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Gidumbanda, Daniel

[eingestellt am 20. Mai 2011]

Von: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Tatjana Reis & Daniel Gidumbanda

Arbeiten macht hungrig - Tatjana Reis (l.) und Daniel Gidumbanda (o.l.)

Sehnsüchtiges Warten der Dorfbewohner auf das Wasser

Daniel Gidumbanda freut sich mit den Menschen über das kühle Nass

Die erste Dusche nachdem das Wasser aus dem 85 Meter tiefen Brunnen sprudelt

Auf dem Esel zum Wasserholen

Erschöpft, aber glücklich: Tatjana Reis und Daniel Gidumbanda

Im traditionellen Gewand: Daniel Gidumbanda und Kollege

Für Daniel Gidumbanda die wichtigste Person in seinem Leben - neben Ehefrau Tatjana Reis: die Großmuter aus Danga’ida

Kurz vor dem Start beim Marathon in St. Wendel

Auf der Zielgeraden in St. Wendel 2011

– Der Marathoni mit dem großen Herzen -

Wahl-Pfälzer aus Tansania meistert Spagat zwischen Profisport und sozialem Engagement

„In St. Wendel I was abgekackt“, meint Daniel Gidumbanda, Marathoni mit einer Bestzeit von 2:13 Stunden, nachdem er im Saarland Anfang Mai nach etwas mehr als 2:50 Stunden die Ziellinie überquert hatte, rückblickend. Inzwischen kann er über seine Zeit lachen, blickt wieder nach vorn, genießt beim Gespräch mit laufticker.de eine Tasse Kaffee mit reichlich Zucker.

Wer weiß, wie sehr sich Gidumbanda, der Wahl-Pfälzer aus Tansania in den letzten zweieinhalb Jahren mit Verletzungen herumgeschlagen hat, kann trotz allem nur sagen: Chapeau! Hinzu kommt, dass der 36-Jährige sozial sehr stark engagiert ist, seit Januar 2010 in Tansania weilte, um ein von ihm und Ehefrau Tatjana Reis initiiertes Brunnenbauprojekt in der Nachbarschaft von Danga’ida zu begleiten. Über 37.000 Euro sammelten die beiden im Vorfeld mit ihrem Verein Vision Tansania e.V. und Dabavita, dem Partnerverein vor Ort. Bis der Brunnen endlich fertig war, mussten viele Hürden genommen werden. Von dem 360 Kilometer entfernten Arusha aus arbeiteten sich die Lastwagen pickepackevoll mit Dieselgenerator, Pumpe, Rohren und allerlei weiterem Werkzeug und Material in die abgelegene Ortschaft über unbefestigte Straßen vor. Es wurde gebohrt und gebohrt, bis es endlich sprudelte – das langersehnte Wasser aus den Tiefen Tansanias. 85 Meter bahnte sich der Bohrer einen Weg durch die Erdschichten. Zwar müssen die Menschen noch immer mehr als eine Stunde Fußmarsch in Kauf nehmen, um das kühle Nass zu ihren Hütten zu bringen; sie wissen aber, dass das Wasser nicht mehr der Auslöser für Krankheiten sein kann. Mit Hilfe einer Versorgungsleitung soll es näher zu den Dorfbewohnern gebracht werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik! Genauso wie beispielsweise eine geplante Solaranlage oder ein Krankenhaus bzw. eine Krankenstation für das Dorf. Klar, dass bei all der Arbeit, die für Gidumbanda und Reis kein Job, sondern Herzensangelegenheit ist, kaum Zeit zum Training blieb. Und wenn, dann erzählt der 36-Jährige „war es langweilig, weil ich ja ganz alleine gelaufen bin.“ Anderseits habe er genug Zeit gehabt, seine Knieverletzung auszukurieren, erklärt er schmunzelnd.

Was der Tansanier anpackt, hat Hand und Fuß. Gidumbanda ist ein Tausendsassa. „Elite Marathon Runner, Bergführer für Kilimandscharo, Mount Meru, Mount Hanang und Safari Organization“, prangt auf seiner offiziellen Visitenkarte mit einem beeindruckenden Hintergrundfoto, das einen Einblick in die Weiten Tansanias und die faszinierende Tierwelt gibt. Das macht wahrhaft Lust auf ein unbekanntes Land und seine Menschen.

Demnächst wird Daniel Gidumbanda wieder verstärkt in den Ergebnislisten auftauchen. Apropos Ergebnislisten: Am Nachnamen Gidumbanda gibt es nichts zu rütteln, allerdings existieren immer wieder verschiedene Versionen seines Vornamens. Gisamoda, Gisamo oder Daniel. Gisamoda – so nannten ihn seine Eltern, Gisamo wird er von seiner Frau gerufen und Daniel heißt er, seit er zu Schulzeiten katholisch getauft wurde. Wie bei vielen afrikanischen Läufern begann die Laufkarriere des Daniel Gidumbanda schon in frühen Kindertagen. Als er in die „Primary School“ kam, gehörte ein zehn Kilometer langer Schulweg zur Tagesordnung. Und die legte er – wie kann es auch anders sein – laufend zurück. Schnell stellte sich heraus: der kleine Gisamoda mit dem großen Wissenshunger hat Talent und so schleppte er in der Folgezeit einen Pokal nach dem anderen in Omas‘ Hütte. Bei seiner inzwischen fast 90-jährigen Großmutter, die einzig die Stammessprache der Barbaig spricht und versteht, lebte Gidumbanda vom Babyalter an, nachdem sich seine Eltern getrennt hatten, zunächst die Mutter, später auch der Vater die Familie verließ. Wie viele Jahre die rüstige, alte Dame wirklich auf dem Buckel hat, lässt sich nur schätzen, denn als Gidumbandas‘ Oma das Licht der Welt erblickte, existierten noch keine Geburtsurkunden. Eines aber ist sicher: neben Ehefrau Tatjana Reis ist die Großmutter für den Tansanier nach wie vor die wichtigste Person in seinem Leben. Und die Oma ist richtig fotogen: es gibt kaum ein Bild, dass Gidumbanda und Reis gemacht haben, auf dem sie nicht den strahlenden Mittelpunkt darstellt.

