10. Heiligabendlauf am Bärenfelsen
Fotos: Peter Gründling
Mary Kristmäss war nicht am Start
Hoppstädten-Weiersbach, 24. Dezember 2011 - Wenn sich erwachsene Männer freiwillig und begeistert ein Lebkuchenherz umhängen lassen, dann, ja dann ist wieder Heiligmorgenlauf bei Bärenfellers. Wobei das Herz in diesem Jahr gar keines war, vielmehr hatte man im Hause Feller Neues ersonnen und dem Herz die Form des bei den Bärenfelsläufen bekannten Bären gegeben.
Wer sich noch an Weihnachten 2010 und die Schneemassen erinnert, die nicht nur am Bärenfelsen Läufern und anderen Menschen das Leben schwer machten, fand in diesem Jahr in Hoppstädten-Weiersbach am Rande des Naturparks Saar-Hunsrück vollkommen andere Witterungs- und Streckenverhältnisse vor. „So ein Wetter hatten wir nur beim ersten Lauf, seitdem nie wieder“ bemerkte Gernot Helferich vom ausrichtenden Feller-Team. Gernot ist ein „angeheirateter Feller“, seine Frau Silke ist der jüngste Fellers-Sproß. Siglinde ist die älteste der vier Feller-Geschwister. Anders als Silke, Robert und Stefan hat sie das Laufen aber nicht zu ihrer Passion gemacht. Trotzdem darf auch sie nicht als Helferin fehlen, wenn die Fellers drei Mal im Jahr zu verschiedenen Laufveranstaltungen blasen. Normalerweise ist Vater Franz der einzige Feller, der sich dann auch selbst auf die Strecke begibt, diesmal hatte Roberts Frau Andrea sich mal frei genommen und walkte zusammen mit einigen Frauen beim 8,5 km-Lauf mit, morgen startete sie aber auch schon mal mit dem Marathonis, um sich eine Runde warmzulaufen. Mutter Jutta stand wie immer an der Kuchen- und Kaffeetheke und Silke versorgte, anfangs zusammen mit Patrick, dem Sohn von Andrea und Robert, die Versorgungsstelle am Ein- und Ausgang der Runde um den Bärenfelsen.
Mary Kristmäss war bei keinem der drei angebotenen Läufe am Start, aber Santa Claus sah man in vielfältiger weiblicher und männlicher Form. Am auffälligsten war „Santa“ Klaus Damde, dessen Nikolausmütze noch von einem rot blinkenden Band umrahmt wurde.
Eingefleischte Bärenfelsläufer sind es schon gewohnt, daß der Start verschoben wird. In der Regel liegt das bei den Sommerläufen an der langen Schlange der Laufwilligen, so daß die Startnummernausgabe nur selten pünktlich abgeschlossen ist. Daß es nun wegen verspäteter Läufer eine Zeitverschiebung gab, war zwar neu, gehört aber zum familiären Charakter der Fellerschen Veranstaltungen. Die Läufer nahmen’s gelassen und hielten sich noch eine Viertelstunde länger im schützenden Tunnel auf. Dadurch bedingt lief man Heiligabend zum ersten Mal bei Helligkeit los. Normalerweise dämmert es gerade mal so, wenn Robert Feller die laufenden Christkinder per Megaphon auf die Strecke schickt.
Obwohl einige derer, die üblicherweise immer ihren Weihnachtsmarathon bei Fellers absolvieren, fehlten, konnte man sich im Grenzgebiet zwischen Pfalz und Saarland nicht über mangelnde Teilnehmerzahlen beschweren. Im Gegenteil. 81 LäuferInnen, so viele wie noch nie seit Einführung der Marathondistanz im Jahr 2006, erreichten das Ziel, 79 davon innerhalb des Zielschlusses von 6 Stunden. Dazu kamen 164 über 8,5 km und nicht weniger als 20 Kinder, die 2 km unter die Füsse nahmen. Macht summa summarum 265 erfasste Namen im Ziel – ja ist denn schon Weihnachten?
„Ja Wahnsinn – die müssen wirklich fünf Mal da den Berg rauf“ bewunderte ein 8,5 km-Läufer nach getaner „Arbeit“ die marathonlaufenden Kollegen. Rund 200 Höhenmeter sind auf jeder Runde zu bewältigen. Dabei gibt es aber im Grunde genommen nur zwei Möglichkeiten: rauf oder runter. Annähernd ebene Stellen muß man genauso suchen wie in diesem Jahr die Schneereste am Wegesrand.
Aufgrund der Regenfälle der letzten Woche hatte die meisten wohl mit einem noch tieferen Boden gerechnet als sie vorfanden. Streckenkundige wußten schon, wo es dicksten Schlammpfuhle warteten, aber alles in allem war die Strecke gut laufbar, auch ohne Trailschuhe kam man gut durch. Was auch Franz Feller bewies, der auf den reinsten Slicks unterwegs war.
Carsten Herrmann, Saarländischer Berglauf-Vizemeistrer 2011, nahm von Anfang an das Heft in die Hand. Den M30er, der für den LAZ Saarbrücken läuft, kannte von den schnellen Hirschen auf der Marathonstrecke niemand. Auch Matthias Stegbauer von der LSG Schwarzwald Marathon Bräunlingen, war am Bärenfelsen ein Unbekannter. Allerdings läuft er seit 2006 hin und wieder mehr als Marathon und dann auch richtig schnell. 2007 gewann er den 6 h-Lauf in Fellbach-Schmiden mit 77 km und 2010 den Kraichgaulauf über 44 km.
