11. Oberriexinger Volkslauf
So seh’n Sieger aus, sha-la-la-la-la. Um die Wette aufs Weitfeld geschnauft! Zwei mal Streckenrekord in Oberriexingen
Oberriexingen, 18. Juni 2010: Den Auftakt des alljährlich im Juni stattfindenden Oberriexinger Sportfestes bildet am Freitag Abend der Volkslauf bestehend aus dem Hauptlauf über ca. 10,3 km, einem Einsteigerlauf mit 5,1 km und diversen Schülerläufen.
Oberriexingen gehört zum Landkreis Ludwigsburg und liegt idyllisch im Enztal zwischen Markgröningen und Vaihingen/Enz. Mit seinen gerade einmal 3.000 Einwohnern ist Oberriexingen die kleinste Stadt im Kreis. Der mittlerweile schon über 1.200 Jahre alte Ort ist von Fachwerk und einer historischen Stadtmauer geprägt, wie in so vielen Gemeinden der Region. Wer nach Oberriexingen kommt, dem fällt neben der schmalen Brücke über die Enz gleich die beeindruckende St. Georgskirche auf, deren Geschichte bis ins Mittelalter reicht.
Bei der 10-jährigen Jubiläumsauflage 2009 verzeichneten die Organisatoren des Laufs ca. 450 Teilnehmer über alle Strecken. In diesem Jahr gab es deutlich mehr Voranmeldungen, man rechnete dennoch damit, dass sich die Teilnehmerzahlen wieder auf dem Vorjahresniveau bewegen werden. 412 Starter sollten es nachher sein, sicher waren auch nicht alle, die sich vorangemeldet hatten, erschienen. Der Oberriexinger Lauf hat immer wieder mit der Konkurrenz des Stuttgartlaufes zu kämpfen, der am Sonntag stattfindet und die Massen anlockt. Viele ziehen dieses Großereignis dem kleinen familiären Oberriexinger Lauf vor. Dennoch: es gibt auch eine Läufergemeinde, die ganz bewusst nicht nach Stuttgart zum Halbmarathon will – zu groß, zu unübersichtlich, zu teuer … Und warum in die Ferne schweifen, wenn man das Gute vor der Haustüre hat? So fanden sich viele Lokalgrößen in Oberriexingen ein, letzten Sonntag hatte man einige davon in Schützingen gesehen.
Die Oberriexinger Strecke ist fies zu laufen. Vom Sportplatz aus erst flach an der Enz entlang, sozusagen zum Einrollen, dann einen gewaltigen Anstieg zwischen Kilometer 2 und 5 am Leinfelder Hof hinauf auf das Weitfeld, bei dem ca. 120 Höhenmeter überwunden werden müssen. An dieser Stelle kommt man auch ohne die Oberriexingen-typische Hitze gehörig ins Schwitzen. Dann weiter am Segelfluggelände vorbei und mit einigen bergauf-bergab-Wellen wieder hinunter nach Oberriexingen. Oben auf dem Feld hat man zwar das Schlimmste in Sachen Höhenmeter hinter sich, doch dafür muss man mit dem Weitfeldtypischen Wind kämpfen, über den sich bei dieser Auflage so ziemlich alle beklagten. Beim Einsteigerlauf geht es erstmal in die andere Richtung, dann ebenfalls auf das Weitfeld, allerdings summieren sich hier etwas weniger Höhenmeter, 85 sind es aber dennoch.
Favoriten waren gemäß der Voranmeldeliste nicht zu erkennen, doch es wurde gemunkelt, dass die Vorjahressieger bei den Männern, Ralf Reidenbach und Jörg Walter wieder starten wollen. „Stars“ melden ja gerne nach, man konnte also gespannt sei.
