22. Karl-Martenstein-Cross Gau-Odernheim
Kälteopfer in Rheinhessen
Gau-Odernheim, 04. Februar 2012 – Cooper hat in diesen Tagen Mitteleuropa fest im Griff. Das Hoch, das Väterchen Frost auf seiner Reise von Sibirien in unsere Gefilde begleitet, hat Mini Cooper und damit BMW als Namenspaten. Eine Firma, die sich bekanntermaßen seit einiger Zeit im Laufsport sehr engagiert. Im Falle der Wetterpatenschaft geht das ungewollt so ein bißchen nach hinten los. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich bis in die Mittagsstunden sind nicht eben das, was man sich für einen Wettkampf wünscht, viele stellen das Laufen sogar ganz ein.
Das mußte auch der TSV Gau-Odernheim feststellen, der bereits zum 22. Mal den Karl-Martenstein-Cross ausrichtete. Statt der erhofften und erwarteten 150 Läufer zieren gerade mal 96 Namen die Ergebnislisten der fünf Ergebnislisten der Einzelläufe. Dazu kommen noh sechs Familienstaffeln über 3 x 750 m. Einige der Staffelläufer machten sich bei den anschließenden Läufen noch alleine auf den Weg und auch die Erwachsenen, die die 3.400 m in Angriff nahmen, blieben auch noch bis zum abschließenden 10 km-Lauf. Der war ganz neu im Repertoire der Rheinhessen. In den letzten Jahren maß die Langstrecke immer nur 9.100 m, für die eine mittlere und drei große Runden zu laufen waren. In diesem Jahr schickt man die Läufer einfach vier Mal auf die große Runde. Und so mußte auch der Streckenposten, der am ersten Abzweig im Auto saß und die Startnummern der Vorbeieilenden notierte, seinen Posten nicht noch einmal verlegen.
Nach 17:23 min war die erste Familie, die gar keine war, im Ziel. Michsael und Nicklas Hausen von der TSG Grünstadt hatten noch Dietmar Schlager als dritten Mann mit an Bord genommen. Ihr Vorsprung vor der sechsten und letzten Staffel, der Familie Müller vom TSV Gau-Odernheim, betrug fast sechs Minuten.
Um 13.30 h wurde es erstmals ernst für die größeren Crossläufer, sie wurden auf die Kurzstrecke von 3.400 m geschickt. Am Start fanden sich nur 18 SportlerInnen ein, Die jüngste Läuferin war die 16jährige Louisa Krause (TG Wallertheim), der 77jährige Alfred Scheid (TSV Niederhilbersheim) sicherte das Feld altersmäßig nach hinten ab. Der langsamste Läufer war er nicht, auch wenn er 20:47 min unterwegs war.
Mit 12:12 min eine Klasse für sich war Patrick Wunsch. Früher lief er, wie der Rest seiner Familie, für die TG Wallertheim, jetzt trägt er das blaue Trikot von Spiridon Frankfurt. Mit Dirk Karl von der TSG Grünstadt blieb nur noch ein weiterer Läufer unter 13 min (12:56 min). Der 44jährige stellte sich später der Konkurrenz auch noch im 10 km-Lauf. Schon als Dritte gesamt kam Lena Stock beim Zelt der Zeitnehmer an. Die 19jährige Wahlheimerin brauchte 13:16 min und war damit mehr als eine Minute schneller als Sonja Deiß (LC Bad Dürkheim, 14:38 min). Die Winzertochter aus Dackenheim an der Weinstraße arbeitet seit einige Wochen in Frankfurt am Flughafen und hätte es aufgrund ihrer Dienstzeit eigentlich gar nicht zur Kurzstrecke schaffen können. Wegen der Großdemo gegen Flugverkehr wurde sie schon früher nach Hause geschickt und konnte so außer dem eingeplanten 10er auch noch die 3.400 m laufen. Auf die dritten Plätze liefen Nadine Wunsch (15:40 min) und Dietmar Schlager (13:41 min).
Um 14 Uhr waren die acht- bis elfjährigen Mädchen dran, sich auf einer kleinen Runde von 750 m zu messen. Diesem Unterfangen stellten sich allerdings nur eine Schülerin der W10 und drei der W11, von denen zwei auch vorher schon in einer Familienstaffel unterwegs waren. Die drei Elfährigen, Sophie Cordes, Hannah Darlington und Julia Müller, gehörten ausnahmslos dem veranstaltenden TSV 1881 Gau-Odernheim an. Die 10jährige Leonie Winter läuft für den TV 1926 Wintersheim. Sie kam mit 3:44 min hinter Sophie Cordes (3:31 min) und vor Hannah Darlington und Julia Müller ins Ziel.
Etwas besser sah es bei den gleichaltrigen Jungs aus, wo zumindest alle vier ausgeschriebenen Altersklassen besetzt waren. Max Krüger (Jhg. 2001, Fitnessclub Rhien-Main Rüsselsheim) blieb mit 2:59 min Laufzeit als Einziger unter drei Minuten. Die 3:03 min von Julian Meininger (TG Wallertheim, Sieger M9) und die 3:07 min von Felix Kliemt (TV Wintersheim, 2. M11) reichten für die Einlaufplätze 2 und 3.
