der LG Badenova in 54:10 min, Margarethe Grieshaber vom VFL Freudenstadt in 56:13 min und Ulrike Hoeltz von der LSG Karlsruhe in 57:30 min. Sechste wurde Jessica Kammerer vom TUS 06 Heltersberg, die bis eine Stunde vor dem Start noch gar nicht recht wusste, ob sie erkältungsbedingt nur hoch joggen oder überhaupt nicht starten sollte. Sie entschloss sich fürs joggen, fühlte sich unterwegs immer besser und konnte am Ende noch gewaltig zulegen. Für Platz 1 in der W30 reichten ihre 57:40 min allemal.
Auffallend viele Pfälzer waren auch diesmal wieder dabei, bei diesem dritten Wettbewerb zum Schwarzwald-Berglaufpokal, bei dem man mit seinen vier besten Ergebnissen von maximal sieben Aufnahme in die Gesamtwertung findet. Mit dabei auch der Pfälzer Autor dieses Berichtes, der vor Ort wiederholt darauf angesprochen wurde, warum man ihn in letzter Zeit nicht mehr bei Laufveranstaltungen antrifft. Den Grund teilt dieser, also ich, mit vielen Leidensgenossen. Es ist eine Haglund-Exostose, ein knöcherner Auswuchs direkt da, wo die Achillessehne an der Ferse angewachsen ist. Durch die Belastungen eines langen Sportlerlebens hat sich dieser Bereich chronisch entzündet und an wettkampforientiertes Training ist trotz verschiedener Therapien nicht mehr zu denken. Reizstrom, Ultraschall und Stoßwellentherapie verschaffen zwar kurzzeitig etwas Linderung, bei verstärkter Belastung jedoch protestiert die Ferse postwendend. Wirklich helfen kann wohl wirklich nur eine Operation, bei der das Überbein regelrecht abgemeißelt wird. An einen solchen, mit Risiken behafteten Eingriff, wagen sich nicht viele Chirurgen, zumal wenn sie hören, dass sich pro Woche 30 bis 40 Kilometer lockeres Jogging problemlos machen lassen und man beim Radfahren überhaupt keinen Einschränkungen unterliegt.
Josef Haber, mein Lauffreund von der LG MuLi, hatte mir kürzlich vom Hundseck-Berglauf vorgeschwärmt und so begleitete ich ihn, den es gesundheitlich in letzter Zeit noch deutlich mehr als mich gebeutelt hatte. Hier wollte er mal wieder bei einem, seinem angeschlagenen Rücken eher als Läufe in der Ebene zuträglichen Berglauf, die Laufschuhe schnüren. So hatte nach einem halben Jahr nun auch ich, ohne große Ambitionen, eine Startnummer am Singlet befestigt und war am Ende nicht wenig überrascht von meiner mit geringem Trainingsaufwand erzielten Endzeit von 51:42 min.
Jürgen Brügel, der Lauforganisator war am Ende rundum zufrieden. Auf sein eingespieltes, etwa 80köpfiges Helferteam kann er sich sozusagen blind verlassen. Auch Feuerwehr, Polizei und Gemeinde weiß er zu 100 % hinter sich.
Wer nach dem Lauf den Fußweg zum Ausgangspunkt scheut, kann sich ab dem Hundseck von bereitstehenden Bussen zu Tal kutschieren lassen. Duschen können die Herren schwarzwaldmäßig eiskalt im örtlichen Schwimmbad, die Damen in einer Schule. Das Anmeldeprozedere und die Siegerehrungen, auch für die in diesem Jahr implizierten badischen Senioren-Berglaufmeisterschaften, gehen in gepflegter Atmosphäre im geräumigen „Haus des Gastes“ über die Bühne. Die Verpflegung sowohl im Zielbereich, als auch dort lässt nichts zu wünschen übrig und alle Teilnehmer, die nach dem Lauf ihre Startnummer wieder zurück geben, bekommen ein hochwertiges Funktionslaufshirt.
Ergebnisse und mehr auf www.tv-buehlertal.de


