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Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben - Bernd Stelter

[eingestellt am 05. Juli 2011]

Von: hahnertwins

Der Titel lässt schon vermuten, dass Bernd Stelter auch in seinem neustem Buch „Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben“ seinem Motto, das schon mehr einer Aufforderung nachkommt, treu bleibt: „Mundwinkel hoch“. Wenn man den Leser dazu auffordern müsste, dann würde bereits etwas schiefgehen. Bernd Stelter möchte kein Fachbuch zum Thema Abnehmen schreiben, sondern seine Leserschaft unterhalten. So wie er es auf der Bühne tut, im Fernsehen, im Karneval und nun auch mit seinen Romanen. Mit dieser Einstellung sollte man auch das Buch in die Hand nehmen. Diejenigen, die bereits so weit wie Bernd sind, und schon regelmäßig die Laufschuhe schnüren, werden sich in den unterhaltsamen Geschichten wiederfinden und froh sein, diesen ersten Schritt bereits überwunden zu haben. Die andere Gruppe ist die interessantere Gruppe. Die Gruppe der „korpulenten Sportallergiker“. Wird es Bernd Stelter mit seinem Buch schaffen, diese Menschen von den Sofas auf die Waldwege unseres schönen Landes zu befördern?

Mein erster Tipp vorweg an all die Frauen und Männer, deren Partner sich das Buch bereits gekauft haben, im Liegestuhl irgendwo in der Türkei, in Griechenland oder auf Mallorca liegen, bei Vollpension und definitiv keinem Interesse an eigener körperlicher Bewegung. Zögert keine Sekunde und lasst das Buch auf ominösem Wege verschwinden. Ansonsten kann es gut sein, dass die Ruhe nun vorbei ist, und statt Urlaubssouvenirs nun Sportkleider gekauft werden. Das Buch schafft es, all denen ein schlechtes Gewissen einzureden, die bisher der Überzeugung waren: Jetzt noch mit Sport anfangen?- dafür ist es eh zu spät.

Bernd Stelter gehörte nämlich bis zu seinem dreiundvierzigstem Lebensjahr zu genau dieser Menschengruppe. An Silvester fasste er jedoch den Entschluss, im neuen Jahr mit dem Laufen anzufangen. Auch wenn er keine Ahnung hatte, wie das gehen sollte mit einem Lebendgewicht  von hundertzwanzig Kilo. „Aber ich würde es tun. Das stand fest.“ Auf den nächsten 220 Seiten erlebt man als Leser seine Up and Downs bei der Umsetzung, bekommt Einblicke in sein Leben als Künstler und als Familienmensch. Alles stets in seiner direkten Kölner Art,  so dass man auch mal Dinge erfährt, die er auch besser für sich hätte behalten können. Spargel und Verdauung sollen hier als Stichwörter genügen. Das Buch bietet aber auch sinnvolle Tipps für Laufeinsteiger. Wie finde ich die richtigen Laufschuhe? Oder auch die Erklärung der einzelnen Herzfrequenzzonen.

 Sympathisch ist, dass Bernd Stelter gar nicht versucht, als Spezialist zu erscheinen, sondern die medizinischen Erklärungen auf ein für alle verständliches Alltagsdeutsch herunter bricht, und durch Kommentare das Ganze auflockert. Sein Antrieb zum Laufen ist der Wunsch abzunehmen. Daher stellt er sich die Frage „In welcher Zone man denn nun trainieren solle“, um möglichst viel abzunehmen.  Er entscheidet sich aus ganz pragmatischen Gründen für den aeroben Bereich, die „Fettverbrennungszone“. Ihm ist es „scheißegal“, warum dies so ist. Denn für ihn ist es wichtig, Spaß beim Joggen zu haben, „und der Spaß kommt bestimmt nicht durch den berühmten Muskelkater oder den übersäuerten Körper im Straßengraben“.  Da hat er wohl recht. „Entscheidend ist nur, dass es am Ende mehr Kalorien sind, als wir beim Frühstück, beim Mittagessen, in der Eisdiele und durch das Bierchen in der Kantine zu uns nehmen“. Das kann jeder nachvollziehen, dafür benötigt man keine weiteren medizinischen Erklärungen.

Wen spricht das Buch an? Die Hauptzielgruppe sind wohl „Männer in den Wechseljahren“, jenseits der 40. Denn Bernd Stelter erklärt überzeugend, dass er schon einhundertundzehn Tage vor seinem Geburtstag im Alter von dreiundvierzig Jahren begonnen hat, fünfzig zu werden. Das werde man nicht von heut auf Morgen und das wolle vorbereitet sein. All diejenigen, die sich in derselben Situation befinden, können aus dem Buch hilfreiche Tipps ziehen. Vorausgesetzt man ist so sportlich wie Bernd Stelter damals, also gar nicht sportlich. Für regelmäßige Hobbyläufer ist das Buch aber auch lesenswert, denn im Vergleich zu Bernd kommt jeder gut weg und man bekommt das Gefühl, eine echte Rakete zu sein. Außerdem ist sein Schreibstil „voller Witz, Lust und Eifer. Wunderbar geschrieben“. „Ich wog über hundertdreißig Kilo, ich hatte mich nie in meinem Leben mehr als nötig bewegt, heute bin ich ein Viertel meines Gewichts los, ich fühle mich prächtig und kann locker eine Stunde am Stück laufen. Wenn ich das geschafft habe, dann schafft das jeder.“ Die Rede ist weder von einer Mount Everest-Besteigung, noch einem Ultralauf durch die Wüste Gobi oder einem Himalaya-Marathon. Es geht „nur“ ums Laufen, ums Joggen, ums Locker-vor-sich-hin-traben. Trotzdem gilt dasselbe Prinzip: Man braucht ein Ziel und das erreicht man nur, wenn man motiviert ist. Den Anstoß kann Bernd Stelter mit seinem Buch geben.

Bernd Stelter: Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben
Lübbe-Verlag
ISBN-10:3-7857-2408-X
18 €


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