DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung
10. Bad Waldseer Lauffieber

20. Weinstraßenlauf von Bockenheim nach Kirchheim

[eingestellt am 28. August 2011]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Peter Gründling

Mit der Bahn geht’s von Kirchheim nach Bockenheim

Läufer wohin das Auge blickt

Fachsimpeln auf dem Bahnsteig

De Zuch kütt

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Weinprinzessin in der Isetta fährt die ganzen 10 km vor der Karawane her

Ausgangs Bockenheim hat Tom Heuer schon gehörigen Vorsprung

1. M50 Freddy Kolb führt eine Verfolgergruppe aus Bockenheim heraus

Siegerin Josefa Matheis zieht eine Gruppe Männer hinter sich her

2. M50 Roland Dian (90) und 2. M55 Dieter Höwler (81)

Monika Metzner (1. W35) mit Mann Thomas

Das könnte auch ein Foto vom Weinstraßenmarathon sein

Mit ästhetischem Laufstil am Dampfnudelstand vorbei: Tom Heuer

Zweiter Daniel Blankenfuland

Dritter Rainer Eberling

2. M40 Mario Steiner

1. M45 Thomas Dehaut

3. M40 als 6. Gesamt Torsten Weiler

1. M35 Alexander Barnsteiner

Blick ins Rebenmeer

1. MHK Daniel Kooppenhöfer

2. M45 Peter Noll

3. M45 Stefan Malo gibt Josefa Matheis Windschatten

3. MHK Steffen Lahm

1. M55 Karl-Heinz Klos

3. M35 Ingo Engel

Max Prinzler zieht Udo Gansert – Ziel “sub40” klar verfehlt

3. M50 Werner Hollstein

1. M. Jugend B Robin Bachtler

Zweite Sonja Deiß

1. M. Jugend A Lukas Fox

Ein Blick auf die Uhr – und weitergehetzt

Ein Blick zurück hätte sich gelohnt

Dritte Olja Wellstein

1. W40 Ribana Bauser

1. M65 Dieter Meixner

2. M. Jugend A Timo Klein

1. WHK Britta Etzbach, hinter ihr 3. WHK Marie-Charlotte Fischer

Locker mit Kamera unterwegs: Carina Weidler (2. WHK)

2. W35 Tanja Prudente

1. M60 Willi Schneider

1. W50 Sabine Böhle

Rainer Klein mit eigenwilliger Befestigung der Startnummer am Band

2. W50 Gaby Breth

2. M60 Hans Scholz

Markus Guthmann (rechts), Autor des Krimis “Weinstraßenmarathon”

3. W45 Martina Metzger

3. W50 Marion Fernekeß (links) und 2. W40 Martina Ebener

3. Schüler Lucas Schäfer (272), 2. Schüler Nils Brand (138), neben ihm hier noch sein Vater Harry

3. W40 Martina Worster

Heiko Schulz schiebt seinen Hund über die Strecke

1. M75 Klaus Wehowsky

2. M70 Karl Spindler

2. M65 Heinz Schwarm

Radfahrer und Läufer mischen sich

3. W35 Astrid Eisenbarth (196) mit Vereinskameradin Beatrix Rösel (5. W40)

1. Schülerin Amelie Armbrüster

1. W. Jugend A Laura Noll

2. W60 Najet Denz (357), 1. W60 Gisela Mellmann (258), 1. W65 Katrin Schmitt (201)

Sag’ mir wo die Blumen sind…

Auf bekannten Pfaden

Kirchheim, 28. August 2011 - Die Deutsche Weinstraße ist eine der ältesten touristischen Straßen in Deutschland. Die ca. 85 km lange “Straße”, die entlang oder parall der Bundesstraßen 38 und 271 verläuft, hat ihr eines Ende am Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach und das andere am Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim. Seit 1985 ist die Weinstraße regelmäßig am letzten Sonntag im August acht Stunden lang autofrei. Sie gehört dann Radfahrern, Inlinern und Fußgängern. Überall gibt’s Essen, Trinken und auch jede Menge Belustigungen. 

