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French Ultramarathon Festival Antibes

[eingestellt am 15. Juni 2010]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Peter & Gabi Gründling

K.G. Nyström (links) läuft selbst, Alan Young betreut Martina Hausmann

Veranstalter Gérard Cain und sein Einsatzfahrzeug

Von Anfang bis Ende dabei: der Kameramann von Eurotelevision.com

Gleich geht’s los

Alberto Melendez (Spanien) fängt schnell an

Viel voller wurde die Verpflegungsstelle nie

Die 68jährige Anna Aunt marschiert 252,552 km

Martina Hausmann wird Dritte

Führte ab und zu seinen Hund aus: Gilbert Codet

Katsuhiro Tanaka, japanischer Rekordhalter, wird 7.

Fast ständig ganz in weiß unterwegs: Peter Kluka (Slowenien)

Auf dem Weg zur Dusche werden noch Kilometer gesammelt

Aus Ungarn zum Gehen angereist: Zoltan Zcukor

Diese steinig-staubige Piste verursachte viele Blasen

Christian Mauduit wird Dritter

Laufstrecke am Meer entlang

Die Zelt- und Wagenstadt

Neue italienische Rekordhalterin Angela Gargano, hier begleitet von ihrem Bruder Francesco

Betreuung mit Stil – die Tischdecke zu den Mahlzeiten war bei den Italienern obligatorisch

Seigi Arita (Japan)

Bester Geher: Alain Grassi

Siegerin Ria Buiten (Mitte) mit Trond Sjavik und Staffelgeherin Bernadette Clementz

Der längste und einer der kürzesten Läufer/Marschierer: Jean Claude Arzel (198) und Daniel Dalphinm (66 – bei der 24 h-WM in Brive Betreuer von Christian Fatton)

Eric Wright, der Elektriker aus Südafrika

Lieblingsbeschäftigung vieler Läufer: nach Hause telefonieren

Geht e Wärmsche mim Schärmsche unnerm Ärmsche uffs Tärmsche: Martina Hausmann mit manuellem Sonnenschutz

Beliebte Verpflegung: Wassereis

Viel interessanter als die Läufer: die Infotafel über das Fort Carre

Bernard Chevillon sieht aus, als wolle er sich direkt von oben ins Meer stürzen

Wurde sogar “fliegend” gecremt und umgezogen: zweitbester Geher Dominque Naumowicz

Walter Zimmermann (LG Würzburg), Deutschlands wohl ausdauernster Postbote

Der Sturm beginnt – noch steht alles

Zeigt her Eure Füsse – der Doc bei der Arbeit

Blick vom Fort auf die Organisationszone

… aufs alte Antibes….

… und auf den hinteren Streckenteil inkl. Meer

Drittbester Marschierer, Bernado Jose-Mora in Begleitung zweier Leichtathletikkids aus Antibes

Die Kids waren begeistert, die Läufer auch

Eigenverpflegung

Einen Tag gaben die Wolken den Blick auf die mediterranen Alpen frei

Betreuen macht müde

Es wird sichtbar stürmischer

Müde

Müder

Am müdesten

Der Sturm hat die Zelte abgedeckt

Alain Martinez und Jean Thiebault stemmen sich gegen den Wind

Das Küchenzelt wird an zwei Autos festgebunden

Antibes – die Frisur hält nicht

Die 48 h-Läufer sind los

Mireille Cormier wird Dritte über 48 h

Das Meer schlägt über die Stränge – und übers Ufer

Vom Winde verweht

6-Tage-Läuferin Regina van Gheene und ihr Mann Dick Dokter

Hm… lecker..

