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15. Ludwigshafener Stadtlauf

[eingestellt am 27. Juni 2010]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

die Ruhe vor dem Sturm bei den Zeitnehmern

650 m für die Bambini bis Jahrgang 2003

Volle Konzentration

Spaß ist was anderes

Argument gegen Startschuß für die Kleinsten

Kinderzerren in Ludwigshafen

Die Jungs sind los

In das Shirt kann er noch reinwachsen

Kinderzerren in Ludwigshafen II

Und wie war’s bei Dir?

Bei den Schülerinnen geht’s ohne Eltern

Kleiner Sturz beim Schülerlauf

Schnellste Schülerin über 1.200 m Julia Pickhan

Kristina Pickhan wird Zweite

Geschafft

Zieleinlauf 1.200 m Schüler: Benedikt Heil (306) vor Julian Jakob (716)

Spärlich: das Feld des Jugendlaufs

Sieger Jugendlauf: 1. Alexandre Beriya (813), 2. Jonathan Schmitt (826), 3. Rotschopf Robin Fischer, 4. Friedrich Schwindt (827)

Zweite Jugendlauf Maxi Kullmann

Laura Hochdörfer gewinnt den Jugendlauf und wird im Hauptlauf Zweite

Dritte Jugendlauf Alina Werle

Das Elitefeld stürzt sich ins Getümmel

Vitaly Shafar lag 7 von 8 Runden in Führung

Anfänglich dichtes Verfolgerfeld

Irina Mikitenko machte 7 Runden lang die Pace

Kämpft allein auf weiter Flur: Veronika Ulrich

Stefan Koch

Luca Bongiovanni

Ilona Barvanova (6) läuft unbeirrt weiter, während sich Sviathlana Kouhan (7) nach der Konkurrenz umdreht

Kein Blick für Pommesbude & Co: Patrick Kimel (21), Joseph Kiptum (22), Tola Bane (24), John Kipkorir Mutai (29) und dahinter Musa Roba-Kinkal

Jan Förster setzt zum Überrunden an

Irina Mikitenko auf Platz 4 abgefallen, im Hintergrund holt Joseph Kiptum gerade Vitaly Shafar ein, der rechts hinter dem Führungsradler verborgen ist

Um 1.000 € reicher: Joseph Kiptum

150 m vorm Ziel macht Veronika Ulrich ihren vorletzten Platz sicher

Wolfgang Köllner zeichnet für den Elitelauf verantwortlich

Alle Siegerehrungen wurden von OBin Eva Lohse (links in braun-weiß) durchgeführt

Mark-Sven Kusmagk: Für die Galerie am Start vorneweg, am Ende 75. (!)

Marcos – einer von 160 BASFlern im Feld

Sieger Rafael Bender und Zweiter Tobias Hahn

Wie so oft zu schnell angegangen, am Ende Dritte: Elke Hamleser

Ganz schön heiß und schwer heute

Jacintha Kausmann aus den Niederlanden fiel durch ihre ungewöhnliche Frisur auf

Der Dritte Quirin Koch (1552) beim Zickzack-Überrundungsmanöver

Der Trainer von Vitaly Shafar, Jerzy Janowicz, wird Vierter und 1. M50

Der neue “Papierchip”

Der Jugendlauf war diesen Jungs zu wenig

Auch 2. M50 Farzad Farivar-Memar (937) quetscht sich durch

Laura Mees (1577) hat die Führung übernommen, Laura Hochdörfer (1545) ist noch bei ihr, Elke Hamleser dahinter wird gerade eingesammelt

Erfrischende Läuferdusche…

…die so Manche/r auch zu umlaufen versucht

Auch eine Variante: Kopf nass, Körper trocken

Oder: Arm nass, Körper trocken

Christine Sauerland kämpft

Vierte Bianca Kramer zwischenzeitlich sogar mal auf Platz 3 vorgelaufen

Einsteigen oder nicht – das ist gar keine Frage

Ob er sich nach dem Fassbier umdreht?

