10. Zermatt-Marathon
45595 Meter und 2458 Höhenmeter – aber keinen Meter mehr
Zermatt, 09. Juli 2011 - Diesen Aufdruck haben die Finisher beim 10 jährigem Jubiläum des Zermatt Marathons beim Zermatt Marathon in der Ultra Variante mit dem Finishershirt erhalten. Die Organisatoren haben sich für diese Veranstaltung ein ganz besonderes Highlight ausgedacht. Wie in den beiden ersten Veranstaltungen führte die Ultravariante wieder auf den 3089 Meter hoch gelegenen Gornergrat.
Diese zusätzliche Option zu den etablierten Varianten Marathon und Staffelwettbewerb auf den Riffelberg, motivierte insgesamt über 2100 Teilnehmer für die Veranstaltung nach Zermatt zu kommen. Dies bedeutet einen neuen Teilnehmerrekord für den Zermatt Marathon. 700 Läufer hatten sich für das exklusive Ultra-Erlebnis gemeldet.
Für die Teilnehmer am Zermatt Marathon natürlich die wichtigste Information – Wie wird das Wetter? Die Wetterprognose am Vormittag hervorragend und zum Nachmittag hin sind Schauer möglich – wurde von den Organisatoren perfekt umgesetzt. Am Morgen in St. Niklaus wolkenloser Himmel mit Sonnenschein. Ab der Mittagszeit Wechsel von kühlenden Wolken und Sonnenschein und am späteren Nachmittag sorgten vereinzelt Schauer für die Abkühlung. Insgesamt stabile und hervorragende Wetterbedingungen zum Laufen. Immer wieder waren auch Stimmen aus dem Teilnehmerfeld zur Premierenveranstaltung vor 10 Jahren zu hören, die an das schlechte Wetter damals mit viel Regen und ab dem Riffelberg mit Schnee erinnerten.
Der Start war für alle Varianten im 1085 Meter hoch gelegenen Bergdorf St. Niklaus. Die Infrastruktur am Start war perfekt organisiert. Die Teilnehmer und Zuschauer konnten St. Niklaus bequem mit der Bahn erreichen. Der Andrang konnte durch den Einsatz von Sonderzügen gut bewältigt werden. Alles wirklich hervorragend ausgeschildert – auch nervöse Starter konnten sich problemlos durch St. Nicklaus zum Start orientieren. Entspannt konnten die „Gepäckbeutel“ an den bereitstehenden LKWs abgegeben werden.
Zunächst machten sich die Läufer der Ultradistanz pünktlich um 8.25 Uhr auf die Strecke. Um 8.45 Uhr folgte der Startschuss der Elite für den Marathon, danach die Marathon-Staffel um 8.55 Uhr und am Ende ging das Marathon-Hauptfeld um 9.00 Uhr auf die Strecke.
Die Staffeln wurden von jeweils 2 Läufern gebildet, die sich für eine Halbmarathon-Distanz auf die Strecke begaben. Der erste Läufer von St. Niklaus nach Zermatt (Höhendifferenz 608 m) und der zweite Läufer von Zermatt auf den Riffelberg (Höhendifferenz 1336 m). Der Startlaufer konnte ab Zermatt nach dem Lauf mit der Gornergratbahn kostenlos zum Zielareal auf den Riffelberg fahren.
Viel Begeisterung nach dem Start bei den Zuschauern in St. Niklaus. Motivation pur für die Läufer auf den ersten Metern. Zunächst geht es auf asphaltierten oder gut befestigten Wegen meist leicht ansteigend am Talboden entlang. Der Charakter dieses Streckenabschnitts ist eher sanft, saftige Wiesen und viele kleine Details lassen die ersten Kilometer schnell vergehen.
Für mich als Durchschnitts-Ultra-Teilnehmer war es natürlich faszinierend nach etwa 8 /9 km von den Spitzenläufern der Marathon Distanz überholt zu werden. Da sind sofort deutliche Unterschiede in der Lauftechnik zu uns Normalos zu erkennen.
Immer wieder beeindruckend die Fels- und Schuttmassen vor Randa. Die Bergstürze vor etwa 20 Jahren haben noch nicht viel von ihrer monumentalen Wirkung eingebüßt. Bei der Premiere vor 10 Jahren wirkte der Schuttberg allerdings noch viel schroffer – Mittlerweile haben die Bäume und Sträucher wieder einen Teil zurückerobert.