Zweiter Christian Fatton

Siegerin 48 h Heather Foundling-Hawker

Staffelgeherin Nicole

Sieger 24 h Jean-Baptiste Welte

Warten aufs Abendessen

Immer zu Scherzen aufgelegt: Paul van Hiel (BEL)

Über allem wacht der unbekannte Soldat

Zweiter 48 h Ricardo Luis Umanti

Sieger 48 h Vincenzo Tarascio

Seit 15 Jahren als Knasti laufend unterwegs: Laurent Armand

Am letzten Tag war es zu voll auf der Strecke

Sieger Olivier Chaigne

Siegerin Ria Buiten

Vor der Dusche erstmal ins Meer: Christian Fatton mit Betreuerin und Ehefrau in spé Julia Alter

Zum Abschluß gab’s Paella

Medaille für alle

Zweite 6 Tage Cristina Gonzalez

Vom Winde verweht

Antibes/Südfrankreich, 06.-12. Juni 2010 – Der Sechstagelauf war lange Jahre mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden. Nun erlebt er in Europa eine Renaissance, die 2006 auch das süfranzösische Städtchen Antibes, direkt an der Cote d’Azur zwischen Nizza und Cannes gelegen, erreichte. 

Anders als bei 6-Tage-Rennen auf dem Rad gibt es beim Laufen keine Zwangspausen. Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, wann und wie viel er innerhalb der zur Verfügung stehenden 8.640 Laufminuten ruhen will. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Kilometer gesammelt hat. 

100 SportlerInnen aus 15 Nationen legten letztlich knapp 46.900 km auf der 1.295 m langen Runde zurück, dazu kamen am Ende der Laufwoche nochmal 48 24 Stunden-Läufer sowie 31 48 Stunden-Läufer. 

Unterbrochen wird dieser all-inclusive-Urlaub mit sportlicher Betätigung durch zwei Mahlzeiten am Tag. Morgens um 7.30Uhr, wenn die Welt noch in Ordnung ist, gibt es ein wohl typisch französisches Frühstück: Kaffee mit und ohne Milch aus der Trinkschale (Bol), Baguette, Butter, Marmelade, Orangensaft und das alles ohne Teller, also aus der Hand. 

Um 19 Uhr gab es Abendessen, das leider nicht immer bis ganz selten wirklich läufergerecht war. Und vor allem immer trocken. Wo die Franzosen doch eigentlich weltweit als Kenner und Künstler guter Küche bekannt sind, wurden in Antibes die Tortellini und der Reis tagein tagaus ohne Soße serviert. Und das alles in DIN A 3 großen Tabletts Marke “Einsatz Geschirrschublade” – die Müllberge waren immens, jeden Tag wurden mehrere große Müllcontainer vor die Tore des Stadions gerollt. 

Mittags und nachts bekamen die Läufer warme Kleinigkeiten an der Versorgungsstelle: Kartoffelpürree, Pommes, Tortellini, Reis. Und wiederum: alles trocken. Überhaupt war die Versorgungsstelle nicht wirklich umfang- oder gar abwechslungsreich. Wohl dem, der einen persönlichen Betreuer dabei hatte und so “artgerecht” zusatzverpflegt werden konnte. Vielleicht sollten Veranstalter Gerard Cain und seine Mannen darüber nachdenken, das durchaus moderate Startgeld von 250 € zu erhöhen und dafür die Versorgung zu optimieren. Mitgereiste Betreuer konnten sich übrigens für 120 € “einloggen”, bekamen neben Frühstück und Abendessen um 13 Uhr noch eine kleine Mahlzeit. Das Geld war allerdings wirklich zum Fenster rausgeschmissen, denn das Essen am Mittag war noch schlechter als das Abendessen. Für 20 € am Tag hätte man sich extern deutlich besser versorgen können, zumal es in Fußnähe einige Lokale mit Essen auch zum Mitnehmen gibt. 

„Wer schläft, macht keine Strecke“ ist eine Weisheit, die viele zu beherzigen versuchen. Eine andere ist „Laufen bis es nicht mehr geht und dann gehen, bis es wieder läuft.“ Wer zu müde oder zu schlapp ist, um im Laufschritt unterwegs zu sein, geht, wandert oder geht spazieren. Alle 1.295  m piepst es , der Chip an der Startnummer (ähnlich dem, was bei uns als Bipchip bekannt ist) löst die nächste Wertungsrunde aus. Technisch ist der Lauf auf der Höhe der Zeit. Jeder Läufer kann nach jeder Runde sofort auf der großen Leinwand kontrollieren, ob er auch gezählt wurde und wie lange er für die vergangene Runde gebraucht hat. Alle zehn Minuten wird in einem Pavillonzelt am Ende der Versorgungszone der Zwischenstand aktualisiert und entspricht damit dem, was die Daheimgebliebenen im Internet live verfolgen können. 

