1. Zugspitz-Ultratrail Grainau
Fotos: Gabi & Peter Gründling
Einmal drumherum und dabei auf und nieder immer wieder
Grainau, 25. Juni 2011 - Die Zugspitze – was ranken sich nicht alles für Geschichten um Deutschlands höchsten Berg, der 1820 zum ersten Mal bestiegen wurde. Die höchste Rostbratwurst Deutschlands kann man auf 2.962 m über dem Meeresspiegel kaufen und direkt hinter dem Würstchenstand betritt man Tirol, sprich: österreichisches Gebiet. Das Gebirge, in dem das Zugspitzmassiv ruht, ist das Wettersteingebirge, dessen 10 höchste Gipfel zwischen 2.720 und eben 2.962 m hoch sind.
Die Zugspitze hat sogar, wen wundert’s, eine eigene Fanseite bei Facebook mit 1.157 Freunden. Nach diesem letzten Juniwochenende 2011 werden es sicher noch ein paar mehr.
Seit einigen Jahren schon gibt es einen Zugspitzlauf, der vom östereichischen Ehrwald hinauf auf den Gipfel führt, soweit das Wetter mitspielt. Ansonsten endet er unterhalb des Gipfels auf der Sonnalp. Selbst in Nichtläuferkreisen ist der Zugspitzlauf seit drei Jahren ein Begriff, als zwei völlig falsch gekleidete Läufer starben. Nun fand in diesem Jahr erstmals ein Lauf rund um das Zugspitzmassiv statt, der bei vielen Nichtkennern der Ultratrailszene fälschlicherweise direkt mit dem Zugspitzlauf in Verbindung gebracht wurde.
Der Zugspitz-Ultratrail über 101 km und der im Rahmen derselben Veranstaltung stattfindende Zugspitz-Supertrail über 69 km haben mit dem Zugspitzlauf allerdings nicht mehr gemeinsam als den namensgebenden Berg und professionelle Agenturen als Veranstalter.
Im Fall der Trails ist das mit PlanB aus München eine Eventagentur, die sich schon seit vielen Jahren erfolgreich im Mountainbikebereich tummelt und nun auch mehr und mehr die Welt der Trailläufer für sich entdeckt. Der Trans Alpine geht genauso auf das PlanB-Konto wie “keep on running St. Wendel” und die ebenfalls dreitägigen “Trailrun Worldmasters” in Dortmund, die in diesem Jahr zu niedrigen Anmeldezahlen zum Opfer fiel. Wo Trailveranstaltungen sonst eher ursprünglich und familiär sind, wird hier der Bogen geschlagen zu dem Eventcharakter großer Stadtmarathons. Natürlich nicht im selben Umfang, aber die Richtung ist klar. Für jede PlanB-Veranstaltung wird eigens eine “Hymne” komponiert, im Vorfeld und hinterher gibt’s jede Menge professionelles Filmmaterial. Pasta-Party, Sponsoren, Zielbereich – alles ist hier mehr als eine Nummer größer als bei dem, was man bisher so landläufig gewohnt war, wenn man sich für das Traillaufen interessierte. Ähnlich wie im Triathlonbereich hat hier die Materialschlacht längst begonnen. Kaum jemand, der ohne Kompressionsstrümpfe läuft. Kaum jemand, der nicht von Kopf bis Fuß in angesagte Outdoor-Marken gewandet ist. Und zwar sowohl auf der Strecke als auch vor und nach dem Wettkampf. Klar, daß solche Veranstaltungen auch mehr Startgeld kosten, als man das bisher so gewohnt war. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt aber absolut, es muß nur jeder für sich entscheiden, ob er das ganze “Brimborium” braucht und/oder will. Wer diese Frage mit Ja beantwortet, ist bei PlanB-Veranstaltungen sicher gut aufgehoben. Die Ultratrailer bekamen für ihre 100 € bis zu 3 Portionen Nudeln auf der Pastaparty, einen Salomon-Rucksack (den im Übrigen sehr viele gleich am kommenden Tag zum Einsatz brachten) mit etlichen Giveaways, eine Medaille, ein Finisher-Shirt und Verpflegung unterwegs und im Ziel. Die Supertrailer mußten auf den Rucksack und das Finishershirt verzichten, bekamen aber ein Teilnehmershirt und im Ziel einen kleinen Laufschuh statt einer Medaille. Ihr Startgeld betrug 65 €.
