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14. Self-Transcendence 6 h-Lauf Nürnberg

[eingestellt am 14. März 2010]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Gabi & Peter Gründling

Gepäckaufbewahrung unter freiem Himmel

Begeisterte Zuschauer

Transeuropaläufer Werner Selch läuft kommende Woche 156 km auf dem Berliner Mauerweg

Roland Blumensaat (rechts) und sein “Schützling” Anton Luber

Ein Helferplatz vor dem Lauf

Vorstartatmosphäre

Die Karawane rollt um die Wiese

LC Auensee Leipzig

Geballte Helferkraft

Organisator Klaus Schulz

Zwischen Schneeresten lustwandeln

Bei km 50 gibt’s eine Fahne – hier für Michael Schindler

Die Zählstelle von der andere Seite der Wiese

Farbklekse im tristen Winterallerlei

Manfred Weinhöpl und Frank Furche

Andrea Franke mit kurzzeitiger Begleitung

Erhoffte 70 km nicht erreicht: Nikolaos Adam

Ältester Teilnehmer Leo Stierhof

Helga Rudeloff und Tilo Kozlik

Verpflegung tut Not

Siegerin Simone Hengmith

Zweiter Mann Stefan Daum

Leaderboard M

Leaderboard F

Raubtierfütterung

Nach 6 h markiert man seine Haltestelle

Katrin Mikolajski und Michaele Vente Yubi

Bärbel Köhler

Der Frühling blieb aus, der Winter aber auch

Nürnberg, 13. März 2010 - Der März steht üblicherweise im Zeichen der 6 h-Frühjahrsläufe und ein fester Bestandteil dieses Terminkalenders ist der Lauf des Sri Chimnoy Marathonteams (SCMT) in Nürnberg. Schauplatz des Geschehens sind die Wöhrder Wiesen. Eine Runde um die Wiesen mißt amtlich vermessene 1.521,9 m und so wird das Terrain zwischen Altstadt und Wohngebieten von der Nürnberger Laufszene für Aktivitäten vielerlei Art genutzt. Hier finden regelmäßig Trainingsmarathons des Lauftherapeuten Roland Blumensaat statt, der vor 15 Jahren der Ideengeber für den 6 h-Lauf des SCMT war. Und, was man auch an diesem Samstag schön beobachten konnte, “halb Nürnberg” trainiert an den Wöhrder Wiesen. Gesichtet wurden unter anderem auch die in der Ultraszene bestens bekannten Olaf Schmalfuß und Robert Wimmer.Der Startschuß zum 6 h-Lauf fällt laut Ausschreibung um 10 h, so daß LäuferInnen, die aus dem süddeutschen Raum kommen, durchaus auch erst am Veranstaltungstag anreisen können. Für die, die von weiter her kommen, steht die Turnhalle einer katholischen Mädchenschule zur Verfügung, in der nach dem Lauf auch geduscht, gegessen und die Sieger geehrt werden. Die Schule steht quasi unmittelbar an der Laufstrecke, nur eine Straße und die Pegnitz trennen die eine von der anderen.

Den SCMT-Läufen eilt der Ruf legendär guter Verpflegung voraus und der Nürnberger Lauf macht diesem alle Ehre. Wer zum Beispiel die Verpflegung beim Rodgauer 50er kennt und diese, zu Recht, als erstklassig bezeichnet, wird hier noch positiv überrascht: Marmeladenbrote, Schmalzbrote, Hefekuchen, Kekse mit und ohne Schokolade, Nüsse, Rosinen, diverses Salzgebäck, hartgekochte Eier, Tee, Buffer, Cola, Malzbier, Orangensaft, Apfelsaft, Wasser (warm und kalt) und Brühe – all’ das hat der Tisch schon morgens zu bieten. Und dieses Angebot wird gegen Mittag noch getoppt, wenn zusätzlich lau(f)warme Pellkartoffeln mit Butter und Salz ihren Platz auf der Tafel einnahmen.Ein weiteres Markenzeichen der SCMT-Läufe sind die Tafeln mit den Motivationssprüchen entlang der Strecke und die riesigen gelben Smilies an den Bäumen. Diese bildeten dann auch die Farbkleckse entlang der Strecke, die der so sehnlichst erwartete Frühling uns verweigerte. Dazu kamen einige bunte Mützen und farbige Jacken mancher Wettkämpfer, aber üblicherweise ist die Winterlaufbekleidung ja dem Wetter angepaßt. Bonjour Tristesse. 

Dabei hatte Petrus sogar noch ein Einsehen mit den Läufern und drehte den Damen und Herren vom Deutschen Wetterdienst mit ihrer Schneevorhersage eine lange Nase. Zwar war es sehr windig und warm wurde es auch nicht, aber es blieb zumindest den ganzen Tag trocken. So kann man auch mit kleinen Sachen den Läufern große Freude machen oder: man wird ja bescheiden. 

