2. Rockie Mountain Lauf
Fotos: Gabi Gründling
Mit "Kreislauf" zum Gipfel
Rockenhausen, 26. März 2011 - Zum zweiten Mal in diesem Jahr ging es hoch auf den 687 Meter hohen „Pfälzer Riesen“, den Donnersberg.
Nach dem Donnersberglauf am 26. Februar, der gleichzeitig auch der erste Lauf der Pfälzer Berglaufserie war, hieß es am Samstag ein weiteres Mal „hinauf zum höchsten Bergmassiv der Pfalz“
"Donnersberglauf und Rockie Mountainlauf im Doppelpack" lautete die Devise. Und wer bei beiden Läufen startete und es in der Zeitaddition unter die ersten fünf schaffte, bekam auch einen Sonderpreis und wurde für seine Anstrengungen belohnt. Denn anstrengend war es. Das musste auch „Chef“ Stefan Hinze am eigenen Leibe erfahren. Doch dazu später mehr.
Veranstalter des Laufes waren die Verbandsgemeinde Rockenhausen und die Westpfalz – Klinikum GmbH. Und beide freuten sich auch, über die Resonanz der Läufer und stellten zufrieden fest, dass Rockenhausen sich zu einer Läuferstadt entwickelt hat. Mit dem Satz „der erste war nicht der letzte“ läutete Beigeordneter Michael Kullmann seine Rede auf dem idyllischen Marktplatz von Rockenhausen ein.
Gute 13 km und 560 Höhenmeter auf zum Teil naturbelassenen Waldwegen warteten auf die 230 Läufer. Wer hier mitmachen möchte, sollte also schon ein wenig Bergerfahrung mitbringen und trainiert sein. Denn spätestens ab der „Krummkehr“ bei Km 9,4 ist Schluss mit lustig. Denn da geht es so richtig zur Sache. Doch das steilste und schwierigste Stück ist damit noch nicht geschafft, denn zum Schluss türmt sich noch der Keltenwall vor einem auf. Ein 500 Meter langes Trailstück, auf dessen schwerem Untergrund man noch einmal circa 60 Höhenmeter zum Königsstuhl bewältigen muss.
Deshalb gut aufpassen und nicht zu schnell angehen, denn der letzte Anstieg, haut noch einmal richtig rein. Diesen gut gemeinten Ratschlag, gab Dr. Stefan Hinze bei seiner Begrüßungsrede besorgt seinen Patienten, sorry, Läufern mit auf den Weg.
Monika Haber aus Limburgerhof, schaute bei diesen Worten schon etwas skeptisch und überlegte, ob sie es wohl besser sein lassen sollte? Verwarf diesen Gedanken aber gleich wieder mit einem Zwinkern und stellte sich tapfer der Herausforderung.
Zum Glück auch, denn ganz so „unmenschlich“ war man im Orgateam ja dann doch nicht. Unterwegs befand sich nämlich auf halber Strecke noch eine Verpflegungsstation, wo man sich falls nötig, noch einmal mit einem Getränk stärken konnte. Und noch einen weiteren Luxus, der nicht so ganz alltäglich ist, konnte man oben im Ziel angekommen, in Anspruch nehmen. Ein Busshuttle mit dem man sich nach getaner Arbeit wieder den Berg hinunter chauffieren lassen konnte, stand den Läufern zur Verfügung. Die meisten stiegen auch dankend ein, denn 13 km talabwärts zu Fuss, ist nicht gerade ein Pappenstiel. Schön also, wenn man sich nicht selbst um eine Mit- oder Rückfahrgelegenheit kümmern musste. Dieser Stress blieb einem erspart.
Und wen es dann doch noch, wie Ultraläufer Peter Gründling, in den Füßen juckte, konnte den Rückweg noch zum Auslaufen nutzen und dabei die schöne Aussicht auf das Nordpfälzer Bergland genießen. Denn das Wetter zeigte sich zum Glück eigenwillig und trotzte stur der Vorhersage. Statt Regen war es trocken, der Himmel war zwar etwas bedeckt, doch die Temperaturen waren frühlingshaft warm, so um die milde 20 Grad.
Den Startschuss um 14 Uhr auf dem Marktplatz gab schließlich der Beigeordnete Michael Kullmann und das gesamte Läuferfeld, bis auf einen, setzte sich in Bewegung.
