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2. Hallenmarathon Pfohren

[eingestellt am 13. Februar 2017]

By: Jochen Höschele

Judith Baumann (links) und Jasmin Lehmacher

Niko Adam (links) und Wolfgang Wild nach dem Rennen in bester Laune

Andreas Brehm durfte auch nach Ablauf des Zeitlimits von viereinhalb Stunden weiterlaufen

Frank Hielscher

Marc Haiber (11), Winfried Stoll (41) und Daniel Steiner

Roland Krauss

Lady in pink: Katja Stamm

Bei Georg Hilden lief es erst nach der 130. Runde so richtig gut

Die dritte der Frauenwertung, Ilona Nöh (48), fliegt geradezu über die Betonbahn

Katja Stamm (49) biegt in die Boxengasse ab, während Christian Brünisholz (3) und Günter Scheeff an der Verpflegungszone vorbeilaufen

Auch ein St. Paulianer muss mal auftanken: Gerhard Reinhard

Klasse Kurvenlage bei Daniel Steiner

Die Videotafel, auf der die gelaufenen Runden und die Endergebnisse angezeigt wurden

Ilona Nöh hat’s geschafft, 211 Runden sind im Kasten!

Aline Herr gewinnt den 1000m-Lauf der Schülerinnen und Schüler

Während die Schüler auf der Bahn fünf Runden drehen, ist Andreas Brehm immer noch auf der Marathonstrecke

Enya Herr, Alines Schwester, läuft für ihr Alter beachtliche 6:05 min auf 1000 Meter

So manch einer lief sich sogar auf der Bahn ein und kam damit auf noch mehr als die für Marathon notwendigen 211 „Umdrehungen“

Kurz vor dem Start (dieser erfolgte dann aber auf der Gegengerade)

Christian Fatton (8) führt die Läufergruppe an – eine Szene nach etwa zwei Stunden Laufzeit

Lars Schweizer (vorne) vom ausrichtenden Lauftreff Pfohren wird nach Platz zwei im Vorjahr heuer Vierter in 2:57 h

Julia Fatton, die Siegerin des Hallenmarathons in 3:26 h, gibt die Flasche nach Gebrauch brav wieder am Verpflegungstisch ab und schafft es obendrein noch, dem im Wege stehenden Fotografen elegant auszuweichen

Thomas Klingenberger, Sieger des 2. Hallenmarathons in Geisingen, im „Vorbeiflug“

Thomas Klingenberger (vorne) siegt in 2:45:23 h mit neuem Streckenrekord, Dritter wird der hinter ihm laufende Tilo Minges in 2:48:53 h

211 betonharte Runden

Geisingen, den 12. Februar 2017 – „Gar nicht monoton“ fand Siegerin Julia Fatton (TV Rheinau 1893) die 211 Runden auf der Betonbahn der „Arena Geisingen“, wo am vergangenen Sonntag der 2. Hallenmarathon des Lauftreff Pfohren stattfand. 211 Runden für einen Marathon, und weil die Runde (amtlich vermessen und bestenlistenfähig) „nur“ 199,66m misst, wurde nicht am Ziel, sondern auf der gegenüberliegenden Seite, bei der Verpflegungsstelle, gestartet. Und zwar pünktlich um 8:45 Uhr. Maximal 50 Läufer hatte man aus logistischen Gründen für die jeweiligen Distanzen (außer den 42,195km oder 211 Runden gab es noch einen Halbmarathon, einen 5.000- und 10.000m-Lauf sowie einen Schülerlauf über fünf Runden oder 1.000m) zugelassen, und sowohl bei der Halb- als auch bei der Volldistanz waren diese vergeben. Nachrücker gab es nur deshalb, weil bereits gemeldete Teilnehmer aus Krankheits- oder Verletzungsgründen wieder absagten und somit Startplätze kurzfristig wieder frei machten.

