DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung
10. Bad Waldseer Lauffieber

13. Lauf um den Großen Alpsee Immenstadt

[eingestellt am 31. Juli 2011]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Peter und Gabi Gründling

spontan aus Kempten angereist: Jörg Schreiber (vorne) und Thomas Miksch (in blau)

Orgachef Gerhard Honold im Gespräch mit einer Helferin

1. W45 Marie Philipsenburg

Fix und alle

2. W45 Manuela Miller

Für den Job braucht man gute Oberschenkel

1. W60 und älteste Teilnehmerin: Luise Winkler

Zieleinlauf mit jeder Menge Zuschauer

3. W45 Karin Schuhmann

2. W50 Sabine Killisberger

2. W30 Anne Göppert

3. W55 Melanie Gohr

3. W50 Silvia Bernalte

Zaungäste mit Kuhglocke

2. MJA Maximilian Kaiser

1. M65 Karl Winkler

Mit dicken Backen ins Ziel: Jens Förster

Hubert Kolb und seiner Frau schmeckt’s

Letzte Vorbereitungen

Im Doppelpack auf Platz 3 WHK: Stefanire und Julia Lanzinger

Sieger Stefan Stahl

Letzter Fototermin vorm Start

Der erste kleine Anstieg kurz vor km 1

Den großen Alpsee gilt es zu umrunden

Erst Jahrgang 2000: Noah Schmitz

Der älteste Teilnehmer auf dem Hackschnetzelweg: Antonio Cocchio

Der Schlußläufer räumt gleich hinter dem Feld auf

Verschnaufpause für den Streckenposten

Zweiter Peter Pulfer

1. M30 Rob Hughes

1. M50 Markus Gerber

1. M40 Meinhard Briechle

2. M40 Alexander Fröhlich

3. M45 Klaus Bader

Siegerin Alison Lavender

2. M30 Thomas Schneider

Zweite Frau Ute Doyscher-Lutz, 2. M35 Peter Ocker läuft 20 Sekunden vor ihr ins Ziel

Dritte Kathrin Luxenhofer

3. W40 Marianne Brülisauer und 3. M35 Oliver Sigl

3. MHK Simon Malsch und 4. M50 Joachim Ripper

1. W35 Nadine Hailer

Nicht nur Joachim Lutz (215) läuft deutlich hinter seiner Frau

1. M60 Peter Speer

Cord Teller (rechts) animierte seinen Vater zum Mitlaufen, dieser gewann dann die M70

2. W35 Ulrike Knoll

Baris Sasirmaz hat Spaß

Idylle am großen Alpsee

Idylle am großen Alpsee

Erich Reisinger vor 2. M60 Peter Grömmer

Eva Übelhör: helfen statt laufen

1. Männl. Jugend B Jan Ripper

Diese Brücke ist am Anfang und am Ende zu überqueren

Der Urlaubslauf

 

Immenstadt, 31. Juli 2011 – Das Allgäu ist in nah und fern als nahezu perfektes Erholungsziel für Freizeitaktivitäten jeglicher beweglicher Art bekannt. Wandern, schwimmen, radfahren, laufen, Inlineskaten, segeln…. Es gibt eigentlich fast nichts, was man hier nicht machen kann. Immenstadt liegt zwischen Kempten und Sonthofen und direkt am größten Natursee des Allgäus, dem großen Alpsee. Das Surf- und Segelrevier hat eine Wasserfläche von 2,4 km² und dabei einen Umfang von 8,1 km.  

Die Triathlonabteilung des TV Immenstadt um ihren Abteilungsleiter Gerhard Honold zeichnet für drei Sportveranstaltungen im Jahr verantwortlich: den Frauenlauf im Mai, den Kindertriathlon im Juli und den Lauf um den Großen Alpsee. Bisher fand dieser immer Mitte August statt, seit Jahren kam man sich hier aber schon mit dem Buddhistischen Weltkongreß ins Gehege, der jeden Sommer zwei Wochen lang Immenstadt und vor allem den Viehmarktplatz als Parkplatz mit Beschlag belegt. Gerade der Viehmarktplatz ist es aber, den der Alpseelauf auch für sich beansprucht – als Parkplatz genauso wie als Start-Ziel-Gelände. Deshalb entschloss man sich in diesem Jahr, dem Gerangel aus dem Weg zu gehen und den Lauf zwei Wochen nach vorne zu ziehen.