Sommerfrischler unterwegs

Wasser von außen und innen im Ziel

1. M60 Gerhard Baus

3. M40 Stephan Ischner

2. MHK Alexander Bastian

Asphalttreten in der Chemiestadt 

Ludwigshafen/Rhein, 26. Juni 2010 – Wer an “Ludwigshafen” denkt, denkt sicher in der Regel an die Chemiestadt, am Rhein am Mannheim gegenüberliegenden Ufer gelegen. Allerdings gibt es tatsächlich noch ein zweites, nämlich einen Stadtteil von Bodman am Bodensee. Der Ludwigshafener Stadtlauf, der in diesem Jahr in die 15. Runde ging, ist aber tatsächlich ein Kind der zweitgrößten Stadt in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die an diesem Wochenende ihr Stadtfest “Spektaculum” feiert, das am Freitagabend mit einem Innenstadt-Radrennen eingeläutet wurde. Damit sich die Absperrgitter auch lohnen, folgte also 24 Stunden später der Stadtlauf. 

Obwohl der Raum Ludwigshafen bereits seit frühester (Römer)Zeit besiedelt ist, wurde die Kommune als solche erst 1853 aus der Taufe gehoben, verdankt ihren Namen einer Widmung für König Ludwig I zu Bayern, seit 1859 hat sie Stadtrechte. Heute ist es eine 163.000 Einwohner-Stadt, die damit ungefähr dieselbe Größe hat wie Saarbrücken oder auch die ebenfalls als Chemiestandort am Rhein bekannte Stadt Leverkusen. 

Durch die kriegswichtigen Industrien wurde der Ballungsraum Mannheim/Ludwigshafen im zweiten Weltkrieg in weiten Teilen dem Erdboden gleich gemacht. Von Ludwigshafen blieben nur ca. 20% stehen. Entsprechend fehlt es der Stadt an gewachsenen Strukturen, die Innenstadt ist ein Wiederaufbaukind und, wie es damals üblich war,  eher eine graue Betonwüste. Attraktiv ist etwas anderes und so gibt es für die Läufer, die sich zum Ludwigshafener Stadtlauf anmelden, keine Schönheiten, die vom Lauf ablenken könnten. Selbst das Ludwigshafener Theater, der Pfalzbau, in dem Altkanzler Helmut Kohl, der in Ludwigshafen lebt, vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag feiern durfte, verschwindet derzeit hinter einem Gerüst. 

Die Straßenführung in Ludwigshafen ist zudem bekannt durch ihr Hochstraßensystem, das dem Tokios nachempfunden ist. Die Hochstraßen führen dazu, daß man aus der Peripherie schnell nach Mannheim und wieder zurück kommt, ohne überhaupt nach Ludwigshafen hinein zu müssen. Die Hochstraße Süd hatten die Läufer direkt im Blick, als sie nach dem Start die erste Kurve passiert hatten. 

In der City, die zum Stadtteil “Südliche Innenstadt” gehört, hatten die Organisatoren vom Sportamt und vom Ludwigshafener Sportverband eine 1,2 km lange Runde abgesteckt, für die ganz Kleinen gab es noch eine 650 m-Variante. Start und Ziel sind auf dem Berliner Platz, auf dem sich im Advent auch der Weihnachtsmarkt breit macht. Die Streckenführung ist seit 1999 unverändert.

 

Zum Programm gehören neben den für die Teilnehmer kostenlosen Bambiniläufen für Kids Jahrgang 2003 und jünger ein Schülerlauf (Jahrgang 1995 bis 2002), ein Jugendlauf (Jahrgang 1991 bis 1994) über jeweils zwei Runden oder 2.400 m, ein Volkslauf über sechs Runden (= 7.200 m) und ein Elitelauf über acht Runden (9.600 m). So, wie es Zulassungsbeschränkungen für den Elitelauf gibt, sollte man, wie so oft, vielleicht auch über Zulassungsbeschränkungen für die Bambini nachdenken. Laufen darf nur, wer das ohne Hilfe der Eltern schafft, diese sollten auf der Strecke nicht mehr zugelassen werden. So spielte sich auch in Ludwigshafen ab, was fast allerorten bei den Läufen der Minis zu beobachten ist: es werden Kinder plärrend und zeternd von ihren Eltern an der Hand über die Strecke gezerrt. Falsch verstandener Ehrgeiz der Großen zum Spaßverderb bei den Kleinen. 

84 Jungen und 74 Mädchen wurden im Ziel erfasst. Die Mädchen schlugen sich auch in der Gesamtwertung ganz tapfer, denn Lillia Kebbe wäre mit ihren 2:39 min Siegerzeit bei den Jungen Dritte geworden, Jordis Rheinstädter mit ihren 2:48 min Vierte. Dritte wurde Martha Mrachacz in 2:51 min. Insgesamt blieben fünf Mädchen und elf Jungen unter drei Minuten.  

