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52. 100 km-Lauf in Biel

[eingestellt am 16. Juni 2010]

Von: Nicole Benning

Fotos: Jochen Höschele & Gerald Blumrich

Abholen der Startunterlagen in der Eishalle

Karl-Heinz Kobus: Zum 28. Mal in Folge dabei!!!

Ausruhen bis es 22 Uhr ist

Und noch mehr Wartende

Schlachtenbummler

Platz 2 über 100 km für Adrian Gröbli

Dritter wurde Dan Übersax

Zieleinlauf

Platz 4 für Christian Stork: schon wieder eine klasse Leistung

Noch eine Kurve und dann ist es geschafft

Erfrischung am Brunnen an der Aare

Albert Arnold aus Memmingen wird in 8:05 h Siebter

LT Emmental 1 wird 2. in der gemischten Staffel

Daniel Beha aus Amberg finisht in 8:12 h (Platz 9)

Der Coach strahlt mehr als der Läufer: Dave Nuessli (läuft) und Stefan Kläusler (der in Biel zwei Mal Zweiter und ein mal Dritter war – 6:52 h seine Zeit)

Platz drei für die Stafette CA Broyard 1

Johannes Hasslinger: 8:20:55 h und Platz 11

Hauke Dutschak (LT Winnenden): 8:24:19 h, Platz 14

Jürgen Kiebler: 8:28 h, Platz 16

Es muss warm gewesen sein

Tiziano Marchesi aus Italien läuft 8:34 h (Platz 18)

Die Siegerin Branka Hajek (links)

Ruedi Streuli gewinnt in 8:47:17 h die M55

Willy Bartlome

Km 99, nur noch 1 km, dann ist es geschafft

Deborah Balz läuft dieses Jahr auf Platz 2

Gemeinsamer Einlauf einer Staffel

Urs Glogger aus Münsingen

Strahlend auf Platz 3: Marion Braun

Denise Zimmermann wird Vierte und gewinnt Silber in der Schweizer Meisterschaft

Daniela Sommer, Platz 5

Marion Braun umrahmt von den beiden 24 h Läufern Kai Horschig (links) und Ralf Weis

Klaus Wanner (107)

Jürgen Herzberg läuft zum zweiten Mal in Biel ins Ziel

Gäste aus Finnland

Bernhard Hertinger, LT Hemsbach

Stefan Bächler

Carmen Hamm

Medizinische Untersuchung

Die Legende lebt – Rennentscheidung auf den letzten Drücker

Biel (Schweiz), 11./12. Juni 2010: Alle Jahre wieder im Juni pilgern sie in Scharen in die Schweiz, die Anhänger der ganz langen Strecken – immer kurz vor der Sonnenwende findet seit 1959 der auch unter dem Kürzel „Bieler Hunderter“ bekannte Lauf im Schweizer Seenland rund um Biel statt. Was einst im November (!!!) mit gerade einmal 35 Startern seinen Anfang nahm und sich in den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts zu einer Massenveranstaltung entwickeln sollte, ist nach wie vor das Mekka der 100 km-Fans. Und das nicht erst seit Werner Sonntag den Satz schlechthin zur Uhrenstadt am Fuße des Jura schrieb „einmal musst du nach Biel“.

Daher ist es nur folgerichtig, von einer Pilgerreise zu sprechen. Eine Pilgerreise, die durchaus zu einem Kreuzweg werden kann, so viele Unwägbarkeiten, so viele sprichwörtliche Stolpersteine liegen auf dem Weg durch die Nacht auf der großen langen Runde, nicht nur auf dem berühmt-berüchtigten Emmedamm.

Über 1.500 Teilnehmer wollten 2010 die Bieler Königsdisziplin unter die Beine nehmen. Dazu kommen, wie bei so vielen Veranstaltungen mittlerweile, eine Menge Rahmenveranstaltungen. Zum Hauptwettbewerb, der großen Schleife durch das Seeland, gesellen sich mittlerweile auf identischer Strecke ein so genannter „Sie+Er“ (wahlweise auch „Sie+Sie“ oder „Er+Er“)-Lauf, bei dem nach 56 km der symbolische Staffelstab weitergereicht wird, des weiteren gibt es eine veritable Staffel, bestehend aus fünf Läuferinnen oder Läufern, eine der Tradition geschuldete Militärpatrouille, einen Nachtmarathon, einen Halbmarathon sowie, bereits am Donnerstag, zahlreiche Kinder- und Jugendläufe.

