25. Oberwaldlauf Karlsruhe-Rüppurr
Fotos: Peter Gründling
Lockruf der Sonne
Karlsruhe, 15. Oktober 2011 – müsste man dem Oberwaldlauf im Karlsruher Stadtteil Rüppurr eine Farbe zuordnen, so sollte diese wohl “bunt” heißen. Sich für eine zu entscheiden wäre sehr schwierig.
In allen möglichen Braun- und Orangetönen, gemischt mit einem Rest Grün leuchteten die Bäume des Oberwaldes in der Nachmittagssonne eines goldenen Oktobernachmittags. Silbern war das Jubiläum, das der TuS Rüppurr mit seinem Oberwaldlauf in diesem Jahr beging. Und in allen Farbtönen, die die Laufkleidungsdesigner in letzter Zeit so zur Verfügung stellten, tummelten sich 375 von einer flachen Strecke, einem schönen Waldstück sowie dem herrlichen Herbstwetter angelockte LäuferInnen.
Ganz in schwarz kamen 11 Jugendliche daher, die dem Lauftreff des Ettlinger Augustinerheims angehören. In dem Heim leben Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die Betreuung geht, im fortgeschritteneren Teenageralter, bis hin zu betreuten Wohngruppen. Unterrichtet wird an der angegliederten Schule in Kleinstklassen von 6-9 Schülern. Patrick Romano war schnellster “Augustiner”, der 18jährige brauchte 47:52 min. Am anderen Ende der Skala lief Pascal Rubenbauer in 1:15:48 h ins Ziel.
Der Tus Rüppurr ist, neben anderen Sportfesten, zwei Mal im Jahr Gastgeber für die Volksläufer der näheren und weiteren Umgebung. Ende März kann man beim Rissnertlauf (Laufticker.de vom 8. Rissnertlauf 2011) wahlweise 5 km oder 15 km laufen. Mitte Oktober beim Oberwaldlauf gibt es nur eins: 10 km. Nicht mehr, nicht weniger. Von der Streckenlänge abgesehen gleichen sich die beiden Läufe. So ist ihnen die Infrastruktur gleich: Duschen und Startnummernausgabe befinden sich in der nahen Eichelgartenhalle, einer großen Sporthalle. Start ist auf dem weg vor dem TuS-Vereinsheim, Ziel auf dem vereinseigenen Sportplatz. Auch wenn die Organisationsleitung beider Läufe nicht identisch ist – die Helfergesichter, angefangen bei den freundlichen Frauen an der umfangreichen Kuchentheke, sind bei Besuchern beider Läufe bekannt. Auf den Warnwesten der Streckenposten des Oberwaldlaufs steht auch “Rißnertlauf”.
Da der Rißnert an den Oberwald grenzt und man vom Vereinsgelände der TuS am Eichelgarten durch den Oberwald muß, um ins Rißnert zu kommen, sind auch die belaufenen Wege in weiten Teilen identisch. Teils asphaltiert, teils gut befestigte Waldwege ziehen sie sich ohne nennenswerte Höhenunterschiede um den Erlachsee und durch das Naherholungsgebiet, an dessen Westseite die A5 verläuft.
Stefan Koch ist Stammgast beim Oberwaldlauf. Beim Rißnertlauf stand der 42jährige Karlsruher noch nie am Start. Aber nun steht er bereits drei Mal an oberster Stelle in den Ergebnislisten des Oberwaldlaufs. Die 33:56 min sind seine schlechteste Siegerzeit, 2008 war er 21 Sekunden schneller, 2010 waren es derer 14. Dennoch war Koch, der neuerdings auch im Triathlonbereich umtriebig ist, mit sich zufrieden. Bis km 8 lief er zusammen mit Michael Arndt, konnte dann das Tempo nochmal leicht verschärfen und der 10 Jahre jüngere Konkurrent konnte das Tempo nicht mitgehen. Nach 34:05 min war er schließlich als Zweiter und mit fast drei Minuten Vorsprung vor Artur Bleibinger (36:44 min) im Ziel.
Aber nicht Stefan Koch ging mit Startnummer 1 ins Rennen sondern Norbert Siegel. Er war beim 25. Oberwaldlauf sage und schreibe zum 25. Mal am Start.
Bereits auf Platz 7 in der Einlaufliste findet man die erste Frau. Es ist keine Überraschung, daß es sich dabei um Simone Maissenbacher handelt. Die 36jährige Diplom-Betriebswirtin, die bei einem Steuerberater in Ubstadt-Weiher arbeitet, absolvierte ihren letzten Wettkampf im Mai in Mannheim. Nach einem “Seuchensommer” wurde es für sie mental jetzt höchste Eisenbahn, wieder mal die Wettkampfschuhe zu schnüren. Gut trainiert wären die 37:35 min für sie keiner Diskussion wert, aber so kann sie gut mit dieser Zeit leben.
Schon auf Platz 2 (Gesamtrang 22) findet man die Siegerin der W50. Regina Vielmeier, die ihrem Mann Andreas 22 Sekunden abnahm. Valerie Knopf, die nur wenige Kilometer vom TuS-Gelände entfernt wohnt, komplettierte das Treppchen nach 41:26 min.
Die W75 ging einmal mehr an Erika Krüger. Wer die Ergebnisliste aufmerksam liest, findet dort auch ihren Sohn Thomas. “Den habe ich zum Laufen gebracht, tut ihm gut” lachte die Frau Mama vor dem Start. 52:07 min sprangen für den M50er heraus.
Im März beim Rißnertlauf hatte Gerhard Schröder, der 78jährige Expräsident von Spiridon Frankfurt, wieder mit dem Volkslaufen begonnen, seinerzeit auf der 5 km-Strecke. Der Oberwaldlauf war nun sein zweiter 10er, bei dem er sich um fünf Minuten auf 1:17:21 h steigern konnte. Er verbindet die Volksläufe in Karlsruhe immer mit einem Besuch bei seiner Tochter.
Viele Paare, Pärchen und Familien machten sich gemeinsam auf den Weg nach Rüppurr, wie man der Ergebnisliste unschwer entnehmen kann. Kein Wunder, an einem solch goldenen Oktobersamstag.
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