11. Nebelhornberglauf mit Schwäbischer Berglaufmeisterschaft
Anstrengend! Anstrengend!
Oberstdorf, 04. Juli 2010 - Was ein Wetter! Sonne, Quellwolken am Himmel, sommerliche Hitze, bei der schon beim Nichtstun der Schweiß auf der Haut steht. Da kommt so ein Berglauf gerade recht, denn je höher man kommt, desto kühler und angenehmer wird es. Auch wenn der Weg bis zum Gipfel etwas beschwerlich ist, so ist es doch ein Ziel, oben nicht nur Aussicht, sondern auch Frische zu genießen.
Oberstdorf ist Deutschlands südlichste Gemeinde und aufgrund seiner Lage in den Allgäuer Bergen nicht nur bei Bergläufern sondern bei Touristen aller Art beliebt. 2,5 Millionen Übernachtungen zählt man jährlich, womit der Ort in der Beliebtheitsskala der Urlauber in Deutschland ganz vorne zu finden ist. Skifahren, Langlaufen, Bergwandern und Bergsteigen, Radeln und vieles mehr lockt im Sommer wie im Winter die Gäste. Sportliche Höhepunkte gibt es ebenso eine ganze Menge: Vierschanzentournee, Langlaufwettbewerbe, Eiskunstlaufen, Skirennen im Winter und diversen Bergläufe in und um Oberstdorf im Sommer – es ist immer etwas geboten.
Der Start zum 11. Nebelhornberglauf ist auf dem Marktplatz von Oberstdorf auf 815 m Höhe, das Ziel liegt ganz oben an der Gipfelstation der Nebelhornbahn auf 2.220 m Höhe. 1.400 Höhenmeter liegen also zwischen dem Start und dem Gipfelglück, 10,5 km sind dabei zurückzulegen.
Um 9.15 Uhr wurden die etwas mehr als 200 Teilnehmer auf die Strecke geschickt. Erst verläuft die unmarkierte Strecke (O-Ton des Veranstalters „die Strecke geht halt immer der Teerstraße entlang den Berg hinauf“) etwa 500 m fast flach vom Marktplatz zur Skisprungarena und ab dort dann richtig bergauf. Schon da war klar, dass dieser Berglauf kein Kindergeburtstag ist. Zwar verläuft er großteils auf der asphaltierten Fahrstraße und mündet erst an der Station Höfatsblick in einen Bergpfad, aber er ist steil. Sehr steil! Es wurden Mountainbiker gesehen, die Schlangenlinien fuhren, um nicht vom Rad zu fallen. Nach ca. 4 km verlässt man den Wald unter der Nebelhornbergbahn und erreicht die Station Seealpe, bei der es zum ersten Mal eine Erfrischung in Form von Getränken gibt. Ab hier hat man – sofern ausreichend Zeit fürs Schauen vorhanden ist - auch freie Sicht auf die Berge. Mit jedem Schritt nach oben wird der Blick schöner, ein Gipfel, ein Grat nach dem anderen taucht auf. Lang währt die erholsame Flachpassage nach der Verpflegung nicht, dann geht es schon wieder richtig zur Sache. Angefeuert von einigen Zuschauern, die sich morgens wandernd, mit dem MTB oder mit Seilbahnunterstützung auf den Weg zur Strecke gemacht hatten, schraubt man sich Serpentine um Serpentine höher. Der Asphalt ist großteils mit vielen kleinen Steinen bedeckt, die immer wieder dafür sorgen, dass die Läufer „durchdrehen“ und nach hinten wegrutschen.
Thomas Göpfert vom Lauftreff Sulz am Eck ging als erster mit fast 2 min Vorsprung in den Steilhang nach der ersten Getränkestation. Die Anfeuerungsrufe nahm er allerdings nicht wahr, denn Göpfert ist gehörlos. Seine Verfolger waren Michael Barz (LG Kottern-Durach) und Alexander Hirschberger, die sich ebenfalls im Wechsel gehend und laufend erst zur Getränkestation Latschenhang und dann vom Höfatsblick über einen Bergpfad und Altschneefelder in Richtung Gipfel bewegten. Die beiden kämpften um die Plätze zwei und drei, denn Thomas Göpfert war längst weg und auf dem Weg zum Sieg bei seinem ersten Start am Nebelhorn. Er büßte zwar noch einiges von seinem Vorsprung ein, gewann aber in 1:05:25 h. Letztlich konnte sich beim Kampf um die Plätze Michael Barz dann doch deutlich durchsetzen und als Zweiter in einer Zeit von 1:05:59 h an der Gipfelstation der Nebelhornbahn einlaufen. Alexander Hirschberger wurde in 1:06:47 h Dritter. Göpfert hat es sehr gut gefallen und er war zufrieden mit sich und seinem Lauf. „Steil, steil! Das war ja so steil“, so seine Einschätzung des Laufes.