Zu den Fußgängern gehörten zum nunmehr 20. Mal auch ein buntes Völkchen von Volksläufern. An der südlichen Weinstraße wechseln sich der TV Bad Bergzabern und die französischen Lauffreunde aus Wissembourg mit ihrem Lauf auf der autofreien Landstraße ab. Am nördlichen Ende hält die LLG Wonnegau das Veranstalterheft fest in der Hand. Dabei fängt der Wonnegau erst an, wo die Weinstraße aufhört. Aber die eigentlich triathlonlastige LLG Wonnegau führt eine Sommerlaufserie durch, zu der neben dem Weinstraßenlauf auch noch ein 10er in Kirchheimbolanden und der Panoramalauf in Kriegsheim gehören. 

Der Weinstraßenlauf ist logistisch nicht so einfach zu bewerkstelligen. In der 1.800-Seelen-Gemeinde Kirchheim ist nicht nur das Ziel, dort und nur dort gibt’s auch die Startnummern. In der kleinen Turnhalle direkt am Bahnhof. Bis 9.20 Uhr werden diese ausgegeben und gelten gleichhzeitig als Fahrkarte nach Bockenheim. Der Zug fährt um 9.25 h mit einem Zwischenhalt in Grünstadt. Vom Bahnhof in Bockenheim ist man recht zügig am Haus der Deutschen Weinstraße, wo auch alle zwei Jahre im April der Marathon Deutsche Weinstraße beginnt und endet. Dort hat man dann gerade so viel Zeit, um die Jacke abzugeben, so man denn eine brauchte und dann geht’s auch schon los. Aufgrund eines Türdefekts im Zug heuer mit 6 Minuten Verspätung um 10.11 Uhr. Damit die 10 km auch voll werden, startet man erst in die Gegenrichtung und absolviert ein kleines Wendepunktstück bevor es unter dem Torhaus hindurch nun endgültig in die richtige Richtung geht. Wer den Weinstraßenmarathon schon mal gelaufen ist, kennt die ersten 7 Kilometer schon. Schon in Bockenheim passiert man diverse Stände, die später auf die Radler warten, am Ortsausgang werden Omas Dampfnudeln angepriesen. Ein paar Meter weiter stehen die Kerweburschen und prosten den 346 LäuferInnen zu, denen zumindest auf den nächsten Kilometern Selters lieber ist als der Sekt der Kerweburschen. Über die B271 läuft man bis zum Abzweig nach Asselheim und stürzt sich dann über die berüchtigte Wand von Asselheim hinunter in den Grünstadter Stadtteil. Dieser geht nahtlos ins Grünstadter Stadtgebiet über. Hinunter läuft’s zur Fußgängerzone und vorbei an den leeren Schaufenstern der vielen verwaisten Läden. Am Leininger Gymnasium vorbei führt auch der Grünstadter Stadtlauf im Mai. Und schon ist man zwischen den Weinbergen Richtung Grünstadt-Sausenheim und Kleinkarlbach. Hier verlässt man die Marathonstrecke Richtung Kirchheim. Ein Stück des Weges nach Kirchheim hinunter ist in umgekehrter Richtung der Rückweg des Weinstraßenmarathons. Die Malzfabrik im Blick erreicht man das Kirchheimer Ortsgebiet. Der letzte Kilometer führt zickzack durch den Ort zum Zieleinlauf am Dorfplatz. Bis 2009 war die Strecke einfacher zu laufen, aber auch langweiliger. Ab Grünstadt führte sie nämlich nicht durch die Fußgängerzone und die Weinberge sondern dafür eher flacher durch ein ödes Industriegebiet. Die Streckenänderung wurde daher auch allenthalben gut aufgenommen. 

