19. Uelversheimer Weincup
Volle Kanne, volle Pulle, immer Vollgas!
Uelversheim, 04. Juni 2011 – Bürgermeister Stefan Ebling schreibt auf der Homepage der SWR1-Gemeinde Uelversheim in Rheinhessen “Wir Uelversheimer gelten nicht umsonst als die „Merkwerdischen“ und darauf sind wir besonders stolz. Kommen Sie zu uns und finden selbst heraus, was es damit auf sich hat.“ Dieser Einladung schließt sich auch der örtliches TSV an, der ein Mal im Jahr zu einer Sportwoche mit vielerlei Wettkämpfen, mit Schwerpunkt auf Fußball.
Der Samstag aber gehört seit 19 Jahren dem Laufteff und seinen Gästen. So lange gibt es schon den Weincup. Dabei handelt es sich um eine Viererstaffel über die Marathondistanz. Anders als bei anderen Staffelveranstaltungen muß hier aber nicht jeder einfach am Stück die ihm zugedachte Distanz abspulen und hat dann mit dem Geschehen und den Laufkollegen nichts mehr zu tun. Vielmehr hat jeder nicht weniger als sieben Dorfrunden zu absoliveren und das immer schon abwechselnd. Eine Runde misst 1.463 m und hat 14 Höhenmeter. Sie führt durch ein Neubaugebiet und am Dorfbrunnen vorbei durch das alte Dorf zurück zum Sportplatz am Ortsausgang Richtung Eimsheim, wo sich auch die Wechselzone befindet.
Das Ganze ist ein großer Spaß, der dazu noch den Teamgeist unterstützt und fördert. Für 25 € pro Staffel bekommt man eine liebevoll orgsanisierte Veranstaltung, bei der keiner ohne eine Flasche Wein (Jugendliche: Traubensaft) nach Hause geht. Umgerechnet sind das pro Nase 6,25 € für jede Menge Laufspaß, von Läufern für Läufer organisiert. Man kann sich nur darüber wundern, warum immer weniger Teams den Weg ins Rheinhessische finden, um die Uelversheimer Staffel unter die Füsse zu nehmen. Bei den Stadtmarathons zahlen sie zu Hunderten das Vier- und Fünffache, um ohne jeden aktiven Teamgeist einfach hintereinander ihre Teilstrecken zu absolvieren. Die Gemeinsamkeiten beschränken sich dort auf die Vorstartnervosität und im besten Fall noch auf eine gemeinsame abschließende Feier.
Gestartet wird der Weincup um 17 Uhr, die schnellsten Marathonteams brauchen in der Regel zwischen 2:15 und 2:30 h, die langsamsten ungefähr eine Stunde länger. Der Streckenrekord, der schon 15 Jahre alt ist, liegt bei 2:06 h. Er wurde seinerzeit aufgestellt von vier Mittelstrecklern des TV Waldstraße Wiesbaden, denen Vollgaslaufen auf Intervalltrainingsbasis natürlich von Haus aus viel leichter fällt als den Langstrecklern, die sich heutzutage in Uelversheim einfinden. Woraus man schon haarscharf schließen kann, daß dieser Wettkampf nicht nur auf die individuelle Grundschnelligkeit zurückgreift sondern diese gleichzeitig auch trainiert.
Allerdings ist der Weincup nicht, wie vielleicht so mancher vermuten würde, ausschließlich für die schnellen Volksläufer gedacht und gemacht. Auch die Langsameren haben hier ihren Spaß und werden von Anfang bis Ende von den Anwohnern gleichermaßen mit Applaus und guten Worten bedacht. Außer, diese werden, wie in diesem Jahr, von einem zwischenzeitlich einsetzenden Platzregen in die Häuser zurückgetrieben.
Augenfällig an den Stimmungsnestern war diesmal ein große Gruppe Jugendlicher, die an der Sportplatz entferntesten Kurve Platz genommen hatten. Mit jeder Menge Bierdosen und Pizza im Pappkarton. Wer sich beim Uelversheimer Staffellauf auskennt, kann sich sicher an die Jahre erinnern, an denen die Eltern eben dieser Truppe Grillfeten an der Strecke organiserten und die Kinder in der Siedlung herumstromerten und sich mehr oder weniger um die Läufer kümmerten, die da durch ihr Revier hetzten. Aus Kindern werden Leute und aus den Uelversheimer “Kindern” neue Stimmungsnester.