Um 18.30 Uhr fiel, begleitet von dicken Gewitter- und Regenwolken, aber trocken, der Startschuss für den Haupt- und Einsteigerlauf. Und tatsächlich: der Enzweihinger Lokalmatador Ralf Reidenbach, der in Oberriexingen schon fünf Mal gewonnen hatte, und Jörg Walter vom EK Schwaikheim standen an der Startlinie. Auf den ersten Metern ging die Post ab, es galt, in einer guten Position um die scharfe Rechtskurve an die Enz zu kommen. Dort dann gleich das erste Hindernis in Form aufgeregter Gänse. Einheimischen sind sie gut bekannt, manch einer hat beim Laufen oder Radeln dort schon einen Gang zugelegt, um ihren bissigen Schnäbeln zu entkommen. Sie zeigten sich aber trotz Volkslauf und dem Geklingel des Führungsradlers völlig unbeeindruckt und gingen nur widerwillig aus dem Weg.
Der M40-Läufer Reidenbach rannte die ersten zwei Kilometer in etwa 6:40 min und hatte bereits am Leinfelder Hof einen beachtlichen Vorsprung von ca. 100m auf Walter. Bis zum Ziel baute er seinen Vorsprung kontinuierlich aus. „Ich wusste nicht so recht, was Jörg heute zu laufen in der Lage ist, da wollte ich nichts anbrennen lassen.“ Auf dem Weitfeld kämpfte Reidenbach ziemlich mit dem Wind: „Auch der Führungsradler konnte mir keinen wirklichen Windschatten geben.“ Sehr gute 36:17 min wurden für ihn gestoppt – der klare Sieg, übrigens der sechste in Folge, und gleichzeitig die Verbesserung seines eigenen Streckenrekords. Jörg Walter vom EK Schwaikheim, der im nahen Markgröningen wohnt, konnte Reidenbach nicht viel entgegensetzen. Er lief sein eigenes Rennen und war im Ziel mit gelaufenen 37:34 min sehr zufrieden mit sich. „Das war ein gutes Rennen und gegen Ralf zu verlieren ist wirklich ok.“ Er zeigte sich damit auch versöhnt mit dem für ihn nicht ganz optimalen Rennen, das er letzten Sonntag in Schützingen bestritten hatte. Als Dritter und gleichzeitig letzter Läufer, der unter der begehrten 40 min-Marke blieb erreichte Reiner Fischer von der LG Neckar-Enz das Ziel: 39:45 min wurden gestoppt.
Ralf Reidenbach bereitet sich derzeit gezielt auf die Deutschen Seniorenberglaufmeisterschaften im Herbst vor. Seinen Saisonhöhepunkt im Frühjahr, die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften, musste er absagen, da er während der Vorbereitung krank wurde und nicht vernünftig trainieren konnte. Er war zum Berglauftraining gerade erst zwei Wochen in Ruhpolding, wo er unter anderem auch bei der Masters Sportwoche 40+ am Start war. Jörg Walter plant noch ein paar Rennen über kurze Strecken und möchte dann im August in Bellheim erstmals über die berühmten 25 km laufen.
Die erste Frau kam bereits als Fünfte des Gesamtfeldes von 125 Läufern ins Ziel. Nicole Benning aus dem nahen Kleinglattbach, begleitet von ihrem Mann Jochen Höschele, gewann ohne Probleme das Rennen in 41:46 min und war damit sichtlich zufrieden. Auch für sie bedeutete dies neuen Streckenrekord. „Ich hatte natürlich Glück, dass Jochen mit mir gelaufen ist, der gibt zwar nicht viel Windschatten, aber so ein klein wenig hilft es schon, wenn man im Wind nicht alleine laufen muss.“ Sie war auf der Hinfahrt zum Lauf mit dem Rad gestürzt und hatte sich böse das Knie aufgeschlagen. „Beim Laufen habe ich es nicht gespürt, aber jetzt schmerzt es schon unangenehm.“
Hinter ihr erreichte Ulrike Schade aus Sersheim als zweite Frau in 47:29 min das Ziel. „Ich möchte immer vor meinem Vater im Ziel sein." Dies gelang ihr auch, eine Minute betrug der Vorsprung für die W40-Läuferin. Schade läuft fast täglich morgens so ca. 7 km, da sind ihr Volksläufe wie der in Oberriexingen gerade recht. „Das passt ganz gut von der Strecke. Mir hat’s Spaß gemacht.“ Knapp hinter ihr wurde Birgit Burrer in 47:41 min Dritte.
