11. 50 km-Lauf des RLT Rodgau
Fotos: Ramona Mellies, Alexander Dackiw, Peter Gründling
eigentlich stand ein 10er auf dem Plan, aber weil’s keinen gab an diesem Wochenende, starteten sie eben in Rodgau: die Feller-Brothers Stefan (links) und Robert
Vom Jäger zum Gejagten – sonst geht “Powerschnecke” Hans Drexler immer selbst auf ausgefallene Fotojagd, diesmal hat’s ihn selbst erwischt
Und die dazugehörige Schleife. In orange: Joanna Tywczynski, 3. W35, Siegerin Brüder-Grimm-Lauf 2008
Da waren’s nur noch Zwei
30. Januar 2010 – Zum elften Mal rief der RLT Rodgau zu seinem 50 km-Lauf rund um die Gänsbrüh in Dudenhofen, der inzwischen schon Kultstatus erreicht hat. Mit Jochen Höschele, Wolfgang Jezek und Helmut Adam standen morgens noch drei erfahrene Laufhaudegen am Start, die bisher alle “Rodgauer” gefinisht hatten. Helmut schaffte an diesem sehr winterlichen Samstag im Januar 2010 leider nur acht der zehn geforderten Runden und hat damit seine Rodgau-Reihe unterbrochen.
Der 50er von Rodgau ist nicht nur der jeweils erste Durchgang eines Jahres für den DUV 50 km-Cup und der erste Wertungslauf für die IAU 50 km-Trophy sondern gilt in Ultrakreisen schon lange als Familientreffen. Dazu kommen noch jede Menge Läufer, denen von Vornherein klar ist, daß sie keine 50 km laufen wollen. Die 5 km lange Runde eignet sich aber auch hervorragend als Strecke für ein langes Wochenendläufchen mit Verpflegung und jeder Menge Unterhaltung. Musiktechnisch wurde diese Unterhaltung dieses Jahr sogar noch verdoppelt, denn außer im Start-Ziel-Bereich war auch am Wendepunkt noch eine “Muckebude” aufgebaut.
Vorangemeldet waren in diesem Jahr nahezu 1.100 SportlerInnen, natürlich war das erneut ein Rekord. Am Samstag kamen noch einige Nachmelder hinzu, so daß das Zeitnahmeteam um Michael Dorsch insgesamt 1.130 Namen in der Datenbank hatte. Daß am Ende “nur” 656 am Start waren, war größtenteils dem Wetter geschuldet. Schon Tage zuvor las man in allen Internetforen “ich bleibe angesichts der Wettervorhersage lieber zuhause”. Klar, daß außerdem auch einige dabei waren, die aus gesundheitlichen Gründen passen mußten. Aber das ist ja um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich und natürlich auch bei den Rodgauer Veranstaltern mit im Kalkül. Daß wir in Deutschland nach vielen Entwöhnungsjahren mal wieder einen richtigen Winter haben, das konnte keiner voraussehen. Und daß der ausgerechnet auch noch am Rennwochenende nochmal richtig zuschlagen würde, erst recht nicht. In Rodgau hatte man schon jedes Winterwetter, bis hin zu Hagel, Sturm und Gewitter. Auch zugeschneit war die Strecke schon, das muß 2004 gewesen sein. Damals schien aber die Sonne kräftig vom Januarhimmel und der Schnee wurde im Laufe des Laufes sulzig. Nicht so in diesem Jahr.
Der RLT hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben, die Strecke gut zu präparieren. Ganz freiräumen kann man die Feld- und Waldwege natürlich nicht, aber weitgehend und dann noch mit Split abstreuen. Dennoch war “vorsichtig laufen” angesagt, vor allem in den Kurven und gar am am Wendepunkt zu umlaufenden Hindernis, denn glitschig war es schon. Und schwer ist so ein Untergrund sowieso, er bringt nicht nur Kraft in die Beine sondern kostet auch noch ebensolche. Für die langsameren Läufer kam es zudem noch knüppeldick, denn nach etwa 4:30 h Laufzeit setzte Schneetreiben ein. Erst sacht, dann schnell immer dichter werdend. Dicke Flocken fielen vom Himmel, auf der langen Start-Ziel-Gerade konnte man die Ankommenden teilweise mehr erahnen, dunkle Schatten hoben sich kaum im Schneetreiben ab, erst kurz vor den “Ohren” zur Zeitnahme konnte man dann auch Gesichter und Startnummern erkennen. Das gab es auch in Rodgau noch nie. Der Wind draußen im freien Feld war allerdings für erfahrene Rodgau-Läufer ein bekannter Begleiter.