Und nun stand also ein Lauf rund um das Zugspitzmassiv auf dem Plan der Münchner. 101 km mit 5.474 Höhenmetern, die aufgrund eines Druckfehlers auf dem Finishershirt zu Kilometern wurden. Oder 69 km mit 3.383 Höhenmetern, die lt. Ausschreibung auch Ultratrailanfänger anlocken sollten. Nun muß so eine Strecke aber auch erstmal bewältigt werden, und auch wenn die Ultraszene solche parallel angebotenen kürzeren Distanzen gerne frotzelnd als Bambiniläufe bezeichnet, so war der sogenannte “Supertrail” mit 16 Stunden Zielschluß alles andere als ein Anfängerlauf. So mancher gestandene, erfahrene und durchaus auch schnelle Ultramarathoni entschied sich schon alleine deshalb für die kürzere Variante, weil er da mit Sicherheit das Ziel im Hellen erreichte oder zumindest nicht allzu lange im Dunkeln in der Bergen unterwegs sein mußte, was sicher nicht jedermanns Sache ist.
Beide Strecken waren in der ursprünglichen Ausschreibung anders angegeben. Der 100er mit 500 Höhenmetern mehr und der 69er als 63er. Ursprünglich sollte auch der Supertrail in Grainau starten und enden, letzten Endes wurden die Läufer aber mit Shuttlebussen ins österreichische Leutasch gebracht und dort auf die Reststrecke des Ultratrails geschickt. Beide Streckenänderungen erfolgten innerhalb der letzten drei Monate aus Naturschutzgründen. Nun kann man sich natürlich fragen, warum es Profis passieren kann, daß ungenehmigte Streckenteile ausgeschrieben werden, die später und so kurzfristig aus dem Programm genommen werden müssen – aber bei aller Enttäuschung bei manchen Teilnehmern im Vorfeld haben die 500 Höhenmeter am Ende wohl keinem wirklich gefehlt. Die, die da waren, waren schon anstrengend genug.
Verwundert war man allerdings allenthalben über die Startzeit. Um 4.30 h wurde es in Grainau schon hell, gestartet wurde aber erst um 7.15 h. Die Viertelstunde war dem Fahrplan der Deutschen Bahn geschuldet, denn ca. 300 m nach dem Start querte das Feld die Schienen und da kam um kurz nach 7 h noch eine Bimmelbahn herangedüst. Bei anderen Ultralaufveranstaltungen dieser Länge und mit deutlich niedrigerer Härte werden die Läufer zwischen 4 und 6 h auf die Strecke geschickt, damit möglichst viele noch bei Tageslicht das Ziel erreichen. Warum hier zwei oder mehr Stunden Tageslichtlaufzeit verschenkt wurden, würde sicher viele Läufer interessieren.
Die Verpflegung unterwegs ließ, im Gegensatz zur Schwierigkeit und Schönheit der Strecke, für viele streckenweise zu wünschen übrig. Manche Verpflegungsposten waren einfach nicht ausreichend bestückt, da gingen zwischendurch Brot, Wurst, Käse und auch Getränke aus. Cola und Gel gab es zwar, wurde aber nur auf Anfrage unter dem Tisch hervorgezaubert und dann noch rationiert abgegeben.. Martina Juda, die einzige Läuferin, die bisher alle Austragungen des Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB) gefinisht hat zog für sich aber das Fazit, daß in der Ausschreibung eh nur Iso, Wasser, Gel, Riegel und Obst angegeben gewesen wären sowie je nach Wetterlage gegebenenfalls auch warme Snacks. Auf mehr hatte sie sich nicht eingerichtet und freute sich so über jedes zusätzliche Angebot statt sich darüber zu ärgern, nur einen halben Becher Cola zu bekommen. Wie so vieles im Leben ist also auch das eine Sache der Sichtweise. Für Martina war das Glas halbvoll, wo es für andere schon längst halbleer war.