Der Hallenmarathon ist nicht nur ein Lauf der kurzen Runden, sondern auch der kurzen Wege. Theoretisch kann jede Runde die Verpflegungsstelle angelaufen werden, die auf der Gegengerade aufgebaut ist und von der Laufstrecke – ähnlich der Boxengasse in der Formel 1 – abgetrennt ist. Der Unterschied zum Autorennen ist, dass die Läufer links in die Boxengasse abbiegen und auch von links wieder auf die Bahn einscheren. Also im Prinzip eine „britische Verkehrsführung“. Das funktionierte jedoch reibungslos, wie auch die Organisation der Verpflegungsstelle sehr lobenswert ist. Für jeden Teilnehmer steht eine (mit der Startnummer markierte) personalisierte Trinkflasche zur Verfügung, die ganz nach individuellen Wünschen befüllt wird. Wasser, Iso, Tee und Cola standen zur Wahl, außerdem Riegel, Obst und Brezeln. Wer wollte, durfte natürlich in der Verpflegungszone seine Spezialgetränke oder –gels lagern und aufnehmen. Angereicht wurde das alles von den zahlreichen aufmerksamen Helfern (in der Regel sechs bis acht), die stets achtsam waren, wer in die Boxengasse einbog und sofort zur passenden Flasche eilten, um diese zu reichen und auch wieder entgegenzunehmen.

Ebenso vorteilhaft war, im Falle eines dringenden Bedürfnisses, die Nähe zu den Toiletten. Hierzu musste die Bahn zwar verlassen werden, doch weiter als maximal 20m mussten weder Männlein noch Weiblein gehen, ehe das „stille Örtchen“ erreicht war.

Gewöhnungsbedürftig war neben der Kürze der Runden auch die Überhöhung der Kurven. Da die Arena für Skater konzipiert ist, sind die Kurven nicht flach, wie bei einer Leichtathletikbahn, sondern weisen bis zu 15% Neigung auf. Schon das Laufen in der „zweiten Reihe“ führt dazu, dass das rechte Bein stärker belastet wird als das linke. Ungewohnt ist auch der harte Untergrund, der Muskeln und Gelenke mehr beansprucht, als ein „normaler“ Straßenlauf.

Doch insgesamt, das befand auch Sieger Thomas Klingenberger (Team Leistungsdiagnostik.de), war es eine tolle Veranstaltung. Schade nur, dass sich die Siegerehrung des Marathons so lange hinzog, dass gerade der schnellste Mann nicht mehr anwesend war, weil er zum sonntäglichen Fußballspiel des SC Freiburg ins Schwarzwaldstadion eilen musste. Hier liegt sicherlich Verbesserungspotenzial, denn die Ergebnisse waren ja quasi schon während des Rennens live auf der großen Videotafel abzulesen, so dass alle ihre aktuelle Distanz, Rundenzahl, Laufzeit und Platzierung im Blick hatten. Manchmal hatten diese Zwischenstände leider einen Zeitversatz von 20 bis 30 Sekunden, so dass man entweder hätte stehenbleiben müssen, um sich einen Überblick zu verschaffen oder darauf setzen musste, dass es eine Runde später die nächste Gelegenheit gibt, sich zu orientieren. Im Großen und Ganzen war aber die Information darüber, wo man gerade stand (oder lief) nicht fortwährend, aber doch regelmäßig gegeben.

Das Rennen selbst ließ sich, was ansonsten nur bei Stundenläufen der Fall ist, auch vom selbst mitlaufenden Reporter genau verfolgen. Anfangs setzte sich eine Vierergruppe bei den Männern an die Spitze – neben Thomas Klingenberger noch die zwei Athleten des ausrichtenden Lauftreff Pfohren, Lars Schweizer  und Rainer Sprich sowie Tilo Minges. Die beiden letztgenannten dominierten dann etwa bis knapp nach der Hälfte der Distanz, während Lars Schweizer die Pace nicht ganz halten konnte und Thomas Klingenberger sich bewusst etwas zurückfallen ließ. „Ich bin mein Tempo gelaufen und ab Kilometer 25 wusste ich, dass ich das auch durchlaufen kann. Vom Rückstand habe ich mich nicht verrückt machen lassen, denn was ist hier schon eine Runde, die man verliert?“ So übernahm der sehr konstant laufende Freiburger dann auch nach etwa 25km die Führung, während dahinter abwechselnd Sprich und Minges an Position zwei liefen, Schweizer dagegen lag schon etwas deutlicher zurück. Klingenberger war in 2:45:23 h letztlich gute zwei Minuten schneller als der Lokalmatador Sprich, der sich erst auf den letzten Runden entscheidend gegenüber Minges durchsetzen konnte und in 2:47:51 h als Zweiter einlief. Minges, der aus Winden im Elztal stammt, lief praktisch exakt im Viererschnitt und finishte in 2:48:53 h als Dritter.