410 LäuferInnen machten die 10 Runden voll – die Ausfallquote war damit nur geringfügig höher als zum Beispiel im Vorjahr, als von 743 Aktiven am Start 524 bis zum mehr oder weniger bitteren Ende durchhielten. Für acht von ihnen war es der 10. Rodgauer 50er, für den sie sich eine Kerbe in ihren Türrahmen machen können: Wolfgang Josef Bicherl (Finanzbeamter aus dem nahen Offenbach), Gerhard Bracht (ein Westfale im Ländle, auf allen Ultrastrecken dieser Welt zuhause), Alfred “Freddy” Daum von der dieses Jahr überraschend schwach vertretenen Truppe “Run4fun Rödermark”, Ulrich Tomaschewski vom 100 Marathon Club, Gerhard Walper (Sportwart des RLT Rodgau) und Transeuropaläufer Ulrich Zach aus Rödental.
Seinen 100. Ultra lief Klaus-Peter Ulmschneider vom 100 MC. Er hörte allerdings nach 9 Runden auf. Das waren 45 km, ergo Ultramarathon. Ob er ernsthafte Probleme hatte oder ob das ein weiterer Fall des Adabsurdumführens der 100 MC-Regeln war, ist der Schreiberin nicht bekannt.
Ihren 1.474. Marathon & mehr konnte Sigrid Eichner, den 100 MC-Mitgliedern als “Sturmvogel” bekannt, als 404. nach 6:10:18 h beenden. Sie war die einzige Teinehmerin der W70. Ihrer männlichen Altersklassenkollegen zählte man am Start gleich 7. Von ihnen beendeten immerhin vier den Wettkampf. Friedhelm Kuche (Ginnheimer Lauftreff) schaffte die Hälfte. Er hat einen Achillessehnenabriß, der genäht wurde, die volle Distanz war da überhaupt nicht drin. “Mein Arzt würde schon schimpfen, wenn er wüßte, daß ich 25 km gelaufen bin” lachte er. Johann Spieker (100 MC, Jahrgang 1939) gewann die M70 als sage und schreibe 229. Gesamt in 4:58:55 h.
Die jüngsten Finisher waren der 21jährige Aljosha Waters sowie die 20jährige Patricia Wartenberg, die von ihrem Lippehasen-Laufkollegen Rüdiger Littwin durch Eis und Schnee begleitet wurde.
Aufgrund der Streckenverhältnisse hatte man anfangs eigentlich nicht wirklich mit Topzeiten gerechnet, viele Teilnehmer blieben auch mehr oder weniger weit hinter dem zurück, was sie normalerweise zu leisten in der Lage sind. Umso höher muß man sicher die Siegerzeiten einschätzen.
Der schnellste Läufer an der Gänsbrüh war der Ukrainer Evgenii Glyva. RLT-Webmaster Reinhardt Schulz hat gute Kontakte in die Ukraine und so nahmen in den vergangenen Jahren regelmäßig schnelle Männer die weite Fahrt ins Hessische auf sich. Glyva läuft den Marathon regelmäßig in 2:25 bis 2:30 h. Vor dem Start meinte sein Betreuer “auf der 50 km-Distanz gibt er heute sein Debut – allerdings ist er letztes Jahr 100 km in 7:18 h gelaufen.”, Der 27jährige Ukrainer nahm denn auch vom Start weg das Heft in die Hand und ließ es bis ins Ziel nicht mehr los. Seine Durchgangszeit bei 25 km lag bei 1:31 h, auch er ließ auf der zweiten Hälfte Federn, beendete das Rennen nach 3:08:34 h. Auch wenn Tobias Hegmann (Jahrgang 1976) nach 35 km bis auf 43 Sekunden an ihn herangelaufen war, betrug Glyvas Vorsprung letztlich knapp sieben Minuten.
Hegmann, für die TSG Kleinostheim am Start, sah spätestens nach neun Runden sehr angestrengt aus, da bekam er von “draußen” die Nachricht, er könne ruhig ein bißchen raus nehmen. Glyvas sei zu weit weg, nach hinten wäre genug Platz. Der Wunsch des Betreuers war Hegmann Befehl, für die letzten fünf Kilometer brauchte er 24 Minuten. Im Ganzen reichte es bei seinem ersten Ultramarathon zu einem Kilometerschnitt von 3:54 min.