So kommt man in Biel insgesamt auf über 3.900 Teilnehmer, was eine Menge ist. Allerdings – und das ist schade - die Rahmenwettbewerbe lenken ein wenig ab vom Hauptereignis, eben den 100 km. Dafür ist Biel berühmt, deshalb kommen sie alle, viele zum wiederholten Male.

100 km Läufe auf einer großen Runde sind leider nicht mehr allzu häufig anzutreffen. An vielen Orten hat man sich aufgrund der nicht gerade hohen Teilnehmerzahlen auf Mehrrundenkurse verlegt, was eben einfacher zu organisieren ist. Sprich, man läuft zum Beispiel eine 10 km Runde 10 Mal. Dies ist natürlich etwas anderes als auf einer großen Schleife unterwegs zu sein. Ein ganz anderes Gefühl, eine ganz andere Herausforderung. Zumal ein Einrundenkurs selten topfeben ist und es viel mehr Unwägbarkeiten wie etwa Wetter, Versorgung, mentale und körperliche Tiefs gibt, als auf einer mehrfach zu durchlaufenden Strecke. Andererseits ist die Gefahr, einem Tief nachzugeben und auszusteigen auch geringer, denn man passiert den Zielbereich nur ein Mal, nämlich am Ende. Man erlebt eben ständig neue Eindrücke, was gerade den Lauf durch die Bieler Nacht zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lässt, egal, wie lange man dafür benötigt.

Das Zeitlimit mit 21 Stunden ist üppig gewählt. Auch das ist natürlich ein Grund, warum viele nach Biel kommen. Gerade auch diejenigen, die sich nicht (mehr) auf einen schnellen Rundenkurs wagen wollen. In Biel sind sie nicht alleine, während die Schnelleren schon lange geduscht bei Kaffee und Kuchen sitzen. Hier ist man auch jenseits der 12 Stunden-Marke noch einer unter ganz vielen. Es geht auch nicht nur um das Erreichen einer bestimmten Zeit, sondern um das Erleben der Strecke, um die Gewissheit, es geschafft zu haben. 100 km laufen! Die ganz schnellen Zeiten sind in Biel sowieso nicht drin, auch wenn es natürlich immer wieder Überflieger gibt, die auch in Biel unterwegs sind, wie bei einem reinen Straßenlauf. Die Tatsache, dass man erst um 22 Uhr startet, dass man gegen den Biorhythmus durch die Nacht läuft, dass der Kurs nicht flach, sondern recht wellig ist und auch nicht immer den besten Laufuntergrund aufweist, das alles verhindert die absoluten Topzeiten. Egal, Biel ist Biel und deshalb kommen sie alle jedes Jahr wieder.

Für die deutschen Teilnehmer ist Biel der größte 100 km Lauf. Zwar in der Schweiz gelegen, auch im französisch-deutschen Sprachgebiet, aber so viele Deutsche gibt es in Deutschland bei keinem 100er. Auch das hat natürlich seinen Grund in der langen Bieler Tradition und in der Einzigartigkeit des nächtlichen Einrundenkurses. Versuche, das Original zu kopieren, sind aller Ehren wert und bereichern den Terminplan, Biel bleibt aber eben trotzdem Biel.

Dreh- und Angelpunkt der ganzen Veranstaltung ist die im Osten Biels gelegene Eishalle – noch. Denn diese soll demnächst abgerissen werden und steht somit 2011 nicht mehr zur Verfügung. Womit zumindest klar ist, dass die Lauftage nächstes Jahr, so traditionell diese auch sein mögen, ein anderes Gesicht bekommen werden. Angeblich wird die neu zu bauende Eishalle 2012 fertig gestellt sein, welche Auswirkungen die an etwas anderer Stelle entstehende Halle auf Start und Ziel und die Streckenführung haben wird, bleibt momentan noch Spekulation.

