15. Bad Dürkheimer Berglauf
Fotos: Jürgen und Olis Binder, Dieter Kriegshäuser, Kai Diemer und Gerd Hammel
Junge Sieger, neuer Wein und frischer Zwiebelkuchen
Bad Dürkheim, 15. Oktober 2011 - Junge Sieger, neuen Wein und frischen Zwiebelkuchen gab es beim Bad Dürkheimer Berglauf, doch selbstverständlich gab es noch vieles mehr. Traumhaftes frühherbstliches Laufwetter, ein hochkarätiges und großes Starterfeld, eine blank gefegte Laufstrecke, Sekt umsonst, und, und, und ...
Bad Dürkheim an der Weinstraße hat annähernd 19 000 Einwohner. Im Norden, Süden und Osten ist es von einem Weinrebenmeer umgeben, im Westen verschmilzt es mit dem Pfälzer Wald. Weltbekannt ist es wegen seines Wurstmarkts, jenem immer im September stattfindenden größten Weinfest der Welt, bei dem jedes Jahr rund 600 000 Besucher bewirtet werden.
Unmittelbar beim Wurstmarktplatz befinden sich die beiden bekanntesten Wahrzeichen Bad Dürkheims. Da steht zum einen das Riesenfass mit einem Volumen von 1700 Kubikmetern. Es ist das größte Fass der Welt. Im Outfit eines Weinfasses enthält es freilich keine Flüssigkeit, sondern beherbergt ein Restaurant. Auf der gegenüberliegenden Seite des Festplatzes, der, wenn nicht Wurstmarkt ist, als Parkplatz genutzt wird, steht das auch Saline genannte 333 Meter lange Gradierwerk. Hier können die Kurgäste jene Aerosole inhalieren die entstehen, wenn salzhaltiges Wasser, Sole, über Reisigzweige träufelt.
Wohl niemals zuvor hatte der Bad Dürkheimer Berglauf ein solch hohes sportliches Niveau wie am 15. Oktober 2011, bei seiner 15. Auflage. Zwar blieben sowohl Thomas Gregers Streckenrekord von 32:02 min aus dem Jahr 1999, als auch Nadine Gills Streckenrekord von 40:17 min aus dem Jahr 2007 unerreicht, doch in der Breite wurden glänzende Zeiten erzielt und auch die Siegerzeiten waren nicht von Pappe.
Der 19-jährige Lukas Ndungu (1.männl. Hauptklasse), den noch zum Startzeitpunkt bis auf seinen 56-jährigen Mentor Claus Schmitt, der den Lauf in 57:48 min bewältigte, niemand auf der Rechnung hatte, schockte die anwesenden Spitzenläufer indem er geradezu spielerisch und fast unangestrengt wirkend, in guten 33:34 min den Lauf für sich entschied. Ein junger Kenianer, Typ Gazelle, siegt leicht und locker beim Bad Dürkheimer Berglauf. Wer ist dieser junge Mann, wo kommt er her und wie kommt er nach Bad Dürkheim ?
Claus Schmitt aus dem badischen Mannheim verbrachte um den Jahreswechsel 2010/2011 ein paar Wochen in Kenia. Am Mount Kenia auf 2300 m ü. NN nahm er an einem Laufseminar teil und irgendwie lernte er dort einen schüchternen, noch gar nicht richtig Erwachsenen kennen, der zwar nicht barfuß, aber nur in Sportschuhen in denen die Einlagen fehlten, unheimlich schnell rennen konnte. Er nahm sich seiner an, kaufte ihm ordentliches Schuhwerk und seit ein paar Wochen weilt Lukas Ndungu aus der Läuferhochburg Nyahuvuvu in Kenia nun bei Claus Schmitt in Mannheim. Vor einer Woche nahm er am Halbmarathon in Bräunlingen im Schwarzwald teil. In 1:09:49 h wurde er Zweiter. Bis Bad Dürkheim hatte sich das noch nicht herumgesprochen und nun startete er hier erstmals bei einem Berglauf. Am liebsten würde er für immer in Deutschland bleiben. Biologie möchte er studieren. Ob er die Voraussetzungen dafür erfüllt, hofft der zur Zeit des Deutschen noch nicht mächtige, mit Claus Schmitts Hilfe bald in Erfahrung gebracht zu haben.