Woran es lag, daß in diesem Jahr 90 Läufer weniger den sonntagmorgendlichen Weg nach Immenstadt fanden als 2010, das müssen die Triathleten jetzt noch versuchen zu eruieren. Der Termin zu Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern kann es nicht gewesen sein, denn früher lag man ja mitten in den Ferien. Allgemein verzeichnen viele Volksläufe in letzter Zeit Teilnehmerrückgang und unweit von Immenstadt im Kleinwalsertal fand der Widdersteinlauf statt. Aber das alleine kann es wohl eher nicht sein. “Wir wollen kein Event sondern eine bodenständige Volkslaufveranstaltung” erklärt Gerhard Honold das Konzept des Alpseelaufs.  

Und so erwartet denjenigen, der sich entscheidet, die ausgeschriebenen 15,65 km um den See zu laufen, auch kein unnötiger Schnickschnack sondern eine nette und familäre Veranstaltung, bei der alles im Freien stattfindet, wenn das Wetter es zulässt. Vor den Türen eines Getränkemarkts findet man Startnummernausgabe, einen Imbisswagen mit Kuchen und warmen Köstlichkeiten wie Spätzle und genügend Bierzeltgarnituren, damit alle auch am Ende noch lange gesellig beisammen sitzen können. Die Wege sind kurz. Start direkt auf der Straße vorm Viehmarktplatz, Zielbogen auf dem Platz, Parkmöglichkeiten auf dem Platz, so daß der Weg vom Auto bis zum Start/Zielbereich nur 5-50 m beträgt. Direkt am Parkplatz gelegen sind öffentliche Toiletten und die Berufsschule, die die Duschmöglichkeiten zur Verfügung stellt, befindet sich nur 150 m entfernt.  

Daß viele Urlauber beim Alpseelauf antreten, sind die Veranstalter in den letzten Jahren schon gewohnt. Daß auch immer wieder Urlauber ganz vorne mitmischen, die vorher niemand auf der Rechnung hatte, ist auch nichts Neues. Doch so geballt wie in diesem Jahr waren die Urlauber selten am Start. Was fehlte, war der Unterbau aus Läufern aus dem Allgäu und Oberschwaben, die im Einzugsbereich Immenstadts leben und laufen. 

Fünfzig Frauen und 176 Männer weist die Ergebnisliste aus, die die Seeumrundung in diesem Jahr unter die Füsse nahmen. Bei 8,1 km Uferlänge ist es logisch, daß man, um auf über 15 km zu kommen, noch ein bißchen zugeben muß. Zwei Kilometer, auch denen man auch am Kleinen Alpsee vorbeikommt, sind’s schon vom Viehmarktplatz zum See. Auf Schotter, wunderbar weichen Holzschnetzelwegen und Asphalt verläuft die Strecke leicht wellig, aber eigentlich flach zu nennen, bis km 8,5. Ab da ist dann “Schluß mit lustig”, denn von nun an geht’s bergan. Wie eine Rampe wartet der trailige Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke auf die Läufer und hier dürften nur noch die wenigsten gelaufen und die meisten in einen mehr oder weniger zügigen Wanderschritt verfallen sein. Der Weg zudück hinunter zum See ist dann zwar asphaltiert, aber das Gefälle auch nicht eben einfach zu laufen. Wer gut bergab laufen kann, kann sich hier im wahrsten Sinn des Wortes zu Tale stürzen. Dann hat man den See wieder erreicht und schwenkt bei km 13 wieder auf das zu Beginn des Laufs schon in umgekehrter Richtung absolvierte Stück hinauf zum Viehmarktplatz ein. 

Nicht weniger als insgesamt fünf Mal kann man unterwegs Wasser und Iso tanken, was bei hohen Temperaturen sicher für viele auch nötig ist. Das Wetter an diesem letzten Julisonntag war äußerst läufergerecht. Die Temperaturen bewegten sich zur Startzeit um 9 Uhr im unteren zweistelligen Bereich, die Sonne lugte nur ab und zu durch die Wolken. Trotzdem war es nachher warm genug, um sich auch zum Nach-Lauf im Freien wohl zu fühlen. Allerdings dürften nur wenige Teilnehmer den den im Startgeld enthaltenen Eintritt ins Freibad am Kleinen Alpsee genutzt haben, so warm war es dann doch nicht. 