Langsam zieht sich das Läuferfeld immer weiter auseinander. In den Ortschaften Herbriggen, Randa und Täsch werden die Läufer mit viel Begeisterung empfangen. Überall ist sehr viel Freude und Heiterkeit zu spüren. Zuschauer und Läufer genießen die angenehmen Temperaturen und den Sonnenschein. Eine besondere Attraktion auf diesem Streckenabschnitt ist die fahrende Tribüne. Die Matterhorn Gotthard Bahn setzt entlang der Stecke einen langsam fahrenden Sonderzug ein. Immer wieder treffen die Fahrgäste auf die Laufstrecke und können die Läufer anfeuern.
Den Läufern eröffnen sich bereits hier eindrucksvolle Aussichten auf die markante Gebirgswelt mit schneebedeckten Gipfeln und Gletscher sowie die schroffen Felsmassive des Hochgebirges.
Auf Höhe des Friedhofs in Täsch ist eine große Verpflegungsstation eingerichtet. Alles ist reichlich vorhanden, was für den Läuferkörper wichtig ist. Die Verpflegung besteht aus den Getränken Wasser, Iso-Getränk, Cola, teilweise Bouillon sowie der festen Nahrung Bananen, Riegel und Gel. An allen Stationen wird ein Sanitätsservice angeboten.
Nach Täsch ziehen wir zunächst auf der Fahrstraße nach Zermatt bergauf, queren dann nach einiger Zeit den Fluss über eine Holzbrücke „den Fluss mit dem grauen Gletscherwasser“. Nun werden die Pfade „trailiger“, das Überholen schwieriger - da die Pfade teilweise nur für eine Person breit sind. Die Sonne knallt nun auf die Südhänge – es wird warm. Über der Bahntrasse laufen wir Richtung Zermatt, die Basis der AIR-Zermatt wird sichtbar.
Großer Empfang nach etwa 20 Kilometern am Bahnhof in Zermatt. Die Läufer dürfen durch einen engen Schlauch der begeisterten Zuschauer laufen. Aus allen Richtungen kommen Anfeuerungsrufe die Kids klopfen uns Läufer ab. Die einzige Enttäuschung – das Matterhorn ist mit Wolken umhüllt. Wir laufen bis an das Talende, wenden mit einer kleinen Schleife und laufen wieder zurück nach Zermatt. Es geht leicht bergab und damit die Möglichkeit noch einmal locker zu laufen, bevor wir uns auf die lange Steigung Richtung Sunnega begeben. Kinder reichen uns Wasser und Bonbons.
Durch Arvenwälder und über Almwiesen geht es immer weiter bergauf. Die Sonne scheint und es wird heiß. Einige Läufer bekommen zunehmend Probleme. Die meisten in meiner Leistungsklasse haben auf einen Marschschritt umgeschaltet - laufend sind in diesem Streckenabschnitt nur sehr wenige unterwegs. Immer wieder herrliche Ausblicke auf die Zermatter Gletscherwelt – einfach grandios. Wir erreichen die Baumgrenze und damit Sunnega 2223 Meter hoch gelegen. Bei der Verpflegungsstation kurze Pause – versorgen und die Aussicht genießen. Weiter über Gant Richtung Riffelalp. Mittlerweile ist die Sonne hinter Wolken verschwunden, das ist angenehm da etwas kühler geworden ist. Auf der Riffelalp ist noch etwas Umtrieb. Die Guggemusik spielt und scherzt mit den Läufern. Der Blick nach oben lässt die meisten Mitläufer stöhnen. Jetzt wird es sehr steil, die Läuferkolonne zieht sich entlang der Gornergratbahn hinauf zum Riffelberg – Für die Teilnehmer des Marathons naht das Finale. Die Läufer werden am letzten Steilhang vor dem Riffelberg von einer munter aufspielenden Blaskapelle begrüßt. Jetzt ist das Marathonziel sichtbar. Die Läufer müssen noch eine Schleife über Almwiesen laufen und werden dann abhängig von ihrer Startnummer ins Marathonziel oder hinauf zum Gornergrat geleitet.