Vor dem Start waren sie alle recht nervös, die Spannung lag in der schwülen Juniluft. Nicht nur wegen der drohenden starken Gewitter, die über die nahen Berge des Juras zogen und den Himmel in ein tiefes bedrohliches Schwarz färbten. Das Wetter sollte halten, das vorweg, die Unwetter ließen die Läufer in Ruhe und kamen woanders herunter. Die Schwüle in der Luft blieb, es war ungewöhnlich warm, trotz der nächtlichen Stunde. Bis auf ein paar erfrischende Regentropfen blieb es aber ansonsten trocken.

Viele mussten daher schon kurz nach dem Start erstaunt feststellen, dass sie mehr als sonst tranken, dass sie nass geschwitzt waren. Und das, obwohl das Renntempo eines 100 km Laufes zumindest zu Beginn meist noch nicht besonders schweißtreibend ist. Schließlich läuft man eine ganze Weile, anstrengend sollte es daher nicht schon am Anfang des Laufes sein.

Vorjahressieger Walter Jenni, der 2009 tolle 6:59 h für die Strecke benötigt hatte, konnte dieses Jahr leider nicht starten. Er hat aufgrund einer Verletzung einen Trainingsrückstand und sagte daher seinen Start ab. Sonst waren die Vorjahresplatzierten großteils wieder dabei. Bei den Frauen wurde ebenfalls Martina Gross aus Kronberg in Deutschland gesichtet, die den Bieler 100er 2007 in sehr guten 8:28 h gewonnen hatte und im Jahr darauf Zweite (8:16 h) war. Sie konnte man sicherlich zu den ganz großen Favoritinnen zählen, auch wenn sie im Vorfeld niemand auf der Rechnung hatte, denn sie meldete nach.

Nach 17 km in Aarberg, bei der berühmten Holzbrücke, lag bei den Frauen Branka Hajek aus Deutschland vorne; die deutsche Vizemeisterin über 100 km aus dem Jahr 2009 mit einer Bestzeit von 7:57 h. Sie hatte sich etwas vorgenommen, war aber das erste Mal in Biel am Start und wusste daher nicht so recht. Sie lief ein couragiertes Rennen, war nach 4:37 h in Kirchberg. Kurz davor musste sie allerdings die Vorjahressiegerin und bis dahin an Position zwei liegende Deborah Balz an sich vorbei ziehen lassen. Hajek hatte etwa bei km 50 eine ziemliche Krise und wurde dann vom Emmedamm ausgebremst, den sie sich einfacher vorgestellt hatte. Balz konnte ihre zweite Bielteilnahme nicht vernünftig vorbereiten, da sie sich das Frühjahr über mit unerklärlichen Schmerzen in der Hüfte herumplagte. Die Zugführerin der SBB trainierte, wenn möglich, auf dem Rad und testete immer wieder das Laufen. Eigentlich schien eine Teilnahme in Biel unmöglich, doch sie war wie durch ein Wunder wenige Wochen vor dem Start schmerzfrei – und da war sie eben doch gekommen! Irgendwann musste sie aber diesen fehlenden Kilometern im Training Tribut zollen und wurde 5 km vor dem Ziel von Hajek überholt. Diese ließ sich ihren Sieg bei der ersten Teilnahme dann nicht mehr aus der Hand nehmen und gewann den 100 km Klassiker in 8:46:29 h. „Ich bereite mich auf 100 km Läufe nicht besonders vor, bin froh, dass ich Deborah noch einholen konnte. In zwei Wochen muss ich wieder fit sein, denn da ist der nächste Triathlon.“ Balz kam kurz hinter ihr in 8:51:42 h als Zweite ins Ziel. Damit konnte sie ihren Titel als Schweizer Meisterin erfolgreich verteidigen, die Freude stand ihr entsprechend ins Gesicht geschrieben. Dass sie mit ihrer Leistung deutlich über der Zeit aus dem Vorjahr lag, wird dabei zu absoluten Nebensache.

