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DLV-Athleten fordern Live-Übertragung der Leichtathletik-WM aus Daegu

[eingestellt am 22. Februar 2011]

Von: Pressemitteilung

Offener Brief an TV-Intendanten

Zahlreiche aktuelle und ehemalige Topathleten der deutschen Leichtathletik haben sich in einem offenen Brief an die TV-Intendanten von ARD und ZDF sowie an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, an Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière, die  Ministerpräsidenten und  Sportminister der Länder gewandt, um doch noch eine Live-Übertragung von den diesjährigen Weltmeisterschaften aus Daegu (27.8. – 4.9.)  zu erreichen. Nach dem jetzigen Verhandlungsstand ist erstmals seit den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki  keine Live-Übertragung von der WM in Daegu bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und  ZDF geplant, sondern lediglich eine Zusammenfassung, wenn ARD und ZDF die Rechte bekommen sollten.  Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften zählen nach den Olympischen Spielen und den Fußball-Weltmeisterschaften zu den bedeutendsten Ereignissen des Weltsports.

Und hier ist der gesamte Text des offenen Briefes:

An die Intendanten der ARD-Anstalten und des ZDF

18.02.2011 

Sehr geehrte Frau Intendantin, sehr geehrter Herr Intendant, 

die Unterzeichner – Olympiasieger, Weltmeister, herausragende Athleten der deutschen Leichtathletik der Vergangenheit und die Kaderathleten der deutschen Leichtathletik – wenden sich in einem offenen Brief an Sie aus tiefer Sorge über die Programmgestaltung von ARD und ZDF bezüglich unserer Sportart Leichtathletik, der olympischen Kernsportart Nummer eins. 

Medienberichten zufolge sind die Rechteverhandlungen bezüglich der Übertragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2011 in Daegu gescheitert. Erstmals seit der Durchführung von Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Jahr 1983 soll es keine Live-Übertragung im deutschen Fernsehen von einer WM geben. Stattdessen sollen ARD/ZDF nur eine kurze Zusammenfassung der WM-Höhepunkte planen, soweit über deren Kosten noch eine Einigung erzielt werden kann.

Mit großem Unverständnis nehmen wir diese Position von ARD und ZDF zur Kenntnis. Weltmeisterschaften der Leichtathletik stellen nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften die bedeutendste Veranstaltung im Weltsport dar. Trotzdem sollen ARD/ZDF nur bereit sein, einen geringen Teil der früher bezahlten Rechtekosten zu tragen. Eine Reduzierung in einem solchen Umfang lässt sich auch bei allem Verständnis für kostenbewusstes Handeln nicht rechtfertigen. 

Zwar finden die Entscheidungen infolge der Zeitverschiebung in Deutschland am Mittag statt, aber Weltmeisterschaften wurden auch in der Vergangenheit in Asien veranstaltet. Außerdem umfasst der Rechtezyklus auch die nächste WM, die wiederum in Europa stattfindet. Nachdem in anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Großbritannien die Rechtekosten in angemessener Höhe von öffentlich-rechtlichen Sendern bezahlt werden, vermögen wir das Argument von ARD und ZDF eines marktüblichen Angebots nicht nachzuvollziehen. Wir sehen darin eher die Ausübung einer Monopolstellung, die in Deutschland für die meisten Sportarten jenseits des Fußballs besteht. 

 

Völlig unverständlich ist für uns das reduzierte Angebot von ARD und ZDF angesichts der dynamischen Entwicklung, die die deutsche Leichtathletik in den letzten Jahren erlebt hat. Eine neue Generation von internationalen Top-Leichtathleten mit der Weltklasse-Hochspringerin Ariane Friedrich, der schnellsten Frau Europas Verena Sailer, dem Weltmeister Robert Harting sowie vielen anderen sympathischen und erfolgreichen Gesichtern wie Christian Reif, Matthias de Zordo oder Carolin Nytra und anderen mehr haben mit ihren herausragenden Leistungen in den vergangenen Jahren der deutschen Leichtathletik Glanz und internationale Anerkennung verliehen. Die Fernsehzuschauer haben dieser Entwicklung Rechnung getragen. 

So wurden beispielsweise bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin Spitzenwerte bis zu ca. 10 Mio. Zuschauer erreicht. Und auch bei der Übertragung der Leichtathletik-Europameisterschaften aus Barcelona im Jahre 2010 gab es Spitzenwerte bis zu 7 Millionen. Mit diesen Werten bewegt sich die Leichtathletik auf dem Niveau der Formel 1 und der Fußball-Bundesliga. 

Unsere tiefe Sorge ist aber nicht nur in der Berichterstattung von der WM in Daegu begründet. In den letzten Jahren mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass in den Sportsendungen von nationalen Leichtathletik-Veranstaltungen – mit Ausnahme der deutschen Meisterschaften im Freien sowie dem ISTAF in Berlin– so gut wie keine Fernsehbilder im Hauptprogramm von ARD/ZDF gesendet werden. Vielmehr stellen wir fest, dass vor allem die Übertragung von Fußballveranstaltungen immer dominanter wird und in Sendungen wie der ARD Sportschau am Samstag nicht einmal Nachrichten von Weltklasseleistungen anderer Sportler außerhalb des Fußballs gemeldet werden. Angesichts der immer weiter steigenden Kosten für Fußballrechte befürchten wir bei gleichbleibendem Gebührenaufkommen, dass die Sportarten jenseits des Fußballs mehr und mehr aus den Programminhalten des Hauptprogramms von ARD und ZDF gedrängt werden. 