Auch noch unter vier Minuten pro Kilometer lief Vorjahres- und Vorvorjahressieger Thomas Dehaut. Der 46jährige Wallhalbener, der das gelb-schwarze Trikot der LLG Landstuhl trägt, kämpfte sich in der letzten Runde auf Platz 3 vor. Der Belgier Marc Papanikitas, der 2009 noch wegen zu dünner Kleidung vorzeitig die Segel streichen mußte, lag zur Halbzeit noch gleichauf mit Hegmann, ließ dann von Runde zu Runde nach. Nach 45 km hatte er nur noch 20 Sekunden Vorsprung vor Dehaut, blieb dann aber unmittelbar hinter der Zeitnahme stehen. Diese Chance nutzte Dehaut auch psychologisch und entfernte sich schnellen Schrittes von seinem vier Jahre jüngeren Konkurrenten. Bis ins Ziel hatte er ihm mehr als vier Minuten abgenommen.
Der Westpfälzer wird in den nächsten Monaten beim Bienwaldmarathon in Kandel, beim Marathon Deutsche Weinstraße und evtl. noch in Mainz bei der Deutschen Marathonmeisterschaft anzutreffen sein. Aber erstmal wird er am kommenden Sonntag in Rheinzabern die Winterlaufserie 2009/2010 beenden. Dort stehen die Zeichen für ihn auf Altersklassensieg, sein Vorsprung vor Verfolger Jörg Hooß beträgt zwei Minuten. Im November möchte er in Bottrop seinen eigenen deutschen Altersklassenrekord von 3:03:49 h verbessern.
Matthew Lynas, ein Brite in Thüringen, kam noch bis auf 31 Sekunden an Papanikitas heran, nachdem er zwischendurch mal 10 Minuten Rückstand auf ihn hatte. Lynas, u.a. Sieger des Marburger 50ers und des Thüringen-Ultras über 100 km 2009, war im Juli Sportler des Monats bei der Leserwahl der Thüringer Allgemeinen. Sein Preis: ein Helm aus Schokolade.
Bei den Frauen wurde Favoritin Veronika Ulrich ihrer Rolle gerecht. Die 42jährige, 2009 noch Mitglied des Berglauf-Nationalteams, hatte bisher erst einen Ultra in den Beinen. Beim 50er auf der Schwäbischen Alb wurde sie vergangenen Oktober auf Anhieb Zweite. Zur Ultraläuferin möchte sie nicht werden, aber ab und zu einen 50er einstreuen, das schon. Ihr liegt der seit 2004 bestehende deutsche Altersklassenrekord von Constanze Wagner (3:37:28 h) in der Nase und eventuell wird sie den im November anläßlich der Deutschen DUV-Meisterschaft über 50 km in Bottrop angreifen. Bis dahin will sie vor allem noch an ihrer Halbmarathonzeit arbeiten. Der Berglauf ist für sie dieses Jahr nur noch national ein Thema. Für internationale Einsätze steht sie nicht zur Verfügung. Der Aufwand dafür ist ihr und ihrem Mann und Trainer Rainer zu hoch. Nach 3:49:41 h blieb in Rodgau die Uhr für sie stehen. Angesichts des Wetters war sie selbst von dieser Zeit am meisten überrascht. Auch sie mußte auf den letzten Runden ihrem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen. Die ersten 5 km beendete sie im Schnitt von 4:04 min und auch bei Halbzeit war sie mit 1:44:49 h noch auf Gesamtrang 8. Für die letzten 5 km brauchte sie 26 Minuten, ihr Gesamtschnitt lag bei 4:35 min/km, sie kam als Gesamt-15. ins Ziel.
Ihr Vorsprung auf Katja Friedländer war allerdings groß genug, da hätte nichts mehr anbrennen können. 4:06:39 h standen am Ende für die Neu-W35erin zu Buche. Damit war sie nur zwei Minuten langsamer als 2009, als sie Vierte wurde. Ihre 50 km-Bestzeit stammt aus dem Jahr 2005 und liegt bei 3:55:33 h.
Dritte wurde mit Antje Müller (SV Eula) die Sechste der Deutschen 100 km-Meisterschaften 2009. Mit 4:20:59 h war es ihr bisher langsamster 50er.
Veranstalterseite: www.rlt-rodgau.de
Ergebnisse: www.volkslauf.de