Der Tansanier Gisamo „Daniel“ Gidumbanda (Vision Tansania), wurde noch etwas aufgehalten, doch er nahm´s gelassen und trabte dem Feld hinterher. Für ihn wohl auch nicht allzu schwer. Liegt seine Marathonbestzeit doch bei 2:13 h und außerdem hatte er sich für den Wettkampf nichts vorgenommen. „Einfach mal mitlaufen“, wolle er hier, erzählte er kurz vor dem Start. Denn Bergläufe sind nicht unbedingt sein Metier. Er ist Profi-Marathonläufer, verdient damit sein Geld. Doch er läuft nicht nur für sich, nein, er läuft auch für seine Organisation Vision Tansania. (www.Vision-Tansania.de) Denn in seiner Heimat, ist Wasser ein rar gesätes Gut und daher veranstaltet er seit 2007 in Winterborn, wo er mit Frau Tatjana lebt, einen Wasserlauf, dessen Erlös dem Bau von Brunnen zugute kommt. Am 25. September findet der 5. Lauf für den guten Zweck statt. Als sein nächstes sportliches Ziel nannte er eventuell den Marathon in St. Wendel.
Bei den Männern, waren die Favoriten des Tages schnell ausgemacht. Neben Jonas Lehmann war auch André Bour, beide vom TuS Heltersberg, sowie Christian Dörr (laufundsportshop.de.) am Start. Aber auch der Hausherr, hatte sich in diesem Jahr entschlossen, seine Hausstrecke, die er sonst nur im Training bezwingt, auch einmal unter Wettkampfbedingungen zu laufen und dementsprechend motiviert ging er die Strecke an.
Bis Kilometer 10 lief Hinze mit sicherem Abstand alleine vor seinen Verfolgern, während Jonas Lehmann, Christian Dörr und André Bour sich anfangs noch in einer Gruppe befanden. Bei Kilometer 3 fiel diese jedoch auseinander. Lehmann attackierte und hatte sich so einen leichten Vorsprung auf Dörr und Bour herausgelaufen. Letzterer konnte das Tempo von Dörr schließlich auch nicht mehr halten und musste ihn ziehen lassen. Doch wer dachte, der Zieleinlauf wäre schon klar und Stefan Hinze würde als Erster die Ziellinie überqueren, wurde eines besseren belehrt.
Jonas Lehmann war schließlich der Erste, den der nach einem Mountainbikesturz leicht lädierte Sprecher Jochen Heringhaus auf der Zielgeraden ankündigte. In einer Zeit von 52:10 Minuten lief der Maschinenbaustudent im Ziel ein. „Ja, es lief gut heute bei mir, ich war nur etwas überrascht, als ich plötzlich Stefan wieder einholte“, so Lehmann, der damit auch schneller war als Martin Schedler letztes Jahr.
Zwei Minuten dahinter, in 54:09 Minuten, erreichte Christian Dörr unzufrieden, als Zweiter das Ziel. „Ich war anfangs auf den ersten 3 km viel zu schnell, dann bin ich voll geplatzt. Ich hatte verdammt schlechte Beine heute“, haderte er hinterher mit sich selbst. Sein nächster Lauf ist der Römerlauf kommenden Sonntag in Eisenberg. Doch sein Hauptaugenmerk in diesem Jahr ist der Zugspitz Salomon Ultratrail vom 24. bis 26. Juni in Grainau.
Dritter in einer Zeit von genau 55:00 Minuten wurde André Bour. Er kommt immer besser in Schwung und fühlt sich nach seinem Bandscheibenvorfall, an dem er längere Zeit laborierte, dank konsequentem Rückentraining wieder gut. “Ich bin eigentlich noch 3 bis 4 Kilo zu schwer für den Berg“ stellte er ehrlich, aber dennoch zufrieden fest. „Als nächstes möchte ich beim Ohmbachseelauf die 10 Kilometer laufen und mal schauen, was da so geht“. Und mal sehen, vielleicht läuft er auch bei der offenen deutschen Berglaufmeisterschaft am 03. Juli in Oberstdorf in der Mannschaft des TuS Heltersberg mit.
Zeitgleich mit Bour lief Gisamo „Daniel“ Gidumbanda (Vision Tansania Winterborn) ebenfalls mit genau 55 Minuten im Ziel ein. „Oh, das war schwer. Meine Oberschenkel taten weh“, stellte er sympathisch fest und packte seine schnellen Marathonbeine gleich in eine warme Hose ein.
Fünfter wurde von der LLG Wonnegau Hans-Willi Freiberger in 57:14 Minuten und belegte somit auch in der M45 den ersten Platz.
Doch alle warteten auf Stefan, was war los?