Der schnellste Junge war mit 2:33 min Kevin Steiger, gefolgt von Armin Dzafic (2:37 min) und Malte Dorra (2:45 min). Daß Ludwigshafen einen Ausländeranteil von rund 20% hat, zeigt sich dabei natürlich vor allem auch in der Ergebnisliste der ganz Kleinen, die oft über ihre Schulen und Kindertagesstätten angemeldet waren.

Die Schüler- und Jugendläufe sind für 3 € zu haben, der Volkslauf für 5 € - allerdings gibt es eine Familienermäßigung, die sich ab drei Teilnehmer einer Familie lohnt und für die 8 € aufgerufen werden. Dafür bekommt man nicht nur Wasser und Iso unterwegs und im Ziel sondern auch noch ein Funktionsshirt, das dieses Jahr zu Ehren des 15er-Jubiläums in türkis leuchtete. Für kleines Geld wird hier also recht viel geboten – was natürlich auch der Tatsache zu verdanken ist, daß vor allem die BASF und die Technischen Werke Ludwigshafen die Veranstaltung finanziell unterstützen.

Bei den SchülerInnen wurden im Ziel 145 Mädchen und 165 Jungs erfasst – so hohe Frauenanteile würde man sich für die Erwachsenenläufe oft wünschen, diese Quote wird annähernd eigentlich nur ab und zu im Bereich des Ultramarathons erreicht.

 

 

Das Heinrich-Böll-Gymnasium stellte mit seiner Gruppe “Laufen statt rauchen” die beiden schnellsten Mädchen. Julia Pickhan (4:15 min) und Kristina Pickhan (4:24 min) erklommen die Plätze 1 und 2 des Siegertreppchens, gefolgt von Melissa maurer (TG Oggersheim), die 4:31 min brauchte. Unter fünf Minuten für die 1,2 km blieben 15 Mädchen, sieben von ihnen vom Heinrich-Böll-Gymnasium. 

Bei den Schülern liefen die ersten drei sogar schneller als vier Minuten. Benedikt Leimbach (DJK Eintracht Ludwigshafen) und Julian Jakob (ABC Ludwigshafen) wurden zeitgleich mit 3:52 min brutto gestoppt. Benedikt war netto eine Sekunde schneller. 3:58 (netto 3:57) min brauchte Philipp Binder (TV Dürkheim 1860). Bei den Jungen blieben gleich 52 unter fünf Minuten. 

Schnellste Jugendliche über zwei Runden war Laura Hochdörfer (TSG Maxdorf, 8:57 min), als Gesamt-Fünfte, die anschließend auch gleich noch beim Volkslauf startete. Um es vorweg zu nehmen: dort wurde sie Zweite. Sie geht nur im Winter auf die Bahn, im Sommer macht sie lieber Volksläufe. Dieses Jahr will sie den Nike-Engelhorn-Cup durchlaufen.

Ihre Verfolgerin auf das Podium, Maxi Kullmann (ABC Ludwigshafen, 10:05 min), kommt dagegen eher von der Bahn, läuft lieber und häufiger 800 und 1.500 m. Mit ihrer Zeit in ihrer Heimatstadt war sie nicht so zufrieden, wohl aber mit der Platzierung. Auch bei höherem Tempo hätte sie Laura Hochdörfer wohl nicht gefährden können. Sie war überrascht, wie dünn besetzt der Jugendlauf war, in den Vorjahren mußte sie mehr um eine gute Position kämpfen, in diesem Jahr liefen alle aus Reihe 1 los. Insgesamt starteten nur magere sieben männliche und 15 weibliche A- un B-Jugendliche. Hier hatten sich offenbar die Schulen nicht mehr oder einfach erfolglos bemüht, Teilnehmer zu schicken, denn nur Alina Werle (10:47 min), die Dritte wurde, lief für das Heinrich-Böll-Gymnasium. 

Alexandre Beyria, der in glatten 8 Minuten überlegene Sieger, kam aus Frankreich nach Ludwigshafen, er startet für “office des sports Lorient”. Jonathan Schmitt vom Dürkheimer Hockeyclub brauchte 8:11 min, Robin Fischer von der MTG Mannheim 8:14 min. 