Beide Startfelder waren gut besetzt. Das hing nicht nur damit zusammen, daß Titelsponsor Salomon einige Läufer nicht nur aus Deutschland aufgeboten hatte, die sich schon bei anderen Läufen einen Namen gemacht hatten. Auch sonst hatten sich sehr gute Ultratrailer dazu entschlossen, ihr Glück an der Zugspitze zu versuchen. So war zum Beispiel der Ungar Csaba Nemeth am Start, der 2006 Zweiter beim UTMB war, dort auch sonst regelmäßig in die Top10 läuft und den Swiss Jura Marathon von Genf nach Basel schon zwei Mal als Sieger beendete. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus seiner 28 Läufe langen Erfolgsliste, die man auf den Statistikseiten der Dt. Ultramarathonvereinigung mit einem Mausklick abrufen kann. Bei PlanB war Nemeth offenbar unbekannt, denn er erhielt keine der kleinen Elitestartnummern sondern ging mit Nr. 387 ins Rennen. Letztendlich wurde er in Grainau Fünfter und gewann die Altersklasse “Masters Men”. Bei den PlanB-Veranstaltungen wird nicht nach DLV-Ordnung gewertet, vielmehr gibt es jeweils drei Altersklassen: Men (bis 39 Jahre), Masters (bis 49 Jahre) und Senior Masters (ab 50 bis endlos).
Dasselbe natürlich auch für die Frauen. Auch hier war es eine Ungarin, die nicht als Spitzenläuferin erkannt wurde. Ildiko Wermescher gehörte schon 2x dem ungarischen 100 km-Nationalteam an, gewann nicht nur 2010 diverse Trails ab 50 km aufwärts – und wurde beim Zugspitz-Ultratrail mit Startnummer 372 Zweite. Sie ließ mit einer Endzeit von 15:07 h nur 30 Männern den Vortritt.
52 Minuten vor Ildiko konnte Julia Böttger, in der Szene allgemein als “Trailschnittchen” bekannt, als unangefochtene Siegerin im Musikpavillon des Kurortes Grainau begrüßt werden. Nach 14:15:08 h blieb die Uhr für die 35jährige stehen. Sie hatte ihren Konkurrentinnen von Anfang an keine Chance gelassen und baute ihre Führung von Zwischenzeitnahme zu Zwischenzeitnahme weiter aus. Nur auf zwei Teilabschnitten wurde für sie nur die jeweils zweitschnellste Durchgangszeit gemessen, auf beiden war Ildiko Wermescher, die das Rennen verhalten angegangen war und beim ersten Kontrollposten nur als Elfte registriert wurde, jeweils rund eine Minute schneller.
Andrea Calmbach überquerte am Hubertushof bei km 55 die Zeitnahmematte noch als Zweite, war aber netto schon nur noch Dritte, unmittelbar hinter ihr tauchte da schon Ildiko Wermerscher auf. Nach ihrem Sieg beim Allgäu Panorama Trail im August 2009 war sie fast 1 ½ ziemlich unmotiviert, hatte mit Job, Haushalt und zwei halbwüchsigen Kindern genug zu tun und joggte nur noch so zum Fithalten, kam kaum auf mehr als 45 Minuten am Stück. Seit Februar trainiert sie wieder richtig, ihr Mann Uli konnte sie relativ kurzfristig zur Teilnahme am ZUT bewegen. Die Kinder sind inzwischen 15 und 17 und froh, wenn die Eltern mal beide aus dem Haus sind. Für die 48jährige lohnte sich der Ausflug nach Grainau, sie belegte mit exakt 16 Stunden Platz 3. Anfang September wird sie mit Ehegespons Uli als Mixed-Team beim Trans Alpine Run starten. Darauf ist sie besonders gespannt, denn als Ehepaar im Team zu laufen ist sicher nicht immer ganz einfach.
Uli lief natürlich selbst auch mit, machte den Familienerfolg mit einem dritten Platz in der Masters-Wertung und dem siebten Gesamtrang komplett. Mit 12:22:57 h kam er 45 Minuten hinter seinem Vorläufer auch in der Altersklasse, Thomas Miksch, ins Ziel.
