DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung
10. Bad Waldseer Lauffieber

11. Trollinger-Marathon Heilbronn

[eingestellt am 16. Mai 2011]

Von: Jochen Höschele

Fotos: Nicole Benning

Kurz vor dem Start

Impressionen an der Strecke kurz vor dem Haigern

Alphornbläser in den Weinbergen

Jon-Paul Hendriksen erreicht als erster den höchsten Punkt

Richard Schumacher auf Rang 2

Als Dritter kommt Uwe Laenger oben an

Patrick Single läuft am Ende auf Rang drei vor

Wolfgang Schütz zum 11. Mal dabei

Rainer Bäuerle

Adolf Friedrich gewinnt die M55

Katrin Vogler ungefährdet zum Sieg

Michael Spenlein und Bernd Vogel

Stefan Katz läuft persönliche Bestzeit!

Nadine Hailer, 2. Frau Marathon

Clara Chauvet ist wohl etwas zu schnell losgelaufen

Martina Kübler, vierte Frau und Siegerin der W40

Robert Gotto, Platz 9 M50

Julia Fatton umringt von Männern

Iris Weiblen einmal mehr in guter Form beim Trolli

Margit Walter, 3. W45

Hilde Wieland

Melanie Altenbeck gewinnt die W20

Brems- und Zugläufer 3:29 h

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Er hat das neue Shirt schon an

Andere Perspektive

Klaudius Barlot

Der Name ist Programm

Die letzten vier Kilometer bis zum erneuten Sieg für Jon-Paul Hendriksen

Richard Schumacher hat einen sehr dynamischen Armeinsatz

Nun auf Platz 3: Patrick Single

Der Sieger des Halbmarathons

Dynamische Kurvenlage für den zweiten Halbmarathoni: Said Azouzi

Gideon Kiplagat wird Dritter

Johannes Weingärtner bleibt „nur“ Platz 4

Peter Keinath muss leider noch abreißen lassen

Jonathan Harre, Lokalmatador

Rückenansicht

Bernd Mürb

Ein Urgestein: Reiner Müller

Isabel Leibfried siegt beim Halbmarathon

Esther Heinold wird ganz knapp Zweite

Navina Fenzl läuft scheinbar ohne Anstrengung auf Rang 3

Peter Schweizer sorgt für Stimmung

Wo geht’s lang?

Zuschauer

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Zuschauerkulisse

Grillfest am Streckenrand – Verköstigung für radelnde Fotografinnen

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Helden

Letzte Verpflegung

Jürgen Baumann (2. M55 Marathon) und Vorjahresdritte Irene Hofmann (1. W60)

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Katrin Vogler kann schon wieder lachen: nach einem Sieg auch kein Wunder

Frankenstadion

Auch der Elfte ist ein guter Jahrgang - Süffig, schmackhaft, abgerundet – der Trollinger 2011

Heilbronn, 15. Mai 2011 – Der Trollinger, eigentlich eine Weinrebe oder der daraus gewonnene Rebensaft, hat seit zehn Jahren eine ganz eigenständige, dritte Bedeutung bekommen: Im Raum Heilbronn bezeichnet man damit auch den nach ihm benannten (Halb)Marathon mit dieser Vokabel – steht sie doch auch namensgebend im Titel. Wo andernorts längst Titelsponsoren alteingesessene Bezeichnungen verdrängt haben, hält man in Heilbronn der typisch württembergischen Rebe die Treue. Und das seit der Erstauflage im Jahre 2001. Treue, das ist auch so ein Wort, mitunter mitleidig belächelt, weil altmodisch-überholt. Doch beim „Trollinger“, wie auch wir ihn fortan nennen wollen, sind nicht nur einige der Sponsoren Partner der ersten Stunde – nein, es gibt auch etliche Läuferinnen und Läufer, die es sich nicht haben nehmen lassen, bei allen bisherigen Veranstaltungen teilzunehmen. Dafür gab’s im letzten Jahr beim Jubiläum eigens ein Funktionsshirt für alle, die die „Zehn“ vollgemacht hatten, und auch sonst noch so einiges an „Treuepreisen“.

