1. Leonberger Citylauf
Fotos: Janina Schleinschock & Jochen Höschele
Kurz nach dem Start des Schülerlaufs: Marcel Marek (898), Max Zimmermann (1043), Fabian Müller (901)
Rebecca Büttner läuft als erstes Mädel bei den SchiA ein, Christian Fajman wird Zweiter bei den SchA
In geliehenen Schuhen auf und davon
Leonberg, 26. Juni 2010 - Dass das Fußballspiel England gegen Deutschland nicht am Samstagabend sondern erst am Sonntag stattfand, spielte den Veranstaltern des 1. Leonberger Citylaufes in die Hände. Sonst hätten sie sicher auch noch eine öffentliche Fußballschaumöglichkeit eingerichtet. Denn es fehlte bei der ersten Auflage dieses neuen Stadtlaufes in Leonberg an nichts.
Bemerkenswert ist, dass es den Veranstaltern gelang, die Offiziellen der Stadt davon zu überzeugen, für den Citylauf eine der Hauptverkehrsadern Leonbergs zu sperren. Keine Selbstverständlichkeit! Aber Leonberg scheint nach intensiver Diskussion mit den Veranstaltern doch offene Ohren für Sportler zu haben. Die Stadt hat mit dem Warmbronner Waldmeisterlauf im Frühjahr ja auch eine weitere Laufveranstaltung zu bieten. Der Citylauf wird hoffentlich ebenfalls einen festen Platz im Laufkalender der Region bekommen.
Ursprünglich hatte man sich beim Stadtverband Sport und bei einigen Organisatoren des Waldmeisterlaufes sogar gegen den Citylauf ausgesprochen. Man fürchtete, dass die Stadt keine zwei Laufveranstaltungen dieser Art kurz hintereinander vertrage und so beide keine Überlebenschance haben. Dem widersprach Eberhard Trinkner, der Chef des eigens zur Durchführung des Citylaufes gegründeten „Laufsport Leonberg e.V". vehement: "Es ist atmosphärisch etwas ganz anderes, wie in Warmbronn durch den Wald oder wie beim Citylauf durch die Innenstadt zu laufen.
Sekundiert wird er hierbei ausgerechnet von Tobias Joos, dem Organisationsleiter der Veranstaltung in Warmbronn, der ins gleiche Horn stößt, wenn er sagt „wir in Warmbronn haben unsere Starter, sie in Leonberg ihre."
Dennoch gab es einige Bedingungen für den Citylauf, denn der Waldmeisterlauf sollte nicht geschwächt werden. Es durften zum Beispiel keine Sponsoren gewonnen werden, die sich in Warmbronn engagieren. Außerdem gibt es zwar einen 10 km- und einen 5 km-Lauf sowie Schülerläufe über 1.400 und 400 Meter. Doch die Stadtmeisterschaften werden nur bei den Erwachsenen ausgetragen. Kinder und Jugendliche ermitteln weiterhin den Stadttitel in Warmbronn.
Bevor die Läufe über 5 km und 10 km um 20:20 Uhr gestartet wurden, leistete der Nachwuchs bereits ganze Arbeit. Bei diversen Schüler- und Bambini-Läufen wurde gekämpft bis aufs Letzte. Den Anfang machten die Kleinsten, die bereits um 17:50 Uhr auf die 400 m lange Runde geschickt wurden.
Die Starts der Schüler folgten dann in kurzen Abständen – um 18:20 Uhr, 18:40 Uhr und 19:10 Uhr ging’s für sie auf den 1,4 km langen Kurs. Mit Feuereifer waren die jungen Sportlerinnen und Sportler bei der Sache, und die Zahl von 377 Zieleinläufern spricht dafür, dass dieser neue Lauf großen Anklang beim jungen Publikum fand.
Apropos Publikum – dieses musste dann auf die „Hauptakteure", die gemeinsam losgelassenen Läufer des Hauptlaufes über 10 km und 5 km etwas länger warten als geplant – denn erst mit etwa siebenminütiger Verspätung war der Verkehr aus der Innenstadt verbannt und die Strecke komplett autofrei.
Bis auf das motorisierte Führungsfahrzeug nur Läufer und Zuschauer, ein ungewohnter Anblick auf der vierspurigen Hauptverkehrsstraße. Die Begeisterung schwappte über, die sicher auch vom hochsommerlichen Wetter angelockten eifrig anfeuernden Zuschauer motivierten die Läufer mit dem gesamten Repertoire, welches dem Publikum zur Verfügung steht. Rufen, Klatschen, Rätschen, Tröten, auch die in diesem Sommer unvermeidlichen Vuvuzelas wurden gesichtet.
