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Protokoll einer Streckenvermessung: so geht das also!

[eingestellt am 02. November 2011]

Von: Gabi Gründling

Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung

Bad Dürkheim, 01. November 2011 – Noch im Morgengrauen machen sich Maya Lukas und ich auf den Weg, um die Strecke des 1. Bad Dürkheimer Salinenlaufs zu vermessen. Dieser wird zwar erst am 30. April 2012 stattfinden, aber der frühe Vogel fängt in diesem Fall im doppelten Wortsinn den Wurm. Bevor die Ausschreibung fertig gestellt wird, soll auch die Streckenlänge feststehen. Aufgrund der Kürze der Runde ist das sicher für so manchen Läufer ein Entscheidungskriterium. An dieser Stelle will ich für den interessierten Leser bebildert davon berichten, wie so eine Vermessung vonstatten geht. 

Wir machen uns also in aller Herrgottsfrühe auf den Weg. Das hat mehrere Gründe. Erstens sind um diese Uhrzeit nur wenig Menschen unterwegs, die dem Rad mit dem Jones Counter im Weg sein können. Denn das Rad muß wirklich auf gerader Ideallinie auf der zu vermessenden Strecke unterwegs sein und kann nicht im Slalom um lebende Hindernisse gesteuert werden. Außerdem ändern sich mit zunehmenden Temperaturen auch Luft- und Reifendruck und beides hat Auswirkungen auf die Messung. 

Zuerst suchen wir uns eine Eichstrecke. Diese muß mindestens 300 m lang und gerade sein. Mit einem Stahl-Maßband messen wir auf dem Radweg entlang der B37 300 m ab – mehr waren diretissima nicht drin, man verschätzt sich da leicht. Wir messen einmal hin und einmal her, um Fehler auszuschließen. An beiden Enden der Eichstrecke werden Markierungsnägel in den Asphalt geschlagen. Die tatsächliche Länge der Eichstrecke muss noch errechnet werden denn die genaue Länge des Massbandes ist temperaturabhängig. 

Mit dem Rad (der Jones-Counter ist an der Nabe des Vorderrads montiert) wird dann die Eichstrecke mehrfach abgefahren, die Zählerwerte jeweils am Anfang und Ende notiert. Vier Messungen, deren Werte nicht mehr als 3 Zähler abweichen dürfen, werden benötigt. Ein Schlenker beim Anfahren oder ein Anhalten, um einem Fussgänger nicht ausweichen zu müssen, kann schon ein paar Zähler Abweichung ergeben. 

Mit diesem Ergebnis geht es zur Rennstrecke. Aus Eichstreckenlänge  und Zähler wird eine Arbeitskonstante errechnet, die aber nach Abschluß der Streckenvermessung auf der Eichstrecke nochmals kontrolliert wird. Die endgültige Strecke wird aus dem Mittelwert der beiden Kalibrierungen am Anfang und am Ende ermittelt. 

Zuerst gehen wir die geplante Strecke zu Fuß ab, damit Maya sich ein Bild machen kann und besprechen die Ideallinie und die Stellen, an denen abgeflattert werden muß, damit die Läufer keine Kurven schneiden und so Meter gewinnen können. Wenn die zu vermessende Strecke länger ist, funktioniert das mit dem Fußmarsch natürlich nicht mehr, in diesem Fall war's aber sehr praktikabel.

Dann geht’s mit dem Rad los. Am geplanten Start sucht man sich eine unverwechselbare Stelle. In unserem Fall ist das einfach, die Säulen der Salinen sind unverrückbar. Und dann ist da noch ein Gullideckel, der als Backup herhalten kann. Entlang der bei uns ja kurzen Strecke (am Ende werden 776 m stehen) werden noch ein oder zwei weitere Messpunkte markiert. Schilder, Pfosten oder Mauern eignen sich gut dazu. 

Die Messpunkte und deren Umgebung werden extra im Bild festgehalten, damit die Lage eindeutig dokumentiert werden kann.

Drei Mal fährt Maya die Strecke ab, notiert jedes Mal die Werte, die der Jones-Counter ihr anzeigt.

Ein zweites und letztes Mal fährt sie zur Eichstrecke, verifiziert die Werte vom frühen Morgen. Die Werte waren in diesem Fall aber nur gleich, weil die Temperatur konstant war, normalerweise bekommt man andere Werte, deswegen nimmt man dann den Mittelwert als Tageskonstante.

Aus der Messzahl und der Tageskonstante wird die Streckenlänge zentimetergenau ermittelt.  Gegen 10 Uhr, kurz bevor es an der Saline richtig voll wird, haben wir es geschafft. Knapp drei Stunden Arbeit vor Ort liegen hinter Maya. Aber fertig ist sie damit noch lange nicht. Zuhause wird noch nachgearbeitet, das Vermessungsprotokoll muß geschrieben und an den DLV weitergegeben werden. Von dort aus geht es zum zuständigen Landesverband und dann zum Veranstalter. Zum Protokoll gehört auch eine Streckenkarte. Dank der Technik des 21. Jahrhunderts und Freeware-Karten ist das heute alles relativ einfach, wenn auch zeitaufwendig zu bewerkstelligen. Alles in allem, Fahrtzeiten nicht eingerechnet, kostet die Vermessung einer so kurzen Strecke ca. sechs Arbeitsstunden. 

Auf der Seite des DLV findet man übrigens nicht nur eine Liste aller zugelassenen Vermesser sondern auch noch eine aller vermessenen Strecken in Deutschland: 

http://www.deutscher-leichtathletik-verband.de/index.php?SiteID=367

 


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