Neben seinen tollen Erfolgen bei Berg- und Flachläufen fällt Göpfert dadurch auf, dass er seit seiner Geburt in Sindelfingen bei Stuttgart gehörlos ist. Der 31-jährige wurde lautsprachlich erzogen und besuchte eine normale Schulausbildung mit Hörenden am Gymnasium. So ist es für ihn auch selbstverständlich, dass er nicht nur bei den Gehörlosen läuft, wo er seit Jahren zu den erfolgreichsten Sportlern gehört. Dort konnte er dieses Jahr im April endlich auch einen großen internationalen Erfolg feiern, nachdem er schon einige Male nur ganz knapp an den Medaillenrängen vorbeigeschrammt war. Mit der deutschen Mannschaft gewann er die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft im Crosslauf in Rumänien!
Der 37-jährige Michael Barz ist beim Berglauf ebenso kein Unbekannter. Der Duracher konnte 2007 den Graubünden Marathon für sich entscheiden und feierte immer wieder schöne Berglauferfolge, so zum Beispiel beim Alpin Marathon in Oberstaufen, beim Zugspitzlauf oder beim Silvretta-Verwall-Marathon. Dieses Jahr stürmte er am Piz Scalottas auf Platz 3, Graubünden scheint ein gutes Pflaster für ihn zu sein.
Bei den Frauen gelang der sympathischen Monica Carl vom TV Langenargen am Bodensee ein ungefährdeter Sieg in guten 1:21:22 h. Sie läuft dieses Jahr von einem Spitzenplatz zum nächsten, gewann den Gebirgstäler Halbmarathon und den Berglauf am Schwarzen Grat. Mit optisch großer Leichtigkeit erstürmte sie nun auch das Nebelhorn. Nach der Anstrengung strahlte sie über das ganze Gesicht. „Mir ging’s gut, es hat super geklappt heute. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier gewinne.“ Die W35-Läuferin bereitet sich gerade auf die Senioren Berglauf-WM in Korbielow (Polen) vor, wo sie Ende August starten wird. Ihr Training mit Läufen auf den Pfänder, denn „so hohe Berge wie hier im Allgäu haben wir am Bodensee eben nicht“, scheint erfolgreich zu sein.
Hinter Carl klaffte eine größere Lücke bis Sabine Zulauf (TV Jahn Kempten) in 1:26:13 h die Zielmatte überlief. Die Mutter von drei Kindern konnte den Winter über aus Zeitmangel und einer Vielzahl von Verpflichtungen nicht gescheit trainieren, vor allem die Wochenenden waren belegt. „Mir fehlt ein wenig die Basis, daher bin ich richtig zufrieden mit meinem zweiten Platz heute. Es war sehr kurzweilig, ein ständiger Wechsel der Eindrücke, es hat Spaß gemacht, auch wenn es natürlich sehr anstrengend war.“ Im Herbst möchte sie noch gerne beim Jungfrau Marathon starten, benötigt aber noch einen Startplatz.
Dritte wurde bei den Frauen die erst 20-jährige Medizinstudentin Julia Jedelhauser (SVO LA Germaringen) in 1:30:44 h. Auch sie war das erste Mal am Nebelhorn am Start und lief ein gutes Rennen. „Ich kann gerade nicht trainieren, mehr als 2 Mal 20 Minuten unter der Woche sind nicht drin, denn das Studium heißt lernen, lernen, lernen.“ Zwar sind die Beine dann sicherlich erholt, aber es fehlt eben die Grundlage in Form von Trainingskilometern. Das hindert sie aber dennoch nicht daran, gute Läufe hinzulegen.
Im Rahmen des Nebelhornberglaufes wurden dieses Jahr die Schwäbischen Berglaufmeisterschaften ausgetragen. Meister wurden hier Michael Barz (LG Kottern-Durach) vor Martin Echtler (SVO LA Germaringen, 1:09:11 h) und Hans-Thomas Thiem (TG Viktoria Augsburg, 1:13:14 h). Bei den Frauen kam Sabine Zulauf zu Meisterehren. Platz 2 ging an Julia Jedelhauser, Platz 3 an Eva Übelhör (TV Immenstadt, 1:34:14 h).
Die Kombinationswertung aus Gebirgstäler Halbmarathon und Nebelhornberglauf gewann bei den Frauen mit den beiden Siegen klar Monica Carl in einer Zeit von 2:53:21 h vor Sabine Zulauf (3:05:27 h) und Julia Jedelhauser (3:08:20 h), also genau die gleiche Reihenfolge wie beim Berglauf.
Bei den Männern war es etwas spannender. Alexander Hirschberger siegte in 2:24:8 h vor Axel Reusch (2XU/Der Laufladen) in 2:33:55 h und Steffen Walk (ebenfalls 2XU/Der Laufladen) in 2:35:21 h.
Nach der wohlverdienten Erfrischung auf der Terrasse der Bergbahn konnte man den Blick über die vielen Allgäuer Gipfel schweifen lassen, die Kletterer am Hindelanger Klettersteig beobachten und dann die Fahrt mit der Seilbahn gen Tal antreten. Ein besonderer Service übrigens für alle Bergläufer: Die gesamten vier Wochen vor dem Nebelhornberglauf war die Talfahrt für alle, die auf der Strecke trainierten, kostenfrei.
Direkter Link zur Veranstaltung und den Ergebnissen: www.tsvoberstdorf.de

