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Internationaler 24 h-Lauf Rockenhausen mit 22. Dt. Meisterschaft

[eingestellt am 22. Juni 2010]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

DUV-Ehrenpräsident Harry Arndt mit dem 88jährigen Horst Feiler

Durch die Straßen von Rockenhausen

Vorjahressiegerin und diesjährige Zweite Marika Heinlein läuft mit Stefan Hinze

Überraschungssechster Stu Thoms

Oliver Weis und Ronald Hahn auf der Runde

Grit Seidel blieb mit Problemen unter ihren Möglichkeiten

Petra Scheunemann und Roland Ernst hatten Spaß´

Zwei FCK’ler: Hans Eichbladt und Kai Jendretzke

Eine der vier W70erinnen: Christel Kunze

Mit Koffer in die Meute geraten: verspäteter Klaus Schulz

Das offizielle Plakat zum Lauf

Said Kahla neben dem von seinem Sohn entworfenen Plakat

Petra Steller aus Rockenhausen bzw. Imsweiler

3. M65 Heinz-Jürgen Metternich

1. M60 Peter Hanke

1. M70 Jakob Lang

2. + 3. M70 Norbert Hoffmann und Manfred Ludwig, dahinter 1. M55 Wolfgang Strosny

Vorjahressieger Michael Hilzinger

1. W60 Margitta Schneider mit ihrem Mann Falk, der auch als Helfer im Einsatz war

Elisa Helferich begleitete u.a. Papa Gernot, dahinter Melanie Straß (2. WHK)

Die beiden jüngsten Teilnehmer: Pascale Watermann und Martin Traeder

Dritter Oliver Ruf

Die Blind Chicken Blues Band

Am Schlagzeug: Ultraläufer Norbert Madry

Neue Deutsche Meisterin im 24 h-Lauf: Gabriele Grohmann

Kleine Pause

Neue deutsche Rekordhalterin W70: Sigrid Eichner

Ehrenrunde zum Rekord mit Deutschlandfahne

Neuer deutscher Rekordhalter M75 Alfred Schippels

Lange führend und am Ende in Schieflage geraten: Mario Reichelt

1. W35 Iris Hadbawnik braucht auch mal ein Päuschen

Neuer Deutscher Meister im 24 h-Lauf: René Strosny

1. W50 Cornelia Bullig

Stefan Hinze, vorbildlich und mit vollem Einsatz betreut von Sohn Philipp

Wolfgang Schwerk und Rainer Koch im stundenlangen Gespräch

Dritte Dorothea Pfeffer

Jeder Höhenzentimeter wird im Laufe des Tages zum Meter

Gisela (1. W65) und Winfried Horn (2. M65) – Hand in Hand aufs Treppchen

Silke Stutzke: glücklich über 150 km – knapp 3 km legt sie noch drauf

2. W70 Jutta Feller

3. W70 Else Bayer, neben ihr Bärbel Fischer bei ihrem zweiten 100er im Rahmen ihres ersten 24ers

Emotionen nach dem Schlusssignal

Emotionen nach dem Schlusssignal

Die Restmetervermesser kommen

Warten auf die Restmetervermesser

Warten auf die Restmetervermesser

Warten auf die Restmetervermesser

Warten auf die Restmetervermesser

Warten auf die Restmetervermesser

Warten auf die Restmetervermesser

Mit Sack und Pack zurück zur Meute

Nach dem Kreislauf macht schon mal der Kreislauf schlapp

Familiengeschichten

Rockenhausen, 19./20. Juni 2010 - Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr war das 4.800 Einwohner zählende Städtchen Rockenhausen Ziel eines sich jedes Wochenende in allen Teilen Deutschlands in Bewegung setzenden Läuferzuges. Und beide Male war Dr. Stefan Hinze, Chefarzt am Westpfalzklinikum, schuld daran. Im März veranstaltete das Klinikum selbst einen 13 km langen Berglauf hinauf auf den Donnersberg, Rockenhausens Hausberg und mit 687 m üNN das höchste Bergmassiv der Pfalz.  