Auf dem Dorfplatz finden im Anschluß auch die Bewirtung und die Siegerehrung statt, hier mischen sich wieder Läufer und Radfahrer, von denen sich allerdings auch sehr viele schon die ganzen 10 km lang die Wege mit den Läufern teilten. Wegen des Erlebnistags liegt die Bewirtung praktischerweise in der Hand der Kirchheimer, die LLG Wonnegau hat sich nur um die Logistik rund um den Lauf an sich zu kümmern. 

Mit 346 Teilnehmern im Ziel gehörte 2011 zu den fetteren Jahren. Die Teilnehmerzahlen schwanken zwischen den Jahren um ca. 100 LäuferInnen. In diesem Jahr gehört der Lauf zum Laufladencup von Freddys Laufladen in Kaiserslautern und so kamen besonders viele Lauflustige aus der Westpfalz an die Weinstraße. Die roten Hemden der beiden Kaiserslauterer Vereine und der TuS 06 Heltersberg waren dabei hervorstechend. Aber auch das Gelb der LLG Landstuhl und des LC vom nahen Donnersberg leuchtete weithin. 

Thomas Dehaut, der die Laufladencup-Läufe liebt, weil da die Konkurrenz schön groß ist, konstatierte schon im Zug nach Bockenheim “Der Tom Heuer ist da, der ist momentan gut drauf, der wird heute sicher gewinnen.” Tom Heuer, der in Winnweiler wohnt, trägt das rote Heltersberger Trikot. Obwohl die TuS schon am Freitagabend bei den 10 km-Pfalzmeisterschaften zahl- und erfolgreich vertreten war, fanden 12 Holzländer den Weg nach Kirchheim. Der 41jährige Heuer wurde seiner Favoritenrolle gerecht und setzte sich schon in Bockenheim vom Feld ab. Nach 35:12 min lief er als Erster über die Ziellinie und löste mit seinem Transponder die Zeitnahme von br-timing aus. Nach einer langwierigen Schambeinentzündung hat er seine Trainingsumfänge deutlich reduziert und die Gymnastikumfänge deutlich gesteigert. Er ist vorsichtig geworden, mehr als 10 km läuft er derzeit selten im Wettkampf. Im September steht der Kölner Brückenlauf über 15,3 km auf seinem Programm. “Das ist für mich derzeit schon richtig lang” lacht er. Entsprechend denkt er über Marathon derzeit überhaupt nicht nach, auch wenn man nie nie sagen sollte. 

27 Sekunden nach Heuer erreichte mit Daniel Blankenfuland ein Triathlet der ausrichtenden LLG Wonnegau das Ziel.

Um Platz 3 wurde hart gefochten. Mario Steiner, Thomas Dehaut (beide LLG Landstuhl) und Rainer Eberling kämpften um den letzten Treppchenplatz. Eberling ist von Haus aus Triathlet. Er startet für den RSC Untermosel, lebt aber im Kirchheim benachbarten Weisenheim am Berg. Im Juni wollte er beim Zugspitz-Supertrail zum Ultramarathoni werden, mußte aber nach 30 km mit einem Bänderanriß passen. Inzwischen kann er wieder einigermaßen normal trainieren und strebt für den Berlin-Marathon Ende September 2:50 h an. Es wird erst sein zweiter Marathon außerhalb der Triathlon-Langdistanz sein. Nach einer 36er Zeit vor Wochenfrist beim Team-Triathlon in Pirmasens konnte er seine Leistung heute mit 35:57 min bestätigen und guckt nun zuversichtlich Richtung Hauptstadt. Bis km 7 war er hinter Mario Steiner Vierter, überholte zuerst den 41jährigen Landstuhler und wurde dann eingangs Kirchheim noch von Thomas Dehaut eingesammelt. Im Endspurt mußte der lang aufgeschossene Landstuhler, der am Freitagabend schon bei den Pfalzmeisterschaften in Herxheim am Start war, dann passen und kam drei Sekunden hinter Eberling auf Platz Vier ins Ziel. Immerhin entschied er so noch die M45 für sich. Mitte September wird er wie immer beim Pfälzerwaldmarathon in Pirmasens an den Start gehen. Diesmal will er sehen, was ohne Marathonvorbereitung aus der kalten Hose möglich ist. Eigentlich ist Dehaut für seine hohen Trainingsumfänge und seine regelmäßigen langen Läufe berühmt-berüchtigt, aber aufgrund größerer häuslicher Renovierungsarbeiten kommt er derzeit nicht dazu, mehr als 12-15 km am Stück zu trainieren. 