Zum ersten Mal wurde der Elitelauf, der von Namensgeber GLOBUS finanziert wird, vor dem Volkslauf gestartet. Die Veranstalter um den Leiter des Sportamts Thomas Gerling und seinen Mitarbeiter Wolfgang Köllner begründen das damit, daß die Volksläufer damit zum Einen ein bißchen aus der Hitze genommen werden und zweitens keinen Druck durch die festgelegte Startzeit für die Eliteläufer im Nacken haben. Bei den Volksläufern wurde die Verlegung zwiespältig aufgenommen, es gab auch Stimmen, die meinten, sie hätten keine Lust ohne Zuschauer zu laufen, die sonst eigens wegen der Eliteläufe ausgeharrt hätten. 

Wie schon bei den Kids wurde die Elite zweigeteilt gestartet. Zuerst gingen zehn Frauen auf die Piste, drei Minuten später folgten ihnen 17 Männer. Für die Teilnahme am Elitelauf gibt es eine Qualifikationsnorm. Männer müssen mindestens 32:30 min über 10 km laufen können, Frauen 38 min. Local heroes, die an diese Leistung heranreichen, muß man unter den Männern der Metropolregion schon suchen. Frauen, die regelmäßig unter 38 Minuten laufen, gibt es vor allem in der Pfalz einige, aber die wagten sich nicht an das Abenteuer Elitelauf. Eins muß man auch wissen, wenn man sich darauf einlässt: gegen die KenianerInnen, ÄthiopierInnen und UkrainierInnen u.a. hat man/frau keine Chance, läuft hinterher. 

Veronika Ulrich, die auf eine persönliche Bestleistung von 34:18 min verweisen kann, hatte sich denn auch nur eins vorgenommen: nicht Letzte zu werden. Das gelang der 42jährigen eindrücklich durch einen Schlußspurt, in dem sie auf den letzten 150 m die wehrlose Jane Barmao niederrang. Veronika, die für ihren Sponsor, das Salomon Team am Start war und ihren Startpaß bei der LG TELIS Finanz Regensburg hat, läuft erst seit 1998. Angefangen hatte sie, weil sie abnehmen wollte. 1999 lernte sie, die noch unter dem Namen Badnjar bekannt wurde, ihren Mann und Trainer Rainer kennen, der sie zum Leistungssport animierte. Die achtjährige Tochter der beiden läuft inzwischen auch, nahm in Ludwigshafen am Schülerlauf teil. Veronika, die in diesem Jahr noch ein paar W40-Rekorde angreifen möchte (z.B. über 1.500 m, aber auch über 50 km), frotzelt, daß sie noch so lange läuft, bis ihre Tochter schneller ist als sie und der Papa dann eine neue Aufgabe hat. Über 1,2 km lief Vanessa 5:45 min. 

Wie Veronika in Hessen lebend, trat auch Irina Mikitenko, deutsche Marathon-Rekordhalterin an, um sich mit der schwarzen Konkurrenz zu messen. Den Star der deutschen Laufszene bekommt man allerdings auch in Ludwigshafen nicht umsonst, Fahrtkostenersatz und ein “kleines Taschengeld”, das lt. Thomas Gerling im niedrigsten vierstelligen Bereich angesiedelt war, mußten die Pfälzer schon hinblättern, damit die Siegerin von 2007 und mit 30:27 min Streckenrekordhalterin wieder antrat. Sie will im Herbst wieder Marathon laufen, natürlich einen der drei Herbstläufe der Word Marathon Majors. Ob sie in Berlin, Chicago oder New York antritt, hat sie allerdings noch nicht entschieden. Sie fängt jetzt mit der Marathonvorbereitung an, trainiert aktuell eher kein Tempo und mehr Umfänge. Auf 120 bis 200 km kommt sie dabei pro Woche, dazu kommt noch Krafttraining. In ihr Training baut sie auch Bergläufe ein. Solche schnellen Stadtläufe mag sie auch außerhalb ihrer Hoch-Phase gerne, weil sie das Adrenalin puschen. Nachdem sie sieben der acht Runden in Ludwigshafen die Führungsarbeit gemacht hatte, wurde sie von ihren teilweise deutlich jüngeren Konkurrentinnen eingangs der letzten Runde auf Platz 4 verwiesen. Den wollte sie aber nicht auf sich sitzen lassen, weil sie wußte, daß das deutsche Publikum schon einen Podiumsplatz von ihr erwartete. Sie konnte sich auch nochmal auf Platz Drei vorkämpfen, den sie mit 31:10 min erreichte.