Auch Julia Fatton, die Mannheimer Wahlschweizerin, lag nicht von Beginn an in Front. Zunächst dominierte Caroline Credé aus Herzogenaurach das Geschehen, doch die Konstanz, mit der Julia Fatton, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft im 24-Stundenlauf, ihre Runden abspulte, war beeindruckend. Ob sie von ihrer Erfahrung im Rundendrehen profitierte, von ihrem guten Tempogefühl oder ihrer Erfahrung oder vielleicht von all diesen Faktoren – sie gewann den 2. Hallenmarathon des LT Pfohren in 3:26:26 h vor Caroline Credé (3:37:56 h) und Ilona Nöh (3:46:43 h).

„Mein Mann Christian (dieser lief in 3:36 h ins Ziel) muss sich in vier Wochen an der Schulter operieren lassen und wollte vorher unbedingt noch einige Wettkämpfe laufen. Deshalb waren wir vor zwei Wochen beim 50km-Lauf in Rodgau und dann hat er gesagt, ich soll nachsehen, was es sonst noch so an Läufen gibt um diese Jahreszeit. So kam das dann, dass wir uns für den Hallenmarathon angemeldet haben. Mir hat’s gefallen – es war nicht die erste bescheuerte Aktion unseres Läuferlebens, und sicherlich auch nicht die letzte“, fügte sie mit einem Grinsen hinzu. Für die Fattons geht’s vor der Schulteroperation noch nach Turin zum 6h-Lauf, wo Julia gerne mal wieder „an die 70km herankommen“ würde. Sie hat sich im Vorfeld der WM im 24-Stundenlauf vorgenommen, „weniger Trailläufe“ zu machen. Die machen sich in Sachen Laufgeschwindigkeit negativ bemerkbar und „Trailläufe, die mache ich dann einfach nach der WM, da ist noch Zeit genug“. Am 1. und 2. Juli findet die Weltmeisterschaft im nordirischen Belfast statt, als weiteren Testwettkampf wird Julia noch am „Ultrathletic Ardèche“, einem neuen Ultralauf in der Ardèche (Frankreich) über 205,5km Ende Mai bestreiten.

Ganz anders sehen die Pläne des Hallenmarathonsiegers Thomas Klingenberger aus. Er hat als Saisonziel die Deutschen Meisterschaften im 100km-Straßenlauf Ende Juni in Berlin ins Auge gefasst.

Letztes Jahr ist er in Leipzig bei der DM über dieselbe Distanz eine 7:29 h gelaufen und wurde damit Deutscher Meister seiner Altersklasse M35 sowie Gesamtvierter. Für dieses Jahr hat er sich eine Verbesserung seiner Zeit vorgenommen. „Mit einer 2:30 h über Marathon und meiner 50km-Bestzeit von 3:09 h (Marburg 2015) müsste schon noch etwas drin sein.“ Er tat sich zunächst schwer mit der „Königsdisziplin“ des Ultramarathons. Den ersten Versuch in Biel beendete er ebenso wenig wie den zweiten im Rahmen der DM 2015 in St. Leon-Rot. Erst im dritten Anlauf klappte es dann. „Das war wichtig, ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt nach 80km und was da alles auf mich zukommt. Mein Kopf weiß, dass meine Beine 100km laufen können, was auf diesen langen Distanzen ein mit entscheidender Faktor ist. Zudem hat mir Norbert Madry (Vizepräsident der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung) bereits wertvolle Tipps gegeben und ich erhoffe mir von den noch anstehenden Trainingsmaßnahmen der Ultramarathon-Kaderathleten weitere wertvolle Hinweise, denn ich kann noch viel lernen. Wettkämpfe werde ich vor Berlin keine mehr bestreiten, denn das passt alles terminlich nicht so richtig. Die DM im Sechsstundenlauf am 11. März in Münster hätte ich gerne mitgemacht, doch an diesem Tag komme ich mit meiner Laufgruppe erst aus dem Trainingslager aus Mallorca zurück, also wird das nichts. Stattdessen plane ich dann eben zwei Solo-Trainingsläufe über etwa 60km im Schwarzwald. Mir fehlt nur noch eine Radbegleitung, aber wer will schon fünf Stunden neben einem (verglichen mit einem Radfahrer) eher langsamen Läufer herradeln? Ich kenne da niemanden!“

