10. Citylauf in Pforzheim
Fotos: Jochen Höschele
Teilnehmerrekord in der Goldstadt – Kenianer dominieren den Jubiläumslauf
Pforzheim, 25. Juni 2010: Nach einem Gastspiel im Enzauenpark im letzten Jahr fand die zehnte Auflage des Pforzheimer Citylaufs wieder in der Innenstadt statt, was bei allen Beteiligten gut ankam. Im Herzen der Goldstadt wird auf einer 2,5 km langen Runde über Marktplatz, Fußgängerzone und Zerrenerstraße gelaufen. Erst die Schüler in Form von Einzelwettbewerben und Staffeln, dann die Einsteigerläufer über 5 km und später um 19.30 Uhr fällt dann der Startschuss für den Hauptlauf über 10 km, der auch Wertungslauf im „Volkslauf Cup der Sparkasse Pforzheim Calw“ ist.
Pforzheim mit seinen knapp 120.000 Einwohnern ist neben der Schmuckindustrie (daher der Name Goldstadt) leider auch bekannt für seine nahezu komplette Zerstörung am 23. Februar 1945. 379 (!!!) britische Bomber legten innerhalb von 22 Minuten die gesamte Stadt mit ihren Fachwerkhäusern und der engen Altstadt in Schutt und Asche; 98% der Stadt wurden zerstört. Auf einer Länge von drei Kilometern und einer Breite von eineinhalb Kilometern brannten sämtliche Gebäude aus. Fast 18.000 Menschen fanden den Tod, was ein Drittel der Bevölkerung war. Der Angriff auf Pforzheim war nach Hamburg und Dresden der drittstärkste alliierter Bomber während des Zweiten Weltkrieges. Dieses Ereignis wirkt sich rein städtebaulich bis heute aus. Das Stadtbild von Pforzheim ist geprägt von den Gebäuden des Wiederaufbaus in den 50er-Jahren. Eine historische Altstadt, wie in so vielen Städten, gibt es leider nicht. Von den 2.000 Jahren Pforzheim ist nichts mehr übrig.
Dies alles interessierte die vielen Läufer und Zuschauer beim Citylauf jedoch nicht. Sie wollten schönen Sport sehen oder sich im Wettbewerb mit anderen messen. Der Tag war sehr warm gewesen, der Abend noch recht lau, sehr schöne Bedingungen für die Zuschauer. Für die Läufer war es zumindest beim 5 km Lauf sicher zu warm. Auf jeden Fall lockte das schöne Wetter und die Volksfeststimmung garniert mit brasilianischen Rhythmen viele Zuschauer an die Strecke, die die Läufer auf ihren Runden unterstützten.
Den 5 km Einsteigerlauf gewann bei den Männern der A-Jugendliche Lucas Bittigkoffer vom TV Neulingen in 16:56 min vor Alexander Hempel (17:11 min) und Joachim Becht (FC Unterkirnach) in 17:20 min. Bittigkoffer war vor zwei Wochen erst überraschend Baden-Württembergischer A-Jugend-Meister über 1.500 m geworden und konnte in Pforzheim damit erneut seine gute Form zeigen. Er war allerdings überrascht davon, dass das Rennen trotz der beim 5 km Lauf noch vorhandenen Hitze so schnell für ihn werden sollte. Joachim Becht zeigte sich sehr angetan von der Rückkehr in die Innenstadt. „Es gibt keine großen Engpässe mehr. Hier kann man auch viel besser und ungefährlicher überholen“, meinte der 49-jährige Schwarzwälder.
Bei den Frauen gab es schon wieder einen Sieg für Lina Scherzer (LAZ Salamander Kornwestheim Ludwigsburg). Die 20-jährige hatte vor einer Woche den 5 km Lauf in Oberriexingen gewonnen und siegte in Pforzheim ebenso klar in 20:22 min. Sie war als Juniorin 2008 schon mal Mitglied des Berglauf Nationaltems gewesen und damals bei der Europameisterschaft in Zell (Schwarzwald) am Start. Mit etwas Abstand wurde Daniela Schnell (TSV Wildbad) in 21:42 min Zweite vor Carolin Siedelmann (SG Pforzheim/Eutingen) in 23:23 min.
Über die 10 km gab es rein sportlich keine Überraschungen. Am letzten Tag hatten sich noch vier kenianische Läuferinnen und Läufer gemeldet; wer ein wenig in der Volkslaufszene umherschaut, dem waren die Namen durchaus geläufig. Damit war schon von vorneherein klar, dass das Rennen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern wohl von den schnellen Afrikanern entschieden werden wird. Den Pforzheimer Veranstaltern ist es wichtig zu betonen, dass sie keine „Berufsläufer“ eingeladen haben und keine Prämien für deren Start bezahlen, sondern dass der Pforzheimer Citylauf den lokalen Spitzenläufern gehören sollte.