Einerseits macht so ein Jubiläum natürlich auch etwas satt und zufrieden, man lehnt sich zurück, sonnt sich im Glanz des Erfolges – um im Jahr darauf dann ein böses Erwachen zu erleben. Nicht so in Heilbronn – die Macher sind derart rührig, dass sie ständig an Verbesserungen feilen und sich etwas Neues einfallen lassen, um die Läufer bei der Stange zu halten. Mit den diesjährigen Melde- und Finisherzahlen kann die ausrichtende Heilbronn Marketing GmbH mit Bernhard Winkler an der Spitze durchaus zufrieden sein. Das Vorjahresniveau konnte nicht ganz gehalten werden, aber dennoch sind über 5.700 Teilnehmer im Ziel nur knapp 100 weniger als im Rekord- und Jubiläumsjahr 2010. Zugpferd war, wie immer, der Halbmarathon, den genau 4.300 Läufer erfolgreich beendeten, beim Marathon waren es 572, beim Schülerlauf über 3,4 km 465 und beim 425 m langen Minimarathon kamen 374 kleine Sportler im Frankenstadion an.

Waren bei den Kindern und Schülern die Jungen und Mädchen noch beinahe gleich stark vertreten, so war nur etwa jeder vierte Halbmarathonfinisher eine Frau, beim Marathon betrug der Frauenanteil etwa 15 %. Dass dies jedoch keine Rückschlüsse auf die Qualität des Läuferfeldes zulässt, wurde am Sonntag wieder einmal deutlich. Denn die 39jährige Katrin Vogler (LG Leinfelden-Echterdingen) lief nicht nur eine neue persönliche Bestzeit (2:56:50 h) und hatte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg errungen; erstmals seit dem Streckenrekord von Milena Mihailova aus dem Jahre 2006 (2:51 h) war damit wieder eine Frau unter der magischen Drei-Stunden-Marke geblieben. Vogler zeigte sich dementsprechend glücklich, als sie bekannte, zunächst auch mit einem Start in Würzburg geliebäugelt zu haben. „Die Würzburger haben mir dann aber gesagt, für eine Prämie müsse ich schon schneller laufen, als knapp unter drei Stunden. Und da habe ich mir gedacht, na, dann kann ich auch nach Heilbronn gehen. Bereut habe ich es nicht. Das war mein erster Trollinger und die Stimmung war einfach super. Da ich Respekt vor dem Streckenprofil hatte, bin ich eher verhalten angegangen und habe mir meine Kräfte gut eingeteilt, was sich auch ausgezahlt hat.“ Dass sie in Wein aufgewogen wird, entlockte der drahtigen Frohnatur dann ein schallendes Lachen. „Das ist ja ein Vorrat fürs Leben.“ Wohl kaum, denn Katrin Vogler zählt zu den Leichtgewichten unter den Läuferinnen und macht ihrem Namen alle Ehre – eine Federgewichtlerin halt, der am Sonntag wahrlich Flügel gewachsen sind.  Hinter ihr kam Nadine Hailer (TSV Moosbach) zu einem ebenso ungefährdeten zweiten Platz in 3:08:50 h, während die Drittplatzierte, Julia Fatton (in der Region besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Alter), sich kontinuierlich nach vorne schob im Verlauf des Rennens. Am gefürchteten Haigern bei Talheim hatte die Ultraläuferin noch auf dem fünften Platz gelegen, dann setzte sich aber ihr Kampfgeist und ihre Zähigkeit durch. „Mehr als eine 3:15 h ist nicht drin, ich bin noch viel zu kaputt vom letzten langen Trainingslauf“, hatte sie vor dem Start noch tiefgestapelt. 3:14:07 h war ihre Endzeit, zwar langsamer als bei ihrem Premierensieg in Heilbronn (3:08:41 h) vor einer Dekade, aber besser, als von ihr selbst prognostiziert. Besagter langer Trainingslauf übrigens führte, wie es sich für eine 24-Stunden-Läuferin gehört, einmal rund um den Genfer See. Nonstop – 197 km in 24 Stunden und acht Minuten. „Ich war zum Schluss so kaputt, dass wir nur noch vier Kilometer in der letzten Stunde geschafft haben, sonst hätt’s noch unter 24 gereicht.“ Aber so wie man Julia kennt, versucht sie das bestimmt noch einmal. Hinter Fatton kamen Martina Kübler, Iris Weiblen und Melanie Altenbeck auf die weiteren Plätze und erreichten allesamt das oberste Treppchen in ihren jeweiligen Altersklassen.