Vom Donnersberg bekamen die Läufer dieses Mitsommerwochenendes aber nur insofern etwas mit, als daß die Halle, die Übernachtungsmöglichkeiten, Toiletten und Platz für Frühstück und Siegerehrung bot, seinen Namen trägt. Denn die Läufer, die diesmal in Rockenhausen ankamen, wollten nicht den Berg erklimmen sondern einen ganzen Tag in der Umgebung der Donnersberghalle verweilen. Ein 24 h-Lauf stand auf ihrer Agenda. Exakt 86.400 Sekunden lang wollten sie auf der 1,175 km langen Runde zwischen Halle und integrierter Gesamtschule hinaus aus dem Gelände, über das Flüsschen Alsenz hinweg und über die Kaiserslauterer Straße zurück zur Donnersberghalle laufen.  

Der von der LG DUV unter der Rennleitung von Wolfgang Olbrich ausgerichtete 24 Stunden-Lauf war gleichzeitig die 22. Deutsche Meisterschaft der DUV in dieser Disziplin. Mit 134 StarterInnen waren so viele SportlerInnen wie noch nie zuvor dem Ruf der DUV nach der Findung ihres Deutschen Meisters gefolgt. Wobei am Samstag um 10 Uhr erstmal nur 133 vom ersten Beigeordneten Michael Cullmann auf die Strecke geschickt wurden. Klaus Schulz aus Berlin kam als Nachzügler zum Zug, er hatte sich in der Startzeit vertan und kam mit seinem Koffer mitten ins Läuferfeld, als dieses in die zweite Runde ging.  

Die meisten der Läufer hatten Betreuer mit an Bord, die sich in der Verpflegungszone häuslich niedergelassen hatten. Vom Minizelt Marke “Halbmuschel” bis zum Wohnmobil war alles vorhanden, was die Campingwelt so zu bieten hat. Zusätzlich gab es dahinter eine Wiese, die als Zeltplatz fungierte und für Übernachtungen vor allem von Freitag auf Samstag genutzt wurde. So entstand eine kleine Zeltstadt, in der es wuselte wie in einem Ameisenhaufen und summte wie in einem Bienenstock. Zusätzlich waren noch Pavillons für die Rennleitung, die Verpflegungsstelle, Pommes- und Kaffeebude für Zuschauer und Betreuer sowie die Liveband “Blind Chicken Blues Band” aufgebaut, die am Samstagabend und Sonntagmorgen Oldies but Goldies zum Besten gab. Der Schlagzeuger, Norbert Madry, ist selbst erfahrener und begeisterter Ultraläufer, einen 24 h-Lauf tut er selbst sich aber nur alle zwei Jahre an. Da er im letzten Jahr bei der DM in Stadtoldendorf als Läufer aktiv war, wollte und konnte er es dieses Jahr in Rockenhausen als Trommler sein. Auf die Frage, ob seine Mitspieler denn auch laufen würden, meinte er nur lachend “Nein, das sind keine Läufer sondern Raucher”. DUV-Ehrenpräsident Harry Arndt, der es sich nicht nehmen ließ, an der Strecke zu stehen und das Renngeschehen aufmunternd zu begutachten und die Siegerehrung durchzuführen, konfiszierte denn auch gleich erstmal eine Packung Tabak.  

Einmal mehr zeigte sich, daß Petrus nicht nur Läufer sondern auch noch Pfälzer sein muß. Das angekündigte schlechte Wetter blieb fast vollständig aus. Zwei Mal nieselte es für zwei bis drei Minuten und das war auch alles, was da an Naß vom Himmel kam. Überwiegend schien die Sonne, auch wenn die Schafskälte nicht vor Rockenhausen Halt machte. Nachts fiel die Quecksilbersäule bis auf unter 5 Grad Celsius – ganz schön kalt, vor allem für Betreuer und Helfer, die teilweise zu Winterjacken griffen und das eine Nacht vor dem längsten Tag des Jahres und kalendarischen Sommeranfang.  

Und einmal mehr zeigte sich auch, daß Ultramarathon eine Sportart auch für ältere Semester ist. Viele der Teilnehmer hatten die 40 (längst) hinter sich gelassen. Vier Frauen waren über 70, zwei Männer gehörten der M75 an, sieben der M70. Der älteste Teilnehmer war Horst Feiler mit sage und schreibe 88 Jahren. Leider mußte er den Wettkampf nach 58,762 km beenden, denn sein Kreislauf wollte nicht mehr so richtig mitspielen und er wurde vorsichtshalber zur Beobachtung von den Sanis in die Klinik gefahren. 

