12. Ludwigsburger Citylauf
„So schlimm wie auf Hawaii“
Ludwigsburg, 10. Juli 2010 - „Ich wollte heute einen harten Lauf bestreiten. Das konnte ich umsetzen und ich denke, das war ein gutes Training für die Europameisterschaft in Barcelona, denn da wird es wohl auch heiß werden.“ So Martin Beckmann, der Sieger des diesjährigen Ludwigsburger Citylaufs im Interview. „Wie es sich dann aber anfühlt, wenn ich bei so einer Hitze noch 32 weitere Kilometer laufen muss oder darf, das weiß ich nicht."
Martin Beckmann war als klarer Favorit in das Rennen durch die Ludwigsburger Innenstadt gegangen. Veranstalter Roy Fischer hatte mal wieder ein illustres Teilnehmerfeld zusammengestellt, so dass alle auf ihre Kosten kamen. Die Zuschauer, die schnelle Läufer sehen wollten, die, die sich mit diesen messen wollten oder die vielen Breitensportler, die einfach die Laufstrecke bei Sommer, Sonne und toller Stimmung genossen.
Die ersten beiden Kilometer war Beckmann noch mit den beiden Top-Triathleten Stefan Vuckovic und Michael Göhner unterwegs gewesen. Dann aber, so Vuckovic, „zeigte er uns, was er kann und lief auf und davon.“ Vuckovic kennen auch Nichttriathleten, seit er 2000 bei den olympischen Spielen in Sydney die Silbermedaille gewonnen hatte. Der 38-jährige gehört seit vielen Jahren zu Deutschlands Triathlonelite und kann auf viele vordere Platzierungen bei Ironman-Wettbewerben zurückblicken.
Martin Beckmann wurde begeistert von den Zuschauern angefeuert und siegte im Alleingang souverän über die 10 km in guten 30:55 min Der Test für die Europameisterschaft in Barcelona war geglückt. Dort läuft er am 01. August zusammen mit Falk Cierpinski und Tobias Sauter im Marathon für Deutschland. Für ihn war es der dritte Sieg in Ludwigsburg. Die letzten Wochen hatte er im Trainingslager in St. Moritz zugebracht; er ist gut in Form, was für die EM hoffen lässt. "Ich werde kampfbereit sein und versuche, von Anfang bis Ende Vollgas zu geben", sagte Beckmann über seine EM-Ambitionen.
Dahinter gelang Stefan Vuckovic eine Punktlandung. Er wollte so etwa 32 min laufen und kam nach 32:15 min ins Ziel. Das bedeutete für ihn Platz 2. Er ist auf dem Weg zum nächsten Ironman, der am 29.08. in Penticton / Kanada stattfindet. „Ich liebe dieses Wetter“, so der „Eisenmann“. „Endlich kann man hier in Deutschland vernünftig trainieren. Ich mag es einfach wenn es heiß ist, ich liebe ja auch die schwül-heiße Luft auf Hawaii.“ Nicht alle konnten den über 30 Grad am Ludwigsburger Abend so viel abgewinnen. Manch einer stöhnte „das ist ja so schlimm wie auf Hawaii“. Immerhin war die Sonne zeitweise hinter den Häusern versteckt, so dass sie nicht immer erbarmungslos auf die Sportler brannte. Der Start war in Ludwigsburg aufgrund des Spiels um Platz drei bei der Fußball WM auf 19:30 Uhr vorverlegt worden. Vielen wäre eine spätere Uhrzeit sicher lieber gewesen.
Acht Jahre jünger als der Zweitplatzierte ist der Reutlinger Triathlon-Profi Michael Göhner. Der Familienvater, Göhner ist verheiratet und hat ein Kind, konnte sich in Ludwigsburg den dritten Platz erlaufen. Da er kommendes Wochenende bei der Challenge in Roth (ein Langdistanz-Triathlon) an den Start geht, kam für ihn eine letzte flotte Tempoeinheit bei Sommerwetter gerade recht. Denn auch in Roth wird es wohl warm waren und Göhner möchte bei diesem Klassiker natürlich gerne seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. Seit 2006 ist er Profi, davor arbeitete er bei einer Bank, wo er auch seine Ausbildung absolviert hatte.
