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Viktor Röthlin Marathonläufer - Walter Däpp, Romano Cuonz und Patrick Pons

[eingestellt am 08. Dezember 2010]

Von: Nicole Benning

Viktor Röthlin ist im Moment der beste europäische Langstreckenläufer und der einzige, der mit den schnellen Afrikanern mithalten kann. Er gewann vor vier Jahren in Göteborg bei der Leichtathletik-EM Silber im Marathon, bei der WM in Osaka 2007 wurde er Dritter, er siegte beim Tokio Marathon und wurde in Peking bei den Olympischen Spielen Sechster. Die Krönung seiner Karriere ist sicherlich der EM-Titelgewinn dieses Jahr in Barcelona, wo keiner in der spanischen Hitze den Marathon schneller lief als er.

Seine Marathonbestzeit steht bei 2:07:23 h, eine Zeit, bei der man bei einem Blick in die Marathonbestenlisten der letzten Jahre fast ausnahmslos nur Afrikaner findet. Europäische Läufer sind solche Zeiten schon eine ganze Weile nicht mehr gelaufen.

Röthlin ist Jahrgang 1974. Was bewegt einen so jungen Menschen, eine Biografie seines Lebens zu veröffentlichen? Dieser Frage wollte ich beim Lesen des 160 Seiten dicken Buches nachgehen.

Röthlin schreibt nicht über Röthlin, er beauftragt auch nicht einen Dritten, um über ihn zu schreiben. Es werden stattdessen von den drei Autoren Walter Däpp (Journalist), Romano Cuonz (Journalist) und Patrick Pons (Medien- und Kommunikationswissenschaftler) Weggefährten und Familienmitglieder Röthlins zu diesem außergewöhnlichen Schweizer Läufer befragt. So erzählen Trainingspartner, Kinder- und Jugendfreunde, Lehrer, seine Ehefrau oder die Brüder und die Eltern über „ihr“ Leben mit Viktor Röthlin.

Der Kernser Bub wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren von Sport, Röthlin wollte immer Fußball spielen, wenig angetan. Sie sahen es als reine Zeitverschwendung an. Doch Viktor rannte unglaublich gerne und konnte sein Talent bei einem Schulwettbewerb unter Beweis stellen. Er war meist besser und ausdauernder als die anderen, schnell feierte er in der Jugend Erfolge. Sein großes Idol war der Schweizer Markus Ryffel, der bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984 die Silbermedaille über 5.000 m gewinnen konnte. Das wollte er auch einmal!

Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Elektrozeichner, später noch als Physiotherapeut.

Beim Berlinmarathon stellte er 2001 einen neuen Schweizer Rekord auf, es sollte nicht der letzte über die 42,195 km lange Strecke sein. 2008 konnte er seinen eigenen Rekord in Tokio auf 2:07:23 h verbessern. 2009 hatten einige schon das Ende seiner Karriere gesehen, als er lebensgefährlich an einer Lungenembolie erkrankte und erst einmal eine lange Pause einlegen musste. Umso beachtlicher ist sein EM-Titel am 01.08.2010, dem Schweizer Nationalfeiertag, in Barcelona!

Außer den Röthlin nahe stehenden Personen kommt auch er selbst zu Wort und gibt Einblicke in seinen Trainingsalltag und seine Motivation. Man erfährt viel über die Laufbahn des Kernsers von der Jugend bis zum EM-Titel. Das ganze wird mit Bildern aus dem Familienalbum abgerundet. Das ganze liest sich schnell und leicht, wer sich für den Laufsport und den Marathon interessiert, hat Freude daran.

Nur warum man mit 36 Jahren eine Biographie herausbringt, die Frage bleibt auch auf der letzten Seite noch unbeantwortet.

Viktor Röthlin – Marathonläufer, 160 Seiten, ISBN 978-3-908713-92-0, Verlag Martin Walliman, Alpnach. 20 Euro


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