Gidumbanda wurde im Laufe der Zeit immer schneller. Es ging im wahrsten Sinne des Wortes steil bergauf – auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Bergführer arbeitete. Zur Belohnung für seine Erfolge wurde der Tansanier an der „Secondary School“ sogar von den Schulgebühren befreit. Vier Mal nominierte ihn der tansanische Leichtathletikverband für die Cross-Weltmeisterschaften. Über einen privaten Kontakt landete Gidumbanda, der Mann mit dem strahlenden Lachen, 1995 in Irland. „Dort haben ich ein Rennen nach dem anderen gemacht“, berichtet er. So lief er beispielsweise 1997 im irischen Dundrum über zehn Kilometer starke 29:45 Minuten. Der Streckenrekord steht bis heute… 1999 stellte er in Dublin seine Bestzeit im Marathon auf: 2:13,45 Stunden. Durch die Lauferei kam Gidumbanda in der Welt herum, lernte die verschiedenen Sprachen: Englisch, Italienisch und natürlich Deutsch, das er momentan noch fleißig büffelt. Richtig sympathisch kommt er rüber, wenn er mit einem Kauderwelsch aus Englisch, Deutsch und Swahili von seinem Projekt und seiner Laufkarriere parliert. Immer dabei: die kleine Kompaktkamera, die schon so manchen spannenden Augenblick in Afrika oder aber im heimischen Winterborn in der Nordpfalz festgehalten hat.

Als sich Gidumbanda 2003 als Träger für Bergtouren bewarb und auch arbeitete, merkte er schnell, dass er eigentlich mehr wusste, als so mancher Bergführer, der die Touristen auf den Kilimandscharo, dem mit 5.893 Meter höchsten Berg Afrikas, führte. Und so entschied er sich kurzerhand selbst eine Ausbildung als Bergführer zu beginnen. Sämtliche Strecken, die Pflanzen- und Tierwelt – all das paukte er in den nächsten Wochen. Das Schicksal des Daniel Gidumbanda nahm seinen Lauf, als Tatjana Reis 2005 nach Tansania reiste, um Land und Leute fernab des Tourismus kennenzulernen. Als sie das Büro betrat, um eine Bergtour samt Führer zu buchen, traf es die Pfälzerin wie ein Blitz. Dort saß „ihr“ Bergführer. Ihm erging es übrigens ebenso. Liebe auf den ersten Blick! „Unseren ersten Kuss hatten wir bei Sonnenaufgang auf der Spitze des Kilimandscharos“, schwärmt Reis noch heute von dem magischen Moment, der ihr beider Leben verändern sollte. Inzwischen sind beide verheiratet, leben größtenteils in Winterborn im Donnersbergkreis und fliegen regelmäßig nach Tansania, um dort weiter die Vision ihres Vereines voranzutreiben. Während Reis ihr Geld als Massage-Praktikerin und Naturtherapeutin verdient, lebt Gidumbanda vom Laufen. In der Region machte er sich vor allem als Sieger des 5. MLP Marathon Mannheim Rhein-Neckar 2008 in 2:29,16 Stunden oder als Sieger des Coca-Cola Straßenlaufes in Kaiserslautern-Einsiedlerhof (30:47 Minuten) einen Namen. Auch ansonsten hat er in Deutschland schon seine Spuren hinterlassen: als Sieger des Aaseelaufes (Halbmarathon), Gewinner der Riesenbecker Sixdays, Erster des Löninger Marathons und als Vierter des Volksbank-Münster-Marathons. Er könne sich durchaus vorstellen, sein Wissen auch als Trainer weiterzugeben, erklärt er. Und wer weiß, wohin es das Ehepaar Reis/Gidumbanda in Zukunft verschlägt. „Vielleicht gehen wir irgendwann ganz nach Tansania“, spekulieren beide. Pfalz oder Tansania? Für das Duo ist Heimat dort, wo sich der andere Partner befindet. „Winterborn it’s okay, Tansania it’s okay“, bringt es Daniel Gidumbanda auf den Punkt.

Information: Tatjana Reis und Daniel Gidumbanda laden am 25. September zum 5. Mal zum „Laufen für Wasser“ in Winterborn ein. Start ist um 10.00 Uhr an der Dr.-Heinrich-von-Brunck-Halle. Es kann zwischen einer Fünf- oder Zehn-Kilometer-Strecke gewählt werden. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich und alle Läufer, Walker und Wanderer (auch mit Kinderwagen und/oder Hund) sind willkommen. Wer möchte, kann ein freiwilliges Startgeld in selbstbestimmter Höhe entrichten. Informationen unter www.vision-tansania.de

 


11. Bottwartal Marathon