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26. Potzberg-Berglauf des TuS Glan-Münchweiler

[eingestellt am 15. November 2009]

Von: Jürgen Binder

Der Potzberg

Streckenprofil

Anmeldung im Dorfgemeinschaftshaus Gimsbach

Frank Hadbawnik im Ziel

Thomas Brückner, Hendrik Holzmann und Steffen Lahm im Ziel

Das Ziel auf 562 m ü. NN

Joachim Becht und Stefan Hinze

Glühwein auf dem Potzberg

Andreas Mattern, Kai Diemer und Thomas Paul bewundern Hochprozentiges

Bertram Wagenblatt, Julia Alter und Timo Rokitta

3. Frau Marion Hebding und 1. Frau Eve Rauschenberg

3. Jonas Lehmann, Sieger Matthias Hecktor, 2. Stefan Hinze

Die Laufchefs Rainer Lang, Andreas Kühne und Dieter Kratsch

Schnell rauf, sonst wird der Glühwein kalt!

14. November 2009 - Fünf Läufe gehören in diesem Jahr zum Pfälzer Berglauf-Pokal, bei dem man mit seinen drei besten Resultaten Aufnahme in die Gesamtwertung findet. In einer Woche steigt das Finale vom Weinstraßenort Maikammer zur Kalmit, wo auf 8,1 Kilometern 505 Höhenmeter angesagt sind. Am Potzberg sind`s immer 8,21 Kilometer mit 350 Höhenmetern. Eine für einen Berglauf recht schnelle Strecke also, auch weil sie durchgehend auf der asphaltierten Landstraße zum Ziel auf 562 m ü. NN führt. Richtig steile Rampen gibt es nicht und so gesehen ist der Potzberglauf durchaus auch für am Berg Ungeübte recht gut zu bewältigen.

Los ging es für die Läuferinnen und Läufer in Gimsbach um 14:30 Uhr bei 12°C, die durch den knapp eine Stunde zuvor einsetzenden Regen von allen deutlich kühler empfunden wurden.

Mit 339 Teilnehmern waren die Organisatoren, das sind beim TuS Glan-Münchweiler in erster Linie Dieter Kratsch, Rainer Lang, Thomas Hanz und Andreas Kühne, nicht zuletzt auch wegen den relativ schlechten Witterungsbedingungen, sehr zufrieden.

Unterstützt wurden die Laufchefs, die beim 26. Potzberg-Berglauf zum 19. Mal für die Durchführung verantwortlich waren, von mehr als 40 Helferinnen und Helfern, sowie den freiwilligen Feuerwehren von Glan-Münchweiler, Matzenbach und Horschbach.

Der Zusammenhalt ist groß im bevölkerungsarmen Westrich, dem von der heimischen Tourismusbranche der Beiname „Kuseler Musikantenland“ gegeben wurde. Das Pfälzer Bergland 30 Kilometer nordwestlich von Kaiserslautern hat idyllischen Charakter und gäbe es 2000er, man wähnte sich im Allgäu. Andererseits wirkt die Gegend etwas abgeschieden, Fuchs und Hase sagen sich hier sozusagen „gute Nacht“. Um so mehr zieht die Bevölkerung mit, wenn irgendwo etwas los ist. Wahrscheinlich nirgendwo hat man bei einem Berglauf mehr Zuschauer als am Potzberg. Am Start in Gimsbach, in den von den Läuferinnen und Läufern durchlaufenen Orten Neunkirchen und Föckelberg und natürlich auf den letzten Metern zum Ziel, überall Fans und Anfeuerung.

Der erste Kilometer wird ähnlich schnell wie bei einem flachen 10 km-Wettkampf gelaufen, denn er hat kaum 20 Höhenmeter. Nach 3,5 Kilometern und insgesamt 110 Höhenmetern wird die Ortschaft Neunkirchen erreicht. 500 Meter geht es hier leicht bergab, bis nach halber Laufstrecke der eigentliche Berglauf beginnt. Bis zum Gipfel sind noch etwas mehr als 4 Kilometer mit 240 Höhenmetern zu bewältigen und es wird kontinuierlich steiler.