Wie schon 2010, so waren auch in diesem Jahr die schnellsten Frauen nicht aus der Region. Vom Führungsquartett waren drei zum Urlaub im Allgäu. Allen voran Alison Lavender aus Großbritannien. Die 23jährige besuchte ihren Freund Rob Hughes, der sich für zwei Monate mit der Britischen Armee zu Trainingszwecken zu Outdooraktivitäten (Rafting, Klettern etc.) im Allgäu aufhält. Die beiden ließen sich das Sonntagsvergnügen des Alpseelaufs nicht nehmen und die Britin, die mit einer Halbmarathonbestzeit von 1:20 h ausgestattet ist, lief die zweitschnellste Alpseelauffrauenzeit. Mit 1:04:06 h ließ sie nur acht Männern den Vortritt. Schneller als sie war nur vor vielen Jahren eine Neuseeländerin, aber da war die Strecke auch noch leicht anders, weil es noch keinen Weg direkt am See entlang gab. Kürzer ist sie heute zwar nicht, aber aufgrund des Schotters und der Hackschnetzel schwerer zu laufen als die alte Asphaltstrecke. 

Auch die Zweitplatzierte war eine Urlauberin. Uta Doyscher-Lutz war mit ihrem Mann erst im Allgäu und von dort aus ging es weiter in seine Heimat nach Oberschwaben, die auch für ihre Vereinszugehörigkeit zu “Mengens Triathleten” verantwortlich zeichnet. Nach 1:05:29 h blieb die Uhr für die 43jährige stehen, zwischen sie und Alison Lavender konnten sich nur vier Männer schieben. 

Fast schon ist man geneigt zu schreiben “erst” auf Platz 3 lief die Favoritin Kathrin Luxenhofer unter dem Zielbogen hindurch, um sich im Ziel mit Tee, Wasser und Melonenstücken zu versorgen. Die 42jährige Triathletin von der TG Viktoria Augsburg brauchte 1:07:15 h. 

Auf Platz 4 findet sich mit der Schweizerin Marianne Brülisauer schon die nächste Urlauberin, die zusammen mit ihrem Mann eine Freundin in Kempten besuchte und einen kleinen Laufausflug nach Immenstadt integrierte. Sie stammt aus Appenzell, ist das Berglaufen also gewohnt. “Die Herausforderung war da, aber es ist machbar” meinte sie dann auch bei der Siegerehrung. Momentan konzentriert sie sich darauf, auf Halbmarathon nochmal schneller zu werden. Ihrer Bestzeit von 1:20 h aus 2004 stehen derzeit 1:25 h gegenüber, die sie nochmal steigern möchte. 

Stefan Stahl (Allgäu Outlet Raceteam) war auch ein Urlauber. Aber einer, der sich direkt an den Lauf anschließend auf den Weg nach Italien machte. Der Allgäuer, der 2009 schon auf dem obersten Treppchen Platz nahm, war eigentlich mit Vorjahressieger Andreas Sterzinger verabredet, den Streckenrekord in Angriff zu nehmen. Nachdem Sterzinger verletzungsbedingt passen mußte, wurde es für Stahl am Ende nur ein Tempodauerlauf. “Man kann ja nicht immer am Limit laufen” war sein Statement nach dem verdienten Sieg. Bis km 8 machte er noch mit seinem Raceteam-Chef Peter Pulfer gemeinsame Laufsache und setzte sich dann zugunsten der Mannschaftswertung von diesem ab. Mit 58:17 min blieb er als einziger Läufer unter der Stundenmarke und nahm Pulfer auf der zweiten Hälfte 2:01 min ab. Nach seinem Urlaub wird er noch an einigen Cityläufen teilnehmen, zu denen er für die Eliteläufe eingeladen wurde, wie zum Beispiel am Lauf der Asse in Biberach, wo er gegen jede Menge Kenianer und Ukrainer angetreten wird, die mit 10 km-Zeiten von um die 28 min ausgestattet sind. 

Peter Pulfer, der Vorjahressieger des Allgäu Panorama Marathons in Sonthofen, will dort auch in diesem Jahr wieder laufen und eine gute Figur machen. Da er direkt an der Strecke wohnt, ist ein Start in Sonthofen Ehrensache. Bei den ersten beiden Ausführungen war er allerdings verletzungsbedingt nicht am Start. Die Ultrastrecke, der Allgäu Panorama Trail über 69 km, ist kein Thema für ihn, obwohl dort in diesem Jahr die Deutschen Meisterschaften der DUV im Landschafts- und Crosslauf ausgetragen werden. Der 48jährige meint, um einfach mitzulaufen wäre er zu ehrgeizig und richtiges Ultratraining würden seine “alten Knochen” nicht mehr mitmachen. Zur Zeit liegt er bei nur 50-60 Wochenkilometern, bis zum Marathon will er seine Umfänge aber noch steigern. “Es wird höchste Zeit, noch ein paar lange Läufe zu machen, nachdem ich die Grundschnelligkeit drauf habe.” 

