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Kah, Sören

[eingestellt am 03. Dezember 2011]

Von: Gabi Gründling

Der breit aufgestellte Fußballläufer 

Er hat den Fußball im Blut und im Herzen. Es ist ja in Läuferkreisen ganz normal, daß die sportliche Vergangenheit teilweise bis ins Erwachsenenalter hinein ganz und gar in den Händen von König Fußball war. Eher ungewöhnlich ist dennoch die Sportkarriere von Sören Kah. „Rein in die Laufschuhe – raus aus den Laufschuhen“ – so könnte man seine Lauf-Bahn zwischen 1991 und 2006 in einem Satz zusammenfassen. Immerhin 15 Jahre lang war Sören lieber Fußballer als Läufer, obwohl sein Talent schon im zarten Alter von 9 Jahren zutage trat, als er auf Anhieb 3:38 min über 1.000 m auf die Bahn legte. Sechs Jahre lang schnürte er Lauf- und Fußballschuhe gleichzeitig, bevor er mit 15 die Fußballschuhe sogar mal für eine Zeitlang an den Nagel hängte. Zwei Jahre hielt er die Fußballabstinenz aus, zwei weitere Jahre gab’s wieder zwei Sportarten in seinem Leben und mit 19, also 2001, war das Laufen wieder seine zweite Liga. Auch wenn er nie ganz damit aufhörte und sogar hin und wieder an Wettkämpfen teilnahm, allerdings ohne zielgerichtetes Training, einfach nur zum Spaß.

Dann ereilte ihn 2006 das Schicksal, das er mit vielen Fußballkollegen teilt: ein Kreuzbandriss holte ihn von 100 auf 0, erstmals war keine seiner beiden Sportarten mehr möglich. 2008 kam bei seinem Work-and-Travel-Aufenthalt in Australien die Lauflust so richtig zurück und er nahm wieder Kontakt zu seinem früheren Trainer Lutz Preußner auf. Nach seiner Rückkehr schloß er sich seiner alten Trainingsgruppe zuhause in Birlenbach (auf der rheinland-pfälzischen Seite der Lahn nahe Limburg gelegen) wieder an und von da an ging’s steil bergauf. 2010 wurde er Rheinland-Pfalz-Meister über 10.000 m und westdeutscher Meister über 10 km und Halbmarathon, gewann den Münchner Halbmarathon in 1:07:31 h. Da er auch nach wie vor gerne auf der Bahn und ab 1.500 m alles läuft, was ihm so in die Wettkampfplanung passt, war er auch in der Hallensaison 2010/2011 sehr erfolgreich, wurde sowohl Rheinland-Pfalz- als auch westdeutscher Meister über 3.000 m. Seine Zeiten über 10.000 m, 10 km und Halbmarathon verbesserten sich 2011 stetig und ständig, mit 1:05:42 h wurde er im April in Griesheim Sechster der Halbmarathon-DM, denselben Platz konnte er mit 29:45 min bei der 10 km-DM im September in Oelde belegen. Und in München gewann er den Halbmarathon in 1:07:05 h. Da war er schon längst im anstrengenden und anspruchsvollen Training für den Marathon in Frankfurt, seiner neuen Heimatstadt. Dort lebt er in einer Vierer-WG zusammen mit Nichtläufern, was ihm viel Spaß macht, zumal mit einem rotierenden Putzplan auch die landläufig bekannten WG-Probleme nicht vorhanden sind. 