Na, wer weiß, vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der zumindest teilweise einen (nicht ganz so langsamen) Läufer wie Thomas Klingenberger auf seinen langen Läufen unterstützt, damit er mit optimaler Vorbereitung in Berlin an der Startlinie steht.

Der Marathonzweite des Tages, Rainer Sprich, war ebenfalls sehr zufrieden „angesichts meiner sehr überschaubaren Vorbereitung“. Ein vor kurzem absolvierter Testlauf deutete eher auf eine Zeit jenseits der 2:50 h hin, somit hat sich der Neustädter selbst positiv überrascht. Auch er hat bereits Erfahrung jenseits der Marathondistanz gesammelt, war bereits in Biel (Platz 5 im Jahr 2013 in 7:51 h) und beim Rennsteiglauf in Thüringen (22. in 6:15 h 2016). Mit fast 45 Jahren lässt er es inzwischen etwas ruhiger angehen, ist aber immer noch für Treppchenplatzierungen gut.

Im Anschluss an den Marathon standen noch ein 1000m langer Schülerlauf über fünf Runden auf dem Programm, den Aline Herr (LC Rothaus) vor allen Jungen in 4:13 min gewinnen konnte. Im dann folgenden 5000m-Lauf setzte sich Balthasar Larisch in 16:30 min vor seinem Bruder Victor (16:39 min, beide SV Waldkirch) durch; bei den Frauen gewann Patricia Nieke (OOB TJ Turnov) in 21:21 min. Beim 10.000m-Lauf drehte Victor Larisch den Spieß um und verwies Balthasar in 33:47 min zu 36:01 min auf den zweiten Platz; bei den Damen siegte Angelika Rentschler (LSG Schwarzwald Marathon) in 45:17 min. Im Halbmarathon gewann mit Cati Seiffert ein Schützling des Marathonsiegers Thomas Klingenberger vom Team Leistungsdiagnostik. Cati benötigte 1:40:09 h, während der Männersieger, Peter Fane aus Hüfingen nach 1:13:19 h im Ziel war. Fane, gebürtiger Südafrikaner und seit zwei Jahren im Südschwarzwald beheimatet, absolvierte ein „lockeres Rennen“ und war mit seiner Leistung durchaus zufrieden.

Zufriedenheit dürfte sich auch bei den Organisatoren um den 1. Vorsitzenden des Lauftreff Pfohren, Wolfram Rothweiler, breit gemacht haben. Die Teilnehmerzahl beim Marathon im zweiten Jahr von 15 auf 50 zu erhöhen, genauso ein ausgebuchter Halbmarathon, das spricht für die Veranstaltung. Und für die „positiv Laufverrückten“, die dieses Angebot, einen (Halb)Marathon völlig wetterunabhängig, trocken und windgeschützt in der ca. 12-15 Grad warmen Halle laufen zu können, sehr  zu schätzen wissen.

Da war die Tatsache, dass zusätzlich zu den 50 Euro Startgebühr für den Marathon auch noch 50 Cent „Duschgebühr“ zu entrichten waren, der einzige Wermutstropfen. Doch auch an diesem Kritikpunkt werden die Veranstalter arbeiten, ehe es am 18. Februar 2018 zum dritten Mal in der Geisinger Arena rund geht – mit Laufwettbewerben von 5 bis zu 211 Runden, ganz nach Lust und Ausdauer.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.hallenmarathon-pfohren.de  


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