DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung
10. Bad Waldseer Lauffieber

12. Vorsilvesterlauf SC Ludwigshafen

[eingestellt am 19. Dezember 2011]

Von: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Udo Strassner

Beim Skiclub steckt niemand den Kopf in den Sand – bestenfalls in den Schnee

 

Ludwigshafen, 18. Dezember 2011  - Wenn Walter Georgi, der Tourenwart des Skiclubs Ludwigshafen, kurzerhand das Streckenposten-Leibchen überstreift, und Präsident Klaus Hoch im Clubhaus am Heuweg als Alleinunterhalter und Moderator das Publikum begeistert – dann, ja dann ist wieder Vorsilvesterlauf in Ludwigshafen.

 

Aufgrund der terminlichen Situation mutierte die Veranstaltung wie bereits 2010 wieder zum Vorweihnachtslauf. Zwei Ironman-Triathleten liefen am Sonntag den Laufspezialisten den Rang ab. Der Wahl-Lauterer Eik Tietz und Dreikampfkollege Oliver Scheiring, der Lokalmatador aus Oggersheim im Trikot des 1. FC Kaiserslautern, dominierten den Wettbewerb nach Belieben.

 

Eine 8,888 Kilometer lange Wendepunktstrecke durch Niederfeld und das Maudacher Bruch mit dem Höhepunkt Michaelsberg – das ist seit 12 Jahren der Vorsilvesterlauf des Skiclubs. Aus einer Spontanidee von „Skiclubler“ Peter Janz hat sich inzwischen eine Traditionsveranstaltung entwickelt. Mit 85 Läufern im Hauptlauf und 16 klassierten (Nordic-) Walkern über fünf Kilometer erreichten die Veranstalter nahezu die Teilnehmerzahl aus dem Vorjahr.

 

„Darüber sind wir schon etwas enttäuscht, nachdem wir 2009 schon bei 212 Teilnehmern waren“, erklärte Walter Georgi, der gemeinsam mit Skiclub-Präsident Klaus Hoch für den Lauf verantwortlich zeichnete. Den Kopf in den Sand stecken – kein Thema für die Vereinsverantwortlichen. „Ich denke, dass es hauptsächlich an dem ungünstigen Termin lag. Da haben wir 2012 ja wieder mehr Glück“, unterstrich Georgi. Der letzte Sonntag des kommenden Jahres fällt auf den 30. Dezember. „Damit sind wir dann wieder ein echter Vorsilvesterlauf“, sagte er lachend. Die, die nach Ludwigshafen gekommen waren, bereuten es nicht. Man habe ausschließlich positive Rückmeldungen von den Sportlern erhalten, freute sich Georgi. Der Vorsilvesterlauf in Ludwigshafen ist keine dieser Großveranstaltungen, aber gerade das macht auch seinen besonderen Charme aus. Familiär, liebevoll organisiert und mindestens genauso wichtig wie das Laufen ist das „Hocketse“ danach mit Kaffee, Kuchen und Würstchen im Clubhaus. „Hocketse“, wer nur Bahnhof versteht, wirft einfach mal einen Blick in Wikipedia. Hockete, Hocketse oder auch Hock bezeichnen im alemannischen bzw. schwäbischen Sprachraum ein Dorffest, bei dem es meist regional traditionelles Essen und auch alkoholische Getränke gibt, heißt es auf der Wissensplattform im Internet.


Am schnellsten zurück von seinem Ausflug auf den Michaelsberg, der in der Umgangssprache auch Monte Scherbelino genannt wird, war Eik Tietz. Nach 31:27,8 Minuten blieben für den in hiesigen Gefilden bisher unbekannten Gesamtsieger die Uhren vor dem Skiclubhaus im Heuweg stehen, 12 Sekunden später überquerte Triathlet, Sänger und Entertainer Oliver Scheiring, im letzten Jahr bereits auf Platz zwei, die Ziellinie. Tietz tauchte bisher vor allem in den Ergebnislisten im Osten der Republik auf, als Lehrer hat es ihn inzwischen in die Pfalz verschlagen. Beim 1. FCK fungiert der 36-Jährige als stellvertretender Triathlonabteilungsleiter. Sein Start in Ludwigshafen war keinesfalls von langer Hand geplant. Ganz im Gegenteil. „Ich habe mich sehr kurzfristig für den Lauf entschieden, da ich bei einem Freund in Mannheim etwas abholen wollte“, erzählte Tietz. Der Vorsilvesterlauf des Skiclubs passte gut in seine Planung hinein, „weil ohnehin zehn Kilometer auf dem Trainingsplan standen.“

 

Der zweitplatzierte Scheiring startet wie auch Tietz für den 1. FCK, allerdings kannten sich beide bis zum Sonntag noch nicht. „Ich hatte nur gehört, dass er ein guter Läufer ist. Er lief auch nach dem Startschuss sofort sehr schnell an“, erklärte Tietz. Der spätere Sieger hielt sich zunächst noch zurück, bis es ihm endgültig zu langsam wurde und er von dannen zog. „Ich wollte ja eine realistische Zeit haben.“ Dass der 36-Jährige die Strecke nicht kannte, wurde ihm fast zum Verhängnis. „An einer Weggabelung am Berg war kein Streckenposten aufgestellt und ich bog in die falsche Richtung ab. Nach kurzer Zeit blieb ich stehen, weil mir die Sache komisch vorkam und ich sah auf dem anderen Berg die Wendemarke“, beschrieb Tietz den Schreckmoment. Natürlich war sein Vorsprung auf Scheiring erst einmal weg. Der Ludwigshafener versuchte an Tietz dranzubleiben, was ihm nicht gelang. Letztlich ungefährdet erreichte Tietz das Ziel und war trotz allem zufrieden. „Ich mache ja seit kurzem das Lauf- und Athletiktraining beim 1.FCK-Triathlon und da macht es sich immer gut, wenn man mal zeigt, dass das harte Training auch was bringt, wenn es darauf ankommt.“ Enno Schünemann (DJK Käfertal-Waldhof) lief in 33:07,9 Minuten auf Platz drei.


Für die 43-jährige Marion Hebding (TV Rheinau) ist Ludwigshafen offenbar ein gutes Pflaster. Sieg beim Ludwigshafener Stadtlauf, Platz eins beim Friesenheimer Eulenlauf und jetzt auch noch ein souveräner Erfolg beim Vorsilversterlauf des Skiclubs in 36:30,8 Minuten. Energiebündel Hebding, die ganz nebenbei Anfang September noch Deutsche Meisterin über die Ironmandistanz in ihrer Altersklasse wurde und kürzlich beim Frankfurt Marathon 3:17 Stunden ablieferte, war in dieser Saison nicht zu stoppen. Mit deutlichem Abstand folgte die elf Jahre jüngere Elke Hamleser von der LG Muli auf Platz zwei. Birgit Schillinger aus Schwetzingen erreichte als Dritte nach 40:25,8 Minuten das Ziel.

 

Ergebnisse www.br-timing.de

 


Pfälzerwaldmarathon Pirmasens