Gleich zwei 10 km-Läufer stürmten dem gesamten Feld vorneweg und hatten sich bald deutlich abgesetzt – Zelalem Martel, der im Trikot der LG Neckar-Enz laufende gebürtige Äthiopier und der Lokalmatador Tobias Sauter, mittlerweile für die SG Spergau laufender Leonberger aus Eltingen.
Sauter, als turmhoher Favorit gehandelt, sah sich durch den Nachmelder Martel einer unerwarteten Konkurrenz ausgesetzt – „Tobi", den hier jeder kennt, wollte natürlich sein Heimrennen unbedingt gewinnen und musste nun mehr kämpfen, als ihm lieb sein konnte.
Doch selbst das sollte nicht ausreichen, um den Sieg einzufahren – bei Kilometer acht, als es zum zweiten Mal in Richtung Altstadt ging, hängte Martel Sauter mit einem Zwischenspurt einfach ab. „Ich war bis letzte Woche im Trainingslager in St. Moritz, wo ich mich gezielt auf den Marathon bei der EM in Barcelona vorbereitet habe. Und nach 260 Wochenkilometern fehlt dann halt doch die Spritzigkeit, um gegen einen solch starken Konkurrenten zu bestehen", so Sauters Bilanz nach erlaufenen 30:48 min, nachdem sein erster Ärger verraucht war und er seine kurzzeitig in die Ecke gefeuerten Schuhe wieder eingesammelt hatte.
Der 24 jährige Martel war indes natürlich höchst zufrieden mit sich und dem Sieg in 30:33 min. „Ich wollte eigentlich meinen Vater betreuen, habe mir dann aber sein zweites Paar Schuhe und seine zweite Hose geliehen und bin doch gelaufen." Und wie – da kann die Deutsche Meisterschaft, bei der er die 5.000 m laufen wird, ruhig kommen.
Seit 1999 ist er in Deutschland und gilt seit langem als eines der größten deutschen Talente auf den Bahnlangstrecken über 5.000 und 10.000 m. 2007 und 2008 gewann er jeweils den Juniorentitel bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 m, 2008 war er sogar schneller als die Aktiven. Seine Zukunft sieht er dennoch eher beim Marathon – wie sein großes Vorbild Haile Gebreselassie möchte er auch auf der klassischen Distanz brillieren. 2008 gelang ihm ein nicht ganz überzeugendes Debüt mit 2:29:32 h – damals übrigens zwei Plätze und elf Minuten hinter – Tobias Sauter.
Platz 3 bei den Männern ging ebenfalls an keinen Unbekannten in der Region Stuttgart. Christoph Hillebrand (LG Filder, 33:10 min) konnte sich im Spurt vor Ulrich Königs (33:15 min) von der LG Glems durchsetzen. Bemerkenswert übrigens, dass unter den ersten zehn Männern acht der Hauptklasse angehörten. Es gibt sie also doch, die schnellen Jungen!
Eine Parallele zum Männerrennen wies die Frauenkonkurrenz auf. Die haushohe Favoritin kam ebenfalls aus Leonberg. Doro Frey lastete diese Bürde aber schwer auf den schmalen Schultern – es kann auch lähmend sein, wenn einen jeder kennt und jeder denkt, dass du gewinnst, so fasste sie die Erwartungshaltung nach dem Rennen zusammen.
Im Gegensatz zu Sauter wurde sie jedoch ihrer Favoritinnenrolle gerecht und siegte letztlich unangefochten in 37:35 min fast 50 Sekunden vor Nicole Benning (38:23 min), die sich über eine neue Bestzeit freuen konnte. „Ich fand die Leonberger Strecke nicht ganz einfach zu laufen, das Kopfsteinpflaster am Marktplatz und in Eltingen sowie die Steigung hinauf zur Altstadt machen doch etwas zu schaffen", so die Siegerin Frey.
Üblicherweise starten Frey und Benning auch noch für denselben Verein, nur hatte die Siegerin des Abends für ein örtliches Fitnessstudio gemeldet. Nach ihrem Sieg zeigte sie sich erleichtert, der Erwartungshaltung gerecht geworden zu sein, aber auch etwas erschöpft von den vielen Rennen der vergangenen Wochen. „Letzte Woche Stuttgart, mein erster Sieg bei einem ganz großen Lauf, jetzt der Sieg bei meinem Heimspiel – aber so langsam brauche ich echt mal eine Pause", kündigte sie schon mal an, in den kommenden Wochen etwas kürzer zu treten. Im Herbst möchte sie dann endlich wieder einen Marathon laufen – sie weiß nur noch nicht, wo.
