Die schnellen Strecken im Bienwald
Rockie Mountain Lauf Rockenhausen

26. Backnanger Silvesterlauf

[eingestellt am 03. Januar 2012]

Von: Jochen Höschele

Die Stafettenläufer vor der Backnanger Kulisse

Im strömenden Regen geht es gemeinsam leichter

Michael Sommer, Sieger M45, macht sich (wenn auch ungewöhnlich) warm

Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt

Der Läufernachwuchs

Einer der Mitfavoriten Marcel Fehr

Heiko Baier und Timo Zeiler (in schwarz)

Vorjahresdritte und Lokalmatadorin Beate Bauer

Leyla Emmenecker (6) und Sharon Antoni (in gelb), Platz 3 und 2 bei den Frauen

Die schnellen Herren alle in der ersten Reihe

Christopher Hettich führt hier noch das Feld an

In der Altstadt geht es zuschauergesäumt kräftig bergauf

Heiko Baier bei seinem vierten Sieg und neuem Streckenrekord

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Im Ziel gabs Tee und …

… Gutsle

Backnanger Kulisse

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Der schnelle Baier ist ein Hesse

Backnang, 31. Dezember 2011 – Um nicht zum Jahresauftakt gleich allzu viel Verwirrung zu stiften, sei die rätselhafte Überschrift gleich zu Anfang erklärt: Heiko Baier, seines Zeichens bereits zum vierten Mal Sieger beim Backnanger Silvesterlauf und Streckenrekordhalter, startet für die LG Fulda und ist somit vereinsmäßig ein Hesse.

Soviel vorweg, doch keinesfalls unerwähnt darf die ausgezeichnete Leistung der Siegerin Ricarda Lisk vom VfL Waiblingen bleiben. Die Triathletin, die auf ihre zweite Olympiateilnahme in London spekuliert, lieferte ebenfalls eine Galavorstellung am letzten Tag des Jahres und distanzierte sämtliche Konkurrentinnen deutlich. Sie gewann in neuer Streckenbestzeit von 35:31 min, hatte nur 17 Männern den Vortritt lassen müssen und letztlich satte zwei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte, Sharon Antoni vom ETSV Lauda (37:34 min). Auf Platz drei bei den Damen folgte die für den MTV Aalen Triathlon laufende Leyla Emmenecker, auch sie noch B-Jugendliche, ganze 15 Sekunden hinter Antoni in 37:49 min.

Spannend versprach es allemal zu werden auf den vier 2,5km-Runden durch die Backnanger Altstadt und an der Murr entlang. Von Zuschauern gesäumt ist der Kurs rund um den Burgberg und die Stiftskirche, die Grablege der Markgrafen von Baden aus dem Hochmittelalter. Den wenigsten Besuchern von außerhalb ist bekannt, dass die „Murr-Metropole“, wie sie Oberbürgermeister Frank Nopper augenzwinkernd auf der Homepage tituliert, über 200 Jahre lang zu Baden gehörte.

Das alles interessierte an Silvester nur am Rande – unter den Teilnehmern war die Kleider- und Schuhwahl ein allgegenwärtiges Gesprächsthema. „Läufsch Du etwa kurz, bei DEM Wetter?“ – „I lauf emmr kurz em Wettkampf.“ – So oder so ähnlich hörten sich die Gespräche an und wohl denen, die der Wettervorhersage und dem prognostizierten Wärmeeinbruch kein Vertrauen geschenkt hatten. Empfindlich kühl war es bei etwa 4° und Regen, glücklicherweise beinahe windstill, so die äußeren Bedingungen beim Start um 15 Uhr.

Die Bambini, Schüler und Staffelläufer wurden in verschiedenen Wettbewerben ab 14 Uhr schon auf ihre Strecken geschickt. Dabei legten die Bambini mit 0,5 km die kürzeste Strecke zurück, alle übrigen durften mindestens eine Runde à 2,5 km drehen. Bei der Teamstaffel siegte das „Team Mittelstrecke“ in 23:14 min vor der LG Limes-Rems 1 (25:16 min) und der „Familie Bischoff“ in 25:52 min. Schnellste Schülerinnen beim AOK-Minimarathon waren Svenja Wüst (9:40 min) knapp vor Julia Belschner (9:43 min) und Sara Mallinckrodt (10:03 min). Bei den Schülern setzte sich Jens Mergenthaler in 8:21 min vor Moritz Schitz (8:29 min) und Jan Groß (8:40 min) durch.

Beim Hauptlauf galt neben dem dreifachen Sieger Baier, dem Lokalmatador Christopher Hettich, Vorjahressieger Johannes Weingärtner und der Welzheimer Mittelstreckenhoffnung Marcel Fehr noch das Berglauf-As Timo Zeiler als Anwärter auf den Sieg.