Bei den Männern im Marathon waren die Rollen von Beginn an ebenso klar verteilt wie bei den Frauen. Vorjahressieger und Streckenrekordhalter (2:28:53 h in 2010) Jon-Paul Hendriksen (Laufwerk Hamburg) lag bereits nach zehn Kilometern, am Anstieg zwischen Flein und Talheim, klar vor seinem ärgsten Verfolger Richard Schuhmacher (FC Deutsche Post), dem Vorjahreszweiten. Daran sollte sich auch bis zum Schluß nichts mehr ändern. Der in Hamburg lebende Neuseeländer Hendriksen, der die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London im Marathonlauf anstrebt, ließ nichts mehr anbrennen, verfehlte jedoch seinen Streckenrekord klar. 2:30:28 h war seine Endzeit. Vielleicht hatte ihm der doch kräftige Wind, der den Läufern bis Neipperg entgegen blies, sehr zu schaffen gemacht. Die Temperaturen jedenfalls waren, anders als bei etlichen früheren Auflagen, ausnahmsweise mal erträglich – mehr als 20 Grad waren es nicht. Dennoch stöhnte so manch einer hinterher über die Wärme, da die Strecke nicht unbedingt üppig Schatten bietet. Richard Schuhmacher beschwerte sich nicht, lief sein Rennen und einem ungefährdeten zweiten Platz entgegen. Nach 2:33:06 h hatte er sein Tagwerk vollbracht, war um 500 Euro reicher, allerdings war auch er langsamer als im Vorjahr (2:29 h), als es ebenfalls kühl, aber nicht windig war. Hinter ihm klaffte dann eine größere Lücke, ehe mit Patrick Single (ASC Konstanz) nach 2:41:29 h das Podium der Männer komplett war.

Dass der „Trolli“, wie er von vielen liebevoll genannt wird, jede Menge Geschichten bereithält, die es wert wären, erzählt zu werden, hat zwei Redakteure der Heilbronner Tageszeitung „Heilbronner Stimme“ dazu veranlasst, ein Buch über den Trollinger-Marathon zu schreiben. Franziska Feinäugle und Helmut Buchholz haben an allen elf Auflagen teilgenommen und beschreiben in ihrem Buch „Erlebnis Trollinger-Marathon“ den Lauf unter den verschiedensten Aspekten – vom Fahrer des Schlussfahrzeugs bis zum Aufseher über die Sporttaschenaufbewahrung kommen auch einige der über 1.000 Helfer zu Wort, die diesen Tag für viele unvergesslich machen, dazu noch Musiker und natürlich einige Läufer.

Zu entdecken gibt es immer wieder etwas Neues – sei es, weil sich die Streckenführung immer wieder leicht verändert hat, ohne aber vom Charakter einer Mischung aus Stadt- und Landschaftslauf grundlegend abzuweichen. Ein beinahe stetiges Auf und Ab durch das Heilbronner Land und die Gemeinden Flein, Talheim, Lauffen, Meimsheim, Hausen, Dürrenzimmern, Neipperg, Nordhausen, Nordheim wieder zurück nach Heilbronn bietet einen touristischen „Schnelldurchgang“ und offeriert so manch reizvollen Blick auf Burgen und Ruinen, auf Hügel und Weinberge des Landstriches, der von Weinbau geprägt ist.

Bestzeiten werden hier – Ausnahmen wie Katrin Vogler bestätigen die Regel – eher nicht erzielt, dafür ist die Marathonstrecke mit ihren 350 Höhenmetern zu schwierig; und auch beim Halbmarathon müssen derer 120 überwunden werden.

Eine der besonderen Geschichten und Gesichter des „Trollinger“ ist mit Sicherheit auch der Beilsteiner Dauerbrenner Wolfgang Schütz. Keinen einzigen der elf Marathons hat er verpasst, dieses Jahr wurde er mit Startnummer 59, seinem Geburtsjahr entsprechend, auf die Strecke geschickt. So ganz nebenbei gewann Schütz, wie fast schon Usus, seine Altersklasse in 2:51:51 h und selbstredend liegt er auch in der Statistik der „Elfmaligen“ uneinholbar vorne, was die Gesamtlaufzeit angeht. Seine addierte Gesamtzeit nach elf Auflagen beträgt nämlich nur 30:24 h.

Diese und noch viele weitere kleine Anekdoten sind es, die den Reiz und den Charme des „Trollinger“ ausmachen; die Lokalmatadoren werden mehr gefeiert, als die schnellen Kenianer des Halbmarathons, denn die Bodenständigkeit ist in Heilbronn Programm, und das zurecht.