Ganz speziell an der Veranstaltung in Antibes, dem “French Ultramarathon Festival” ist der Umstand, daß es neben der Läuferwertung auch noch eine der Geher & Marschierer gibt. Mit eigenem Wettkampfgericht und den üblichen gehereigenen Regeln. Wer beim Laufen (im Sinne von Rennen/Joggen) erwischt wird, kassiert Zeitstrafen bis hin zur Disqualifikation. Im Laufe der Woche sind Marschierer und Läufer zunehmend nur noch an der Farbe ihrer Startnummer zu unterscheiden, denn Läufer wie Geher werden zu Marschierern. Selbst die ganz hartgesottenen Geher, die lange Zeit den Geher-Wiegeschritt durchhalten, können diesen irgendwann nicht mehr halten. Ihr Pensum ist immens. Der Sieger der Geher, Alain Grassi, lag am Ende mit 701,892 km auf Platz 10 der Gesamtwertung. Dominique Naumowicz, lange Zeit führend und so rundum versorgt, daß er sogar im Gehschritt umgezogen und eingecremt wurde, belegte mit 633,257 km Platz 2 bei den Gehern und Platz 14 gesamt. In 24 Stunden schaffte er schon 190 km im Gehschritt, 2008 marschierte er die 451 km von Paris nach Colmar in 65:26 Stunden. 

Auffallend und auffällig in der Ergebnisliste Platz 1, der aber ein erster Platz “außerhalb der Wertung” ist. Hinter “Les Colmariens” verbirgt sich ein Viererteam (drei Frauen, ein Mann) aus Colmar und Umgebung, die im Dreistundenrhythmus wechselten und sich so 1.063,195 km ergingen. 

So international wie das Läuferfeld so einsprachig war die Organisation. Französisch in allen Lebenslagen, mehr wurde nicht gesprochen. Das Athletenbriefing fand auch nur auf Französisch statt – bei Startern aus Argentinien, Mexiko, Spanien, Norwegen, Niederlande, Italien, Schweden, Südafrika und natürlich nicht zuletzt Deutschland eine Zumutung. Wer ein hochwertiges Läuferfeld mit ent- und ansprechenden Ergebnissen möchte, sollte zumindest das Wichtigste in Englisch präsentieren können. 

Hatte man 2006 zu Füssen des in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbauten Fort Carré mit 24 Läufern und 688 Siegerkilometern begonnen, nahm man 2007 noch einen 48 h-Lauf mit ins Angebot und kam in Summe auf  54 Teilnehmer. 2009 kamen dann auch noch ein Eintageslauf und erstmals auch eine eigene Marschiererwertung hinzu. Die 179 Teilnehmer von 2010 waren absolutes Rekordergebnis. Zwar wurde die Runde auf 1.295 m erweitert, dennoch war es vor allem in den recht engen Kurven “an den Zäunen” zu eng und die schnellen 24 h-Läufer, die in den Wettbewerb einstiegen, als die “Langläufer” schon 120 Stunden unterwegs waren, fingen teilweise gar das Rempeln an, um sich Platz zu verschaffen. Die hohen Teilnehmerzahlen hatten auch noch andere Nachteile: bei der Essensausgabe bildeten sich lange Schlangen, die Stromversorgung im “Hüttendorf”, wo die Betreuer die Camper und Zelte aufgeschlagen hatten, brach nach Ankunft der 48 h-Läufer und ihres Trosses ständig zusammen, weil es nur eine Sicherung gab und die sanitären Anlagen waren schon zu Beginn der Veranstaltung mit 100 Läufern plus Anhang vollständig überlastet, was sich im Laufe der Woche durch den Zuwachs weiter verschlimmerte. Angefangen hatte das Dilemma schon vor dem Startschuß, als die Kanalisation überlief und die Umkleidekabinen und Toiletten 10 cm unter Wasser (und dessen Inhalt) standen. Pünktlich zum Start konnte dieses Problem zwar behoben werden, aber die Reinigung der Anlage erfolgte die ganze Woche über nur per Schlauch – was im Gulli verschwand, verschwand und was auf dem Boden kleben blieb, blieb eben kleben. Eigentlich waren nur je eine Umkleidekabine mit jeweils zwei Toiletten für Männer und Frauen ausgewiesen. Wenn nicht einfach alle auf den zweiten Umkleidetrakt und die Behindertenoiletten ausgewichen wären, wäre das Chaos wohl nicht mehr zu bewältigen gewesen. Schon die nun insgesamt 10 Toiletten für fast 400 Leute (inklusive Helfer und Betreuer) waren viel zu wenig und das Außengelände wurde immer mehr zur Open-Air-Toilette. Bei bis zu 30° C im Schatten auch nicht eben erbaulich. Zudem waren die Duschen/Toiletten vom Stellplatz für die Camper und Zelte bis zu rund 500 m entfernt. 