Doch Hettich, der von Beginn an das Tempo diktierte, mühte sich auch dieses Jahr vergeblich, den ersten Sieg vor heimischer Kulisse einzufahren. Lag er nach der ersten Runde noch alleine in Führung, schloss Heiko Baier dann in der zweiten zu ihm auf. Schließlich, Ende der dritten Runde, als es zum letzten Mal den kompletten Anstieg am Rathaus vor der imposanten Fachwerkkulisse, gesäumt von hunderten tapferen Zuschauern, zu bewältigen galt, musste Hettich Heiko Baier ziehen lassen. Der Fuldaer Baier, den Streckenrekord vor Augen, vermochte Hettich auf den letzten beiden Kilometern dann noch deutlich zu distanzieren und siegte letztlich unangefochten in ausgezeichneten 30:39 min. Der bisherige Streckenrekord, von ihm selbst gehalten, stand bei 30:51 min aus dem Jahre 2008. Hettich belegte in sehr guten 31:14 min den zweiten Platz, der dritte ging an Clemens Silabetzschky, der 31:42 min benötigte und Vorjahressieger Weingärtner (32:36 min) auf Rang vier verwies. Florian Schäfer und Timo Zeiler folgten im Sekundenabstand dahinter, wogegen bedauerlicherweise Marcel Fehr bereits nach einer Runde aufgrund von Knieproblemen die Segel streichen musste. Hoffentlich eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn der A-Jugendliche, zweifacher deutscher Jugendmeister (3000 und 5000m) zählt zu den wenigen ganz großen Hoffnungsträgern des DLV in der Sparte „Lauf“.

Nach eigenem Bekunden hatte Baier nicht mit einer solchen Leistung gerechnet; umso schöner ist eine solche Klasseleistung. 2012 möchte er an alte Erfolge anknüpfen, so das erklärte Ziel für die neue Saison. Sollte er endlich einmal verletzungsfrei bleiben, dürfte das sicher drin sein. Eine 29er Zeit über 10 km sollte angesichts des Backnanger Ergebnisses auf einer flachen Strecke auf jeden Fall drin sein.

Der erfolgsgewohnte Deutsche Berglaufmeister Timo Zeiler war angesichts seines sechsten Platzes alles andere als unzufrieden. „Sicher ist es ungewohnt, wenn ich nicht auf dem Treppchen stehe, aber ich suche mir öfter Läufe aus, bei denen ich richtig Konkurrenz habe, daran wächst man.“ Sein Ziel ist die EM bergauf-bergab in der Türkei. Eine internationale Medaille, das wäre natürlich was.

Viel eindeutiger fiel die Entscheidung bei den Frauen aus, denn keine konnte Ricarda Lisk das Wasser, das vom Himmel tropfte, reichen. In Runde eins hatte die 30jährige bereits 20 Sekunden auf die Siegerin des Jahres 2007, Silke Fritz aus Abtsgmünd, und Leyla Emmenecker, herausgelaufen. Kontinuierlich baute Lisk ihren Vorsprung aus und es war nur noch die Frage, ob sie auch den Streckenrekord würde knacken können, zu überlegen war sie. Dahinter mühten sich Fritz, Emmenecker und Sharon Antoni um die Vergabe der Podestplätze. Die Laudaerin Antoni, ebenfalls noch B-Jugendliche wie Emmenecker, hatte die größten Reserven und distanzierte ihre Altersgenossin vom MTV Aalen, ihres Zeichens baden-württembergische Meisterin noch knapp und belegte Platz zwei in 37:34 min vor Emmenecker (37:49). Mit dem undankbaren vierten Platz musste sich Silke Fritz (38:25 min) begnügen, Fünfte wurde Katrin Ochs (38:41) vor Meike Hess (38:54).

„Ich bin total zufrieden mit meinem Rennen und der Zeit“, so eine strahlende Ricarda Lisk beim anschließenden Siegerinterview. „Um die Jahreszeit hätte ich nicht damit gerechnet, so schnell zu sein. Ich trainiere zwar schon eine ganze Weile wieder, aber vor allem Grundlage, kein Tempo.“ Die gute Form lässt auf die Olympianorm hoffen, für die sie entweder Europameisterin werden oder einen Weltcupsieg nach Hause bringen muss. „Jetzt gehe ich aber erstmal nach Fuerteventura ins Trainingslager und entfliehe dem Regen hier.“ Dem Backnanger Wetter konnte sie, typisch Triathletin, nicht sonderlich viel Gefallen abgewinnen.

Gestrahlt hat auch die junge Leyla Emmenecker nach ihrem Ausflug auf die Langstrecke. „In der nahen Zukunft gehe ich erstmal wieder auf die Bahn, die Hallenwettbewerbe stehen an.“

Auch wenn die Siegerehrung ein wenig verspätet über die Freiluftbühne am Rathaus ging, war es für alle Beteiligten, ob Aktive oder Zuschauer, ein äußerst gelungener Jahresabschluß – die widrigen Witterungsverhältnisse schienen jedenfalls die Athleten eher zu beflügeln, und dem Glühweinumsatz und Wurstverkauf waren sie bestimmt auch nicht abträglich.

Insgesamt bietet Backnang alles, was einen Silvesterlauf attraktiv macht – die einen können sich mit starker Konkurrenz messen, die anderen können einen sportlichen Jahresabschluß begehen und alle können – mal mehr, mal weniger – die schöne Kulisse Backnangs und vor allen Dingen die heißen Duschen des Backnanger Hallenbades genießen, bevor dann die Bühne für Buffet und Böller oder alternativ Sekt und Neujahrsbrezel gehört.
Wer einen Silvesterlauf sucht, der all dies bietet, noch dazu mit einer gehörigen Portion Stimmung und Atmosphäre, ohne das Gedränge einer Massenveranstaltung, der möge sich einmal den Backnanger Silvesterlauf antun. Nächster Termin – 31. 12. 2012.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen:
www.backnanger-silvesterlauf.de











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