Platz 3 ging an Thomas Miksch (TV Jahn Kempten), der sich erst morgens um 7 Uhr endgültig entschieden hatte, mit seinem Trainingspartner Jörg Schreiber den Weg nach Immenstadt anzutreten. Auch wenn er dort schon gelaufen ist, so ist er doch kein regelmäßiger Laufgast beim Alpseelauf. Der Termin mitten in den Sommerferien kam ihm in den letzten Jahren oft nicht zupaß, weil in den Ferien die Bedürfnisse der Familie eindeutig vorgehen. Sohn Jakob ist zwar schon aus dem Haus, aber zur Miksch-Truppe gehören auch noch zwei schulpflichtige Töchter und so steht auch jetzt erstmal Familienurlaub auf der Agenda des Arztes, der vom schnellen 100 km-Läufer zum schnellen Langstrecken-Bergläufer wurde. Danach wird er am Allgäu Panorama Trail teilnehmen und natürlich steht auch der Trans Alpin wieder als fester Posten in seinem Laufkalender. Er fährt wegen inzwischen viel Rad, hat zum Beispiel gerade den Filius in Innsbruck besucht. An regelmäßiges Training ist schon aufgrund seiner Dienste nicht zu denken. Wenn er es schafft, geht er mittwochs zum Lauftreff, wo er inkl. An- und Ablauf mit 15 bis 20 km seine kürzeste Trainingseinheit absolviert. Umso erstaunlicher ist seine Grundschnelligkeit, die ihm beim Alpseelauf genauso zugute kam wie seine Berglaufqualitäten, mit denen er den auf Platz 4 einlaufenden Rob Hughes am Anstieg jenseits von km 8,5 überholen und distanzieren konnte. 1:01:19 h betrug die Zielzeit des Kempteners. 

Schon auf Platz 5 findet man den Sieger der M50, der sich ebenfalls als Urlauber entpuppte. Markus Gerber (LG Gerbersport) ist Schweizer. Eigentlich unterstellt man den Schweizern allgemein Berglaufqualitäten, aber Gerber, der in der Nähe von Bern lebt, läuft tatsächlich nur flach, gerne einfach am Fluß entlang. Ein Radurlaub im Tannheimer Tal führte ihn in der Vorwoche schon zum 10 km-Lauf im Rahmen des Königsschlösser Marathons in Füssen und jetzt auf dem Heimweg eben nach Immenstadt. Seinen Herbstmarathon möchte er in diesem Jahr wahrscheinlich in Köln laufen, weil er mit seiner 2:44 h vom New York Marathon 2010 nicht wirklich zufrieden war und jetzt auf einer flachen Strecke laufen möchte. 

Vor allem für die vielen Urlauber wurde der Alpseelauf oft zur Familiensache. So war Marianne Brülisauers Mann Karl ebenfalls auf der Strecke – und drei Minuten langsamer als seine Frau. Aus Darmstadt-Weiterstadt waren “die Rippers” angereist. Vater Joachim hatte schon in der Vorwoche am Allgäu Triathlon teilgenommen und kam beim Alpseelauf als 25. ins Ziel. Für seinen 14jährigen Sohn Jan war es der erste 15 km-Lauf seiner Laufbahn, er wurde mit dem Sieg der männlichen Jugend belohnt. Klar, daß es ihm “echt Spaß gemacht” hat.

Der älteste Teilnehmer Antonio Cocchio, ist Jahrgang 1935. Den Italiener hat es zum Alpseelauf verschlagen, weil er mit seiner deutschen Lebensgefährtin im Allgäu urlaubte und die Wirtin seiner Pension ihn auf die Veranstaltung aufmerksam machte. 

Auch die Siegerehrung lohnt sich in Immenstadt. Für die Langsameren wegen des kulinarischen Angebots und für die Schnelleren zusätzlich wegen der Preise. Zu den Geldpreisen für die jeweils fünf erstplatzierten Frauen und Männer kamen nahrhafte Preise für die Altersklassensieger und die schnellsten Mannschaften. Allgäuer Bergkäse, Immenstadter Alpseekiesel (Süßigkeit), Obstkörbe, Sekt, Nudeln – die Triathleten des TV Immenstadt und ihre Sponsoren, die sich alle aus dem direkten Umfeld des Vereins rekrutieren, wissen, was gut ist für hungrige Läufermägen.

Veranstaltungsseite: www.alpseelauf.de

 

 


Bottwartal-Marathon