Bei den Frauen siegte in hervorragenden 40:41 min die aktuelle deutsche Vize-Junioren-Berglaufmeisterin Nora Coenen (1.weibl. Hauptklasse) vom TSV Krofdorf-Gleiberg. An der Uni Gießen studiert die 20-Jährige Gesundheit und Bewegung. Bewegen tut sich auch ihr Vater gern. Theo ließ sich von ihr dazu bewegen viele Kilometer gemeinsam mit ihr mit dem PKW nach Bad Dürkheim zu fahren. Natürlich rannte er dann auch mit und natürlich unterlag der stolze 55-Jährige Daddy in 52:53 min im Familienduell deutlich. Gefallen hat es ihm, genau wie seiner Tochter, aber allemal in Bad Dürkheim. Diese hatte vor zwei Jahren schon einmal am Bad Dürkheimer Berglauf teilgenommen und auch damals konnte sie gewinnen. In 42:08 min hatte sie die 8,7 Kilometer mit 510 Höhenmetern damals zurückgelegt. Vater und Tochter wollen auf alle Fälle wieder kommen. Nicht nur der Lauferei wegen, sondern auch wegen des, wie beide betonen, phänomenalen Kuchenbuffets in der Halle der Berufsbildenden Schule, dem Pfälzer Wein und dem seit Helmut Kohl weltweit bekannten Pfälzer Saumagen.
Pfälzer Wein und Saumagen, in einer nützlichen Kühltasche, bekamen übrigens alle in den Altersklassen Platzierten bei den Siegerehrungen als Preis überreicht.
Der Bad Dürkheimer Berglauf ist nach dem Donnersberglauf im Februar, dem Nanstein-Berglauf im März und dem Rietburg-Berglauf im September alljährlich der 4. Lauf zum Pfälzer Berglauf-Pokal. Im November folgen noch der Potzberg- und der Kalmit-Berglauf. Um Aufnahme in der Gesamtwertung zu finden muss man wenigstens 4 der 6 möglichen Berglaufpokal-Läufe absolviert haben. Wer mehr als 4 Teilnahmen schafft, wird mit seinen 4 besten Ergebnissen gewertet. Im nächsten Jahr wird auch der Rockie-Mountain-Lauf von Rockenhausen auf den Donnersberg als Wertungslauf dem Pfälzer Berglaufpokal angehören.
Den Bad Dürkheimer Berglauf von der Berufsbildenden Schule auf 123 m ü. NN zum Ziel am Bismarckturm auf dem Peterskopf auf 493 m ü. NN bewältigten heuer 404 Teilnehmer. 510 Höhenmeter bei einer Höhendifferenz von 370 Metern verteilen sich dabei auf 8,7 Kilometer.
Ausgetüftelt hat die Laufstrecke der Henning Schneehage vom LC Bad Dürkheim, selbst einstmals erfolgreicher Senioren-Bergläufer, der sowohl bei den bisherigen 15 Bad Dürkheimer Bergläufen, als auch bei den 13 Auflagen des Pfälzer Berglaufpokals stets Cheforganisator war.
Die direkte Laufstrecke vom Start zum Ziel, bei dem Höhenmeter und Höhendifferenz identisch wären, hätte eine Lange von circa 4 Kilometern. Das war Henning Schneehage zu kurz und so ließ sich der im Bad Dürkheimer Wald über beste Ortskenntnisse Verfügende ein paar „Nettigkeiten“, oder sollte man sagen „Gemeinheiten“, einfallen, die den Laufparcours zu dem machen was er ist: Hammerhart, aber landschaftlich wunderschön! Nie findet man seinen Laufrhythmus, es folgt ein Belastungswechsel nach dem anderen.
Der Startschuss fällt alljährlich, nachdem jeder seine Wechselkleidung für den Gipfeltransport abgegeben hat, um 14:45 Uhr auf der Straße vor der Berufsbildenden Schule am Nordrand von Bad Dürkheim. Durch die Weinberge geht es zunächst noch moderat, bald aber schon ziemlich steil nach oben. Vor Kilometer 2 werden die asphaltierten Wirtschaftswege verlassen, ab hier verläuft der Parcours, der von nun an durchaus Trailcharakter hat, komplett im Wald. Unmittelbar vor dem Lauf wird die Strecke vom Team des veranstaltenden LC Bad Dürkheim stets besenrein hergerichtet. Das in dieser Jahreszeit obligatorische Laub, kleine Äste und die massenweise heruntergefallenen Esskastanien werden weggefegt. Freie Fahrt, sozusagen also, für die Läuferinnen und Läufer und das ist auch nötig. Besonders wenn nach den ersten 2,4 Kilometern mit 180 Höhenmetern auf einem mit Wurzeln übersäten schmalen Pfad gelaufen wird, der auf einer Länge von fast 1,5 Kilometern bergab über 100 Höhenmeter kostet. Dann geht es landschaftlich reizvoll, profiliert weiter. Von Kilometer 3,8 bis Kilometer 7,2 bewältigt man dabei etwa 100 Höhenmeter auf jedem Untergrund, den ein Wald so hergibt. Höchste Konzentration ist dabei stets geboten, denn Stolperfallen aus Holz oder Stein gibt es zur Genüge. Auch Treppenstufen und kurze, aber heftige Gefälle fehlen nicht. Am „Schlagbaum“ auf 288 m ü. NN bei Kilometer 7,2 hat man es dann endlich „geschafft“. Jeder findet ab hier nun endlich seinen individuellen Laufrhythmus. Auf den letzten 1,5 Kilometern geht es 205 Meter in die Höhe. Übersäuerung gibt es hier gratis.
