28. Winterlaufserie Rheinzabern 3. Lauf
Fotos: Ramona Mellies
Die Verfolgergruppe: Sven Perleth (813, Vierter, 2. MHK, Dritter Serie gesamt), Normann Stadler (374, Zweiter, 1. M35), Matthias Koch (512, Dritter, 1. M45)
Wehe, wenn sie losgelassen
07. Februar 2010 – Nun ist sie schon wieder Geschichte, die 28. Winterlaufserie im südpfälzischen Rheinzabern. Nach einem eiskalten 10er im Dezember und einem völlig verschneiten 15er im Januar stand an diesem ersten Februarsonntag ein 20er wie aus dem Bilderbuch auf dem Laufprogramm. Zum ersten Mal seit Wochen waren die Wege flächendeckend schnee- und eisfrei, die Temperaturen bewegten sich oberhalb des Gefrierpunkts und die Luft war sauber. Und so kam es, daß nicht Wenige sich auf den ersten Kilometer voller Übermut und Lauflust austobten und dann am Ende dafür büßen mußten. Wirklich unzufriedene Gesichter sah man aber nicht, wahrscheinlich hatte das Vogelgezwitscher unterwegs die Läuferseelen zusätzlich frühlingshaft milde gestimmt.
Die 20 km-Runde entspricht der des Dezembers über 10 km und ist “einfach” zwei Mal zu durchlaufen. Los geht’s an der Römerbadschule in Rheinzabern, wo die Parkplatzposten in diesem Jahr aufgrund einer Großbaustelle vor zusätzliche Puzzleaufgaben gestellt wurden. Hier entsteht gerade ein neuer Parkplatz und wenn der fertig ist, wird der bisherige durch eine neue (zusätzliche) Halle ersetzt. Durch ein Neubaugebiet geht’s vorbei an der Halle, die in wenigen Wochen der Dreh- und Angelpunkt des Osterlaufs sein wird, dann auf die Straße Richtung Hatzenbühl und auf dem Radweg und durch freies Feld in den Nachbarort. Der wird am Rand gestreift und auf dem Radweg auf der anderen Seite der Landstraße begibt man sich wieder Richtung Rheinzabern. Am Ortseingang rechts, entlang der Tennisplätze und wieder raus ins Feld, unter der Eisenbahnstrecke hindurch wieder ins Neubaugebiet. Schon hat man die Schule wieder vor sich, das gelbe Schild mit der 8 aber noch nicht erreicht. Das steht auf dem Radweg “hoch” nach Jockgrim. Der Ortsrand von Jockgrim dient als Wendepunktstück, die 9 steht schon wieder auf halbem Weg zurück nach Rheinzabern.
Beim 15- und 20 km-Lauf steht bei km 10 warmer Tee zur Erfrischung bereit und schon befindet man sich, kaum daß man sich versieht, auf der zweiten Runde. Moderierend eingeleitet wird sie von Holger Czäczine, im Ziel wartet dann zumindest beim ersten und letzten Seriendurchgang VanMan Jochen Heringhaus.

Moderation mit vollem Körpereinsatz: Jochen Heringhaus
Überall und nirgendwo war nicht nur der neue Rheinzaberner Veranstaltungschef Daniel Hochmuth zu finden sondern auch Werner Roth, der die Winterlaufserie und mehr in den letzten 27 Jahren leitete. Der Vorteil des “Veranstaltungsrentnerdaseins”: Werner konnte sich schon vor der Siegerehrung verkrümeln. Nicht etwa aufs Sofa – nein, in Ludwigshafen fanden die Hallen-Pfalzmeisterschaften der B-Jugend statt und da hatte er ein paar Hochsprungschäfchen aus seiner Trainingsgruppe zu betreuen.