Daß es im Juni am Mittelmeer sehr heiß sein kann, weiß man. Die Wettervorhersage versprach zu Anfang der Woche ab Mittwoch erlösenden und erfrischenden Regen, der dann auch den Staub aus der Luft hätte waschen können. Aber erstens kam es anders als man zweitens dachte. Von Regen keine Spur, dafür tobten mittwochs und donnerstags orkanartige Winde mit Stärken zwischen 55 und 95 km/h über das Sportgelände. Am Donnerstag mußten Zelte teilweise abgebaut werden. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Luft. Das Küchenzelt wurde gerettet, indem zwei PKW davor gefahren wurden und das Zelt mit Seilen an den Ösen für die Abschleppstangen angebunden wurde. Die Versorgungsstelle wurde mit einem dicken Seil an einem Baum fixiert und zur Sicherung des Technikzeltes bohrte man Eisenstangen tief in den Boden. Alles, was nicht unbedingt gebraucht wurde, mußte abgebaut werden – und so waren die Läufer dann auch stundenlang ohne Informationen über ihre Kilometerstände. Und die der Konkurrenz. Der ständig anwesende Mediziner fand sich plötzlich auch ohne Zeltdach wieder und zog in den Umkleidetrakt um. Er hatte es in den 144 Stunden vor allem mit Blasen zu tun. 

Das Geläuf war sehr unterschiedlich: im Stadion mußten die Läufer 200 m Tartanbahn belaufen, darauf folgte Asphalt und unterhalb des riesigen Denkmals für die Gefallenen des ersten Weltkriegs war es eine Art Feldweg, zusammengesetzt aus Staub und kleinen Steinchen. Derselbe Untergrund war dann, nach einem Asphaltstück auf einem öffentlichen Spazierweg entlang der Straße, auch nochmal im Bereich der Verpflegungs- und Organisationszone zu belaufen. Sehen die Läufer auf einer Aschenbahn rot aus, so wurden vor allem ihre Füsse und Beine in Antibes ratzfatz staubgrau. 

Auch wenn die Umstände eher widrig waren – sportlich wurde in diesen Tagen einiges geboten. So war die Zweite, die erst 26jährige Spanierin Cristina Gonzalez, die erste spanische Frau, die überhaupt 6 Tage lief. Einen spanischen Rekord gab es daher bisher nicht. Nun hält sie ihn mit 654,080 km. Cristina drehte beständig ihre Runden, kam offensichtlich auch  mit der Hitze der ersten Tage am besten zurecht, pausierte nachts und lief tags. 

Angela Gargano, Italienerin aus Bari, verbesserte den italienischen Rekord um rund 40 auf auf 562,330 km. Sie war quasi mit ihrer ganzen Familie angereist, hatte ihren Mann, ihren Bruder und ihre Schwester mitgebracht. Die sich rührend um sie kümmerten. Ihre Schwester war für Küche und Wäsche zuständig, Angela wurde vollständig bekocht und nie beim Läuferessen gesichtet.