Oben angekommen erwartet die Gipfelstürmer das, was diesem Berglauf über all die Jahre eine besondere Fangemeinde beschert. Auch in diesem Jahr der fast schon obligatorische Nebel, Lagerfeuer, Glühwein mit oder ohne Schuss, oder einfach Hochprozentiges pur. Letzteres ist in den ersten Minuten der Regeneration sicher nicht nach jedermanns Gusto, für Erheiterung und gestellte Fotos aber genau das Richtige. Übrigens: warmen Tee gibt es natürlich auch.

Es hatte aufgehört zu regnen als sich der erste Zieleinläufer am improvisierten Tresen bedienen lassen konnte. Es war Matthias Hecktor vom TuS 06 Heltersberg der 6. der diesjährigen deutschen Berglauf-Meisterschaften am Hochfelln im Chiemgau. Im September war er dort zusammen mit Carsten Bresser und Udo Bölts auch Deutscher Mannschaftsmeister im Berglauf geworden.

Beim 3. Lauf zum Pfälzer Berglauf-Pokal vor 4 Wochen in Bad Dürkheim hatte er erkältungsbedingt noch passen müssen. Vor Wochenfrist war er aber schon wieder topfit, gewann in Rodenbach den Fackellauf und auch heute fühlte er sich ausgezeichnet. Schon am Start hatte der 35Jährige keinen ernsthaften Konkurrenten ausmachen können und lief ein einsames Rennen. Um seinen 2007 aufgestellten Streckenrekord von 29:21 min anzugreifen fehlte somit erstens der nötige Druck und zweitens war es zu nass. Eine Zeit unter 30 Minuten sollte es aber schon sein und so gesehen waren seine 29:55 min quasi eine Punktlandung.

Über zwei Minuten musste der Sieger warten, bis die auch für ihn spannende Frage nach dem Zweitplatzierten beantwortet wurde. Der benötigte 32:11 min und das ist am Potzberg eigentlich keine Top-Zeit. Die Sache sieht aber anders aus, wenn man sich anschaut, von wem sie gelaufen wurde. Der Überraschungszweite ist immerhin schon 46 Jahre alt. Stefan Hinze heißt er, ist ehrenamtlicher Präsident der Deutschen Ultramarathon Vereinigung und praktiziert als Chefarzt am Westpfalzklinikum Rockenhausen. Zumindest der Altersklassensieg in der M45 beim Pfälzer Berglauf-Pokal, sofern er beim Kalmit-Berglauf nächste Woche wie geplant starten kann, wird ihm in diesem Jahr nicht mehr zu nehmen sein. Ein sehr erfolgreiches Laufjahr mit vielen Altersklassensiegen und mehreren 34er 10 km-Zeiten soll dort für ihn zu Ende gehen. Sein größtes Lauferlebnis in diesem Jahr war zweifellos der Spartathlon, jener legendäre Lauf, der für jeden ambitionierten Ultramarathonläufer ein absolutes „Muss“ ist.  Die 245 Kilometer von Athen nach Sparta legte er in 27 Stunden zurück.

Dritter (1.mHk) wurde der 20jährige Jonas Lehmann vom TV Limbach in 32:27 min, der ab 2010 für den TuS 06 Heltersberg starten wird. Als Jugendlicher ein bisschen in der Leichtathletik aktiv, schloss er sich bald dem Lauftreff in seiner Heimatgemeinde Limbach bei Homburg im Saarland an. Seit 2 Jahren beteiligt er sich an Wettkämpfen und bisher ging es für ihn steil bergauf. Seit August steht seine 10 km-Bestzeit bei 34:15 min. An die Uni Kaiserslautern, 50 Kilometer von zu Hause entfernt, pendelt er seit einem Vierteljahr wochentags mit dem Zug, zwecks Maschinenbaustudium.

Schon vor dem Kalmit-Berglauf steht fest, dass Matthias Hecktor ein Hattrick beim Pfälzer Berglauf-Pokal gelungen ist. Mit Andre Bour vom LSC Athlon Kusel war der Gesamtsieger letztmals 2006 ein anderer. 2009 kann Matthias Hecktor zwar von niemandem mehr überflügelt werden, doch wer ihn kennt weiß, dass er an der Kalmit keineswegs bummeln wird. Die weiteren Treppchenplätze in der Gesamtwertung sind dagegen noch völlig offen.

Bei den Frauen ging`s sowohl am Potzberg, bzw. geht es in der Gesamtwertung deutlich enger zu als bei den Männern.