Damit waren die ersten drei Plätze vergeben, aber in Ludwigsburg wird man auch noch beachtet, wenn man kurz darauf einläuft. Der vierte Platz ging in einer Zeit von 32:51 min an den von weit her angereisten Morton Torp (AGF Athletik, Dänemark), Platz fünf ergatterte sich Simon Michalowsky (LG Weinstadt) in 33:11 min.
Beachtenswert einmal mehr die Altersklassenleistung und der Sieg in der M70 von Walter Koch mit einer Zeit von 41:03 min. Lothar Czakan gewann in 43:09 min die M60.
Bei den Frauen hofften viele auf den Sieg von Stephanie Beckmann, die in Ludwigsburg schon mehrfach gewonnen hatte. Das Siegerehepaar Beckmann macht eben immer eine gute Figur. Aber dieses Jahr wartete man darauf vergeblich, denn sie zog es vor, am Streckenrand ihren Mann anzufeuern. Im Oktober erwarten die beiden ihr erstes Kind, da muss man nicht in der Hitze Ludwigsburgs herum rennen.
Der Weg war damit frei für eine andere ganz schnelle Läuferin aus der Region. Anja Schnabel von der LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg kam, sah und siegte. Tolle 35 min wurden für sie gestoppt. Mit raumgreifenden Schritten spurtete die Medizinstudentin ihrem Sieg entgegen. Dieses Jahr liefen nicht alle Rennen so, wie sie es sich erhofft hatte. In Freiburg gewann sie zwar klar den Halbmarathon, blieb aber mit ihrer Zeit von 1:17 h aufgrund der schwierigen Bedingungen und einem Trainingsrückstand klar unter ihren Möglichkeiten. Bei der Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon kam sie ebenfalls nicht an ihre schon gelaufenen Zeiten heran. Dafür konnte sie auf „neuem Terrain“ beim Berglauf gleich auf Anhieb die Bronzemedaille bei der Deutschen Meisterschaft in Müllheim am Hochblauen abgreifen. Schnabel bereitet sich auf ihr Marathondebüt vor, das sie am 26. September in Berlin geben möchte. In Ludwigsburg wollte sie gegen Ende des Rennens nur noch „die Stimmung genießen, denn ich kannte so viele Menschen an der Strecke, da war es einfach schön zu laufen.“
Jenny Schulz (Skills 04 Frankfurt) konnte bei Schnabels Tempo nicht ganz mithalten und wurde in guten 35:31 min bei ihrem ersten Start in Ludwigsburg Zweite. Auch sie hat dieses Jahr wie Anja Schnabel schon eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften gesammelt: im Duathlon gewann sie in Oberursel Gold! Bis 2006 war sie nur als Läuferin unterwegs gewesen, dann hat sie auch noch Spaß am Radfahren gefunden und ist mittlerweile im Duathlon und auch im Triathlon sehr erfolgreich. Geboren ist sie in Frankfurt / Oder – aufgrund des Berufes kam die 26-jährige 2003 nach Frankfurt / Main, wo sie bei der Deutschen Bundesbank arbeitet.
Bis die dritte Frau das Ziel erreichte vergingen ein paar Minuten. Branka Hajek (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) lief wie im Vorjahr auf Platz 3, 40:18 min wurden für sie gestoppt. Platz vier ging an Birgit Holubarsch vom Team Roysports (41:47 min) und Platz fünf an Gaby Maisch (ebenfalls Team Roy Sports, 42:56 min). Sie war erst vor zwei Wochen beim Leonberger Citylauf auf den vierten Rang gelaufen.
In den Alterklassen fällt der 7. Gesamtplatz von Gilian Bathmaker auf, die in 43:04 min souverän die W50 gewann.
Wenn nicht an diesem Abend noch das Spiel um Platz drei bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewesen wäre, dann hätten sicher noch ein paar mehr Läufer und Zuschauer die Straßen der Barockstadt bevölkert. Insgesamt waren es über 3.600 Teilnehmer in allen Läufen, was angesichts der Hitze und der Konkurrenz Fußball ein stolzes Ergebnis ist.
Direkter Link zur Veranstaltung http://www.ludwigsburger-citylauf.de/
und zu den Ergebnissen: http://sifi-timing.de/index.php/Veranstaltungen-2010/12.-Ludwigsburger-Citylauf-2010-10.07.2010