Mario Steiner wurde letztlich Fünfter und Alexander Barnsteiner vervollständigte als Siebter eine starke Landstuhler Mannschaft – auch wenn es keine Mannschaftswertung gab.

Deutlich unspannender und damit entspannter verlief das Frauenrennen. Josefa Matheis (TSG Eisenberg) erlief sich einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Lange diente ihr Stefan Malo (LC Donnersberg) als Windschatten und als dieser auf dem letzten Stück nach Kirchheim nachlassen mußte, blieb sie einfach bei ihm. Mit 40:17 min trug sie sich einmal mehr ganz oben in die Siegerliste ein, ihr Mann Ralf folgte in stark aufsteigender Form 29 Sekunden später. Die beiden werden wohl in Karlsruhe Halbmarathon laufen und evtl. wird Josefa ihren Göttergatten beim Frankfurt-Marathon Ende Oktober begleiten. Vorher wird sie aber versuchen, ihren derzeitgen zweiten Platz im Dreiländerlaufcup zu halten, um den sie mit Julia Wagner kämpft, die nach ihrer Babypause gerade wieder auf die Volkslaufstrecken zurückkehrt. 

Auf Platz Zwei hätte man eigentlich Carina Weidler vermutet, aber die Heltersbergerin laboriert gerade mit den letzten Ausläufern einer Lungenentzündung und bekam vom Arzt nur “lockeres Joggen” genehmigt. Mit ihrer Kamera lief sie in 47:04 min immerhin noch auf Platz 7 und den 2. Rang in der Hauptklasse.

Daher war der Weg frei für Sonja Deiß. Die 33jährige im Trikot des LC Bad Dürkheim befindet sich gerade im Endstadium ihrer Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften im Sommerbiathlon, die am kommenden Wochenende stattfinden. Die Winzertochter kam übers Schwimmen zum Triathlon und über den Triathlon zum Sommerbiathlon – weil sie keine wirklich gute Schwimmerin ist. Im Winter geht sie auch gerne auf Langlaufski, am Engadiner Skimarathon hat sie auch schon mehrfach teilgenommen. Nachdem sie bis Montag noch ein Antibiotikum nehmen mußte, war sie mit ihrer Platzierung sehr, mit der Zeit (42:47 min) aber nur bedingt zufrieden.

Allerdings hatte sie nach hinten auch noch genug Luft, Olja Wellstein (TSG Eisenberg) brauchte 45:30 min, um sich den Umschlag mit Bargeld für die dritte Frau zu erlaufen.

An die ersten drei Männer und Frauen wurden, neben diversen Weinflaschen, insgesamt 300 € in bar verteilt. Für 5 € Startgeld bei satten 3 € Nachmeldegebühr bekam jeder Läufer im Ziel ein pfalztypisches 1/2 l-Schoppenglas mit dem Aufdruck “Erlebnistag Deutsche Weinstraße 28. August 2011”, das gleichzeitig als Trinkbehältnis diente und damit jede Menge Müll einsparte. Außerdem packt Sponsor Südzucker alljährlich noch ein süßes Päckchen für jeden Läufer. “Nur wegen des Glases und des Zuckers laufe ich hier jedes Jahr” hörte man denn auch bereits vor dem Lauf mit einem Augenzwinkern.

Veranstaltungsseite: www.llg-wonnegau.de

 


Pfälzerwaldmarathon Pirmasens