Die Zweitplatzierte, Nicole Benning vom EK Schwaikheim, hatte sich spontan entschieden, in Leonberg mitzumachen. „Ich mag die Läufe in der Region, außerdem sind zehn Kilometer – neben den ganz langen Ultraläufen - eh meine Lieblingsstrecke. Und so eine Premiere in unmittelbarer Nähe zum Wohnort, das hat man auch nicht alle Tage", so die in Vaihingen / Enz beheimatete Benning. Zunächst eher zurückhaltend, schob sie sich nach sieben Kilometern an der bis dahin an zweiter Stelle liegenden Sabine Kothmayr (LG Filder) vorbei auf Rang zwei. „Es lief einfach super – manchmal gibt’s so Tage, da rollt es halt."
Kothmayr, die, wenn sie nicht läuft, als Pilotin einen Airbus mitsamt Passagieren durch Europa fliegt, haderte indes nicht mit ihrem dritten Platz (39:09 min). Auch sie war angesichts der doch immer noch ziemlich hohen Temperaturen mit sich im reinen. „Nicht mein Wetter, nicht meine Startzeit, wenig trainiert. Das war schon in Ordnung, und mit meinem dritten Platz und der Zeit kann ich gut leben." Die Schichtarbeit als Pilotin macht es ihr nicht immer leicht, geregelt zu trainieren. Aber „in anderen Berufen ist das auch so, man muss sich halt organisieren, dann geht das schon."
Dahinter kam Gaby Maisch als Gesamtvierte und Zweite der gleichzeitig ausgetragenen Leonberger Stadtmeisterschaft in 40:54 min ins Ziel, auch sie freute sich sehr über ihren Erfolg, wenn ihr auch der Sprung unter die begehrte 40-Minuten-Marke (noch) verwehrt blieb.
In den Altersklassen gab es ebenfalls gute Leistungen. Klaus Löffler wurde Gesamtsechster und Erster M45 in 34:28 min, Gudrun Vogl dominierte in 43:17 min. die W60, da können die Deutschen Meisterschaften der Senioren kommendes Wochenende in Kevelaer ruhig kommen. In der W70 gab es ein Wimpernschlagfinale zwischen Bärbel Krafft und Erna Heubach, welches Erstere in 51:10 min mit 27 Sekunden Vorsprung für sich entscheiden konnte.
Beim gleichzeitig ausgetragenen 5 km Lauf setzte sich Janosch Kowalczyk vom Team Leosport in 17:12 min vor Moritz Tritschler (KSG Gerlingen, 18:39 min) und Thilo Rösch (19:16 min) durch.
Die Siegerin bei den Frauen über 5 km heißt Rebecca Büttner (SG Leonberg-Eltingen). Die 15-jährige benötigte 22:10 min für die Strecke. Sie hatte zuvor bereits den Sieg beim Schülerlauf eingeheimst. Platz 2 ging an Irina Krüger (22:52 min) vor Sabine Dehlwes (24:00 min). Sowohl Büttner als auch der Männersieger Kowalczyk hatten auch beim Waldmeisterlauf bereits die 5 km gewinnen können.
Im Anschluss an die Läufe konnte man die beanspruchte Muskulatur wieder lockern lassen, 20 Massagebänke standen hierfür im Untergeschoss des Hallenbades bereit, wo auch Duschen mit warmem Wasser bis zum Schluss und Umkleideräume untergebracht waren.
Dank des warmen Wetters stellte sich bei der Siegerehrung unter freiem Himmel so etwas wie Partystimmung ein – für Essen und Trinken war bestens gesorgt, die Siegerehrung wurde zügig und ansprechend moderiert durchgeführt, so dass schon bei der Premiere in Leonberg kaum Wünsche offen blieben.
Wen wundert’s da noch, dass die Organisatoren bereits am Montag den Termin des 2. Leonberger Citylaufes auf ihrer Homepage verkünden – am 25. Juni 2011 ist es wieder soweit und Leonberg gehört den Läufern.
Direkter Link zur Veranstaltung: www.citylauf-leonberg.de und zu den Ergebnissen: www.sifi-timing.de

