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28. Silvesterlauf von Werl nach Soest

[eingestellt am 02. Januar 2010]

Von: Stefan Hinze

Gedränge vor dem Start in der Werler Stadthalle

Kurz nach dem Start

Der Läuferstrom

Durch die Soester Häuserfluchten vor dem Zieleinlauf (Christian Maul)

Nasses Kopfsteinpflaster? Kein Problem.

Fachwerkhäuser säumen die Laufstrecke

Silvesterlauf - Die Feier hat bereits begonnen

Der Zielbereich - hier noch nicht überfüllt

Die Siegerin Heike Bienstein

Sportliche Pilgerreise in die Wallfahrtsstadt

31. Dezember 2009 - Deutschlands größter Silvesterlauf findet in der Soester Börde statt. Mehr als 7000 Teilnehmer wurden mittlerweile beim traditionsreichen Silversterlauf mit Start in Werl schon gezählt. Warum kommen so viele Menschen zu diesem Lauf von Werl nach Soest, der über eine Distanz von 15 Kilometer geht?

Sicherlich liegt es nicht unbedingt an der Attraktivität der Städte. Soest besitzt zwar einen schönen sehenswerten historischen Stadtkern mit dem imposanten St.-Patrokli-Dom und der markanten Kirche St. Petri, doch würden die Sehenswürdigkeiten kaum derartige Menschenmassen anziehen.

Den Wallfahrtsort Werl werden sicherlich viele katholische Pilger wegen der Franziskanerbasilika und dem darin erhaltenen Gnadenbild der Maria kennen. Aber was bedeutet die Anzahl der Pilgerreisenden schon gegen den immensen Besucherstrom, der seit 1982 an jedem Silvestertag über die kleine Stadt ergießt.

Die topographische Situation der beiden Städte garantiert eine erkleckliche Teilnehmerschar. Im Westen liegt nicht weit entfernt das bevölkerungsreiche Ruhrgebiet, aus dem es zahlreiche Läuferinnen und Läufer nach Werl zieht. Im Osten gibt es... ja was eigentlich, werden sich einige Leser fragen.  Die sportlichen Aktivitäten der Region Ostwestfalen-Lippe sind vermutlich nicht jedermann bekannt. Klar, Fuß- und Handball sind die Topsportarten, aber hier gibt es auch eine sehr intakte Volkslaufszene. Neben den überregional bekannten Veranstaltungen wie den Osterlauf in Paderborn und den Hermannslauf von Detmold nach Bielefeld finden unzählige kleine Volksläufe mit teilweise bergigem Profil statt. Gepflegt wird die Szene durch zahlreiche Laufvereine der Region. Für diese Sportlerinnen und Sportler ist es nicht weit nach Werl und so pilgern die Massen dorthin, nicht um dem Gnadenbild der Gottesmutter zu huldigen, sondern treffen sich in der viel zu kleinen Stadthalle, um ihre Startunterlagen abzuholen.

Die Organisation ist im Verlauf der Jahre nahezu perfekt geworden. Keine langen Wartezeiten. Eventuelle Probleme mit dem Chip werden prompt erledigt. Leider machte das Wetter bei dieser Ausgabe des Laufes einen kleinen Strich durch die Rechnung des Veranstalters. Von Osten kamen nicht nur viele Athleten, sondern auch eine Schlechtwetterfront mit Eisregen und Graupelschauern, die die Straßen recht schwer befahrbar machten. Da verzichteten wohl etliche potenzielle Mitläufer auf eine Teilnahme, so dass beim Hauptlauf mit gut 3200 Athletinnen und Athleten etwa 300 weniger im Ziel auf dem Soester Marktplatz begrüßt werden konnten als vor Jahresfrist.

Pünktlich zum Start besserte sich das Wetter aber dann doch noch. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt blieb es zwar sehr kalt, aber zumindest hörten die Niederschläge auf und es war auch nicht übermäßig windig, als der Start um 13.30 Uhr frei gegeben wurde. Nach Soest läuft man dann auf der ehrwürdigen Bundesstraße 1, bis in die 1970er Jahre eine der Hauptverkehrsadern Westfalens. Auf dem leicht welligen Parcours sind etwa 50 positive Höhenmeter zu überwinden. Genutzt wird die verkehrsbefreite Bundesstraße von zahlreichen Radbegleitern, die ihre Schützlinge lautstark motivieren, wenn der Anschluß zum Vordermann verloren zu gehen scheint.


Unterwegs stehen viele Menschen an Strecke, die nicht nur die Läuferinnen und Läufer zu Höchstleistungen anspornen, sondern nebenbei schon an Würstchenbude und Glühweinstand mit der Silvesterparty begonnen haben. Kurz vor Soest gilt es dann noch die zahlreichen Nordic Walker zu überholen, die sich teilweise in Verkleidung und mit Handwagen auf den Weg gemacht haben, bevor man dann auf Kopfsteinpflaster auf den schon mit Zuschauern überfüllten Marktplatz ins Ziel läuft. Dort begrüßt der „Vanman“ Jochen Heringhaus in gewohnt fachkundiger Art die erschöpften Sportlerinnen und Sportler. Im weiteren Verlauf versinkt dann der Zielbereich im Gedränge der Finisher. Die Kleider- und Chiprückgabe sind sehr gut geregelt. Die Siegerehrung findet direkt im Zielbereich statt.

Der Rennverlauf des Silvesterlaufes 2009 war an der Spitze geprägt von einem Zweikampf zwischen Christian Schreiner, LG ASV/DSHS Köln, und Christian Gemke. Im Gegensatz zu Gemke, der bereits häufig am Silvestertag Gast in Soest gewesen ist, war es für Schreiner der erste Start.
Gemke stammt aus dem ostwestfälischen Vinsebeck und ist viele Jahre für den LC Paderborn gestartet, bevor er ins Rheinland zum LAZ Puma Troisdorf/Siegburg wechselte. Trotz einer neuen persönlichen Streckenbestzeit von 48:31 min musste er sich Christian Schreiner (48: 25 min) knapp geschlagen geben. Die Entscheidung fiel erst auf den letzten 500 Metern. Das Podium komplettierte Tobias Dreier, DJK Herford, der mit 49:17 min auch noch unter der 50 Minutenmarke blieb.

Bei den Frauen war die zweimalige Siegerin Heike Bienstein von der LG Olympia Dortmund klar favorisiert. Auch eine Infektion der oberen Atemwege, die noch nicht ganz auskuriert war, konnte sie nicht davon abhalten, in 55:12 min ins Ziel zu stürmen und damit überlegen vor Silvia Krull von der LG Lage Detmold (57:37 min) den Hattrick in Soest perfekt zu machen. Vanessa Rösler vom LT Bittermark Dortmund konnte als Dritte auch unter einer Stunde Laufzeit bleiben und finishte in 59:24 min.

So ging der größte Silvesterlauf Deutschlands wieder einmal reibungslos über die Bühne. Sicher war er für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein gelungener sportlicher Jahresabschluss, dem nun noch die richtige Silvesterparty folgen sollte.

Homepage der Veranstaltung: http://www.silvesterlauf.com/

Ergebnisse: http://results.mikatiming.de/2009/slsoest/