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Dopingkontrolle - wie läuft sowas eigentlich ab?

[eingestellt am 22. Januar 2012]

Von: Hahnertwins

Trinken, warten, trinken, warten… - klingt ganz nach Dopingkontrolle

Wochenende. 6:40Uhr. Keine Uni, kein Auftakt, Zeit zum Ausschlafen. Es klingelt. Was? Nein! Der Wecker kann es nicht sein. Der hat noch über eine Stunde Zeit. Doch, es klingelt wieder. „Dopingkontrolle!“, schallt es unten aus dem Treppenhaus. Unsere Mutter war die erste, die auf das Klingeln reagiert hat. Aber mit Türaufmachen hat sie ihren Job bereits erledigt. Jetzt sind wir an der Reihe. Wir springen aus dem Bett und stehen wenige Sekunden später mit den Kontrolleuren in der Küche. Leider nicht zum Frühstücken, statt frischen Brötchen haben sie Plastikbecher und Glasflaschen mitgebracht. Zuerst ist Lisa dran und verschwindet mit der Kontrolleurin auf die Toilette. Nach dem Händewaschen wird ein Plastikbecher aus der eingeschweißten Folie geholt und man gibt die Urinprobe ab.  Gut, dass wir Mädels des Öfteren gemeinsam auf Toilette gehen, denn auch jetzt ist man stets in netter Begleitung und nie unbeobachtet. Sofern man im Bett überrascht wird, hat man den Vorteil, dass es meistens recht schnell mit der Kontrolle geht. Außerdem gibt es Tricks wie Wasserhahnaufdrehen, die, wenn nötig, helfen können. Ansonsten heißt es trinken, warten, trinken, warten, bis es endlich klappt. Eine gültige Probe ist es jedoch nur dann, wenn sowohl die Menge als auch der PH-Wert stimmt.

Wenn dies der Fall ist, wird die Probe vom Sportler selbst in zwei Glasflaschen gefüllt. Eine für die A-, die andere für die B-Probe. Nun werden die Nummern der Flaschen mit den Deckeln abgeglichen, verschraubt und in Plastiktüten verschweißt. Das Labor bekommt die Proben ohne Namen, lediglich mit Nummern. Nur die NADA (Nationale Anti-Dopingagentur) kann die Nummern den Namen zuordnen. Dann muss man noch kurz einen Fragebogen ausfüllen (Name, Adresse, Name des Arztes, Medikamente, …) und per Unterschrift alles bestätigen. Das ganze kann sehr schnell gehen (der Rekord für uns beide zusammen liegt bei 20min) oder auch sehr sehr lange dauern (Einzelprobe von Anna dauerte über zwei Stunden). Die Kontrolleure besuchen den Athleten nicht nur zu Hause, die Kontrollen finden auch direkt nach Wettkämpfen statt. Ab deutschen Meisterschaften werden meist zwei Athleten ausgelost, die zur Dopingkontrolle müssen. Nach einem 10.000m Lauf bei 25°C dürfte es klar sein, dass sich so eine Kontrolle hinziehen kann. Nach zahlreichen Toilettenbesuchen vor dem Start hat man während des Rennens wohl auch die letzten Flüssigkeitsreserven im Körper ausgeschwitzt.

Die Kontrolleure können aber auch bei jedem beliebigen Sportfest erscheinen. Wurde der eigene Name gezogen, bekommt man sofort nach Zieleinlauf einen Chaperon an die Seite, der einen auf Schritt und Tritt von nun an folgt. Neben den Wettkampfkontrollen schickt die NADA Kontrolleure auch zum Training oder ins Trainingslager. Hierfür muss jeder Athlet, der mindestens dem nationalen Testpool angehört, auf einer Internetplattform (ADAMS) ein Vierteljahr im Voraus angeben, wann er sich wo aufhält. Gut, dass wir Sportler aufgrund des Trainings und der Wettkämpfe einen  strukturierten  Terminplan haben, so dass dies nicht allzu schwer fällt. Änderungen sind kurzfristig bis einen Tag vorher per SMS oder online möglich. Angegeben werden muss die genaue Adresse sowie Telefonnummer und eine Beschreibung des Ortes. Je nachdem, welchem Testpool man angehört, muss zusätzlich ein einstündiges Zeitfenster genannt werden, während dem man sicher zu erreichen ist.

6-7 Uhr ist ein beliebtes Zeitfenster, da man meist noch im Bett liegt. Dann darf man sich auch nicht beschweren, wenn man aus diesem herausgeklingelt wird. Ärgerlich ist es, wenn man schon auf ist, gerade aus dem Bad kommt und sich auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni befindet. Dann müssen die Kontrolleure schon mal mit zur Klausur an die Uni, hinten im Vorlesungssaal zwei Stunden lang warten, um bei Klausurabgabe mit dem Athleten der Toilette einen erneuten Besuch abzustatten. Ansonsten heißt es wieder trinken, warten, trinken, warten…

 

Anna erzählt in einer Fortsetzungsgeschichte von ihren Dopingkontrollerlebnissen


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