Gewonnen hat den Frauenlauf mit Fate Tola eine Äthiopierin, die, genau wie die Zweite, Leah Malot, nun schon den dritten Citylauf in einer Woche absolvierte. Nach Kaiserslautern am Sonntag stand für die beiden auch noch Darmstadt am Dienstag auf dem Programm. In Darmstadt wurde Malot Zweite, Tola Dritte. In Kaiserslautern gewann Tola vor Malot. In Ludwigshafen benötigte Tola 30:56 min und war damit die einzige Frau, die noch einen Mann hinter sich ließ. Malot lief 31:01 min.

Die KenianerInnen, die beim Stadtlauf starteten, werden überwiegend von Walter Abmayer gemanagt, der selbst einige Jahre in Kenia lebte und dort Lauf-Pionierarbeit leistete. 

Ähnlich wie Irina Mikitenko erging es bei den Männern dem Vorjahresdritten Vitaly Shafar, mit dem Unterschied, daß sich die Gruppe nicht von ihm ziehen ließ. Zur Halbzeit hatte er einen halbminütigen Vorsprung vor der vor allem aus Kenianern bestehenden Verfolgergruppe. Dieser schmolz von Runde zu Runde und exakt eingangs der Schlußrunde schnellte Joseph Kiptum, Sieger des Kaiserslauterer Citylauf vor Wochenfrist, an ihm vorbei und nahm ihm auf den letzten 1,2 km noch 12 Sekunden ab, gewann in 27:36 min. Gegen den Rest konnte sich Shafar aber dann doch noch behaupten und fuhr immerhin noch mit 750 € Preisgeld nach Hause. Dritter wurde Tola Bane (Äthiopien, 27:56 min), der aber nicht verwandt ist mit der Siegerin des Frauenrennens. Bei den Männern gab es bis hin zu Platz 10, bei den Frauen für die ersten sieben Geldpreise. Hinzu kamen noch Preisgelder für die Wertung “national”, für die man grundsätzlich seinen festen Wohnsitz in Deutschland und einen Startpaß bei einem deutschen Verein haben muß. Diese Kriterien erfüllten insgesamt vier Männer, nämlich außer Musa Roba-Kinkal, TV Wattenscheider mit äthiopischen Wurzeln, der bei Irinas Mann, Alexander Mikitenko trainiert noch Stefan Koch, der deutsche Marathonmeister 2009 und Halbmarathonmeister 2010, Jan Förster vom TV Rheinau auf der Mannheimer Seite von Vater Rhein und Luca Bongiovanni, der für das CAPS Team TV Schriesheim startet und neuerdings in Heidelberg wohnt. 

Der werdende Vater, der zur Zeit an seiner Promotion arbeitet, fand es “total schön”, in den ersten beiden Runden in einer Gruppe mit den schnellen Afrikanern und Russen laufen zu können, bevor diese das Tempo forcierten. Daß er nicht würde mithalten können, war ihm natürlich von Vornherein klar, das macht ihm aber nichts aus, das Ambiente eines solchen Elitelaufs gleicht das für den sympatischen Italiener wieder aus. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Julia Wagner hat er über den Jahreswechsel vier Monate in Peru verbracht, wir haben in unseren Reportagen drei ausführliche Berichte “Laufen in Peru” von Luca und Julia veröffentlicht. 

Stefan Koch beginnt gerade seine Vorbereitung auf den Berlin-Marathon am letzten Septemberwochenende, bei dem er eine persönliche Bestzeit von 2:15:38 h möglichst weit nach unten drücken will. In der Vorbereitung wird ihn das Berliner Publikum auch schon mal anfeuern können, wenn er bei der Citynacht über 10 km antritt. Außerdem wird er noch einen Halbmarathon bestreiten, bevor es in Berlin rund geht. 

