10. Königsschlösser Romantikmarathon in Füssen
Laufen wo andere Urlaub machen
Füssen, 25. Juli 2010 - Rund 640 Sportler versammelten sich in aller Frühe bei besten äußeren Bedingungen an der Startlinie des Königsschlösser-Romantikmarathons in Füssen, der in diesem Jahr ein kleines Jubiläum feiern konnte, denn er fand zum zehnten Mal statt.
Der Lauf in Füssen besticht einerseits durch seine sehr gute Infrastruktur – so gibt es zum Beispiel Brems- und Zugläufer für verschiedene Zielzeiten und kurze Wege – andererseits durch die nicht nur im Namen vorhandene Romantik und eine naturnahe Strecke. Es geht entlang der Seen rund um Füssen und unterhalb der berühmten Königsschlösser, Neuschwanstein und Hohenschwangau durch märchenhafte Landschaft. Für einen Landschaftsmarathon ist die zu laufende Strecke recht flach; durchaus eine selten anzutreffende Mixtur. Zumindest diejenigen, denen ein paar „Bodenwellen“ mehr zu schätzen wissen als topfebenes Geläuf, kommen in Füssen voll auf ihre Kosten. Zu viel sind ca. 180 aufsummierte Höhenmeter sicherlich kaum, erst recht nicht für Allgäuer Verhältnisse. Einigermaßen flotte Zeiten sind also auch möglich.
Dass die Strecke am Sonntag teilweise unter Wasser stand, dafür konnten die Organisatoren nichts. Die Läufer nahmen die zusätzlichen Hürden – oder besser Wassergräben – gelassen. Man hatte versucht, die größten Pfützen zu beseitigen bzw. Stege gelegt, damit die Füße wenigstens einigermaßen trocken blieben.
Als die Marathonis um halb acht Uhr morgens auf die Strecke geschickt wurden, wäre alles andere als ein kenianischer Doppelsieg eine faustdicke Überraschung gewesen. Wieland Pokorny vom SSV Ulm war mit seiner Truppe bestehend aus Beatrice Rutto und Titus Kosgei morgens nach Füssen gefahren, um am letzten Tag ihres Deutschlandaufenthalts noch einen schönen Erfolg für seine Schützlinge zu ermöglichen. Am Montag geht es nach einem dreimonatigen Gastspiel in Deutschland wieder zurück nach Kenia. Im Herbst kommen sie wieder, um im Rahmen ihres Entwicklungshilfeprojektes „running for a better life“ vor allem in Bregenz beim Dreiländermarathon zu versuchen, eine richtig schnelle Zeit zu laufen. Kosgei hat eine Marathonbestzeit von 2:16 h, die er dort vor laufenden Fernsehkameras unterbieten möchte. Rutto möchte unter 2:37 h bleiben, denn damit wäre der Streckenrekord ihrer.
Die beiden dominierten dann auch wie erwartet den Marathon. Der 24-jährige Kosgei lief die erste Hälfte in 1:07 h; nahm dann aber mindestens zwei Gänge heraus, um dennoch in 2:19:08 h eine tolle Endzeit zu erzielen. Seinen eigenen Streckenrekord aus dem Jahr 2009 verbesserte er damit um vier Minuten. Der Vorjahressieger hielt also sein Versprechen, unter 2:20 h zu laufen. Wer ihn aber kurz vor dem Zieleinlauf sehen konnte, dem war klar, dass er sich dabei nicht bis aufs letzte verausgabt hatte. Da ist noch viel Luft und man kann gespannt sein, was er im Herbst zu laufen in der Lage ist.
Bei aller Begeisterung für die Siegerzeit von Kosgei darf der zweite Platz von Tobias Brack (BLT Haglöfs Saukel) nicht ins Hintertreffen geraten. Der sympathische Allgäuer aus Buchenberg hat in dieser Saison sein Training komplett umgestellt. Er läuft weniger und ist damit erfolgreicher. Eigentlich hatte er seine laufsportliche Karriere schon an den Nagel hängen wollen, da der Trainingsaufwand für den Familienvater (das zweite Kind wird demnächst erwartet) mit dem Familienleben und dem beruflichen Ehrgeiz nur schwer zu vereinbaren sind. Und nur laufen, damit gelaufen ist, das kann sich Brack dann auch wieder nicht vorstellen. Jetzt sieht es aber so aus, als würde er der Laufwelt doch noch erhalten bleiben. Nach seiner persönlichen Bestzeit im Halbmarathon in Kempten (1:10:21 h) Ende April diesen Jahres und der gelaufenen 2:32:54 h in Füssen kann Brack, der eine Marathonbestzeit von 2:29 h hat, ausgesprochen zufrieden sein. Er lief ein starkes Rennen, bei dem er ab dem zweiten Kilometer auf sich allein gestellt war. „Ich dachte nicht, dass es so gut läuft“, so der 30-jährige Brack.
Etwas spannender war die Vergabe des dritten Platzes. Klaus Mannweiler hatte letztlich den längsten Atem und belegte in 2:40:33 h den letzten Podiumsplatz. Bei Halbzeit war er noch auf Rang vier gelegen. Marco Diehl, Seriensieger in Füssen, hatte mit 1:17:50 h klar seine Ambitionen auf einen der Treppchenränge angemeldet.
Am Ende langte es für ihn jedoch nur für Platz fünf. Er war nach einem Unfall mit dem Rad gehandicapt und deutete unterwegs schon an, dass er Probleme mit dem Oberschenkelmuskel hat. Der Marathonvielstarter aus dem hessischen Butzbach meinte im Ziel, dass dies – obwohl schon über 80 Marathons gelaufen – sein schlimmster war. Immerhin reichten seine 2:43:13 h noch aus, um 1 s vor der Frauensiegerin ins Ziel zu kommen.
Die 25-jährige Beatrice Rutto gehört wie Kosgei zur Trainingsgruppe von Wieland Pokorny. Die zweifache Mutter war bereits Mitglied der kenianischen Nationalmannschaft im Crosslauf, konnte aber seit ihrer Babypause nicht mehr an die früheren Zeiten anknüpfen. Ihr Ziel ist jedoch klar: sie möchte dorthin, wo sie schon einmal war!
Hinter Rutto lief Silvia Krull (LG Lage Detmold) ein starkes Rennen. Die zweifache Siegerin des Marathons am Baldeneysee in Essen, wo sie 2008 auch ihre Bestzeit von 2:38:21 h lief, konnte sich souverän in 2:54:55 h auf Platz zwei behaupten. Dass sie auf der zweiten Hälfte um mehr als sechs Minuten langsamer war, ist nur ein kleiner Schönheitsfehler, den sie mit der Siegerin gemeinsam hat.
Bei Halbmarathon noch auf Position drei zeigte die Uhr 1:35:49 h für das Mitglied der deutschen 100 km Nationalmannschaft Barbara Mallmann. Sie musste jedoch auf der zweiten Hälfte die 34-jährige Wienerin Carola Bendl-Tschiedel an sich vorbei ziehen lassen. Damit war der Weg für die Österreicherin frei für den dritten Podestplatz. 3:14:12 h wurden für sie gestoppt.
Der Marathon in Füssen ist eine Reise wert, das zeigte einmal mehr das internationale Starterfeld. Laufen wo andere Urlaub machen – oder die Kombination aus beidem.
Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.koenigsschloesser-romantikmarathon.de
Unsere Reportage über den Halbmarathon und 10er vom Vortag