Für die Teilnehmer der Ultravariante beginnt nun das Sahnehäubchen – 514 Höhenmeter verteilt auf ca. 3,4 Kilometer. Das Ganze wird eingerahmt von einer bemerkenswerten Landschaft – die Massive von Matterhorn, Monte Rosa, Breithorn und unzählige Gletscher lenken uns Läufer ab. Das Landschaftsspektakel wird durch das Wechselspiel von Sonne und Wolken noch verstärkt. Gedanken an den ersten Zermatt Marathon werden wach –keine Sicht, Wind, Schnee und körperlich vollkommen ausgelaugte Laufkollegen!
Heute ist dieser Streckenteil ein Genuss. Das Ziel wird sichtbar – Das Hotel mit Sternwarte auf dem Gornergrat. Auch hier gibt es noch einen Musikempfang. Direkt nach dem Zieleinlauf werden jeden Läufer eine Rettungsdecke übergelegt sowie das passende Finishershirt, Kopftuch und die Medaille übergeben. Das Wetter wird schlechter. Zum verweilen auf dem Gornergrat ist es einfach zu ungemütlich. Sonderzüge für die Fahrt nach Riffelberg stehen zur Verfügung. Auf dem Riffelberg ist für die gesamte Zielinfrastruktur für alle Laufvarianten aufgebaut. Gepäckausgabe, heiße Duschen und Massage. Leider wird das Wetter für ein Verweilen (Bierchen) auf dem Riffelberg zu schlecht. Hoffentlich müssen die Läufer, die noch unterwegs sind nicht allzu sehr leiden!
Fazit:
Eine perfekte Veranstaltung bei der toller Ausdauersport geboten wurde. Ein ganz großes Kompliment an Andrea Schneider und ihr Helferteam. An allen Stationen waren unheimlich freundliche und hilfsbereite Betreuer mit großzügiger Verpflegung. Die Streckenführung mit Anzeige jeden Kilometers nicht zu verfehlen. Die Wetterlage hat nahezu perfektes Laufwetter zugelassen. Die Ultravariante mit dem Gornergrat schreit einfach nach Wiederholung
Sportliche Resultate
Bei den Frauen siegte die Schweizerin Daniela Gassmann bei ihrer ersten Teilnahme am Zermatt Marathon in 3 Stunden 32 Minuten vor der favorisierten Davoserin Jasmin Nunige (3 Stunden und 36 Minuten) und der dreimaligen Zermatt Marathon-Gewinnerin, der Britin, Lizzy Hawker (3 Stunden und 57 Minuten). Damit konnte Daniela Gassmann den Streckenrekord aus dem Jahr 2007 (Lizzy Hawker) um 36 Sekunden unterbieten.
Bei den Herren lieferte sich der Schweizer Vorjahressieger Patrick Wieser (3 Stunden und 9 Minuten) bis zum Schluss ein überaus packendes Duell mit dem Franzosen Jean-Christophe Dupont 3 Stunden und 10 Minuten). Er konnte noch noch 23 Sekunden Vorsprung bis ins Ziel retten. Dritter wurde der Brite Tim Short in 3 Stunden und 15 Minuten.
Die schnellste Staffel (Rhonerunners, Glis) erreichte das Ziel in 3 Stunden und 28 Minuten.
Sieger des Ultramarathons auf den Gornergrat wurde der Norweger Harald Aas in 4 Stunden und 8 Sekunden. Er bezwang die 45.6 Kilometer und 2'552 Höhenmeter damit 19 Minuten schneller als der Zweitklassierte, der Schweizer Ruedi Bärtschi (4 Stunden und 19 Minuten). Dritter wurde Julien Salamun aus der Westschweiz in 4 Stunden und 23 Minuten.
Bei den Damen errang die Carolina Reiber, Siegerin des 1. und 2. Zermatt Marathons im Jahre 2002 und 2003 einen Start-Ziel-Sieg. Sie benötigte für die Ultra-Distanz nur 4 Stunden und 50 Minuten Zweite wurde Jeanette Dalcolmo in 4 Stunden und 55 Minuten vor der drittplazierten Alexandra Bürger in 4 Stunden und 56 Minuten.
Die kompletten Ranglisten finden sich unter http://services.datasport.com/2011/lauf/zermattmarathon/
Veranstaltungsseite: www.zermattmarathon.ch