Die vollkommen asphaltierte Strecke war weitestgehend schnee- und eisfrei, nur einige Reste bildeten kleine Spaliere, die aber gut umlaufen werden konnten. Ganz flach ist sie nicht, der “untere Teil” liegt optisch deutlich unter dem Parallelstück “oben”, aber von einer wirklichen Steigung kann man nicht reden. Die Runde bildet quasi ein Rechteck um die Wiesen, auf der fest installierte Fußballtore zu sehen sind und im Laufe des Tages auch genutzt wurden. 

6 h-Läufe zeichnen sich im Allgemeinen auch dadurch aus, daß hier einige Sportler teilnehmen, denen klar ist, daß sie wahrscheinlich nicht mal die Marathondistanz schaffen werden. Hier sind sie ständig unter Leuten, werden überrundet, wechseln das eine oder andere Wort mit Athleten, die sie bei den üblichen Läufen beim Start sehen und dann noch maximal an der Kuchentheke. Hier können sie das Renngeschehen live verfolgen und fühlen sich zugehörig, was ganz sicher auch am familiären Charakter der meisten Ultramarathonveranstaltungen liegt. Volker Berka, Jahrgang 1943, bezeichnet die 6 h-Läufe als seine Disziplin. Seit er sich vor einigen Jahren Bypässe setzen lassen mußte, ist er deutlich langsamer geworden, er läuft streng pulsorientiert. In 6 Stunden schafft er meistens “seinen” Marathon und in der Szene ist er bekannt wie ein bunter Hund, pflegt am Wochenende begeistert die Kontakte zu Gleichgesinnten. In Nürnberg kam er am Ende auf 44,175 km. Und damit war er noch nicht der Letzte derer, die die ganzen 360 Minuten laufend und gehend unterwegs waren.

Beim SCMT gehört auch die persönliche Zählweise zum Ambiente. Jeder Zähler betreut 4-5 Läufer, was bei diesen unwirtlichen Temperaturen wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Und so lag auch auf den Zählzetteln jedes Platzes morgens ein Taschenwärmer. Zusätzlich kamen erstmals auch Laptops zum Einsatz. Veranstalter Klaus Schulz betonte aber, daß die EDV die menschlichen Zähler auch zukünftig nicht verdrängen sondern nur ergänzend eingesetzt wird. Die persönliche Ansprache und Anfeuerung durch die Helfer gehört einfach zu den Sri Chinmoy-Läufen wie die Smilies an den Bäumen. 

Das Männerrennen verlief recht spannend. Stefan Daum aus Raunheim behauptete sich von Anfang an auf Platz 2 des Leaderbords. Anfangs folgte er Rainer Leyendecker, der seine Führung später an den im Schweizerischen Gockhausen lebenden Waliser John Pares abgeben mußte. Pares blieb am Ende mit 79,951 km denkbar knapp unter der magischen 80 km-Marke. Bei den Commonwealth 24 h-Meisterschaften wurde er 2009 mit 244,377 km Dritter. 

Stefan Daum erreichte mit 79,152 km sichtlich und bekennend zufrieden eine neue persönliche Bestleistung. Rainer Leyendecker konnte mit 77,114 km den Anschluß an die beiden nicht mehr ganz halten. Er gewann als Dritter gesamt die Altersklasse Senioren I, die den DLV-Altersklassen M50+M55 entspricht. Ältester Teilnehmer war Leo Stierhof (71), der mit 47,906 km noch so manch’ jüngeren Teilnehmer hinter sich ließ. 

Aus München kommt die Siegerin der Frauenkonkurrenz. Bei ihrem dritten 6er (nach Nürnberg und Troisdorf 2009) lief auch Simone Hengmith mit 61,249 km neue persönliche Bestleistung und auf den obersten Treppchenplatz. Seit 5 Jahren läuft sie, seit 3 auch Ultra. Weil sie ihre Marathonbestzeit von 3:54 h nicht mehr wirklich verbessern konnte. Zwei 100er ist sie schon gelaufen, den Ulmer und den von Steyer (Österreich). Ihr Saisonziel für 2010 ist ein 24 h-Lauf. Eigentlich wollte sie zuhause in München laufen, aber nachdem der vor wenigen Tagen abgesagt wurde, könnte sie sich vorstellen, anläßlich der Deutschen DUV-Meisterschaft Ende Juni ins westpfälzische Rockenhausen zu fahren. 

Auch für die beiden anderen Podestplätze mußte frau mehr als 60 km erlaufen. Evelyn Schmedemann schaffte das mit 60,555 km, Annette Reim mit 60,366 km. 

Insgesamt hatten sich an diesem Samstag 148 LäuferInnen am Ufer der Pegnitz eingefunden – 36 Frauen und 112 Männer. Knapp 25% Frauen ist eine Quote, die im Ultrabereich nicht selten aber deshalb auch nicht weniger bemerkenswert ist. 

Der Nürnberger 6 h-Lauf, der in diesem Jahr zum 14. Mal ausgetragen wurde, ist der zweite Wertungslauf zum DUV 6 h-Cup, für den man mindestens zwei aus sieben übers Jahr verteilten 6 h-Läufen absolviert haben muß, die beiden besten Läufe werden einfach addiert.

Ergebnislink: de.srichinmoyraces.org/ergebnisliste-6-stunden-lauf-nurnberg-2010