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Born to run – Christopher McDougall

[eingestellt am 13. August 2010]

Von: Nicole Benning

Born to run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt

Die Besprechung von „Born to run“ hat sich, seit das Buch bei mir zuhause liegt, etwas hingezogen. Ich fand beim ersten Anlesen nicht so recht den Zugang, so dass ich es immer wieder weglegte und nicht vorwärts kam. Eine längere Zugfahrt und der feste Entschluss, endlich das Geheimnis der Tarahumara erkennen zu wollen, ließen mich über die ersten 50 Seiten hinaus lesen. Und ich habe es nicht bereut.

Die Menschen sind zum Laufen geboren. Spätestens seit der Feststellung der berühmte Lokomotive Emil Zatopek (eine Art Biographie über ihn wurde hier ebenfalls schon besprochen) ist dies keine besondere Weisheit mehr. Dennoch – viele vergessen es immer wieder.

Der Journalist Christopher McDougall ist Läufer wie viele Millionen andere Amerikaner auch. Ihm tut immer wieder einmal etwas weh, er quält sich manchmal über seine Runden und seine Ärzte sagen ihm auf seine Frage, was das denn sein könne, er solle eben mit dem Laufen aufhören, dann habe er keine Schmerzen mehr. Aber McDougall ist auch einer, der sich mit diesen Diagnosen und Aussagen nicht zufrieden geben möchte. Denn, so denkt auch er, der Mensch ist zum Laufen gemacht.

McDougall begibt sich mit seinen Lesern in den Copper Canyon in Mexiko, um den Legenden der Schluchten und der dort seit Jahrhunderten unter extremen Bedingungen lebenden Tarahumara auf die Spur zu kommen. Es handelt sich dabei um ein indianisches Volk mit ausgesprochen großem Bewegungsdrang. Im Rahmen so genannter Rarámuris laufen sie extrem lange Strecken ohne Pause, manchmal mehrere Tage am Stück, bis zu 300 km. Rarámuri heißt so viel wie Fußläufer. Und das Erstaunliche an ihnen: sie wirken bei all dieser Lauferei nicht sonderlich angestrengt oder gequält, sie haben keine Schmerzen scheinen glücklich und fröhlich.

Bei seiner Annäherung an die Tarahumara schweift McDougall immer wieder ab. Den roten Faden, den muss man oft suchen. Er portraitiert Ultraläufer wie Scott Jurek oder Ann Trason, erzählt viel aus der nordamerikanischen Ultralaufszene und den dortigen Rennen (mit einem Schwerpunkt auf dem Leadville 100) und vergleicht die Tarahumara mit anderen Spitzenläufern. Er berichtet über schräge Typen (die natürlich auch Läufer sind), Läuferernährung, Schuhhersteller und das Laufen ohne Schuhe, bei dem einen die Füße nicht schmerzen. Genau diese Mischung macht aber auch den Reiz des Buches aus. Abenteuer in den Copper Canyons, die Geheimnisse der Tarahumara, interessante Portraits, ein wenig Ethnologie, lehrreiche Aspekte des Langstreckenlaufens. McDougall hat kein reines Sachbuch geschrieben aber eben auch keinen Abenteuerroman.

Abenteuerlich ist die erste Begegnung mit den Tarahumara, die allerdings nicht sonderlich viel mit ihm sprechen wollen. Er sucht einen Vertrauten von ihnen, der sich Caballo Blanco nennt – weißes Pferd. Er ist Amerikaner, ein Freak, der im Tarahumara-Land lebt und mit ihnen läuft. Man weiß nicht, was man von ihm halten soll, denn er erzählt viele verworrene Geschichten und träumt von einem Rennen im Tarahumara-Gebiet zwischen den Wunderläufern und den besten Ultraläufern der Welt. Scheibchenweise erfährt man mehr, nicht ohne die besagten Abschweifungen und Nebenschauplätze. Es werden viele spannende Geschichten erzählt, bis am Ende des Buches das große Rennen sogar stattfindet.

Nach der Lektüre verspüren sicher selbst eher Lauffaule die Lust, einfach loszulaufen. Daher: Erst lesen, dann loslaufen!

ISBN-10:3-89667-366-1
Veröffentlichungsdatum:März 2010
Verlag:Karl Blessing Verlag
Einband:gebunden
19,95 €


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