Um 14.40 h wurde es für die Schülerinnen der Altersklassen W12 bis W15 Zeit, sich auf den Weg zu machen. Sieben Jugendliche mit Startnummer und eine Begleitung ohne Nummer stürmten zuerst den Start-Aschenplatz und dann zwei Mal die kleinste Runde hinter dem Sportplatz und quer darüber. Lea Michel (TCEC Mainz) hatte als älteste im Feld die besten Karten, sie brauchte 6:22 min für die 1.500 m. Nur Anne Schlaegel (TV Wahlheim, 6:38 min) blieb noch unter der 7 min-Marke, Sonja Krüger (W13, Fitnessclub Rhein-Main Rüsselsheim) bleib mit 7:05 min knapp darüber.
Nur sechs Jungen derselben Altersklassen wagten sich an die 1.700 m, die für sie ausgeschrieben waren. Maurice Knecht (TG Wallertheim) lief 11 Sekunden vor Pascal Riegel (TCEC Mainz, 6:33 min) ins Ziel. Die beiden waren mit 15 bzw. 14 Jahren auch die Ältesten im Feld. Sie hatten über eine Minute Vorsprung vor den drei M13ern, von denen Jonas Schuler (TSV Gau-Odernheim, 7:41 min) der schnellste war.
Zum Abschluß der Veranstaltung gingen dann um kurz nach 15.30 Uhr 50 Frauen und Mänenr auf vier große Runden. Wenn man es genau nimmt, ist die Gau-Odernheimer Crossstrecke schon bei schlechtem Wetter nur teilweise eine solche. Die langen Stücke bergauf und bergab sind komplett asphaltiert, Spikes sind hier völlig Fehl am Platz. Bei Wiederholungstätern ist die Strecke aber aufgrund der Tatsache, daß der Lösslehmboden in den Weinbergen bei Nässe sehr tief und schwer ist, als Schlammschlacht bekannt. Nicht so bei tiefgefrorenem Boden. Da ist der Crosslauf ein schöner und nicht flacher Landschaftslauf.
Mit drei Läufern unter den ersten Fünf war das Team Mainzer Laufladen, das früher als „Wolfs Running Team“ unterwegs war und den Namen auch noch auf dem Shirt trägt, besonders stark vertreten. Dabei lief Martin Skalsky in kurzen Hosen den Konkurrenten und Teamkameraden mit 34:29 min auf und davon. Er zeigte sich am Ende zufrieden mit seiner Leistung und wird am kommenden Sonntag als Titelverteidiger beim Halbmarathon in Mörfelden an den Start gehen.
Zweiter wurde mit Christian Klaproth ebenfalls ein Läufer des Mainzer Laufladens. Der Neu-M35er, der erst 2006 zum Laufen kam, kam mit der Kälte gar nicht klar. Wenn es nicht um die Mannschaftswertung gegangen wäre, wäre er nach eigener Bekundung vielleicht gar nicht erst angetreten. So blieb die Uhr nach für ihn enttäuschenden 35:59 min stehen.
Dritter wurde ein Münchner mit Wohnsitz in Stuttgart, der extra für den Cross nach Rheinhessen gekommen war. Thomas Bauer (TF Feuerbach), der in diesem Jahr in die M50 gewechselt ist, macht sich zur Zeit fit für die Deutsche Crossmeisterschaft in Ohrdruf, wo er in seiner neuen Altersklasse vorne mitmischen möchte. Nach 37:56 min wurde er im Ziel erfasst.
Als Neunter lief der 2. M50 ins Ziel. Alf Matuschak (LLG Wonnegau) kämpft seit Monaten mit einem Fersensporn, der ihm das Läuferleben schwer macht. Sein Sohn ist Physiotherapeut und so hat er die Axt im Haus, die ihm vor allem diverse Übungen zeigt, die ihn vor dem Zimmermann (also dem OP-Tisch) bewahren sollen. Alf läuft gerne am Samstagnachmittag Wettkämpfe, weil er dann am Sonntag auch mal bummeln kann und nicht in aller Herrgottsfrühe aus den Federn muß.
Hinter Matuschaks Teamkollegen Hans-Willi Freiberger (38:17 min) wurde Dietmar Schlager 2. M45. Der Ettlinger, der zur Zeit nur an den Wochenenden bei Wettkämpfen läuft und unter der Woche mehr jongliert, Klavier spielt u.ä., nahm damit das volle Programm mit und startete bei jedem Lauf, bei dem er zugelassen war. Er fällt in letzter Zeit häufig dadurch auf, daß er sich auch schon mal barfuß auf Crossstrecken wagt, aber bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zieht auch er Schuhe vor.
Die Gau-Odernheimerin Julia Darlington gewann die Frauenkonkurrenz mit 47:15 min vor Sonja Deiß (48:43 min) und Corinna Tiedje (TV Wahlheim, 52:52 min).
In der Vereinsgaststätte des TSV mischten sich dann Läufer mit Fußballfans, denn dort wird auf einem Videowürfel an der Decke die Bundesliga live übertragen. Dafür verzichtete dann sogar der eine oder andere Läufer darauf, sich zu duschen oder wenigstens trocken anzuziehen. König Fußball regiert offenbar nach dem Zieleinlauf auch schon mal die Läuferwelt.
Veranstaltungsseite www.tsv1881.de