Mit dem Startschuß um 18.30 h wurde mit dem Volkslauf die letzte Strecke des Nachmittags eingeläutet. Mal von Marc-Sven Kusmagk abgesehen, der sich wohl für die Galerie ganz vorne einreihte und am Ende auf Platz 75 durchgereicht wurde, konnte sich Rafael Bender (LC Bad Dürkheim) gleich an die Spitze setzen – anfangs gemeinsam mit Tobias Hahn (LSV Ladenburg), der im Laufe des Rennens immer mehr in Rückenlage und damit dann auch in Rücklage geriet. In die letzte von sechs Runden ging Bender schon mit 25 Sekunden Vorsprung. Am Ende standen für die beiden 24:03 bzw. 24:47 min in der Ergebnisliste. 

Bender, für den der Stadtlauf sein erster Wettkampf seit Anfang Mai war, bereitet sich gerade auf die Pfalzmeisterschaften “Bahn” und 10 km Straße im Juli vor. Für ihn ist es in Ludwigshafen gut gelaufen, auch wenn er auf dieser Strecke schon schneller war. Durch Wechsel im Schichtplan und damit verbundenen Umstellungsproblemen hatte der BASFler in den letzten Wochen nicht so viel Zeit und Energie für gutes Training. Jetzt trainiert er wieder rund 80 km/Woche und streut dabei gerne Bergsprints ein, um auf Tempo zu kommen. 

Dritter wurde mit Quirin Koch ein junger Vereinskollege Benders. Ab der dritten Runde war der Schüler auf Platz 3 und konnte diesen zu seiner Freude auch halten. Die Bahnsaison lief für ihn überhaupt nicht gut, weshalb er auch die jetzt eigentlich noch anstehenden Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften auslässt. Bei 25:06 min blieb die Ludwigshafener Uhr für ihn stehen. 

Laura Mees heißt die Siegerin des Volkslaufs. Sie, die in diesem Jahr 20 wird, war beim 15. Ludwigshafener Stadtlauf sage und schreibe bereits zum 15. Mal dabei. Schon als Fünfjährige war sie mit den Bambini unterwegs. Und sie will auch in Zukunft keinen Lauf in ihrer Heimatstadt auslassen, zu gut gefällt er ihr. In der nächsten Zukunft wird sie die Badischen Meisterschaften über 3.000 m laufen (sie läuft für das CAPS Team MTG Mannheim) und, wie die Zweite Laura Hochdörfer, den Nike-Engelhorn-Cup weiterlaufen. Die persönliche Bestleistung der jungen Frau mit den schwarz-rot-golden gestylten Fingernägeln liegt bei 40:08 min über 10 km, im Rahmen des Cups soll nach Möglichkeit endlich mal eine 39 vor dem Doppelpunkt erscheinen. 29:27 min waren es für die Ludwigshafener 7,2 km, Laura Hochdörfer brauchte 29:57 min. 

Dritte wurde nach 29:58 min Elke Hamleser (LG Muli). Wie so oft war sie zu schnell angegangen – zum Erstaunen der Siegerin übrigens, die schon fand, daß sie selbst auch viel zu schnell losgelaufen wäre. Zwischenzeitlich bis auf Platz 4 durchgereicht, konnte Elke wenigstens in der letzten Runde nochmal an Bianca Kramer vorbeilaufen, um wenigstens einen Podiumsplatz zu sichern. 

Wie man der Tagespresse entnehmen konnte, brach beim Volkslauf ein Mann zusammen, der zwar noch reanimiert werden konnte, aber abends in einem Mannheimer Klinikum verstarb. Thomas Gerling konnte am Montagvormittag noch nicht viel zu dem Vorfall sagen, Polizei und Rettungsdienste müssen die Veranstalter erst selbst noch informieren. Nur so viel war klar: die Notfallkette hat einwandfrei funktioniert, als der Mann nach einer Laufzeit von knapp einer Stunde zusammen brach. 

Insgesamt zählten die Zeitnehmer von Davengo 1.041 Paar Läuferfüsse im Ziel, 506 davon beim Volkslauf. Der war schon deutlich teilnehmerstärker, aber allgemein war auch das ganze Ludwigshafener Stadtfest schlechter besucht als in den Vorjahren – wahrscheinlich hatte das kurzfristig einsetzende Badewetter einige Leute an die Seen und in die Schwimmbäder der Umgebung gelockt. Und König Fußball dürfte wohl auch ein Wörtchen mitgeredet haben. 

Veranstaltungssseite mit Ergebnislink: http://www.ludwigshafener-stadtlauf.de/