Miksch, Chirurg in und aus Kempten, ist ein Altmeister des Ultramarathons. Der lange Schlacks, den man schon von Weitem an seinen selbst gestrickten Stirnbändern mit Namenszug erkennt, finishte in Grainau seinen zwanzigsten 100er im einundzwanzigsten Anlauf. Nur ein Mal mußte er sich wegen muskulärer Probleme mit einem DNF zufrieden geben. Dabei liegt seine 100 km-Bestzeit auf der Straße bei 7:00:05 h, gelaufen beim ebenfalls höhenmeterbehafteten Peter-Lauf in Endingen. Zu seinen schnellen Straßenlaufzeiten gehörte Thomas wiederholt dem 100 km-Nationalteam an. Inzwischen hat er sich komplett auf die Geländeläufe zurückgezogen. Wegen seiner Rückenprobleme benutzt er Stöcke auf den Trails und fährt zum Ausgleich und zur Formerhaltung auch ohne Laufschuhe viel Rad. Zusammen mit seinem Laufpartner Anton Philipp ist er Stammgast beim Transalpine Run, die beiden sind dort in der Masters-Wertung eine Klasse für sich. Mit seinem sechsten Platz in Grainau war er durchaus zufrieden, sein Rückstand auf Csaba Nemeth betrug nur sieben Minuten (11:37:13 h zu 11:30:08 h).
Den vierten Platz belegte Ryan Sandes, ein 29jähriger Südafrikaner, der in der ganzen Welt laufend zuhause ist und 2010 zum Beispiel die Durchquerung der Atacama-Wüste gewann. Beim ZUT brauchte er 11:18:40 h.
Vier Minuten vor ihm überquerte mit Matthias Dippacher der schnellste Deutsche die Ziellinie. Der 34jährige Physiotherapeut aus Oy-Mittelberg, Dritter der Trail-WM 2009 und 2010 auch Nationalteammitglied im 100 km-Straßenlauf, kam im Mai in Spanien beim Transvulcania als Vierter ins Ziel – mit einem Rückstand von 40 Minuten auf die beiden Spanier, die auch in Grainau am Start waren. Das wurmte ihn doch und an der Zugspitze wollte er es dann wissen. Er stob mit den Spaniern los, lag bei km 27 noch mit ihnen gleichauf, verlor dann aber stetig an Boden. Bei km 55 betrug sein Rückstand sechs Minuten. Im anschließenden fast 7 km langen Flachstück hatte er einen richtigen Hänger und mußte sogar zeitweise gehen. Bis zur vierten Zwischenzeitnahme war ihm dann Sandes bis auf 50 Sekunden auf die Pelle gerückt. Der Gedanke, nicht schon wieder undankbarer Vierter werden zu wollen, beflügelte und motivierte den Lockenkopf, der auch gerne mal “oben ohne” läuft, der dritte Rang war der verdiente Lohn der Anstrengung. Sein nächster Saisonhöhepunkt wird der UTMB sein, für den er auch auf eine erneute Teilnahme am Trans Alpine verzichtet.
Vorne machten die beiden Spanier erst gemeinsame Sache und dann den Sieg unter sich aus. Iker Karrera Aranburu und Miguel Heras haben zwar noch keine lange aber dafür eine umso erfolgreichere Ultramarathonvita. Wo sie auftauchen, belegen sie die ersten Plätze. Schlechtere Ergebnisse als den zweiten Platz kann die DUV-Statistik für keinen der beiden ausweisen. In Grainau ging der Punkt an Miguel Heras, der mit 10:55:19 h als Einziger unter 11 Stunden bleiben konnte. Karrera Aranburu folgte 13 Minuten später.
Obwohl das Feld so gut besetzt war, lagen zwischen Platz 1 und 10 mehr als zwei Stunden. Die Zeit wurde im Musikpavillon vor allem auch durch die immer weiter eintreffenden Supertrailer verkürzt. Die “Sprinter” waren in Leutasch um 8.15 h Uhr auf die Strecke geschickt worden, ihr Zielschluß war also eine Viertelstunde nach Mitternacht. Bis dahin hatten 78 Männer und fünf Frauen das Ultratrail-Ziel erreicht.