Gerade in diesen hohen Altersklassen fielen zwei Deutsche Rekorde. Sigrid Eichner, mit deutlich über 1.500 “Marathon und mehr” Spitzenreiterin in der Sammelrekordliste, stellte mit 155,690 km einen neuen deutschen Rekord in der W70 auf. Sie war schon mit dem Ziel gekommen, Rekord zu laufen und hatte sich schwarz-rot-goldene Gamaschen über die Schuhe gezogen, als es so weit war. 

Alfred Schippels lief seinen vierten deutschen Rekord. Der Neu-M75er schaffte 170,804 km und führt nun die deutschen Bestenlisten der Altersklassen 60 bis 75 an.  

Das deutsche Nationalteam 2010 fehlte fast komplett, denn erst fünf Wochen zuvor fand im französischen Brive die Weltmeisterschaft statt. Als Doppelstarter waren nur Michael Irrgang und der Deutsche Überraschungsmeister 2009, Michael Hilzinger, auf der Strecke. Ralf Weis und Patrick Hösl stellten sich aber zumindest als Helfer zur Verfügung. Grit Seidel, die eigentlich für Brive nominiert war und dort krankheitsbedingt nicht starten konnte, lief dafür in Rockenhausen. Ihr machte allerdings in der Nacht ein Shin Splint zu schaffen, mit 185,399 km erlief sie sich zumindest den Meistertitel in der W40 und zusammen mit ihren Frauschaftskolleginnen von der LG Nord Berlin, Daniela Dilling und Heike Pawzik, den Mannschaftstitel.  

Nichtsdestotrotz wurden wirklich gute Leistungen erzielt. Insgesamt 13 LäuferInnen liefen mehr als 200 km, davon die ersten drei Frauen. Sowohl an der Männer- als auch an der Frauenspitze war die Beer erst in der letzten halben Stunde wirklich geschält.  

Gaby Grohmann (LG M.U.T. Troisdorf) hatte für ihren zweiten 24er bereits im Januar Marika Heinlein den Krieg erklärt. Beide sind in der Fördergruppe der Deutschen Ultramarathonvereinigung und verstehen sich ausgesprochen gut. Das schließt aber einen echten und ehrlichen Wettkampf nicht aus, in der jede gewinnen will, der anderen den Sieg aber am Ende dennoch gönnt. Gaby Grohmann wollte nach ihren 202 km vor Jahresfrist in Stadtoldendorf unbedingt dieses Mal die Qualifiaktion für internationale Einsätze schaffen, die bei 205 km steht. Für die eigene Motivation wettet sie immer mit ihrem Mann und Betreuer Volker um ein “Elektrospielzeug”. Hatten ihr die mehr als 200 km in Stadtoldendorf schon ein Bose-Radio eingebracht, so sprang in diesem Jahr mit 213,573 km ein Laptop für sie heraus. Der Weg dahin war aber nicht nur lang sondern auch schwer, wie fast jeder Läufer hatte auch Gaby ein dickes Tief zu überwinden, in dem sie sich in der Morgendämmerung sogar mal auf einen Stuhl fallen ließ und von ihrem Mann nur “mit brachialer Gewalt” wieder auf die Strecke geschickt werden konnte. In den letzten Stunden lieferte sie sich einen spannenden Zweikampf mit der dreimaligen Deutschen Meisterin Marika Heinlein aus dem fränkischen Geesdorf. Mal lag die eine vorne, mal die andere. Am Ende hatte Gaby das stärkere Finish, konnte nochmal alle Kräfte mobilisieren und nahm Marika noch drei Runden ab. Diese wurde mit 210,048 km Zweite. Man muß fast schon bedauern, daß beide der W45 angehören und Marika somit auch in der Altersklasse das Nachsehen und “nur” den zweiten Platz hatte. Die beiden stehen in der Ergebnisliste auf den Plätzen 6 und 7. 