Beim Bismarckturm sorgt der Mann am Mikro, Moderator Wolfgang Behr, der viele der Gipfelstürmer persönlich kennt, mit seinen gewohnt flotten Sprüchen für Unterhaltung. Viele Zieleinläufer hier sind Wiederholungstäter, welche den alpinen Charakter der Laufstrecke schätzen.
Zweitschnellster beim 15. Bad Dürkheimer Berglauf war der deutsche Junioren-Berglaufmeister Jonas Lehmann (2.männl. Hauptklasse) vom TuS 06 Heltersberg. Bei dem 22-Jährigen, der sich in den letzten zwei Jahren stetig verbessert hat, ist abzusehen, dass, wenn seine Entwicklung anhält, er künftig bei deutschen Berglaufmeisterschaften eine entscheidende Rolle spielen wird. In 33:46 min lief der Maschinenbaustudent knapp nach dem Sieger und knapp vor der Dritten, dem deutschen Senioren-Berglaufmeister Stefan Hinze (1.M45) von der LG DUV (Deutsche Ultramarathon Vereinigung) ins Ziel.
Erst 15 Minuten vor dem Start war der im 30 Kilometer entfernten Rockenhausen beheimatete Arzt Stefan Hinze beim Startbereich angekommen. Nach einer Fortbildungsveranstaltung in Frankfurt war er mit dem PKW nach Bad Dürkheim gerast, in die Laufschuhe geschlüpft und dann wie immer ohne Uhr in 34:01 min, mehr als anderthalb Minuten schneller als bei seinem Vorjahreserfolg zum Bismarckturm gerannt.
Vierter wurde in 34:09 min der mehrmalige deutsche Vize-Berglaufmeister Markus Jenne (1.M35) vom USC Freiburg, der 2006 in 33:40 min den 10. Bad Dürkheimer Berglauf gewonnen hatte, vor dem deutschen Berglaufmeister Timo Zeiler (1.M30) von der MTG Mannheim. Dessen Bad Dürkheimer Debut in 35:31 min machen deutlich, dass er sich zur Zeit alles andere als in Hochform befindet. Im Oktober läuft Timo Zeiler normalerweise gar keine Wettkämpfe. Er regeneriert und fährt allenfalls mit dem Radl durch die Gegend.
Platz 6 in 36:02 min ging an André Bour (2.M35), den Pfälzer Berglaufpokalsieger von 2006. Damals lief er noch für des LSC Athlon Kusel, inzwischen schnürt er die Laufschuhe für den TuS 06 Heltersberg. Das tut auch Tom Heuer (1.M40), der sich in 36:19 min Platz 7 vor Oliver Trauth (3.männl. Hauptklasse) vom TV Herxheim in 36:31 min und Clemens Bollinger (2.M40) vom SV Nikar Heidelberg in 36:53 min, erlief. Zehnter wurde in 37:01 min Joachim Katzer (2.M45) vom Eschbach Aktiv Center.
Da dieses Jahr im Rahmen des Bad Dürkheimer Berglaufs die Pfalz-Berglaufmeisterschaften ausgetragen wurden, war natürlich ein Großteil der pfälzischen Spitzenläufer am Start. Bei den Herren ging der Titel an Jonas Lehmann. Zweiter wurde Stefan Hinze, Dritter André Bour.
Bei den Frauen waren bis auf die wegen Grippe nicht anwesende Jessica Kammerer vom TuS 06 Heltersberg die schnellsten Pfälzerinnen alle da.