Im 6er Schnitt, genauer: in 7:04:04 h bretterte mit Philipp Reuter einer der jüngsten Teilnehmer über die 69,8 km-Strecke. Der 19jährige sieht deutlich jünger aus, läuft und erzählt aber schon wie ein “Alter”. Der Bad Reichenhaller Student gehört in seinem letzten Jugendjahr dem Skitouren-Nationalteam an und hat angefangen, im Sommer zu laufen. Da er Probleme mit der Lunge bzw. der kalten Winterluft darin hat, könnte es durchaus sein, daß man den Youngster, der 2010 zusammen mit Stephan Tassani-Prell ein Trans Alpine-Team bildete, öfter auf den langen und ganz langen Laufstrecken sieht. Dem deutschen Ultramarathon würde so ein Nachwuchstalent ganz sicher gut tun. Philipp hatte sogar noch Zeit, unterwegs auf einer Wiese Blumen zu pflücken, die er bei seinem Zieleinlauf seiner Mutter mit einem Dankeschön für ihre Unterstützung überreichte.
Bis zur dritten Zwischenzeitnahme war er noch mit seinem Quasi-Namensvetter Anton Philipp gemeinsam unterwegs, nahm dem 22 Jahre älteren Weitnauer dann noch 16 Minuten ab. Bei “Dodo” Philipp ist das Laufen genauso erfolgreiche Familiensache wie bei Calmbachs, denn seine Frau Simone belegte ebenfalls den zweiten Platz, sie war mit 9:22:01 h 2:02 h länger unterwegs als ihr Mann. Sie hatte damit knapp 17 Minuten Rückstand auf die in Bayreuth lebende Polin Kasia Zajac und gut drei Minuten Vorsprung vor Ellen Clemens, die Lokalmatadorin aus Garmisch-Partenkirchen. Alle drei Frauen gehören übrigens unterschiedlichen Salomon-Teams an. Beim Trans Alpine 2011 bildet Kasia Zajac ein Mixed-Team mit dem Saarländer Polizisten Christian Zimmer, der auf Platz 12 ins Ultratrail-Ziel kam.
Sponsorlos fiel der Drittplatzierte, Florian Stelzle aus Landshut, quasi aus der Reihe. 7:33:39 h brauchte er für die 69,8 km, mit Oswald Wenin aus Südtirol blieb auch noch ein vierter Läufer unter acht Stunden.
Die ältesten Teilnehmer waren Teilnehmerinnen. Erika Freund aus Kahl am Main ist Baujahr 1940, sie hält seit Ende Januar mit 5:23:39 h den deutschen Rekord der W70 über 50 km. In Grainau kam sie nach 17:55:14 h für den Supertrail zwar deutlich nach dem Zielschluß bei den Zeitnehmern an, sie hatte sich aber in der Dunkelheit noch verlaufen und dabei gut 1,5 h eingebüßt. Ingrid Perkampus ist Jahrgang 1941, auch sie lief den Supertrail, brauchte 14:34:39 h und ließ noch acht Frauen und 24 Männer hinter sich. Monika Dewald aus Offenburg, Jahrgang 1943, wagte sich sogar an den Ultratrail, den sie nach 25:22:03 h beendete.
Erst dann kommt mit Jahrgang 1944 Roland Kretschmer ins Spiel. Auch er absolvierte den Supertrail, brauchte. 11:53:28 h. Er hatte sich für die kurze Strecke angemeldet, weil sein Sohn die 101 km unter die Füsse nahm. Nachdem er, noch im Hellen, den steilen Abstieg auf den letzten Kilometern bewältigt hatte, äußerte er durchaus Angst um seinen Sohn und hoffte, daß der diesen Streckenabschnitt unbeschadet im Dunkeln bewältigen würde. Entweder heißt sein Sohn nicht Kretschmer oder er gehört zu den 76 Abbrechern auf der Ultratrailliste, die die Statistik von Zeitnehmer Datasport ausweist. Daß die Ausfallquote so niedrig ist, ist kaum zu glauben, aber Datasport sagt, daß von 431 Gemeldeten 405 auf die Strecke gegangen sind und 376 das Ziel erreichten. Die Zahl der Aussteiger beim Supertrail lag gar nur bei 30.