Ria Buiten, 55jährige Niederländerin, lief gar mehrere Rekorde. Erst verbesserte sie den niederländischen 48 h-Rekord. Allerdings lag der mit 200 km sogar niedriger als der 24 h-Rekord. Dann brach sie ihren eigenen alten niederländischen 6-Tage-Rekord. Den Lauf gewann sie letztlich mit 704,480km als Gesamt-Neunte. Damit ist sie auch noch weiter gelaufen als jemals ein niederländischer Mann. Und der Weltrekord in der W55, der bisher unbesetzt war, trägt nun auch noch ihren Namen. Für die Niederländerin aus Biddinghuizen war diese Woche auch noch auf anderem Gebiet erfolg- und ereignisreich, denn donnerstags wurde sie zum dritten Mal Großmutter, Enkelin Faya wollte nicht warten, bis die Oma aus dem Laufurlaub zurück war. Im August wird das vierte Enkelchen im Hause Buiten erwartet. 

Gleich siebenfache Großmutter (das achte Enkelkind kommt im Oktober) bei zwei eigenen Kindern ist Regina van Gheene, die zweite Niederländerin auf der Strecke, die am Ende glücklich über 501,165 km war.  Ihr Mann Dick Dokter ist eigentlich kein Läufer. Sein bisher längster Laufwettkampf war ein schneller Stundenlauf. Er wollte aber mal wissen, wie sich so ein 24 h-Lauf anfühlt und meldete sich als Marschierer an. Spontan entschied er sich, auf die 48 h umzumelden, wollte aber nicht mehr als 24 h Wettkampf absolvieren, aber mit dem vorgezogenen Start noch mehr Ruhezeit bis zur langen Heimfahrt mit dem Auto rausschlagen. Bei sieben Stunden Nachtschlaf erwanderte sich Dick 90,650 km. 

Martina Hausmann, ausgewiesene Multiday-Spezialistin, hatte einen recht schwarzen Wettkampf erwischt. Sie kam von Anfang an nicht mit dem Wetter klar, litt an Überhitzung und Magenproblemen. Ihre Zielvorstellungen mußte sie von Tag zu Tag den Gegebenheiten anpassen. Über 619,159 km und dem dritten Treppchenplatz bei den Frauen arrangierte sie sich am Ende, angereist war sie aber für deutlich mehr. Betreut wurde Martina von Alan Young aus Schottland. Der 57jährige pensionierte Wasseringenieur ist in der Ultralaufszene vor allem durch seine stetige Betreuung seines Landsmanns William Sichel bekannt, der z.B. im März im Athen Zweiter wurde beim 1.000-Meilen-Rennen. 

Auch die Schweiz hat einen neuen Rekordhalter über 6 Tage. Martin  Wagen wurde in Antibes abgelöst von Christan Fatton. Der 50jährige Franko-Schweizer war 2009 schon beim Transeuropalauf durch seinen eisernen Willen und die damit verbundene Fähigkeit, auch bei übelsten Schmerzen “einfach” weiterzulaufen, aufgefallen. Er war eigentlich nach Antibes gereist, um den Lauf zu gewinnen und das nach Möglichkeit mit 900 km. Schon am zweiten Tag mußte er die zweite Größe streichen, ein Sieg war ihm aber weiterhin wichtig. Nachdem er sich anfangs ein Rennen vor allem mit Alexandre Forestrieri geliefert hatte, der am Ende auf Platz 5 zurückfiel, war letztlich der dreißigjährige Olivier Chaigne sein großer Gegner. Der Vorteil des Franzosen war offensichtlich: er erholte sich überraschend schnell, wenn er pausierte. Am letzten Tag lag er immer 19-20 Runden vor Fatton, der dann aber nachts nur kurz ruhte und sich in den letzten Stunden bis auf 6 Runden herankämpfen konnte. Wobei es in den Morgenstunden allerdings so aussah, als würde Chaigne mit seinem Gegner spielen. Er ließ ihn, in den Gehschritt verfallend, immer wieder herankommen, dreht dann aber am Gashebel und verschaffte sich wieder einen Vorsprung, so daß Fatton nicht mehr an ihm vorbei kam. Dieser sah dann gegen Mittag auch ein, daß Chaigne stärker war und dann ging es ihm nur noch um ein möglichst gutes Ergebnis. Eine halbe Stunde vor Schluß ging Chaigne gar zur Massagebank, aber irgendwer hat ihn dann wohl doch wieder auf die Strecke geschickt. Letztlich gewann er mit 850,847 km und hatte damit 7 Runde bzw. 8,593 km mehr auf dem Zähler als sein Schweizer Konkurrent, der erst drei Wochen zuvor bei der 24 h-WM in Brive am Start war. Über weitere sportliche Ziele 2010 schwieg sich Fatton erstmal aus, ein großes Ziel wird er aber schon sechs Tage nach den sechs Tagen von Antibes erreichen: er heiratet seine Freundin Julia Alter, die derzeit beste deutsche 24 h-Läuferin (in Brive mit 230 km WM-Dritte), die ihn in Antibes professionell betreute und dabei auch so manchen Kilometer innerhalb und außerhalb der Sportanlage absolvierte.