Dass deren Siegchancen natürlich auf ein Minimaß sinken war mit dem Antritt der Kenianer klar, aber es steht natürlich jedem Athleten frei, zu laufen wo er will. Über die Aktionen der so genannten Manager, die ihre Schützlinge, oft aus Afrika, von Lauf zu Lauf schicken und bei jedem Volkslauf die nicht immer üppigen Siegpreise abräumen lassen, wurde auch hier im Laufticker schon viel geschrieben. An der Meinung hierzu hat sich nichts geändert. Klar, die Kenianer, auch die in Pforzheim, leben von ihrem Sport, verdienen meist den Lebensunterhalt für ihre Familien zuhause, daher ist es auch irgendwo nachvollziehbar, dass sie dies mitmachen. Es bleibt zu hoffen, dass sie immer auch das Geld, das sie erlaufen, kassieren dürfen und es nicht mehrheitlich in den Taschen der Manager verschwindet.
Der Läufer mit der Nummer 1 war als erster im Ziel. Paul Kipkorir benötigte 30:28 min für die 10 km und hatte eine halbe Minute Vorsprung auf seinen Landsmann Benjamin Kemboi.
Aus regionaler Sicht waren in Pforzheim eine Vielzahl sehr guter Läufer angetreten, doch mehr als Rang drei sollte für keinen drin sein. Schade, denn die lokalen Helden hätten es verdient. Und ihre Zuschauer und Fans auch. Der TV Neulingen war der Verein, der die erfolgreichen Lokalmatadoren stellte: Stefan Hohl lief bei den Männern in 31:15 min auf Rang drei, seine Vereinskollegin Katrin Mannsdörfer machte es ihm in 39:28 min nach.
Erst in der dritten Runde musste der Huchenfelder im Trikot des TV Neulingen Stephan Hohl abreißen lassen. Er hatte lange mit den beiden Kenianern mitgehalten, lag zwischenzeitlich mit etwas Vorsprung auf Kemboi sogar auf Rang zwei, musste am Ende aber dem afrikanischen Duo den Vortritt lassen. Dafür waren sicherlich nicht nur die Aufschürfungen und die Prellungen aufgrund eines Sturzes vom Rad Anfang der Woche schuld, sondern auch das an diesem Tag einfach höhere Tempo der beiden. Das Rennen begann eher in einem Bummeltempo, das ab der zweiten Runde verschärft wurde. Man konnte regelrecht zusehen, wie ein Läufer nach dem anderen aus der Spitzengruppe flog. Dann waren nur noch Hohl, Kipkorir und Kemboi übrig. Hohl fand seine Zeit „nicht berauschend“, aber angesichts der Beeinträchtigungen aufgrund des Fahrradsturzes war es in Ordnung für ihn. Ebenfalls als „in Ordnung“ stufte der Sieger seine Leistung ein; wobei er auch Zeiten von unter 30 min laufen kann. Aber warum sich zu sehr verausgaben, wenn es gar nicht erforderlich ist. Nächstes Wochenende stehen wieder irgendwo in Deutschland Volkläufe an, bei denen man gewinnen kann.
Sehr zufrieden mit sich war Katrin Mannsdörfer. Die 24-jährige Mittelstreckenläuferin aus Neulingen hatte mit 39:28 min zwar fast vier Minuten Rückstand auf die beiden kenianischen Siegerinnen Veronica Cheboi (35:32) und Priscilla Lorchima (35:34), doch das war ihr nach ihrer guten Zeit und dem dritten Platz egal. Sie war auch sehr angetan von der guten Stimmung an der Strecke: „Das spornt richtig an, schneller zu laufen.“ Nach etwa der Hälfte des Rennens sah es so aus, als würde Nadine Fromm (Team Ronhill) sie noch einholen können, doch dann hatte Mannsdörfer den längeren Atem. Nadine Fromm ist Polizistin und hat eine Marathonbestzeit von 2:59 h. Krankheitsbedingt musste sie letztes Jahr lange mit der Lauferei aussetzen. Langsam, aber sicher findet sie zu ihrer alten Form zurück. In Pforzheim war sie zufrieden mit ihrem Rennen. „Mehr war nicht drin.“ Als nächstes übernimmt sie bei der Ironman-Staffel in Roth den Part der Marathonläuferin.
In den Altersklassen fällt der Sieg von Mark Walton (TV Tiefenbronn) in der M50 mit 36:56 min auf. Er lieferte sich einen heißen Kampf mit Stephen Hunter (LTG Kämpfelbach), der 37:00 min bis ins Ziel brauchte. In der M60 siegte Edwin Müller (TB Wilferdingen) in 39:12 min vor einem alten Bekannten der Laufszene, Günter Gerke (LG Neckar-Enz), in 39:30 min. Eine sehr gute Leistung lieferte Vinzenz Kudler ab, der bereits in der M70 läuft. 44:05 min wurden für ihn gestoppt.
Regina Vielmeier (SV Oberkollbach) gewann souverän die W45 in 40:05 min, was nur knapp über ihrer Bestzeit von 39:52 min liegt.
Freuen darf sich die Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) Pforzheim als Veranstalter über einen neuen Teilnehmerrekord. 2169 Läuferinnen und Läufer wurden gezählt – rund 60 mehr als vor einem Jahr.
Direkter Link zur Veranstaltung: http://www.ws-pforzheim.de/citymarketing/projekte-des-citymarketing/citylauf-pforzheim/swp-citylauf-pforzheim-2010.html
und zu den Ergebnissen: http://sifi-timing.de/index.php/Veranstaltungen-2010/SWP-EnzauenLauf-Pforzheim-2010-25.06.2010