Gründe, aufzuhören, gibt es sicher viele. Die Bergwacht, die alleine schon mit 140 Helfern im Einsatz war, mußte einen Läufer mit Knöchelbruch und einen mit Bänderriß von der Strecke evakuieren. Wohl einer der prominentesten Ausfälle war Christian Stork, ebenfalls ein Salomon-Läufer. Für den viermaligen Rennsteigsieger läuft es diese Saison nicht sonderlich gut. Beim ZUT merkte er schon nach zehn Minuten, daß er schon am Limit läuft. Bei km 55 stieg er dann ins Auto. Ob er, wie eigentlich geplant, am Salomon 4 Trails teilnehmen wird, wagte er zu bezweifeln, er will jetzt erstmal neu aufbauen, schließlich steht ja, in diesem Jahr mal nicht zusammen mit Matthias Dippacher sondern mit dem Franzosen Julien Chorier, wieder der Trans Alpine auf dem Programm.
Für Zuschauer war es teilweise sehr schwierig, an die Strecke zu kommen. Zwar hatte die Orga einige attraktive Punkte ausgewiesen, aber die konnte man auf keinen Fall alle ansteuern. Oft waren sie nur mit längerem Fußmarsch oder einer Seilbahnfahrt zu erreichen. Weniger attraktive Punkte direkt an der Straße konnte man zwischendurch schon noch mitnehmen, aber auf den letzten 40 km gab es quasi keine Möglichkeit, sich noch zum Anfeuern an die Strecke zu stellen, was auch das Warten in Grainau langatmig und ermüdend machte. Es sei denn, man wollte den Fußweg durch die Partenachklamm im Dunkeln in Kauf nehmen, dann kam man noch zum Verpflegungsposten bei km 81. Der Posten am Kreuzeck, der bei km 88 und 94,5 angesteuert wurde, war gar nicht erreichbar, denn die Kreuzeckbahn fuhr letztmals um 17 Uhr. Vielleicht wäre es ja eine Idee, mit deren Betreiber zu sprechen und zum Zugspitztrail 2012 die Bahn bis nachts in Betrieb zu halten, um Zuschauer und Läufer zusammen zu führen. Das wäre für beide Seiten kurzweilig und attraktiv. Und die Seilbahnpreise sind im Zugspitzgebiet ja auch nicht ohne. Wer zum Beispiel mit der Gondel zum Posten bei km 27 auf der Ehrwalder Alm wollte, mußte dafür 13,50 € auf den Tisch des Hauses legen. Ein Geschäft, das sicher auch die Seilbahnbetreiber gerne mitnehmen.
Ein netter Beiprogramm-Versuch war noch der PETZL-Nightsprint, der am Freitagabend um 22 Uhr, also im Finsteren, auf einer kleinen Runde rund um die Kurverwaltung ausgetragen wurde. Über 4,8 km für 15 € inklusive Teilnehmershirt starteten nur 14 Männer und 12 Frauen. Wer morgens schon früh am Start stehen muß, wird sich kaum noch in der Nacht vorher einen 5 km-Lauf antun. Und die Begleitpersonen dann eher auch nicht, weil sie ja genauso früh aufstehen wie ihre Läufer.
Julien Chirol siegte in 16:17 min und einem Kilometerschnitt von 3:23 min. Sein weibliches Pendant war Ines Greif, die 22:01 min oder im Schnitt 4:35 min/km benötigte.
Die Siegerehrungen fanden sonntags um 10 Uhr im Musikpavillon statt. Da waren die Sieger schon einigermaßen ausgeschlafen und einige andere noch gar nicht im Bett. Allerdings war der Abschluß auch deutlich schlechter Besuch als der Auftakt am Freitagabend.
Alles in allem war der Zugspitz-Ultratrail inklusive des Supertrails ein gelungenes Debut und viele Teilnehmer freuen sich schon auf eine Wiederholung 2012. Vielleicht zeigt sich dann ja auch der Zugspitzgipfel mal im Laufe des Rennens.
Veranstaltungsseite www.zugspitz-ultratrail.de
Ergebnisse www.datasport.com