Das Podium komplett machte mit Dorothea Pfeiffer ebenfalls eine Läuferin der W45. Sie lieferte mit 200,319 km das letzte Ergebnis jenseits der 200 km-Marke ab. Unauffällig lief und lief und lief sie wie ein VW-Käfer und eroberte sich im Laufe der Stunden ihren dritten Platz. In der Vorbereitung hatte sie Anfang Mai in Basel den 12 h-Lauf mit 115 km gewonnen und war am Ende über Platzierung und Leistung bei ihrem ersten 24 h-Lauf überhaupt glücklich. 

Auf Platz Vier dann die Siegerin der W50. Cornelia Bullig, alte Häsin auf Rundstrecken, erreichte 197,688 km und lief damit so weit wie schon seit sechs Jahren nicht mehr in dieser Disziplin – auch wenn sie zwischenzeitlich, nämlich 2008, mit 775,255 km einen neuen deutschen 6-Tage-Rekord und Weltrekord in ihrer damaligen Altersklasse W45 gelaufen ist. In den letzten Jahren kämpfte sie wiederholt mit einer Arterienverstopfung im Oberschenkel und konnte nicht an ihre alten Leistungen anknüpfen. Jetzt scheint der Knoten geplatzt zu sein, sie lief in Rockenhausen bis zum Ende wie am Schnürchen. 

Ein wahrer Wettkampf entbrannte unter den Damen auf den Plätzen 2-4 der W70. Der Sieg gehörte unangefochten Sigrid Eichner, mit der es keine ihrer Altersklassenkolleginnen aufnehmen konnte. Für Christel Kunze, letztlich mit 62,288 km letzte Mohikanerin der W70, lief es auf dem Rundkurs gar nicht rund. In der Woche zuvor hatte sie sich extra für Rockenhausen beim 24er in Schenefeld geschont und dann erwischte sie in der Pfalz einen rabenschwarzen Tag. Else Bayer, die “Grande Dame” des deutschen Ultramarathons, marschierte 110,598 km lang und wurde noch von Jutta Feller abgefangen, die 111,711 km schaffte. 

Äußerst spannend war auch das Männerrennen. Anfangs setzte sich Vorjahressieger Michael Hilzinger an die Spitze (wenn man mal davon absieht, daß Stefan Feller wie immer mit einem “Sprint” durchstartete und das Feld die erste gute halbe Stunde anführte). Nach einigen Stunden übernahm Mario Reichelt die Führung und sah lange Zeit wie der klare Sieger aus. Dann aber bekam er in den frühen Morgen Stunden Probleme und gleichzeitig drehte René Strosny auf. Er hatte sich, nachdem er zusammen mit dem deutschen Rekordhalter Wolfgang Schwerk und Transeuropalaufsieger Rainer Koch relativ verhalten angefangen hatte, recht bald auf die zweite Position vorgearbeitet, aber immer einige Runden Rückstand auf Reichelt, mit dem er sich schon vor zwei Jahren anläßlich der DM in Berlin ein heißes Rennen geliefert hatte. Unbeirrt holte er bestechend immer mehr auf. Um 4.30 h fasste seine Lebensgefährtin und Betreuerin Angela Ngamkam wie folgt zusammen “Mario schwächelt etwas, René aber leider etwas mehr”. Dann aber erlebte Mario einen echten Einbruch, während René wieder ins Rennen fand und ein enormes Tempo vorlegen konnte. Mit 236,518 km hatte er am Ende einen deutlichen Vorsprung von über 5 km – und seine alte persönliche Bestleistung um 18 km übertroffen.  

Mario Reichelt, in der DUV-Statistikdatenbank unter Erhard Mario Reichelt zu finden (es gibt noch einen zweiten Mario Reichelt, der ebenfalls Jahrgang 1970 ist), lief bei seinem dritten 24er mit 231,203 km auch 17 km mehr als vor zwei Jahren in Berlin. 2009 war er mit 26:54 h als Gesamt-Achter bester Deutscher beim Spartathlon.  