Das “Kunststück” bei einer Winterlaufserie, die sich über insgesamt drei Monate zieht, ist sicher, sich für alle drei Läufe fit und gesund zu halten. Nicht selten passiert es, daß Läufer, die gut in der Wertung liegen, zum dritten Lauf nicht mehr antreten können. So fehlten auch in diesem Februar einige Namen am Start, die noch nach dem 15er im Januar heiße Anwärter auf gute Platzierungen und Altersklassenplatzierungen waren. So vermisste man zum Beispiel Michael Wullings (bis dato 4. Gesamt, 1. M30), Klemens Bollinger (5. Gesamt, 1. M40), Jörg Hooß (2. M45), Ludwig Mesel (1. M75) und einige mehr. Des einen Leid, des anderen Freud – die Nachfolgenden haben dann natürlich die Chance, nach vorne zu rutschen. So profitierte Marcus Imbsweiler vom Ausfall Klemens Bollingers und gewann die M40, in der Gesamtwertung rückte er von Platz 8 auf Platz 5. Allerdings lief es bei ihm auch sehr gut, erst kurz vorm Ziel mußte er sich aus der zweiten Verfolgergruppe, die zeitweise 10 Mann stark war, etwas zurückfallen lassen.
Vom Start weg, und das bei allen drei Rennen, nahm Berglaufspezialist Timo Zeiler das Heft fest in die Hand. Jeden der drei Läufe gewann er nach einem Kampf ausschließlich gegen sich und die Uhr und mit großem Vorsprung. Mit 2:29:24 h war sein Vorsprung nach dem heutigen Sieg auf über sieben Minuten angewachsen. Bevor die Berglaufsaison beginnt, wird der Schwabe im Trikot der LG Eintracht Frankfurt Anfang März bei den Deutschen Crossmeisterschaften und Mitte April bei den Deutschen Halbmarathonmeisterschaften antreten. Der Höhepunkt der Berglaufsaison wird dann im Juli die Long-Distance-WM in den USA, die in diesem Jahr über 19 km geht und auf 2.000 m üNN startet. Dafür geht’s vorher ins Höhentrainingslager in die Schweiz, die Anreise in die USA ist erst für zwei Tage vorm Wettkampf geplant. Damit der Jetlag erst einsetzt, wenn er im Ziel ist.
Jose Luis Jessinau, der vorübergehend in Bingen lebt und arbeitet und für den LC Bingen startet, verlor in den letzten vier Wochen seine auffallenden Zöpfchen und heute als Neunter im Gesamteinlauf eigentlich einiges an Boden. Aber er hatte Glück, André Zschaubitz, der Mittelstreckler im Trikot der LG Rülzheim und nach zwei Durchgängen nur 45 Sekunden hinter ihm, erging es noch schlechter als ihm und so konnte Jessinau seinen zweiten Platz in der Serienwertung behaupten. Zschaubitzm heute mit 1:12:29 h nur 14., verlor sogar noch einen Platz, wurde Vierter hinter Sven Perleth, der sich von Platz 11 auf 3 katapultieren konnte.
Die M45 beherrschte Thomas Dehaut, der seinen 50 km-Lauf vom vorigen Wochenende gut weggesteckt hatte und mit seiner 1:11:23 h glücklich und zufrieden zurück ins heimische Wallhalben fuhr.
Aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse der Vor-Läufe ist er nicht der Einzige, für den die Formel, nach der die Zeiten aller drei Läufe bei einer 10+15+20-Serie der aktuell möglichen Marathonzeit entspricht, nicht greift. 2:40 h läuft er über Marathon, wenn er ihn gemütlich läuft. Ansonsten kämpft er schon länger mit der magischen 2:30. Auch Timo Zeiler könnte einen Marathon sicher schneller als 2:29:24 h laufen, wenn er es denn versuchen würde. Hat er bisher aber noch nicht getan und plant es auch für 2010 nicht.

