Corrida de Lauterbourg
Laufen mit und ohne Hund
Lauterbourg, 26.02.2012 - Laufen in Frankreich muss nicht zwangsläufig mit einer langen Anreise verbunden sein. Gerade für den deutschen Südwesten liegt das Gute jenseits des Rheins oft sehr nah. Die „Corrida de Lauterbourg“ ist so ein Fall. Nur etwas mehr als 20 km hinter Karlsruhe gelegen, wartet das kleine elsässische Städtchen Lauterbourg mit einem amtlich vermessenen und fast flachen (aber arg eckigen) 10er auf.
Im Gegensatz zu den rechtsrheinischen Veranstaltungen dieser Art wird Lauterbourg nicht von Läufern überrannt. Wem die 10er in der Pfalz mit teilweise fast 1.000 Teilnehmern (und ohne Nettozeitnahme) zu voll sind, dem sei Lauterbourg ans Herz gelegt: perfekte Infrastruktur im Salle Polyvalente, keine Parkprobleme, Anreise mit der Bahn (und einer kurzen Radpassage) ist möglich, läuferfreundliches Preisniveau sowohl beim Startgeld als auch bei der Hinterherverpflegung, freundliche Helfer und sogar ein schönes Langarmshirt für alle Teilnehmer. Und im Elsass sprechen die meisten Franzosen auch deutsch, so dass die Sprachbarriere kein Hinderungsgrund sein kann.
Warum kommen dennoch nur recht wenige deutsche Teilnehmer ins nahe Frankreich? Die Ursache wird wohl das hier übliche „certificat médicale“ sein, ein medizinisches Attest, das jeder Läufer vorlegen muss und das bescheinigen soll, dass man körperlich in der Lage ist, einen Lauf ohne gesundheitliche Negativfolgen zu überstehen. Über Sinn und Zweck solcher Maßnahmen kann man trefflich streiten, in Frankreich ist das „certificat“ Pflicht!
Knapp 300 Teilnehmer versammelten sich daher um 10 Uhr vor dem Salle Polyvalente, um die 10 km verteilt auf eine kleine Einführungsrunde und zwei größere Runden durch das östlichste Städtchen Frankreichs unter die Füße zu nehmen.
Das Feld war stark besetzt. Allein 10 Läufer blieben unter der Marke von 35 min, 65 unter 40 min. Kein schlechtes Ergebnis für eine eher kleine Veranstaltung mit 254 Finishern.
Nach der ersten kleinen Runde hatte sich das Feld auch schon einigermaßen entzerrt und es gab genügend Platz zum freien Laufen. Angesichts der vielen Ecken und Kanten kann man diesen auch gut gebrauchen, um nicht in jeder Kurve abbremsen zu müssen.
Zwischen dem ersten und zweiten Kilometer liegt eine kleine Steigung, die gut zu laufen ist, aber natürlich trotzdem den Kilometerschnitt etwas senkt, bei vielen vor allem in der zweiten Runde, wenn vermeintliche Wellen irgendwie gewachsen erscheinen.
Der spätere Sieger Sébastien Spehler (Sélestat Olicoaching) lief ein tolles Rennen. Bereits bei Halbzeit hatte er einen großen Vorsprung auf seine Gegner herausgelaufen und konnte diesen bis ins Ziel ausbauen. Mit der sehr guten Zeit von 31:17 min lief er Ende Februar persönliche Bestzeit! Was will man mehr. Hinter ihm erreichten Arnaud Bucher und Marc Jaming in 32:39 min bzw. 32:51 min das Ziel. Spehler konstatierte hinterher auch zufrieden, dass das natürlich der perfekte Einstand in seine erste richtige Laufsaison sei. Eine genaue Planung oder Saisonhöhepunkte hat er nicht, lässt eher alles auf sich zukommen und hat vor allen Dingen die regionalen Rennen im Elsass und der näheren Umgebung anvisiert, wo er hofft, sich weiter steigern zu können. Normalerweise läuft er mit Hund und ist amtierender Weltmeister im so genannten „Canicross“. Auf Deutsch heißt das so viel wie Zughundesport. Der Hund läuft vorne weg und ist mit Bauchgurt mit seinem Herrchen verbunden. Die beiden bilden ein Team und müssen einen vorgegebenen Parcours möglichst schnell bewältigen.
Weniger glücklich sah die überlegen Siegerin bei den Frauen im Ziel aus. „Gar nicht zufrieden“ sei sie, so Elodie Mené von Running Team Schweighouse. Eine 35er Zeit habe sie laufen wollen, wie in Rheinzabern im Dezember. Da kann verständlicherweise eine niedrige 36 nicht ganz glücklich machen. Aber die nächsten Chancen kommen und dass sie schneller laufen kann, möchte sie schon in zwei Wochen beim 10er in Rastatt unter Beweis stellen. Sie läuft noch nicht so lange Straßenrennen und hat eine Wettkampfpause von fast 13 Jahren hinter sich. Damals lief sie auf der Bahn, 5.000 und 3.000m.
Ganz anders sahen die Gesichter der beiden hinter ihr das Ziel erreichenden Damen aus. Die Deutsche Nicole Benning (EK Schwaikheim) läuft gerne in Frankreich und auch gerne 10 km. Auch wenn sie am Tag zuvor einen 35 km langen Trainingslauf absolviert hat. „Das geht schon, muss man halt ein paar Abstriche beim Tempo machen.“ Einen 4er-Schnitt hatte sie sich angesichts der doch recht müden Beine vorgenommen und diesen mit einer Endzeit von 39:38 min klar unterboten. „Damit bin ich sehr zufrieden.“
Die dritte Frau Edith Weber aus der Nähe von Strasbourg läuft erst seit 18 Monaten und konnte ihre 10 km Bestzeit gleich um 1 min unterbieten. 40:56 wurden für sie gestoppt, was natürlich Grund genug zum Strahlen ist. Angesichts der schönen Seifen, die es als Preise für die Damen gab wird sich, so Edith Weber, ihre Tochter sicher freuen. Sie erkundigte sich auch gleich nach weiteren Läufen in der Umgebung, von denen es ja sowohl rechts- als auch linksrheinisch genügend gibt.
Peter Lessing (SC Önsbach), seines Zeichens mehrfacher Altersklassen-Welt- und Europameister, hatte im Vorjahr in Lauterbourg den deutschen Rekord in der AK M70 auf glatte 39 min verbessert. Dieses Jahr war er nicht ganz so schnell, gewann aber souverän seine Altersklasse und kam nach 41:14 min ins Ziel.
Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.performance67.com, www.laufinfo.eu