Nachdem Herrmann von Anfang an losstürmte, legte er einen gehörigen Abstand zwischen sich und seine Verfolger. Stegbauer konnte sich ihm am Ende nochmal deutlich nähern, die beiden erreichten das Ziel innerhalb von nur 27 Sekunden in 2:52:28 h und 2:52:55 h und pulvierisierten damit beide den alten Streckenrekord von Daniel Horst aus dem Jahr 2008, der bei 2:56:12 h stand. Bisher hatten es nur Daniel Horst, Frank Hardenack und Rainer Koch geschafft, am Bärenfelsen unter der 3 h-Marke zu bleiben. Herrmann hatte auf den letzten Kilometern prominente Begleitung. Sammy Schu, der zuvor den 8,5 km-Lauf gewonnen hatte, begleitete den Marathonsieger ins Ziel.
Petru Muntenasu, der am Bärenfelsen ein alter Bekannter ist, konnte mit 3:06:47 h auf Platz 3 punkten.
Aus Wiesbaden war Marcus Zerr zusammen mit seinem Halbbruder Sebastian Fitz gekommen. Der Triathlet hat sich vorgenommen, 2012 mal ein reines Laufjahr einzulegen und sich an den Ultralangstrecken zu versuchen. Den Heiligabendmarathon beendete er als Fünfter, Sebastian als 15., danach machten sich die Brüder gemeinsam auf zur Familienweihnacht.
Fast jedes Jahr kommt auch Carmen Hildebrand zum Heiligmorgenmarathon. Sie nimmt Hoppstädten-Weiersbach immer als Etappenziel zwischen Zürich, wo sie lebt und Steinau, wo ihre Eltern auf ihren Weihnachtsbesuch warten. In diesem Jahr hatte die „Seriensiegerin“ beim Heiligmorgenmarathon Nadine Weiss im Schlepptau. Die Französin kommt aus Bois D'Arcy im Arrondisement Versailles beendete den Trans Gaule, die 1.150 km lange Frankreichdurchquerung in 18 Etappen als vierte Frau, Carmen war die diesjährige TG-Siegerin. Wie auch beim Heiligmorgenmarathon 2011, den sie als Gesamt-19. nach 3:42:40 h beendete. Nadine wurde Sechste und siegte in der W45.
Ursula Schürle ist Diplom-Bibliothekarin an der Dualen Hochschule Mosbach, für die sie auch am Start war. Mit 3:46:58 h erlief sie sich den zweiten Rang. Vor 14 Tagen gewann sie den 14,5 km langen Adventslauf in Schönau.
Dritte wurde mit Annette Johann (TV Rheinzabern) die schnellste W50erin. Seit 2009 versucht sie sich hin und wieder an Strecken jenseits der Marathonmarke, ihr längster Wettkampf war der Keufelskopf-Ultratrail 2011 über 85 km.
13 Frauen und 68 Männer schafften die Marathondistanz
Die ersten, die den Zielkanal als solchen nutzten, waren die 20 Kids, die zwei Kilometer liefen. Wo die Marathonläufer um einen fast mannshohen Nußknacker herum drehten, war die Wendemarke der Kids lebendig – Stefan Feller stand in Rettungsweste nußknackergleich an der Kilometermarke und schickt die Kinder zurück zum Start. Der erst 8jährige Hanno Wortmann schaffte die 2 km in 9:12 min. Der 9 Sekunden langsamere Simon Kaiser ist vier Jahre älter. Jüngster Teilnehmer war der erst fünfjährige Paul Ackermann, der noch einen 16jährigen und einen 13jährigen hinter sich ließ.
Das schnellste Mädchen war die 9jährige „goldene Schnecke“ Lea Oster, die mit 10:56 min als einziges Mädel unter 11 Minuten blieb.
Um 9:45 Uhr bliesen die 8,5 km-Läufer zur Jagd auf Sammy Schu. Der talentierte 18jährige vom LTF Marpingen erstürmte den Berg, als ob es gar nichts wäre. Er wurde in diesem Jahr vor Carsten Herrmann Saarländischer Berglaufmeister. Nach 29:33 min hatte er den 10. Heiligmorgenlauf am Bärenfelsen gewonnen. Marco Sahm (Tritonic team St. Wendel) brauchte 30:52 min, Thomas Uebel (Ausdauerteam.de) war nach 31:03 min reif fürs Weihnachtsessen.
27 Männern ließ Carmen Schaaf (Team Erdinger Alkoholfrei) den Vortritt, bevor sie nach 37:47 min als Siegerin des Jubiläumslaufs feststand. Anja Strohe (LC Rehlingen, 38:22 min) und Christine Westerhorstmann aus Baumholder (39:36 min) folgten ihr aufs Treppchen, das für die Kurzstreckler ab 13 Uhr im großen Saal des Kinocenters Movietown nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt bereit stand.
Mehr Infos zum Lauf sowie alle Ergebnisse unter www.baerenfelslauf.de