Oliver Ruf hatte sich mit dem Etappenlauf “über die Höhen des Bergischen Landes” Ende Mai auf Rockenhausen vorbereitet und mit seinem dortigen Sieg schon einen guten Grundstein gelegt. Weil er für die LG DUV startet, kann er auch an Pfalzmeisterschaften teilnehmen. Als er am 17. April an die Deutsche Weinstraße kam, um am Tag darauf am Weinstraßenmarathon teilzunehmen, fuhr er spontan noch die paar Kilometer in die Südpfalz, um dort bei den Pfalz-Halbmarathonmeisterschaften zu starten. Zu seinem eigenen Erstaunen und der der in der Pfalz ansässigen Konkurrenz wurde er an diesem Samstagnachmittag Pfalzmeister. Für sein 24 h-Debut suchte er sich wieder Pfälzer Pflaster aus und konnte mit 229,750 km eine Duftmarke setzen. Ihm fehlen lediglich 250 m zur Qualinorm für internationale Einsätze.  

Er konnte auch am Ende nicht nachlassen, den Stefan Hinze rückte ihm in den letzten Stunden gehörig auf die Pelle. Der DUV-Präsident hatte sich akribisch auf diesen Heimstart vorbereitet, 240 km waren eigentlich Mindestziel. Aber erstens kam es anders als es zweitens geplant war. Obwohl er von seinem Sohn Philipp vorbildlich betreut wurde (es gab schon Anfragen, ob man Philipp denn mieten könne), streikte des nachts sein Magen, er mußte sage und schreibe fünf Stunden gehend auf der Strecke bleiben. Mit seinem vierten Platz kann er zwar leben, aber über 227,832 km, die ihm den Meistertitel in der M45 einbrachten, ist er alles andere als glücklich.  

Der Name Strosny taucht noch ein zweites Mal in der Ergebnis- und Meisterliste auf. Renés Vater Wolfgang gelangte bei seinem 24 h-Debut direkt aufs oberste Treppchen in der M55.  

Mehr als 21 Stunden lang sah Norbert Hoffmann wie der sichere Sieger der M70 aus, in der Morgendämmerung lag er sogar noch fast auf Weltrekordkurs (gehalten von Alfred Schippels mit gut 194 km). Dann war nach seiner eigenen Aussage “Flasche leer” und der Weg frei für einen Athleten mit einer außergewöhnlichen Laufbahn: Jakob Lang. Der Bayer, der seit 43 Jahren in Riegelsberg (Saarland) lebt, war in den Jahren 1994-1997 fünf Ultras gelaufen: 2x Rennsteig, 2x 100 km Rodenbach, 1x 100 km Neuenwittbek. Aus vielerlei persönlichen Gründen hängte er 1997 die Laufschuhe an den Nagel. In den kommenden 11 Jahren gab es zwei oder drei nicht mal richtig halbherzige Wiedereinstiegsversuche, die aber jedes Mal wegen völliger Motivationslosigkeit sofort wieder in der Versenkung verschwanden. 2008 war seine Frau mal weg und ihm langweilig, also schnappte er sich seine alten Laufschuhe und fuhr zu einem Halbmarathon. Im zarten Alter von 68 Jahren lief er aus dem Stand 1:52 h – und da war sie wieder, die Lust auf mehr. 2009 folgte in Leipzig der erste Nach-Pausen-Ultra, den er nach 10:52:57 h mit einem Sieg in der M65 beendete. Da er fast zwei Stunden Vorsprung vor dem Altersklassenzweiten hatte, reifte sofort der Plan, es doch auch mal mit 24 h zu probieren. Er trainierte, mit Abwandlungen abgestimmt auf seinen persönlichen Zeitplan, nach dem Trainingsplan von DUV-Fördergruppenmitglied Michael Irrgang, kam in der Vorbereitung auf Rockenhausen auf bis zu 180 Wochenkilometer. Sein Minimalziel waren 150 km, sein Maximalziel eigentlich 180. Daß er es mit 187 km so deutlich überschritten hat, läßt ihn direkt nach den nächsten Sternen greifen: der M70-Weltrekord soll es schon noch sein, die 200 km-Marke würde er gerne noch knacken. Da er den Lauf, der ihm riesig Spaß gemacht hat, völlig ohne Blessuren und Schmerzen überstanden hat, ja nicht mal Muskelkater hatte, ging er montags direkt wieder eine  Stunde auf die Piste. Er führt seinen soliden Zustand auf seine gesunde Lebensweise und die Kneippanwendungen zurück. Als zertifizierter Kneipp-Gesundheitstrainer gibt er sein Wissen auch an andere weiter. 2010 wird man ihn aller Voraussicht nach wieder beim Leipziger 100er antreffen, dann bei zwei Marathons im September (Saarbrücken und Saarmarathonmeisterschaften in Orscholz), die er als Vorbereitung auf die 100 km Senioren-WM im November in Gibraltar nutzen möchte. “Und dann mache ich aber erstmal ein paar Wochen Pause”. Sieht so aus, als ob wir noch viel Gutes von Jakob Lang hören und sehen werden.