Dass sich dennoch alljährlich vor allem auf der halb so langen Strecke, dem eigentlichen Läufermagnet in Heilbronn, immer wieder schnelle Afrikaner einfinden, hat mit dem ausgeschütteten Preisgeld zu tun. Auch heuer waren es wieder zwei Kenianer und ein Marokkaner, die die Podestplätze unter sich ausmachten. Internationale Klasse besitzt von ihnen allein der Sieger, Philip Kiptoo Rutto. Seine Zeit von 1:06:53 h, mit der er den seit acht Jahren bestehenden Streckenrekord von Laban Chege um gerade einmal drei Sekunden verfehlte, sind aller Ehren wert. Der bei der LG Badenova Nordschwarzwald trainierende Athlet hat in diesem Frühjahr unter anderem schon den Hesse-Lauf in Calw und den Frühlingslauf in Herrenberg klar für sich entscheiden können und wird wohl bei noch so mancher Laufveranstaltung in der Region anzutreffen sein. Denn sowohl Rutto als auch sein Cousin, der drittplatzierte Gideon Kiplagat Kemboi (1:09:57 h), wohnen bei Christian Lenk in Dornstetten während ihres dreimonatigen Aufenthaltes in Deutschland. Alles, was sie sich hier an Preisgeldern verdienen, dürfen sie auch komplett wieder mit nach Hause nehmen, eher ungewöhnlich in dieser Branche. Außerdem bezahlen eine Reihe von Sponsoren die Reisekosten der beiden Kenianer.

Am längsten konnte Said Azouzi den beiden Ostafrikanern Paroli bieten und sich am Ende mit einem Rückstand von knapp 50 Sekunden in 1:07:40 h hinter Rutto Platz zwei sichern.

Als schnellster weißer Läufer kam der Schwäbisch Haller Johannes Weingärtner nach 1:11:50 h wieder im Frankenstadion an, gefolgt von Peter Keinath (1:12:35 h) und dem Lokalmatador Jonathan Harre von der TSG Heilbronn (1:13:12 h). Sowohl Keinath als auch Harre konnten ihre Altersklassen gewinnen, Weingärtner hingegen blieb „nur“ der dritte Platz in der Hauptklasse, aber er wird sich mit seiner hervorragenden Zeit trösten können.

Einen „einheimischen“ Sieg gab’s dagegen bei den Damen im Halbmarathon – Isabel Leibfried (SpVgg Heinriet) konnte Esther Heinold (WGL Schwäbisch Hall) in 1:25:16 h mit einer Sekunde auf Rang zwei verweisen und sich den Sieg bei ihrem „Heimspiel“ sichern. Ausgleichende Gerechtigkeit nach ihrem Sturz bei den Deutschen Halbmarathonmeisterschaften vor vier Wochen in Griesheim – damals Pech, heute im Glück. In der nächsten Zeit sind einige Bergläufe geplant, entweder die Baden-Württembergischen Meisterschaften am Schauinsland-Berglauf oder die Deutschen Meisterschaften in dieser Disziplin am Nebelhorn in Oberstdorf. Als Dritte komplettierte die erstaunlich frisch wirkende Navina Fenzl nach 1:26:33 h aus Mintraching das Podest.

Abgesehen von kleineren Unzulänglichkeiten wie eiskalten Duschen, bestach der Trollinger-Marathon auch in diesem Jahr wieder durch Trümpfe, die die Läufer zu schätzen wissen: Kurze Wege, ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, schöne Streckenführung und begeisterungsfähiges Publikum, Musik und Stimmung an der Strecke. Dank der Sponsoren verdient auch die Zielverpflegung ihren Namen, geradezu legendär sind ja schon die Heilbronner Müsliriegel, die von einem ortsansässigen Bäcker unters Läufervolk gebracht werden. Milchmischgetränke, alkoholfreies Bier, isotonische und andere Durstlöscher waren ebenso im Angebot wie Obst, gekneippt werden konnte im Zielareal auch. Und für die anschließende Feier mit Freunden, Familien und Kollegen stand unter anderem der nahegelegene Biergarten zur Verfügung – Läuferherz, was willst Du mehr?

Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.trollinger-marathon.de

 


Pfälzerwaldmarathon Pirmasens