28. Leininger Cross Grünstadt
Das war knapp!
Grünstadt, 21. Januar 2012 – Eigentlich hatten die Wetterfrösche für diesen Samstag Dauerregen bei Temperaturen um die 10 Grad gemeldet. Morgens sah es glatt so aus, als ob sie recht behalten würden, aber im Laufe des Vormittags stoppte der Wasserfluß von oben und als um 12.30 h der erste Startschuß über das Rudolf-Harbig-Stadion am Rande der Klenstadt im Leininger Land hallte, war es trocken. „Hoffentlich bringen wir wenigstens die Schülerläufe ohne Regen über die Runden“ meinte Gerd Turznik, Abteilungsleiter „Leichtathletik“ in der TSG Grünstadt. Auf die Vermutung, es könne ja vielleicht auch die ganze Veranstaltung über halten, kam nur die von einem kritischen Blick zum Himmel begleitete Antwort „Glaubst Du im Ernst daran?“. Fast hätte es geklappt mit der regenfreien Veranstaltung, denn erst beim letzten von acht Läufen, der um kurz nach 15.30 Uhr gestartet wurde, öffnete der Himmel für wenige Minuten seine Schleusen und dann erst am späteren Abend wieder, als die Lauflustigen Grünstadt schon längst hinter sich gelassen hatten.
Mit 223 LäuferInnen über alle acht Läufe kamen in diesem Jahr über 60 weniger ins Leininger Land als im Vorjahr. Das war sicher dem schlechten Wetter des frühen Vormittags und dem in Aussicht gestellten Dauerregen zusammen. Der Crosslauf in Grünstadt ist keine Schlammschlacht, selbst bei schlechtestem Wetter würden allenfalls die Aschenbahn im Zielbereich bzw. die beiden zu überquerenden Aschenplätze für dreckige Klamotten sorgen. Der Rest ist Rasen bzw. aufgeschütteter Sand. Und dieser Untergrund kann zwar im Ernstfall ein bißchen tief werden, aber nicht wirklich die Klamotten einsauen.
Die 1.100 m lange Runde ist allerdings durchaus spikesfähig und viele eingefleischte Crosser schrauben sich auch gerne Nägel unter die Schuhe.
Zwischen 12.30 Uhr und 15.00 Uhr werden insgesamt acht Läufe unterschiedlichster Länge auf die Reise geschickt. Knapp war in diesem Jahr nicht eine Entscheidung, jeder Lauf präsentierte mehr oder weniger überlegene Sieger.
Zuerst gingen die ganz Kleinen auf die Strecke, sie hatten eine Runde zu absolvieren. Die jüngste Teilnehmerin war mit Jahrgang 2007 gemeldet, trat aber nicht an. So nahmen 37 Kids zwischen Jahrgang 2006 und 2003 eine Runde unter die Füsse, die drei künstlichen Hindernisse müssen sie noch nicht überwinden. Eine Klasse für sich war der 11jährige Simon Haag vom TV Weidenthal. Konkurrenzlos zog er bis in den Zielkanal voll durch, schaffte die Runde in 4:32 min. Erst 35 Sekunden später kam Leon Rörig (TSG Eisenberg) zum Zeitnahme, er hatte dann noch 12 Sekunden Vorsprung vor Felix Fritz (TSG Grünstadt) und David Leonhardt (TG04 Limburgerhof), die fast zeitgleich über die Ziellinie liefen. Mit Anna und Klara Gehrmann kamen die schnellsten Mädchen ebenfalls fast zeitgleich (5:20,4 und 5:20,9 min) als Fünfte und Sechste ins Ziel.
Die Jungen und Mädchen der Jahrgänge 2001 und 2002 mußten auch eine Runde drehen, wurden aber nach Geschlechtern getrennt in den Läufen 2 und 3 auf die große Stadionrunde geschickt. Nur 14 Jungen und 19 Mädchen hätte man wahrscheinlich auch einfach zusammen starten lassen können. Zuerst waren die Mädels dran, auch hier hatte die Siegerin ordentlich Vorsprung vor ihren Verfolgerinnen. Chelsea Schönung (PG Mannheim) siegte in 4:16 min vor Katrin Leonhardt (TG04 Limburgerhof, 4:34 min) und Jana Schwaab-Klier (TSV Kandel, 4:45 min).
Chelsea war damit 10 Sekunden schneller als der schnellste gleichaltrige Junge in Lauf 3. Kai Vogel (LG Weinstraße) brauchte 4:26 min. Der Zweite, Til Daniel Hornbach (LC Hassloch) hätte sich mit 4:31 min gerade so eben vor Katrin Leonhardt ins Ziel gerettet und Finn Bundenthal (TSV Iggelheim) wäre zeitgleich mit Jana Schwaab-Klier in den Zielkanal gesprintet. In dieser Altersklasse machten die Jungen den Mädchen also nichts vor.