Auch in diesem Jahr waren wieder viele Stammgäste vor Ort. Auch die Vorjahressieger, die für die Apotheke im benachbarten Guntersblum starten, gehören dazu. Dirk Oswald, Torsten Lang, Bernd Oswald und Jörg Urlbauer, die von Anfang an in unveränderter Formation antreten, waren schon beim ersten Weincup an Bord, haben zwischendurch aber mal einige Jahre pausiert, bevor sie wieder angriffen. Nach ihrem Sieg 2010 mußten sie diesmal den Uelversheimer Lokalmatadoren Gunnar Dussa, Ronny Kissinger, Jürgen Kissinger und Daniel Zimmermann den Vortritt lassen. Die Vier werden von Organisator Toni Steppuhn trainiert und der Chef hatte ihnen eigentlich eine Zeit von deutlich unter 2:30 h zugetraut. Allerdings war’s erst sehr heiß, dann sehr gewittrigt und dann sehr schwül, was sicher nicht eben leistungsfördernd war. Nach 2:32:30 h erreichten die Uelversheimer das Ziel als Sieger. Der Plural ist hier angebracht, denn beim Weincup ist es üblich, daß alls vier Staffelläufer die letzten 200-300 m gemeinsam als Mannschaft ins Ziel laufen.
Die Apothekenläufer brauchte 2:35:17 h und hinter ihnen kamen Schlag auf Schlag die Neoonrunner des Elisabethengymnasiums Alzey (2:35:28 h) und Spiridon Frankfurt (Axel Wölk, Wolfgang Bohr, Frank August, Michael Hammes; 2:53:59 h) beim Zeitnehmer an.
Die Gymnasiasten laufen öfter gemeinsam Staffel, vor allem bei den Stadtmarathons in Mainz, Köln und Bonn und beim Hunsrück-Marathon. Sie hatten im Internet von der Uelversheimer Veranstaltung gelesen und wollten mal was anderes ausprobieren. Dabei waren die Wunsch-Kinder (Patrick und Nadine Wunsch) mit ihren Schulkameraden Katharina Philippi und Sären Rathgeber auffallend schnell. Betreut wurden sie von Vater und Mutter Wunsch. Die Mutter läuft, wie die Kinder, schon seit ihrem fünften Lebensjahr. Patrick kann mit nur zwei Trainingseinheiten pro Woche 35er Zeiten über 10 km abrufen.
Vom direkt nebenan liegenden Alzeyer Römergymnasium waren gleich zwei Staffeln am Start: die Phantastischen und die Unglaublichen. Sie waren 2010 schon mit dem Lehrer ihrer Sport-AG in Uelversheim und organisierten den Lauftrip in diesem Jahr eigenständig. Der Punkt ging aber eindeutig an die Kollegen vom Elisabethengymnasium.
Zu den alten Bekannten gehören in Uelversheim auch die “Asphalthelden” des Polo-Clubs Darmstadt. Was nicht etwa darauf hinweist, daß die vier sich üblicherweise ballschlagend auf einem Pony fortbewegen. Vielmehr sind sie alle seit ihre Jugend Fans des VW Polo und auch heute noch im Besitz eines oder mehrerer dieser Gefährte. Nach Uelversheim waren sie aber überwiegend mit ihren Frauen mit dem Rad gekommen und übernachteten deshalb mit großen Zelten auf dem Sportplatz – Frühstück im Vereinsheim am Sonntagmorgen inklusive. Matthias Fengler, Stephan Schneider, Matthias Deegener und Frank Keim machten es am Ende noch richtig spannend, als sie der ersten Staffel des LT Weisenheim am Berg (Peter Gründling, Patrick Jung, Dennis Zimmermann und Frank Neblung) im Endspurt noch auf die Pelle rückten. Drei Sekunden trennten die beiden Teams am Ende, sie sind mit 2:53:56 h und 2:53:59 h notiert.
Die Weisenheimer stellten den ältesten und den jüngsten Teilnehmer. Dennis Zimmermann ist Jahrgang 1998 und eigentlich Fußballer. Helmut Scholtz kommt eigentlich aus Gießen, läuft für den TSV Krofdorf-Gleiberg und war zu Besuch bei seinem Sohn in Guntersblum, als er vom Staffellauf in Uelversheim las. Also zog es ihn in die 1.000-Seelen-Gemeinde in der Hoffnung auf den Ausfall bei irgendeiner Mannschaft. Er konnte beim LT Weisenheim am Berg für mich einspringen und freute sich über eine gute Trainingseinheit. Vielleicht kann er seine Gießener Laufkollegen ja davon überzeugen, 2012 zum 20. Jubiläum einen gemeinsamen Laufausflug in die neue Heimat seines Sohnes zu organiseren. Der 72jährige läuft den Marathon noch immer in ca. 3:30 h, seine Bestzeit stammt aus dem Jahr, in dem er 65 wurde und liegt bei 3:15 h. Das entspricht ungefähr der Zeit (3:13:34 h), in der in diesem Jahr seine Staffel als langsamste Mannschaft den Wettbewerb abschloß.
Veranstaltungsseite mit Ergebnissen: www.tsv-1910.de -> Lauftreff -> Weincup