Als Erste (1.W35) lief in 36:27 min Eve Rauschenberg aus Hassloch, die für den TV Maikammer startet, auf dem auch „König des Westrichs“ genannten Potzberg ins Ziel. 2005 fing sie mit der Lauferei an, weil sie mal einen Marathon laufen wollte. 10 Wochen Vorbereitungszeit genügten, um in Frankfurt in 3:43 h zu finishen. 4 Jahre später hat die Chemie-Ingenieurin, amtierende Pfalzmeisterin im 10 km-Straßenlauf schon etliche Erfolge in ihrer Vita stehen. Den bisher wahrscheinlich größten Erfolg kann sie nächste Woche an der Kalmit feiern, denn in der Frauen-Gesamtwertung des Pfälzer Berglauf-Pokals liegt sie in Front. Ihre Konkurrentinnen in der Pokalwertung sind die gleichen, die es auch am Potzberg waren.

Zweite Frau war hier Josefa Matheis von der TSG Eisenberg in 36:40 min, die bei der Siegerehrung leider nicht anwesend sein konnte. Als zweifache Mutter ist es für die W40-Siegerin oft nicht leicht, Hobby und Familie unter einen Hut zu bringen.

Marion Hebding vom TV Rheinau wurde Dritte (2.W40) in 37:16 min. Auf ein sportlich glänzend verlaufenes Jahr kann sie zurückblicken. Über 10 Kilometer war sie in 38:30 min so schnell wie schon seit 20 Jahren nicht mehr und beim Frankfurt-Marathon knackte sie in 2:59:06 h die 3 Stunden-Marke. Lohn der Mühen: ein Freistart beim Dubai-Marathon im Januar 2010.

Vereinskameradin Julia Alter (2.W35) wurde in 37:30 min Vierte. Früher oft äußerst erfolgreich bei Volksläufen in der Region dabei, macht sie sich hier seit ein paar Jahren rar. Der Liebe wegen pendelt sie zwischen Deutschland und der Schweiz und hat sich wieder mehr oder weniger der Ultramarathonszene zugewendet. Liiert ist sie mit Christian Fatton, einer Größe in der Schweizer Ultramarathon-Szene. Am Potzberg war`s aber nichts mit trauter Zweisamkeit, da war der Liebste knapp eine Minute schneller an der Glühweintheke.

Fünfte wurde Jessica Kammerer (1.W30) vom TuS 06 Heltersberg in 37:44 min. Während Julia Alter in die Gesamtwertung nicht mehr eingreifen kann, hat Jessica Kammerer als momentan Gesamtvierte durchaus noch Chancen auf einen Treppchenplatz. Wie sich das anfühlt weiß auch sie zur Genüge. In 1:32 h konnte sie beispielsweise im September die Frauenkonkurrenz beim Pfälzerwald-Halbmarathon mit 300 Höhenmetern für sich entscheiden.

Welch großer Beliebtheit sich die Läufe zum Pfälzer Berglauf-Pokal bei echten Berglauf-Freaks erfreuen zeigt das Beispiel Joachim Becht. Schon seit Jahren einer der besten Altersklassenläufer Deutschlands, taucht er mittlerweile immer öfter auch in der Pfalz auf. Zum Potzberg-Berglauf kam der M45er vom FC Unterkirnach bei Pforzheim trotz Regen mit dem Motorrad. 200 Kilometer Anreise waren ihm nicht zuviel, um, nachdem er vor dem Startbanner in Gimsbach seine nassen Siebensachen im Kofferraum eines Vorderpfälzer Laufkollegen abgelegt hatte, in gerade mal 33:07 min als Zweiter seiner Altersklasse und Gesamtachter 8,21 Kilometer mit 350 Höhenmetern, bei ungemütlichen Witterungsverhältnissen sommerlich bekleidet zurückzulegen.

Wegen mangelnder räumlicher Gegebenheiten im Gimsbach finden die Siegerehrungen 5 Kilometer entfernt in der Glantal-Schule in Glan-Münchweiler statt. Dort gibt es heißes Wasser auch für die letzten Duscher, reichlich belegte Brötchen, Kuchen, frisch gebrühten Kaffee und an Getränken was das Herz begehrt. Einzig das Sitzplatzangebot ist etwas beschränkt, wegen der Enge der zur Verfügung stehenden Räumlichkeit.

Da rutscht man halt etwas zusammen, der Geselligkeit tut das keinen Abbruch.

Veranstalterseite: www.tusglanmuenchweiler.de