Bemerkenswert die Leistung der W70-Läuferin Erna Heubach, eine lokale Volkslaufgröße. Sie legte die anspruchsvolle Strecke in 56:27 min zurück und ließ dabei so manchen Teilnehmer, der ihr Enkel sein könnte, weit hinter sich, obwohl sie nicht ganz fit war. „Mit meiner Leistung bin ich schon ganz zufrieden, ich werde ja auch nicht jünger.“
Beim 5 km Lauf gab es ebenso wie im Hauptlauf einen klaren Start-Ziel-Sieg. Sven Kratochwil siegte in guten 18:03 min. „Das ist nach der Kurzstrecke in Ochsenbach mein zweiter Sieg dieses Jahr.“ Es war ihm aber auch viel zu windig, daher empfand er das Rennen als schwierig zu laufen. „Ich musste ganz schön kämpfen.“ Zweiter wurde Marcel Ganszky (TV Hausen), der mit 19:29 min schon ein ganzes Stück zurück lag. Auf dem dritten Platz folgte dicht dahinter in 19:45 min. Uli Schäuffele (TuG Hofen).
Schnellste Frau über die kurze Distanz wurde Lina Scherzer (LAZ Salamander Kornwestheim-Ludwigsburg), die nach 21:37 min als 13. über den Zielstrich lief. Zweite wurde die Lokalmatadorin Margit Schüle von den Riexinger Insel Runners in 24:03 min vor der erst 14jährigen Christina Eberhardt (TV Vaihingen Handball).
Bei den Schülerinnen gewann die 1.700 m lange Strecke Henriette Schell in 6:56 min vor Jara Jupe (7:42 min) und Pauline Schön (7:43 min). Die Jungs waren nicht viel schneller. Der Sieg ging auch an die Familie Schell: Matthias benötigte 6:07 min. Zweiter wurde Manuel Hauck (6:33 min) vor Karl Wild (6:37 min).
Erstmals wurde dieses Jahr ein besonderer Preis für die teilnahmestärkste Mannschaft einer weiterführenden Schule ausgelobt. Die in Eberdingen beheimatete Alison & Peter Klein-Stiftung hatte 500 Euro gestiftet für die Schule, die prozentual zu ihren Schülerzahlen die meisten Teilnehmer in Oberriexingen an den Start bringt. Eine famose Idee, um Kinder und vor allem Jugendliche zum Sport und zum Laufen zu bringen! Peter Klein ist in der Region bestens bekannt, selbst erfolgreicher und aktiver Läufer und Mitorganisator des Nussdorflaufes (siehe Bericht www.laufticker.de/reportagen/detail/article/3-nussdorflauf.html). Sein Engagement (und dem seiner zusammen mit seiner Frau gegründeten Stiftung) nicht nur um die Kunst sondern auch rund um den Laufsport und die Kinder- und Jugendförderung ist vorbildlich, es wäre schön, wenn es noch mehr von seiner Sorte gäbe. Es gab ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Realschule Bissingen und der Ferdinand-Steinbeis-Realschule aus Vaihingen. Letztlich hatten die Bissinger die Nase vorn und haben den Geldpreis gewonnen, der nun für Sportausrüstung an der Schule eingesetzt werden kann. Der Jubel aller Schüler war riesengroß, passend zur Fußball-WM stimmten sie sofort „So seh’n Sieger aus, Sha-la-la-la-la“ an. Ein Beweis dafür, dass Laufen auch Kindern- und Jugendlichen viel Spaß machen kann, wenn man sie in Form solch positiver Gemeinschaftserlebnisse richtig heranführt.
Der Abend bei allerlei Leckereien im Oberriexingen war noch lang, viele saßen bis nach Einbruch der Dunkelheit auf den Bierbänken, denn die bedrohlichen Gewitter- und Regenwolken waren irgendwo in Stuttgart niedergegangen, Oberriexingen blieb verschont.
Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.tsv-oberriexingen.de