Zweite hinter Nora Coenen wurde in 41:46 min Tanja Grießbaum (1.weibl. Jugend A) von der LG Rülzheim. Zur Zeit absolviert sie ein freiwilliges soziales Jahr. In 36:51 min wurde sie im August Pfalzmeisterin im 10 km-Straßenlauf und ab sofort ist darf sie sich nun auch zum zweiten Mal nach 2010 Pfalzmeisterin im Berglauf nennen.
Dritte und Vize-Pfalzmeisterin wurde in 42:05 min Eva Katz (1.W35) vom TV Hatzenbühl. Die Mutter der einjährigen Anna hatte vor fünf Wochen die Frauenkonkurrenz beim Rietburg-Berglauf in Edenkoben gewonnen und vor drei Wochen war sie in 38:23 min auch schnellste Frau beim 10 km-Lauf in Waldsee.
Viertschnellste Frau und damit Dritte bei den Pfalzmeisterschaften war in 43:23 min Marika Bernhard (2.W35) vom TV Herxheim, vor Eve Rauschenberg (3.W35) vom LC Hassloch in 43:51 min, Josefa Matheis (1.W45) von der TSG Eisenberg in 44:58 min und Dorothea Falkenstein (1.W40) vom TV Maikammer in 45:04 min. In 45:59 min erlief sich Katja Bambach (2.W40) von der LLG Landstuhl Platz 8. Die Plätze 9 und 10 gingen an Kerstin Erdmann (1.W30) vom Team Erdinger Alkoholfrei in 46:58 min und Elke Hamleser (2.W30) von der LG MuLi (Mutterstadt-Limburgerhof) in 47:17 min.
Kohlenhydrate in Form von Bananen und Tee eingeschenkt bekam man im Zielbereich auch von Sabine Rankel. Die 6-malige Siegerin des Bad Dürkheimer Berglaufs und 10-malige Gewinnerin des Pfälzer Berglaufpokals kann schon seit über einem Jahr, wegen ominösen Beschwerden im unteren Bereich des Rückens, keinen Laufsport mehr betreiben.
Auch bei den Männern fehlte einer, den man gerne heute hier laufen gesehen hätte. Der sowohl beim Bad Dürkheimer Berglauf, als auch beim Pfälzer Berglaufpokal bisher jeweils 5 Mal siegreiche Matthias Hecktor vom TuS 06 Heltersberg war krankheitsbedingt, wie schon im Vorjahr, auch diesmal nicht nach Bad Dürkheim gekommen.
Die Siegerehrungen finden stets in der Sporthalle der Berufsbildenden Schule statt. Während der Wartezeit bekommt man in der Halle auf einer Leinwand bewegte Bilder vom Lauf zu sehen. Bei Kilometer 1 und an der steilsten Passage, am Geiersbrunnen, etwa 300 Meter vor dem Ziel wird gefilmt.
Wie immer bot der veranstaltende LC Bad Dürkheim hier auch ein breites Spektrum an Speisen und Getränken an und wie immer fanden neben allerlei herzhaften und süßen Verlockungen auch der neue Wein und der warme Zwiebelkuchen reißenden Absatz.
Geehrt wurden auch die schnellsten Mannschaften. Die Zeiten der drei Schnellsten einer Mannschaft werden hierfür addiert. Bei den Herren belegte der LC Donnersberg den 3. Platz. Die Plätze 1 und 2 errangen die Läufer des TuS 06 Heltersberg. Besonders gefreut darüber haben dürfte sich Dieter Kriegshäuser, der Chef der Heltersberger Laufgruppe. Es geht ihm zunehmend besser und zumindest was seinen Humor angeht, ist er schon wieder ganz der Alte. Im Juni hatte er einen schweren Unfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Nach zwei Operationen kann er nun schon wieder um den Heltersberger Sportplatz joggen und wer weiß, vielleicht klappt es ja dieses Jahr noch mit einem Volkslauf. Der Silvesterlauf in Kottweiler-Schwanden steckt Dieter sozusagen in der Nase.
Die Mannschaftswertung der Frauen sah so aus: 1. LG Rülzheim, 2. LC Bad Dürkheim. 3. LG MuLi (Mutterstadt-Limburgerhof).
Na denn, bis zum 16. Bad Dürkheimer Berglauf im Oktober 2012. Dann ist der Lauf nicht mehr der vierte von sechs Läufen zum Pfälzer Berglaufpokal, sondern der fünfte von sieben.
Ergebnisse auf www.laufinfo.de


