13. Deutsch Amerikanischer Nanstein Berglauf in Landstuhl
Fotos: Holger Knecht (pfalzfotos.de)
Die Innenbahn gewinnt
Landstuhl, 08. Mai 2010 - Die stürmische Xynthia, machte im Februar der LLG Landstuhl im wahrsten Sinne des Wortes, alles kaputt. Mit einer Windgeschwindigkeit von 100 km/h sauste sie über Deutschland hinweg und auch die Sickingenstadt Landstuhl kam dabei nicht ungeschoren davon. Die Laufstrecke zur Burg hoch, die sich auf Waldpfaden, den Berg entlang schlängelt, wurde durch den Windbruch deshalb zu gefährlich. Xynthia hatte ganze Arbeit geleistet. Bäume waren umgeknickt und die Gefahr, dass ein nachträglicher Windstoß noch weitere entwurzeln könnte, war daher nicht auszuschließen. Deshalb gab der Forst kein grünes Licht und so wurde der Lauf am 20. März, aus Sicherheitsgründen abgesagt. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ein neuer Termin war schnell gefunden. Nämlich der 8. Mai. Aber im Mai schlagen doch bekanntlich die Bäume aus, oder?
Früher war die Burg in Landstuhl ein wehrhafter Schutz für Land und Leute, heute ist sie das Wahrzeichen der Stadt. Hochdroben auf dem Schlossberg lockt sie zur Abenteuerreise in die Vergangenheit. Auf den Spuren von Kaiser Barbarossa, vor allem aber auf jenen des „letzten Ritters“ Franz von Sickingen. 1689 wurde sie durch die Franzosen zerstört. Die Herrschaft fiel 1815 an das Königreich Bayern und 1946 wurde das Gebiet Teil von Rheinland-Pfalz.
Den Namensbestandteil „Sickingenstadt“ trägt die Stadt seit dem 14. Juni 1995. Doch genug der kleinen Geschichtsexkursion, zurück ins Jahr 2010.
Neue Spuren hoch zur Burg hinterließen am Samstag beim Start um 15 Uhr 225 Läufer zum zweiten Lauf um den Pfälzer Berglauf Pokal. 350 Höhenmeter auf 7,8 km verteilt mussten erklommen werden. Der schwerste Berglauf von den sechs insgesamt dieser Serie ist er sicherlich nicht. Zumindest nicht, was seine Höhenmeter anbelangt. Einfach zu Laufen ist er aber dennoch nicht, durch sein ständiges Auf und Ab.
Die Sieger des Donnersberglaufes, Steffen Justus und Kerstin Alaimo, waren dieses Mal nicht am Start auszumachen. Dafür aber Namen wie Martin Schedler, Jonas Lehmann, Georg Anstett, Sabine Rankel und die für den heimischen Verein startende Katja Bambach. Auch viele Amerikaner, von denen die meisten wohl in Landstuhl und Ramstein stationiert sind, waren mit am Start.
Der 1. Vorsitzende Hermann Brand, begrüßte die Läufer herzlich und bedankte sich, für die rege Teilnahme. Der Countdown der letzten 10 Sekunden vor dem Start wurde gemeinsam laut gezählt und schon ging es auch los. Zuerst einmal bergab, hinein in den Wald.
Eine abwechslungsreiche Strecke, die garantiert nicht langweilig wird, bietet sich in Landstuhl den Läufern. Enge Pfade, zwischendurch auch mal gespickt mit Treppenstufen und größeren Steinen mussten bezwungen werden. Diese waren jedoch durch eine vorbildliche, weiße Markierung nicht zu übersehen. Vorbei an kleinen Seen ging es in einem stetigen Auf und Ab in Richtung Burg. Hatte man sich gerade an das Berghochlaufen gewöhnt… denkste, ging es auch schon wieder runter, ein ständiger Rhythmuswechsel also.
