28. Winterlaufserie Rheinzabern 2009/2010 - 2. Lauf
Fotos: Peter Gründling und Holger Knecht (6)
Running in a winter wonderland
10. Januar 2010 - Das “Mädel”, das den Schnee nach Deutschland brachte, der Weihnachten von Vielen so schmerzlich vermisst wurde, heißt Daisy und ist ein Sturmtief. Seinen Namen verdankt dieses Tief übrigens einer 24jährigen Rechtsanwaltsgehilfin aus Dresden, die diese Patenschaft von ihren Kollegen zum Geburtstag geschenkt bekam.
Bereits seit Freitag geisterten Volkslaufabsagen en masse durch das Internet. So glühte auch bei Daniel Hochmuth, dem neuen Spitzen-Mann der Leichtathletikabteilung des TV Rheinzabern und damit auch dem Chef der Volkslaufveranstaltungen, das Telefon durch. Viele Läufer erkundigten sich, ob denn in der Südpfalz gelaufen würde. “Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt” ist in Rheinzabern Programm. Und weiter heißt es in der Ausschreibung “Die Strecke ist amtlich vermessen und kann bei Schnee und Eis gut belaufen werden.” So war sich Hochmuth im Klaren darüber, daß Daisy den TV einige Teilnehmer gekostet hat, aber “schließlich haben wir hier eine Winterlaufserie, da muß man das einkalkulieren.” Tatsächlich erreichten an diesem Daisysonntag 689 nach 15 absolvierten Kilometern das Ziel vor der Römerbadschule. 2009 waren es aufgrund der klirrenden Kälte (- 13°C beim Start um 10.05 h) nicht mal 100 mehr, ansonsten geben sich schon 1.000 Teilnehmer und mehr ein Stelldichein.
Bereits am Samstag hatte der TV die Strecke einigermaßen präpariert und Schnee geräumt. Da es in der Nacht aber wieder ordentlich schneite, konnte man am Sonntagmorgen erneut beginnen. Sisyphus läßt grüßen. Die Straßenräumung obliegt den angelaufenen Ortsgemeinden Rheinzabern, Jockgrim und Hatzenbühl, die Räumung der Bürgersteige natürlich wie allerorten den Anwohnern. Und die kann man nun in “gute Bürger/schlechte Bürger” einteilen. Es war nämlich nur ein Teil der der gleichnamigen Steige geräumt, der Rest versank im Schnee, die Bordsteinkanten waren schlecht zu erkennen. Die Radwege entlang der Landstraße waren einspurig geräumt, so reihten sich die Läufer in der Regel wie eine Perlenschnur aneinander, scherten nur zu Überholmanövern in den Schnee aus und betraten danach sofort wieder besser belaufbaren Boden.
Daß das nicht nur Auswirkungen auf die Teilnehmerzahlen sondern auch auf die Zeiten hatte, liegt auf der Hand. Alles in allem war die Strecke aber dennoch gut belaufbar, kein Vergleich zu dem Glatteischaos von 2008, als eine Stunde vor dem Start Nebel aufzog und den gut durchgekühlten Asphalt in eine Rutschbahn verwandelte. Der Schnee kostete viel Kraft, aber mit profilierten Schuhen hatte man ausreichend Halt. So hatten Viele ihre Trailschuhe ausgepackt. Bernhard Liesaus aus Karlsruhe, der in Rheinzabern traditionell einen kleinen Shop aufbaut, hatte mitgedacht und einige Trailschuhe mitgebracht, die reißenden Absatz fanden und umgehend eingelaufen wurden. Ulrike Hoeltz (LSG Karlsruhe), die nach 1:04:24 h als Siegerin der W45 den Zielkanal passierte, hatte drei Paar Schuhe dabei und testete beim Warmlaufen, welche wohl den besten Grip hätten.
Holger Knecht ist "Mr. Pfalzfoto"
Vorne lautete die Devise “Im Westen nichts Neues”. Der Sieger des 15ers vor Jahresfrist und des 10ers im Dezember war auch heute der schnellste Mann am Start: Timo Zeiler. Der Berglaufspezialist, der für die LG Eintracht Frankfurt startet, ließ nichts anbrennen, zeigte seinen Gegnern mit 51:19 min die Hacken. Im Januar 2008 war er ziemlich genau 2 Minuten schneller, hatte aber auch seinerzeit, wie an diesem Sonntag, zwei Minuten vor seinem Verfolger im Ziel.