Bei Kilometer 10 war´s vorbei. Er kämpfte mit Kreislaufproblemen und musste sogar eine Gehpause einlegen. „Ich bin voll abgekackt. Es ging nichts mehr. Das war wohl keine allzu gute Idee von mir, hier heute an den Start zu gehen, “ gab er hinterher einsichtig zu. Die Vorbereitungen für den Lauf am Vortag, all das war wohl zu viel. Doch in seiner netten und ruhigen Art nahm er es gelassen an, beglückwünschte den Sieger und klatschte später im Ziel jeden einzelnen Läufer, der das Ziel erreichte, ab und gratulierte zur vollbrachten Leistung. Sein nächster persönlicher Höhepunkt, auf den er sich momentan mit Intervalltraining im Stadion von Rockenhausen vorbereitet, sind die 10 km in Paderborn. Eine 31er Zeit möchte er gerne laufen und dafür trainiert er nun.
Bei den Frauen war eigentlich schon vor dem Start klar, wer als Erste oben auf dem Donnersberg ankommen würde. Josefa Matheis mit flotter Kurzhaarfrisur, meinte zwar vor dem Start „ich muss völlig bekloppt sein, dass ich mir das antue“, schaffte aber trotzdem die Zeit ihres Mannes Ralf vom Vorjahr zu toppen. Dieser legte die Meßlatte nämlich gleich fest. Langsamer als seine Zeit, sollte sie nicht sein. Und mit 1:04:04 h, war sie auch gute vier Minuten schneller als er.
Zweite, wurde Sonja Deiß vom LC Bad Dürkheim in 1:09:09 Minuten. Sie musste Gas geben, denn sie war noch bei dem Länderspiel in Kaiserlautern als Volunteer im Einsatz. Deshalb hatte sie ihr Auto auch schon oben auf dem Parkplatz geparkt, so dass sie gleich nach dem Zieleinlauf in Richtung Betzenberg losfahren konnte.
Auf den dritten Platz lief Bianca Kramer von der LG Rülzheim. Bei ihr blieb die Uhr bei 1:09:29 h stehen. „Ich bin einfach mein Tempo gelaufen. Irgendwie wollte mein Kopf heute nicht so, wie ich es wollte.“ Egal, auch wenn der Kopf nicht so wollte, ihre Beine haben sie trotzdem als Dritte ins Ziel gebracht und als nächstes geht es auch für sie nach Eisenberg auf die 25 km Strecke des Römerlaufes.
Sabine Münch, die Zweite in der W50 in 1:16:48 h wurde, wird da wohl wieder an ihrer Seite zu sehen sein und wie immer für Verwirrung sorgen.
Die Gewinner der Sonderwertung aus den beiden Läufen waren übrigens Jonas Lehmann vor Stefan Hinze, André Bour, Bernhard Joa und Stefan Malo bei den Männern und Josefa Matheis vor Sonja Deiß, Bianca Kramer, Sabine Rielinger und Gisela Kipper bei den Frauen.
Eine schöne anspruchsvolle und abwechslungsreiche Strecke bietet der Rockie-Mountainlauf und alle Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Insbesondere Cheforganisator Stefan Hinze, aber auch die freiwillige Feuerwehr Falkenstein und die Krankenschwestern aus dem Westpfalzklinikum, waren sehr bemüht und zeigten erneut anhand des reichhaltigen Kuchenbüffets in der geräumigen Donnersberghalle, dass sie im Pflegen und Verpflegen ein gutes Händchen haben. Auch der Bustransport ging ohne größere Wartenzeiten über die Bühne und die Siegerehrung, die eigentlich für 18 Uhr angesetzt war, wurde um eine Stunde nach vorne verlegt.
„Für unsereins ist das schon schwer“, stellte Willi Schneider (M60 – 1:19:24 h) vom TuS Heltersberg lächelnd fest.
Aber dass ein solcher Berglauf für alle Altersgruppen zu bewältigen ist und dazu auch noch in einer guten Zeit, bewies u. a. Regina Thiel vom LC Donnersberg. Sie lief die 13 km in 1:35 h und belegte damit in der W70 den ersten Platz.
Und auch die älteste Dame im Feld, die 79jährige Ruth Fuldner aus Eisenberg, möchte die ältere Generation wieder etwas mehr zum Laufen mobilisieren. Sie war schon beim Donnersberglauf mit von der Partie und gestern hat sie den Berg ein zweites Mal „gerockt“.
Und der zweite Rockie-Mountain-Lauf war wohl hoffentlich nicht der letzte, oder?
Veranstaltungsseite: www.berglauf-rockenhausen.de
Ergebnisse: www.laufinfo.de