Für die Dritte bei den Frauen ging ein ganz großer Traum in Erfüllung. Marion Braun, die 2009 bei ihrer ersten Teilnahme bereits Dritte wurde, konnte diesen tollen Erfolg 2010 wiederholen. In Oberramsern lag sie noch auf Platz 5, arbeitete sich kontinuierlich nach vorne und überholte auf dem Schlussabschnitt die bis dahin auf Rang drei liegende Daniela Sommer. Braun ist ehemaliges Mitglied der deutschen 100 km Nationalmannschaft, hat unzählige sehr gute Langstreckenrennen bestritten und Vieles gewonnen. Mittlerweile startet sie in der W50 und läuft, wo es ihr gefällt. So war sie dieses Jahr bereits am Rennsteig, wo sie ebenfalls mit Platz 3 nach Hause fuhr. Und im Juli wird sie in Davos wieder beim Swiss Alpine an den Start gehen, weil sie es dort letztes Jahr so schön fand. „Ich hab’s für Wolfgang gemacht.“  Sie ist – als es bei ihr im späteren Rennverlauf schwer wurde - für ihren Mann gelaufen, mit dem sie in Biel anfangs gemeinsam unterwegs war, der aber ihrem Tempo dieses Mal nicht folgen konnte. Dabei stand ihr Start auch auf Messers Schneide. Sie hat seit einigen Wochen Probleme mit der Hüfte, konnte nicht mehr vernünftig laufen, ein langer Trainingslauf vor dem Bieler 100er musste sie abbrechen. „Eigentlich wollte ich gar nicht hier her fahren, da ich dachte, das wird eh nichts. Umso glücklicher bin ich, dass es so gekommen ist.“ Sie war außer sich vor Freude und kommt bestimmt 2011 wieder.

Hinter Deborah Balz belegten Denise Zimmermann (9:11:53 h) und Daniela Sommer (9:14:57 h) die Plätze zwei und drei in der Wertung der Schweizer Meisterschaft.

Bei den Herren der Schöpfung kam es 2010 zu einer Spurtentscheidung, wie man sie für ein 100 km Rennen nicht für möglich halten sollte. Dennoch, es ist nicht das erste Mal, dass in Biel der Sieg im Endspurt entschieden wurde. 2007 lagen zwischen dem Erstplatzierten Pius Hunold und dem Zweiten Helmut Dehaut ganze acht Sekunden!

Der aus dem Schweizer Freiburg stammende David Girardet konnte auf den letzten 500 m Adrian Gröbli aus Zürich überholen und sich den Sieg sowie den Schweizermeister Titel sichern. 35 s hatte er Vorsprung – 7:31:01 h wurden gestoppt. „Ich bin ein starker Finisseur“, so der 31-jährige Girardet zu seinem beeindruckenden Finish. Es für den ehemaligen Triathleten seine zweite Teilnahme in Biel. Er hatte das Rennen verhalten begonnen und das Feld von hinten aufgerollt. In Oberramsern nach 38 km lag er noch auf Platz 8, in Kirchberg war er Siebter, erst in Bibern rückte mit Position drei ein Podestplatz in greifbare Nähe.

„Er hat mich 500 m vor dem Ziel überholt, da hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen", sagte im Ziel der lange Zeit führende Adrian Gröbli. Für Dan Übersax sollte die 52. Auflage des Bieler 100ers zu einer neuen persönlichen Bestzeit führen. 5:47 min nach dem Sieger lief er über den blauen Zielteppich und kam als Dritter in 7:36:48 h an der Eishalle an. Damit standen auch die ersten Drei der Schweizer Meisterschaft fest. Bester Deutscher auf Rang vier der erfolgsverwöhnte Christian Stork aus Rettenberg im Allgäu, der zum ersten Mal in Biel am Start war. Nach seinen vier Siegen hintereinander am Rennsteig gelang ihm auf Anhieb Platz 4 in einer Zeit von 7:44:40 h.

Den Marathon gewann Filippo Larizza aus Schüpfen (Schweiz) in 2:59:48 h vor Sandro Righetti (3:04:09 h) und Patrick Leidinger (3:05:46 h). Bei den Frauen siegte Jane Dubach (Susten) in 3:27:38 h vor Regine Aeberhardt (3:34:14 h) und Ricarda Bethke (3:35:05 h).

Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.100km.ch