Lauf 4 der Kids Jahrgang 1999/2000 wurde über 1.200 m ausgefochten. Dazu wurde der Start um 100 m ins Stadionrund zurück versetzt. Philipp Leidner (LG Neustadt) siegte in 4:37 min vor Lasse Löffelbein (TuS Saulheim, 4:39 min) und Fabio Matheis (TSG Eisenberg, 4:46 min). Fabio, der im April 13 wird, trägt einen großen Namen, seine Eltern sind Josefa und Ralf Matheis. Fabio, der seine Mutter inzwischen überragt, war der einzige aus der Matheis-Familie, der in Grünstadt die Laufschuhe schnürte. Vater Ralf und die 4jährige Elena sind noch erkältet, Mutter Josefa hat die Erkältung zwar hinter sich, nachdem sie aber vor zwei Wochen in Rheinzabern Probleme mit der Wadenmuskulatur hatte, wollte sie sich auch im Hinblick auf die Winterlaufserie den holprigen Untergrund noch nicht zumuten. Ehrensache aber, daß der Rest der Familie Fabio vom Streckenrand aus anfeuerte.
Katrin Neumeister (TSG Eisenberg, 4:53,3 min), Miriam Ebel (TSG Eisenberg, 4;53,7 min) und Katy Dietrich (LG Weinstraße, 4:56 min) belegten die Treppchenplätze bei den Mädchen.
Ab Lauf 5 ging es dann anders zur Sache, die drei Hindernisse, die auf der Strecke verteilt aufgebaut waren, kamen endlich zum Einsatz. 2.200 m standen auf der Agenda, also zwei Runden. Kurz vor knapp holte Benjamin Ley von Stimmel Sports ein Knäuel aus seiner Jackentasche, das sich als Startnummer entpuppte. Der 1998er hatte diesen Tipp von Sven Perleth, dem derzeit führenden der Rheinzaberner Winterlaufserie bekommen. Eine vorher verknäulte Startnummer sei geschmeidiger und im Wettkampf angenehmer zu tragen, meint Perleth, der eine Schäfchen in Grünstadt zwar betreute aber selbst nicht an den Start ging. Nach einer harten Trainingswoche wollte er die Bälle auch im Hinblick auf Rheinzabern mal ein bißchen flacher halten. Benjamin blieb als einziger Läufer mit 7:50 min doch recht deutlich unter acht Minuten. Wie viel davon das Startnummernknäuel gebracht hat, wird sicher sein Geheimnis bleiben. Leonhard Rikert (TSG Eisenberg, 8;58 min) und Leon Scholtissek (LG Weinstraße, 9:19 min ) folgte ihn in großem Abstand zum warmen Tee.Im leider nur neunköpfigen Teilnehmerfeld belegten Annika Gold (TSG Grünstadt) und Meike Witschel (LG Weinstraße) die beiden Mädchenplätze. Die ganze Zeit waren sie Seite an Seite gelaufen und versuchten dann, im Endspurt eine Siegerin rauszulaufen. Mit 10:05,5 und 10:05,7 min sind sie in der Ergebnisliste erfasst.
Und dann begann nicht nur die Zeit der Erwachsenen sondern auch noch die der Mehrfachstarter. Insgesamt drei Läufe waren im Angebot, nämlich über 3.300 m, 6.800 m oder 9.000 m. Marion Dang, Triathletin aus Ludwigshafen, absolvierte alle drei, die Anreise sollte sich ja lohnen. Am 30. April wird sie beim 1. Bad Dürkheimer Salinenlauf ihr Ultramarathondebut geben.
Nach langer Wettkampfpause hatte sich Rafael Bender (LC Bad Dürkheim) mal wieder eine Startnummer ans Trikot geheftet. Gerade noch hatte VanMan Jochen Heringhaus, für den sein 25. Moderationsjahr angebrochen ist, nach ihm gefragt, da lief er auch schon an ihm vorbei. Der „Derkemer“, der in diesem Jahr 32 wird, war so lange von der Bildfläche verschwunden, weil sein Immunsystem ein wenig die Flügel gestreckt hatte. Man vermutet, daß das noch Nachwehen eines Hundebisses waren, den er sich vor zwei Jahren auf seiner Trainingsrunde eingefangen hatte. Nun geht’s aber wieder deutlich bergauf und die Sprintstrecke konnte Bender mit 11:26 min deutlich für sich entscheiden. Daniel Walter (Stimmel Sports, 11:51 min) wurde Zweiter und Benders Vereinskollege Oliver Wild in 11:53 min Dritter.