Die Zahl der 24 h-Deubutanten war in Rockenhausen überraschend hoch. Viele von ihnen kamen sogar aus allernächster Nähe, vor allem Kaiserslauterer sah man viele auf der Strecke. Eine Debutantin kam aus Eisenberg: Elke Bernsdorf war überglücklich über ihren ersten 100er, auch wenn sie mit Knieproblemen viel gehen mußte.

Zu den älteren Teilnehmern gehörten auch Gisela und Winfried Horn aus Werdau. Die beiden laufen in der AK65 – und liefen fast die ganze Zeit zusammen, absolvierten viele Kilometer händchenhaltend. Sie fielen wohl so ziemlich jedem Läufer auf. Winfried hatte am Ende mit 148,836 km und AK-Platz 2 5,876 km mehr auf dem Zähler als die W65-Siegerin, seine Angetraute. Auf die Frage an Gisela, wo sie denn ihren Mann gelassen habe, als sie plötzlich alleine unterwegs war, antwortete sie “den habe ich jetzt mal weggeschickt. Er ist doch noch viel schneller als ich”.  

Die Youngster des Rennens waren Pascale Watermann und Martin Traeder aus Hannover, 20 Jahre jung. Pascale wurde mit 132,272 km Deutscher Juniorenmeister, sein Freund Martin lief 126,589 km. Die beiden hatten so viel Power, daß sie die letzten Runden fast schon Schmauchspuren hinter sich herziehend absolvierten. Das war wohl die zweite Luft kurz vor Rennende. 

Die Allerjüngste, die allerdings ohne Startnummer lief, war die 7jährige Elisa Helferich. Sie hat eindeutig die Laufgene ihrer Eltern geerbt. Silke Helferich ist eine geborene Feller, sie und ihr Mann Gernot sind in der Ultralaufszene ebenso bekannt wie ihre Eltern Jutta und Franz, ihre Brüder Stefan und Robert und ihre Schwägerin Andrea. Elisa lief voller Freude insgesamt ungefähr 50 km! Am Samstag drehte sie, mal mit dem Papa, mal mit der Mama, insgesamt 32 Runden, ging dann mit Benjamin Blümchen schlafen und war morgens wieder putzmunter. Weil ihre Eltern ihr zu langsam geworden waren, rannte sie die eine oder andere Runde sogar alleine. Wenn sie den Spaß am Laufen nicht irgendwann verliert, muß dem Feller-Clan nicht bange sein um seinen Laufnachwuchs.  

Man könnte noch 1001 Geschichten und Geschichtchen erzählen, bemerkenswert ist aber sicher noch die von Petra Steller. Ohne jegliche Ultralauferfahrung hatte sie sich einfach mal angemeldet – weil sie im Ortsteil Imsweiler wohnt und in Rockenhausen die Poststelle hat. Nach 52,886 km fuhr sie nach Hause zum Schlafen und wollte am nächsten Morgen eigentlich weiterlaufen. “Mein Herz und mein Kopf wollten unbedingt, aber meine Beine haben gestreikt” bekannte sie, als sie um 10 Uhr zumindest die Ende der Veranstaltung als Zuschauerin genießen wollte.  

Nach einer ausführlichen Siegerehrung aus dem Arndtschen Repertoire ging am Sonntag gegen 14 Uhr eine entspannte und spannende Deutsche Meisterschaft zuende, die viele mit glücklichen und nur wenige mit unzufriedenen Gesichtern verließen. 

Veranstalterseite www.lg-duv.de

Ergebnisse mit Urkundendruck in der DUV-Statistikdatenbank