Martin Schedler von SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken und Jonas Lehmann vom TuS Heltersberg, waren schließlich die Ersten, die den Burghof, der von keinem anderen als Thomas Dehaut liebevoll mit Blumen geschmückt war, erreicht hatten. Ein packender Zielsprint bot sich den Zuschauern, den schließlich ganz knapp mit nur einer Sekunde Vorsprung Martin Schedler für sich entscheiden konnte. Dieser haderte ein wenig mit sich selbst, weil er, so wie er sagt, noch nicht so richtig in Form ist. „Mal ziept´s hier, mal da“. In 27:48 Min. ging der Sieg, dann aber schließlich doch an ihn. Jonas Lehmann, der die etwas längere „Außenbahn“ hatte, kam schließlich nicht mehr an Schedler vorbei und wurde somit Zweiter. Seine Zeit betrug 27:49 Min. Nächste Woche will er in Erlenbrunn starten, wo er mit Sicherheit wieder mit für Spannung sorgen wird.
Dritter im Bunde war einer, den wohl keiner auf der Rechnung hatte. Simon Hoyden von Wolfs Running Team. Durch seine Freundin kam er zu diesem Lauf und schnappte sich gleich einmal ein Platz auf dem Siegertreppchen. Seine Zeit betrug 28:03 Min. Somit wurde er schließlich Zweiter in der M20 hinter Jonas Lehmann. Er kommt zwar aus der Gegend um Dortmund, wo es eigentlich relativ flach ist, doch das bergige Terrain ist auch für ihn nichts Neues. Denn im letzten Jahr belegte er den vierten Platz, bei den westdeutschen Berglaufmeisterschaften in Mescheide Calle.
Vierter wurde schließlich Georg Anstett vom PSV Pirmasens. Für den Triathleten war es sein erster Lauf in diesem Jahr. Leichte Probleme mit der Achillessehne machen ihm zur Zeit das Leben schwer. Er hofft auf Besserung, denn sonst sieht er seinen Start beim Kulmbach Triathlon über die Mitteldistanz gefährdet.

Der Zielkanal 2010 (Foto Thomas Dehaut)
Bei den Frauen übernahm Sabine Rankel / LC Bad Dürkheim, vom Start weg die Führung und lief mit großem Vorsprung ungefährdet ihrem Sieg mit einer Zeit von 32:09 Min. entgegen. Eigentlich wollte sie ja beim Weinstraßenmarathon im April, den „Ganzen“ laufen, erzählte sie, während des Laufes, warf sie jedoch ihre Pläne kurzerhand über Bord und lief stattdessen nur den „Halben“. „Och, irgendwie kam alles zusammen“, meinte sie, „die Vorbereitung für den Marathon, war nicht so hundertprozentig wie ich es mir vorgestellt hatte und das Wetter an diesem Tag war dann auch nicht so unbedingt meins.“ Deshalb konzentriert sie sich jetzt erstmal wieder vorwiegend auf die Bergläufe.
Katja Bambach von der LLG Landstuhl lief ebenfalls ein gutes Rennen und kam mit 35:37 Min. souverän auf den zweiten Platz. Dritte wurde Elke Hameleser/ LG Muli in 36:13 Min. Dafür, dass sie eine Woche zuvor noch krank war und Penicillin schlucken musste, war sie zufrieden mit sich und strahlte mit der Viertplatzierten Bianca Kramer, die sich schon die WM Fahne stylish ins Haar färben ließ, um die Wette. Sie war ebenfalls froh, den Lauf so gut überstanden zu haben, denn auch sie war vor ein paar Tagen noch wegen Magenproblemen außer Gefecht gesetzt.
Ja, viele neue Spuren fanden ihr Ziel oben im Burghof. Auch die von Robert Hinkel der in der M 70 läuft und die 7,8 km in beachtlichen 37:39 Min. lief. Oder wie die nimmer müde und stets gut gelaunte Ingrid Hoffmann, vom TV Offenbach, die in 44:16 Min 28 Sekunden hinter der Ersten der W 65, Maria Jochim / TV Herxheim (43:48 Min.) ins Ziel kam.
Ende gut – alles gut. Keine Xynthia, kein Regen, Mutter Natur meinte es gut und bescherte den Läufern ein angenehmes Wetter um die 18 Grad und sogar noch etwas Sonnenschein. Und die Bäume… stehen auch noch alle!
Veranstaltungsseite mit Ergebnissen: www.llg-landstuhl.de