Dritter wurde mit 812,089 km Christian Maudiut, der von Anfang an vorne mitgelaufen war. Er feierte in Antibes seinen 36. Geburtstag, zu seinen Ehren wurden zum Nachtisch riesige Tartes, belegt mit Äpfeln, Himbeeren, Ananas und Birnen aufgefahren. 

Aus Deutschland noch am Start: Walter Zimmermann, der wohl ausdauerndste Postbote Deutschlands, der den Wettkampf vorzeitig mit 319,865 km beendete. Der 57jährige hat sich vorgenommen, bis zu seiner Rente in drei Jahren aufzuhören mit dem Multidaylaufen und lieber Etappenläufe in Angriff zu nehmen. Sein Laufterminkalender ist wie immer voll, mit der 24 h-Meisterschaft in Rockenhausen geht es eine Woche nach Antibes nahtlos weiter mit dem Ultralaufen.

Norbert Baier, in der Schweiz lebend, hatte schwer mit Blasen unter den Fußsohlen zu kämpfen und schaffte bei seinem zweiten Auftritt in Antibes 357,705 km. 

Laufticker-Chef Peter Gründling hatte auch Blasenprobleme, allerdings nicht an den Füssen sondern eine Blasenentzündung und mußte daher nach 2,5 Tagen und 283,605 km bekennen “les jeux sont faites – rien ne vas plus”. 

Christoph Laborie, von Anfang an in Antibes dabei und bisher drei Mal Herrensieger (2008 als Gesamt-Zweiter hinter Cornelia Bullig) und 2006 hinter Jesper Olsen Zweiter, verlor sehr schnell die Lauflust und blieb einfach noch so an und sporadisch auf der Strecke. Manchmal begleitete er für ein paar Runden irgendeinen französischen Lauffreund und sammelte so gerade mal 238,706 km. 

Bei den 48 h-Läufern führte 25 h lang die Schottin Heather Foundling-Hawker das Feld an, bevor sie sich einsammeln lassen und auf Platz 4 durchreichen lassen mußte. Bei zurückgelegten 281,487 km verlor sie aber nie ihre gute Laune. Ihr großes Saisonziel ist das Finish beim Spartathlon. An der Spitze wechselten sich danach der Italiener Vincenzo Tarascio und der Argentinier Ricardo Luis Umanti ab. Bei einem Gleichstand auf der Anzeigetafel, dessen er sich offenbar nicht bewußt war, nahm der Argentinier eine Viertelstunde vor Laufende seine Landesflagge in Empfang und posierte für die vielen Fotografen. Dabei muß ihm wohl entgangen sein, daß der Italiener weiterlief und letztlich 1,529 km Vorsprung hatte. Mit 309,435 zu 307,906 km blieb der Siegerpokal also in Südeuropa. Der beste Marschierer, Dominique Bert, schaffte es in dieser Disziplin immerhin auch auf 265,477 km. 

Als einziger Läufer blieb Jean-Baptiste Welte bei seinem Lauf einmal rund um die Uhr mit 221,385 km über der 200 km-Marke. Corinne Napolitano siegte mit 164,855 km. 

Fazit: außerhalb des Kilometersammelns ist weniger definitiv manchmal mehr. Wer vorhat, in Antibes zu starten, kann sicher gute Laufleistungen erzielen – vorausgesetzt, er nimmt einen persönlichen Betreuer mit und kalkuliert noch einige Zusatzeuro für adäquate Versorgung ein.

Veranstaltungsseite: http://www.6jours-antibes.fr – leider nur mit Endergebnissen ohne Zwischenstände

Weitere Bildergalerien aus dem Hause Laufticker gibt es hier und hier.