Der hieß heute André Zschaubitz, der mit seinen 53:17 min den zweiten Platz in der männlichen Hauptklasse in der Serie einnahm. Den zweiten Serienplatz gesamt konnte der Zweite des 10ers, Jose Luis Jessinau, behaupten, der nur 13 Sekunden hinter Zschaubitz als Fünfter ins Ziel kam, vor dem Start aber einen Vorsprung von 58 Sekunden vor diesem hatte. André Zschaubitz hatte für den Start in Rheinzabern erstmals auf die Pfalz-Hallenmeisterschaften verzichtet. Seine Rechnung ging bisher gut auf, bleibt noch der 20er in vier Wochen als letzte Aufgabe.
Insgesamt erreichten 52 Läufer das Ziel schneller als in einer Stunde – 38 weniger als im trocken-kalten Vorjahr.
Nach 57:41 min blieb die Uhr für Simone Maissenbacher (LSG Karlsruhe) stehen, die damit nur 25 Männern den Vortritt ließ. Auch sie mußte gegenüber dem Vorjahr 2 min im Schnee liegen lassen. Nach einem “Seuchenjahr”, das nach ihrem Sieg beim Oberelbe-Marathon im vergangenen Frühjahr begann und letztlich monatelangen Streß mit je einem eingeklemmten Brust- und Halswirbel bedeutete, geht es bei ihr wieder immer weiter bergauf. Mitte März möchte die Siegerin der Serie 2007/2008 auf der flachen Marathonstrecke im benachbarten Bienwald endlich die 2:45 h knacken. Sie hat sich dazu mit Jens Laudage (TV Maikammer) verbündet, der heute als Dritter der M35 40 Sekunden vor Simone Maissenbacher den Zielkanal erreichte. Nach Kandel will Simone noch die Halbmarathon-DM am 18. April “mitnehmen”, danach wird sie zur Wiederholungstäterin auf der Strecke von Königstein nach Dresden.
Um die Plätze 2 und 3 “balgten” sich, wie schon im Dezember beim 10er, Eve Rauschenberg (TV Maikammer) und Josefa Matheis (TSG Eisenberg). Im Dezember konnte Josefa Eve noch 13 Sekunden abnehmen, heute wurde sie gegen Ende von ihr überholt und kam vier Sekunden nach der acht Jahr jüngeren Hasslochererin ins Ziel.
Eve Rauschenbergs nächste Volkslaufstation wird der 20er an gleicher Stelle sein. Zwischendurch muß sie beruflich für zwei Wochen nach Japan und China, hat also keine Chance, ihre Form bei Volksläufen kontrolliert weiter aufzubauen.
“Klar bin ich mit meiner Zeit zufrieden, aber ich wäre auch zufrieden, wenn ich schneller gewesen wäre”. Für diesen ihm eigenen Humor ist Ludwig Mesel (LC Bad Dürkheim) bekannt. Der Neu-M75er gewann seine Altersklasse vor immerhin drei Konkurrenten, brauchte 1:20:09 h und ließ immerhin 221 LäuferInnen hinter sich. Dabei war Mesel doppelt gehandicapt, denn er hat gerade erst eine dicke Erkältung überstanden und war psychisch vorbelastet, denn beim Glatteislauf 2008 stürzte er bei km 11 so schwer, daß ihm anschließend im Krankenhaus das Kinn geflickt werden mußte.
Beim Zweiten dieser Altersklasse, dem Lambsheimer Klaus Wehowsky, lief es auf den letzten 5 km besser als auf den ersten 10, er störte sich am meisten an den nicht geräumten Gehwegen.
In diesem Jahr war neu auch die W75 besetzt, Erika Krüger (TSV Reichenbach) ist wie Mesel Jahrgang 1935.
Besonders zügig ging diesmal die Siegerehrung vonstatten, der trotzdem und einmal mehr völlig unverständlich viele Platzierte fernblieben. Einziges kleines Manko dieser rundum gelungenen Veranstaltung: die Mikrophonanlage in der Halle ist so schlecht, daß man Daniel Hochmuth kaum verstehen kann.
Ergebnisse: www.laufinfo.de
Veranstalterseite: http://www.tv-rheinzabern.de/leichtathletik.html
Laufticker.de über den ersten Lauf 2009/2010