Pia Winkelblech, Klaus Bayer und Catherine Bayer-Klier liefen dem Feld nach dem Startschuß hinterher. „Ist der Kandeler Bus auch angekommen“ frotzelte Jochen Heringhaus angesichts der hinterherhetzenden Gelbhemden aus der Südpfalz. Pia Winkelblech merkte unterwegs, daß die Aufholjagd ihr zu sehr zusetzte und sie brach das Rennen angesichts der Tatsache, daß sie anschließend noch für die 6.800 m gemeldet war, ab. Catherine, die noch vor der Vereinskollegin loslaufen konnte, schaffte es noch, sich bis auf 9 Sekunden an die Siegerin Sonja Deiß heranzulaufen. „Das ist mir ja noch nie passiert“ staunte sie denn auch anschließend angesichts ihres zeitverzögerten Starts. Sonja Deiß, die neben dem Laufen vor allem noch dem Sommerbiathlon fröhnt, brauchte 13:52 min und machte damit einen Doppelsieg der Bad Dürkheimer dingfest. Catherine Bayer-Klier lief nach 14:03 min in den Zielkanal und Marion Dang als Dritte in 14:30 min.
Fünf Minuten, nachdem mit M70er Willi Streily der letzte der 42 Kurzstreckler im Ziel war, wurde Lauf 7 über 6.800 m gestartet. Viele derer, die vorher drei Runden gelaufen waren, nahmen nun auch noch die etwas mehr als sechs Runden in Angriff. Sebastian Keinert (DJK Käfertal Waldhof), der bisher in Grünstadt immer nur die 3.300 m gelaufen war, hatte das Heft von Anfang an fest in der Hand. Schon nach 200 m hatte er 10 m Vorsprung vor seinen 46 VerfolgerInnen, den er immer weiter ausbaute. Nach 23:32 min wurde er von seiner Freundin in Empfang genommen. Er will schon noch ein paar Crossläufe absolvieren, aber zur DM Anfang März in Ohrdruf zieht es ihn nicht. Da er ein seiner Leistungs- und Altersklasse den deutschen Topläufern eh nur hinterherlaufen kann, ist ihm der Weg von Stuttgart, wo er seit über zwei Jahren arbeitet, bis nach Thüringen einfach zu weit.
Auf Platz 2 kam Rafael Bender bei seinem zweiten Start nach 24:49 min ins Ziel, Leander Lebeau (TSG Maxdorf) folgte den Konkurrenten nach 24:56 min zum Scanner. Danach kam fast eine Minute niemand mehr.
Schnellste Frau war hier Anna Schloß vom TV Hatzenbühl in 29:20 min. Pia Winkelblech war mit 29:45 min die zweite und letzte Frau, die die Strecke unter einer halben Stunde schaffte. Nach 30:46 min stand mit Catherine Bayer-Klier auch die Dritte der Mittelstrecke fest.
Der Start der Langstrecke über 9.000 m mußte von 15:00 h um einige Minuten verschoben werden, weil der letzte 6.800 m-Läufer noch nicht im Ziel war. Die 39 Langstreckler schlossen den Wettkampftag ab, sie wurden dann unterwegs doch noch ein bißchen naß, nicht nur von innen sondern auch noch von oben. Bis der letzte Läufer im Ziel war, war der Regenspuk auch schon längst wieder vorbei.
Jonas Frenzel (LG Region Karlsruhe/engelhorn sports team) war bisher eigentlich 3.000 m-Hindernisläufer, aber die Trainingsumfänge setzten seiner Achillessehne in der letzten Zeit übler und häufiger zu, als man es sich als Läufer wünschen kann. Deshalb hat er sich entschlossen, es nächste Saison mal anders zu probieren und auf die 1.500 m umzuschwenken. Da diese Entscheidung sehr kurzfristig war, hat er nun nur noch zwei Hallenwettkämpfe auf der Agenda und wird ansonsten wie geplant bei einigen Crossläufen an den Start gehen. In Grünstadt lief der bald 22jährige Jura- und BWL-Student der Konkurrenz auf und davon. Der Karlsruher, der zur Zeit wegen seines Studiums in Mannheim wohnt, brauchte 31:45 min. Thomas Wittwer (LG MuLi) lief wie schon im Vorjahr auf Platz 2 ein, diesmal mit 33:10 min 18 Sekunden schneller als 2011. Wir viele andere auch empfand er den Wind als anstrengend und zeitfressend. 34:49 min brauchte Neu-M50er Bernd Mürb (TV Rheinau), um das Rennen auf Platz 3 zu beenden. Er hatte unterwegs an seinen Beinen deutlich sichtbar Bodenkontakt. „Alles halb so schlimm“ winkte er allerdings ab. Ein Indianer kennt eben keinen Schmerz.
Eine Klasse für sich war bei den Frauen Eve Rauschenberg. Die Hasslocherin, die beim Münster-Marathon im September den Preis für die schnellste Deutsche mit nach Hause nehmen konnte, lief konkurrenzlos in 35:55 min in den Zielkanal. Damit war sie im Gesamtfeld Fünfte. Annemarie Weigand (USC Heidelberg) brauchte 39:17 min, Elke Hamleser (LG MuLi) 40:09 min.
Veranstalterseite: www.tsg-gruenstadt.de