Wir sehen diese Entwicklung als problematisch im Hinblick auf den Auftrag des gebührenfinanzierten Fernsehens, Sport in seiner kulturellen Vielfalt angemessen zu präsentieren. Noch vielmehr sehen wir aber darin eine Verletzung der Interessen von Millionen von Fernsehzuschauern, die erwiesenermaßen Leichtathletikübertragungen sehen wollen. Gleichzeitig fürchten wir, dass die nachlassende Präsenz anderer Sportarten als Fußball im Fernsehen zu einer geringeren Attraktivität dieser Sportarten führt und letztendlich durch diese Politik von ARD/ZDF die internationale Leistungsfähigkeit des deutschen Spitzensports gefährdet wird. 

Letztlich fürchten wir auch, dass die Olympiabewerbung München 2018 betroffen sein könnte. Wie werden die IOC-Mitglieder – vor allem die zahlreichen Vertreter der Leichtathletik darunter – die Rahmenbedingungen für den olympischen Sport bewerten, wenn in Deutschland nicht einmal die Weltmeisterschaft der olympischen Kernsportart im Fernsehen übertragen wird?

Wir bitten deshalb die Verantwortlichen bei ARD und ZDF: 

1.       Die Verhandlungen über den Rechteerwerb von der Leichtathletik-WM in Daegu wieder aufzunehmen und ein erhöhtes Angebot für den Rechterwerb vorzulegen. 

2.       In den ARD-Sportsendungen - sowohl in den ersten als auch in den dritten Programmen – den deutschen Sport in einem ausgewogenen und angemessenen Umfang zu präsentieren. Eine Sportschau am Samstagabend, die nur aus Fußball-Übertragung besteht, garantiert dies nicht. 

3.       Die für den Sport zur Verfügung stehenden Gebühreneinnahmen in einem angemessenen Verhältnis auf die Vielfalt des Sportes zu verwenden und nicht nur im Schwerpunkt auf eine Sportart zu konzentrieren. 

4.       Für den Fall, dass eine Live-Berichterstattung von Daegu nicht erfolgt, um umgehende Verhandlungen für eine WM-Zusammenfassung, die sowohl hinsichtlich Länge als auch Sendeplatz eine unserer Sportart und dem Sportereignis angemessene Attraktivität garantiert. Dies ist aus unserer Sicht bei einer WM-Zusammenfassung aus Daegu nur im Vorabendprogramm von ARD/ZDF gewährleistet. 

Die Athletensprecherin des DLV:

Susanne Hahn                  

Die folgenden aktuellen oder ehemaligen Spitzensportler haben ihre Unterstützung für unseren offenen Brief erklärt: 

Olympiasieger, Weltmeister und herausragende Athleten der deutschen Leichtathletik der vergangenen Jahre: Dieter Baumann, Udo Beyer, Franka Dietzsch, Hildegard Falck-Kimmich, Heinz Fütterer, Manfred Germar, Armin Hary, Willi Holdorf, Astrid Kumbernuss, Martin Lauer, Ulrike Nasse-Meyfarth, Steffi Nerius, Annegret Richter-Irrgang, Thomas Schönlebe, Jürgen Schult,Nils Schumann, Werner von Moltke, Ronald Weigel, Paul-Heinz Wellmann, Klaus Wolfermann, Willi Wülbeck

Die Top-Teamkaderathleten: Ralf Bartels, Anna Battke, Melanie Bauschke, Sebastian Bayer, Pascal Behrenbruch, Matthias Bühler, Matthias de Zordo, Stefan Eberhardt, Markus Esser, Mark Frank, Ariane Friedrich, Kristina Gadschiew, Robert Harting, Carolin Hingst, Denise Hinrichs,André Höhne, Raphael Marcel Holzdeppe, Alexander John, Bianca Kappler, Kathrin Klaas, Nadine Kleinert, Sophie Krauel, Meike Kröger, Julia Mächtig, Beatrice Marschek, Sabrina Mockenhaupt, Antje Möldner, Malte Mohr, Katharina Molitor, Nadine Müller, Norman Müller, Markus Münch, Carolin Nytra, Christina Obergföll, Jennifer Oeser, Claudia Rath, Christian Reif, Elizaveta Ryzih, Verena Sailer, Tobias Scherbarth, Carsten Schlangen, Michael Schrader, Fabian Schulze, Christina Schwanitz, Helge Schwarzer, Lilli Schwarzkopf, Maren Schwerdtner, Melanie Seeger, Raúl Spank, Silke Spiegelburg,Linda Stahl, David Storl, Alexander Straub, Steffen Uliczka, Martin Wierig

Sowie alle weiteren 250 Kaderathleten des DLV

 

 

 „Das komplette Top-Team mit 55 Athleten, alle weiteren 250 Kaderathleten sowie zahlreiche ehemalige Topathleten unterstützen unsere Aktion. Unser Ziel ist es, dass die TV-Verhandlungen über eine Live-Übertragung von den Leichtathletik-Weltmeisterschaften aus Daegu so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden“, sagte die DLV-Athletensprecherin Susanne Hahn.

 

Unterstützt wird der offene Brief  auch vom Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Dr. Clemens Prokop:  „Ich hoffe, dass sich die Verantwortlichen bei ARD/ZDF von den Argumenten der Sportler überzeugen lassen. Besonders freut mich, dass zahlreiche Ikonen der deutschen Sportgeschichte wie Armin Hary, Manfred Germar,  Martin Lauer, Willi Holdorf, Ulrike Nasse-Meyfarth,  Franka Dietzsch, Astrid Kumbernuss oder Thomas Schönlebe die Aktion befürworten.“    

 


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Swiss City Marathon Luzern