Wegen des guten Wetters waren beim 20er auch viele schnelle Läufer am Start, die mit dem Serienausgang aber nichts zu tun hatten. Tageszweiter wurde Triathlet Normann Stadler mit 1:08:25 h, Dritter Matthias Koch in 1:08:47 h. Er hatte seinen Vater Walter an Bord, der mit 1:24:28 h die M70 haushoch gewann. Peter Lessing (M65) hatte wegen des schlechten Wetters den 15er ausgelassen und dominierte heute erneut seine Altersklasse, lief nach 1:20:46 h am Scanner von Harald Baumann vorbei. Auch er war zufrieden mit seiner Leistung, merkte aber an “tja.. ich werde jedes Jahr ein bißchen langsamer”
Etwas spannender war der Zwischenstand nach zwei Durchgängen bei den Frauen. Nicht ganz ganz vorne, denn Simone Maissenbacher (LSG Karlsruhe) hatte mehr als vier Minuten Vorsprung vor ihren Konkurrentinnen Eve Rauschberg (TV Maikammer) und Josefa Matheis (TSG Eisenberg), die allerdings nur neun Sekunden trennten. 2009 hatte Simone am eigenen Leib erfahren müssen, was es heißt, drei Durchläufe gesund angehen zu müssen, um die Serie zu gewinnen, denn beim 20er lag sie auf der Nase und mußte den Vorjahressieg kampflos abgeben. Dieses Jahr hat sie ihr Trainingslager auf Fuerteventura auf Ende Februar verlegt und konnte in Rheinzabern unangefochten punkten und siegen. In Kandel will sie endlich unter 2:45 h bleiben und dann steht der Paderborner Osterlauf auf ihrer Agenda, zu der Wilfried Raatz sie überredet hat. Mit 2:45:20 h gesamt ließ sie in der Serie nur 13 Männern den Vortritt. Ihre 10 km-Durchgangszeit an diesem Sonntag lag bei 35:48 min, aber schon ab km 8 gingen ihr die Oberschenkel zu und sie mußte auf der zweiten Hälfte heftig Federn lassen. Mit 1:14:11 h war sie ungefähr zwei Minuten langsamer als 2008.
Eve Rauschenberg und Josefa Matheis übertrafen sich morgens förmlich mit dem berühmten Vorwettkampfgejammer. Klappern gehört einfach zum Handwerk. Eve war vor Wochenfrist von ihrem letzten “Arbeitsausflug” nach China und Japan zurück gekommen. In Japan hatte sie viel Zeit zu trainieren und schaffte in einer Woche 138 km. Dadurch steckte sie das Jetlag überraschend schlecht weg und konnte Anfang der Woche nicht schlafen, stand auch schon mal morgens um 2 Uhr auf, weil sie eh wach war und schlüpfte in die Laufschuhe. Alles in allem fuhr sie ihre Umfänge in den letzten Tagen aber stark zurück und konnte dadurch über 20 km und in der Serie den zweiten Platz erlaufen. 1:16:20 h heute bei einer 10 km-Durchgangszeit von 37:20 min, was schneller ist als ihre persönliche 10 km-Bestzeit und 2:54:05 h gesamt sprechen für sich und sie. Wahrscheinlich wird sie den gesamten März in Japan verbringen müssen und erst Ostern zurückkommen. Ihr Fokus liegt voll auf dem Marathon Deutsche Weinstraße am 18. April.
Auch Josefa Matheis, die heute leicht verschnupft an den Start ging, verzichtet zugunsten des Weinstraßenmarathons auf die Pfalz-Halbmarathonmeisterschaften und auf die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften, die verrückterweise am selben Wochenende stattfinden. Ihre 10 km-Durchgangszeit von 38:45 min zeigt, daß sie ein sehr gleichmäßiges Rennen gelaufen sein muß, denn für sie blieb die Uhr nach 1:17:31 h stehen. Mit Bernd Ulrich und Leonhard Mayer hatte sie zwei Hasen aus dem eigenen Verein an ihrer Seite. Auch sie gehörte mit insgesamt 2:55:07 h noch zu den besten 10% der gesamten Serie, hatte aber am Ende 1:02 min Rückstand auf Eve Rauschenberg.
712 LäuferInnen tummelten sich heute im Zielkanal, an der Serie nahmen in diesem Jahr 360 SportlerInnen teil. Mit 79 Starts über die drei Tage verteilt war die LG MuLi zum zweiten Mal in Folge die meldestärkste Gruppe und ergatterte den von Werner Roths Frau selbstgebackenen Kuchen – dieses Jahr eine Rüblitorte in Form eines Sterns.
Den Schinken für die schnellste Männermannschaft konnte die TSG Heidelberg mit 8:05:45 h mit nach Hause nehmen. Die schnellste Frauschaft von der LSG Karlsruhe bekam einen Fresskorb. Zweite Sieger in beiden Wettbewerben: die LG Rülzheim.
Veranstalterseite: www.tv-rheinzabern.de
Ergebnisse: www.laufinfo.de

