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100 m in 8 Sekunden? - John Brenkus

[eingestellt am 03. Februar 2012]

Von: Saskia Helfenfinger-Jeck

Zu was ist der Mensch faehig? Rein sportlich gesehen. Wie hoch ist seine Leistungsfähigkeit? Wo liegen die physischen Grenzen? Ist es möglich 100 Meter in weniger als neun Sekunden zu sprinten? John Brenkus hat sich dieser Thematik in seinem 256-seitigen Buch „100 Meter in 8 Sekunden?“ angenommen, legt seinen Ausführungen die neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnisse zugrunde. Der in Los Angeles lebende Amerikaner beschäftigt sich seit Jahren mit den Leistungsmerkmalen der weltbesten Sportler. Er ist Gastgeber, Mitbegründer und Produzent der mit einem Emmy Award ausgezeichneten Show „Sport Science“ des amerikanischen Sportsenders ESPN.

Ausgehend von den aktuellen Weltrekorden erläutert Brenkus mit Hilfe von Statistiken, Physik und Physiologie die Grenzen des menschlich Machbaren. Allerdings ist das Buch, das erstmals 2010 in der englischen Originalausgabe erschien, an der einen oder anderen Stelle nicht mehr auf dem neuesten Stand. In Brenkus‘ Werk wird die 2:03:59 Minuten von Haile Gebrselassie aus dem Jahr 2008, gelaufen in Berlin, als beste Marathonleistung bis dato aufgeführt. Dass Patrick Makau aus Kenia in diesem Jahr 21 Sekunden schneller unterwegs war, dieser Tatsache konnte der Autor verständlicherweise nicht so schnell Rechnung tragen. Ist aber auch das einzig Negative an diesem Buch, denn es liest sich trotz vieler wissenschaftlicher Erläuterungen erstaunlich spannend und unterhaltsam – von der ersten bis zur letzten Seite.

Hätten Sie gewusst, dass der weiteste Golfschlag aller Zeiten von Jack Hamm aus dem Jahr 1993 stammt? 419 Meter drosch er den weißen Ball durch die Weiten Colorados. Oder haben sie schon einmal gehört, dass Stanley Newman den Rekord für das schnellste Lösen eines New-York-Times Kreuzworträtsels hält? Mit zwei Minuten und 14 Sekunden steht er im Guinessbuch der Rekorde.

Uns Läufer wird vor allem das erste und neunte Kapitel interessieren. „Wie schnell kann ein Mensch laufen?“ und „Was ist möglich bei den legendären Laufdisziplinen?“ Ich werde die Antworten an dieser Stelle sicherlich nicht verraten. Eines ist aber klar: das Ende der Fahnenstange ist zweifellos noch nicht erreicht. „Die Zeiten werden immer schneller, aber sie können nicht ewig schneller werden. Wenn die Bedingungen, die Ausrüstung und der Sportler selbst den Optimalzustand erreicht haben, sind weitere Verbesserungen nicht mehr möglich. Irgendwo gibt es eine Grenze“, ist Brenkus zu Beginn seiner Ausführungen überzeugt. Nehmen wir das Beispiel 100 Meter. Verschiedene Forscher sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass unsere Nachfahren bei 9,44 Sekunden an ihre Grenzen stoßen werden. Voraussichtlich in 250 bis 500 Jahren. Allerdings, so gibt Brenkus zu, habe keiner der Wissenschaftler mit einem Sportler namens Usain Bolt, gerechnet. Nach ihren statistischen Modellen hätten die 9,69 Sekunden nicht bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, sondern erst 2030 fallen dürfen. Dass Bolt ein Jahr später sogar 9,58 Sekunden lief, sprengte jegliche Vorstellungskraft und warf alle Statistiken und Kurven über den Haufen. Es bleibt also in Zukunft interessant. Können mathematische Modelle wirklich eine sportliche Entwicklung vorhersagen? Spielen hier nicht noch ganz andere Faktoren, wie beispielsweise die Psyche, eine bedeutende Rolle? Das zumindest frage ich mich.

Brenkus kommt zu dem Schluss, dass wir den Endpunkt nie erreichen und dass wir nie mit dem Rekordebrechen aufhören werden, auch wenn es hin und wieder Durststrecken geben wird. Jesse Owens‘ Bestmarke im Weitsprung hielt ein Vierteljahrhundert, die von Bob Beamon 23 Jahre. Aber auch irgendwann war ihr Verfallsdatum erreicht.

Brenkus, John: 100 Meter in 8 Sekunden? Wie Wissenschaftler die Grenzen sportlicher Leistung vorhersagen. München: riva Verlag, 2011, 16,99 Euro


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