Nachdem der Arbeitgeber des staatlich geprüften Betriebswirts und gelernten Industriekaufmanns von Wiesbaden nach Frankfurt umzog, verlegte er seinen Wohnsitz im Frühjahr ebenfalls in die Mainmetropole. In Rödelheim hat er mit der Nidda und dem Niddapark vor der Haustür ein gutes Trainingsgebiet. Seinem Trainer ist er treu geblieben, die beiden kommunizieren auch auf die Ferne regelmäßig und der modernen Technik sei Dank, überträgt Sören seine Trainingseinheiten immer ins Internet und Lutz Preußner hat sofort Zugriff darauf. Wenn er an den Wochenenden zuhause ist, trainiert er auch ab und zu mit seiner Trainingsgruppe von der LG Lahn-Aar Esterau, in Frankfurt muß er momentan alleine trainieren. Allerdings dürfte es auch in der Großstadt schwer sein, einen adäquaten Trainingspartner zu finden, denn mit 2:17:58 h wurde er auf Anhieb bei seinem Marathondebut hinter Jan Fitschen zweitbester Deutscher. Das ist, neben Rang 9 im Halbmarathon und Rang 12 über 10 km, auch seine Stellung in der Deutschen Jahresbestenliste über die Marathondistanz. 

Wohlgemerkt: Sören Kah ist kein Profi – sein Trainingspensum von bis zu 160 km/Woche verteilt auf sechs Einheiten packte er in eine ganz normale 40 Stunden-Arbeitswoche als Controller. Sein Arbeitgeber freut sich zwar über seine Leistungen und ermöglicht ihm auch, seine Urlaubstage so zu legen, daß es in die Wettkampfplanung passt, aber ansonsten erfüllt er seinen Arbeitsvertrag ganz normal wieder jeder Kollege auch. Allerdings merkte er in der Vorbereitung auf Frankfurt schon deutlich, wie grenzwertig das Ganze ist und reduzierte seine Arbeitszeit seit November auf eine 30 Stunden-Woche. In seiner Erholungsphase nach dem Marathon lief er immerhin in vier Einheiten auch noch 70 bis 80 km/Woche, normal sind so 120 bis 130 Wochenkilometer. Und die erfordern selbst bei einem schnellen Hirschen so ihre Zeit. Außer ascis, die ihn mit ein bißchen Ausstattung versorgen, hat er noch keine Sponsoren. 

In der Wettkampfphase verteilen sich seine 67 kg auf 1,82 m, da verzichtet er, vor allem in der Marathonvorbereitung, auch diszipliniert auf Alkohol und Süssigkeiten. 

Auch wenn er selbst nicht mehr spielt – sein Herz schlägt nach wie vor für den Fußball. Nach alter Familientradition ist er Fan von Eintracht Frankfurt, wie schon sein Großvater und sein Vater. „Ich wurde quasi als Eintracht-Fan geboren“ lacht er im Interview. 

Wo denn seine sportliche Reise noch hingehen solle, habe ich ihn bei unserem Gespräch gefragt. „Mit ein bißchen Glück vielleicht 2016 nach Rio“ ist die spontane Antwort. Dann ist er 34 und im besten Marathonalter für die olympischen Spiele. 2012 möchte er im Frühjahr erstmal 2:15 h laufen. Zwei bis drei Minuten schneller sind in diesem Leistungsbereich schon ein Wort – umso mehr, als daß Sören Kah nach wie vor Amateur ist. 

Nachtrag im Februar 2012: Sörens Situation hat sich in den letzten Monaten stark verbessert. Er wurde in den Nationalkader berufen, wir drücken die Daumen, daß sich sein Traum von den olympischen Spielen vielleicht schon in diesem Jahr erfüllt. Sein Arbeitgeber Ipsos ist nun sein Sponsor. Sören wurde für ein Jahr von der Arbeit freigestellt und bekommt 75% seines Gehaltes weiter bezahlt. Damit ist er in der komfortablen Situation, sich ganz auf seinen Sport konzentrieren zu können.

Dieser Einsatz wurde in Hamburg belohnt - dort lief Sören am 29. April 2012 bei seinem zweiten Marathon als bester Deutscher nach 2:14:25 h ins Ziel.

Seine Bestzeiten im Überblick:

1.500 m - 3:53,92 min (Juli 2012)
3.000 m - 8:26,99 min
5.000 m – 14:12,71 min (Kassel 2011)
10.000 m – 30:16,12 min (Essen 2011)
10 km – 29:45 min (Oelde 2011)
21,1 km – 1:04:42 h (München 2012)
42,195 km – 2:13:57 h (Frankfurt 2012)

 

 

 


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