30. Winterlaufserie Rheinzabern - der 15er
Fotos: Peter Gründling
Einmal gut durchmischen bitte
Rheinzabern, 08. Januar 2012 – 1.015 LäuferInnen beendeten bei sehr gutem Winterlaufwetter den zweiten Durchlauf der 30. Rheinzaberner Winterlaufserie – mehr waren es zuletzt 2008, in den letzten Jahren kamen bis zu knapp 500 LäuferInnen weniger zum 15 km-Lauf, der immer vier Wochen nach dem dritten Adventssonntag „angeschossen wird“.
Die Rheinzaberner Winterlaufserie beginnt eben am dritten Adventssonntag mit einem 10 km-Lauf und nimmt dann alle vier Wochen ihre Fortsetzung. 15 km im Januar, 20 km im Februar. Das alles auf einer amtlich vermessenen 10 km-Runde, die im Januar mit zwei Wendepunktstücken auf die Hälfte abgekürzt wird, damit in der zweiten Runde eben nur fünf Kilometer zu laufen sind. Zu diesen drei Veranstaltungen kommt noch ein Halbmarathon und 10er am Ostersamstag, aber die gehören nicht mehr zur Serie, auch wenn sie auf derselben Strecke, mit abweichendem Start- und Zielort ausgefochten werden.
Da man sich der Konkurrenz jahresübergreifend stellt, muß man im Dezember schon für die Altersklasse des kommenden Jahres starten – was zu so manchem Gesichtverziehen Marke „Zahnschmerzen“ führt, aber im Januar dann vergeben und vergessen ist.
Aufgrund des Fahrplans der Deutschen Bahn wird der Startschuß regelmäßig um 10.05 Uhr abgegeben. Die Meute stürzt los und erreicht durch ein Wohngebiet die Hauptstraße, wo kurz vor Kilometer 2 der Bahnübergang überlaufen wird. Kurz danach schwenkt man auf einen Radweg ein, der sich entlang der Landstraße Richtung Kandel schlängelt. Zuerst in Laufrichtung links, durch eine Unterführung gelangt man dann auf die andere Straßenseite. Bevor man aber den Radweg wieder nutzen darf, läuft man erst eine Schleife durchs Feld Richtung Hatzenbühl und durch einen Ausläufer des Örtchens zurück zur Landstraße und eben dem Radweg. Kurz vor km 7 erreicht man an den Rheinzaberner Tennisplätzen wieder das Gebiet des Lauforts. Einen Kilometer später sieht man auf der anderen Straßenseite die Integrierte Gesamtschule, die Dreh- und Angelpunkt der Winterlaufserie ist. Startnummernausgabe, Duschen, Parkplätze, Siegerehrung – alles ist hier untergebracht. Und wieder ist es ein Radweg, der die weitere Strecke bestimmt, nämlich der hoch nach Jockgrim. „Hoch“ ist relativ, denn eigentlich ist die Rheinzaberner Strecke in der Pfalz als flach und schnell bekannt. Auf einer 10 km-Runde kommen ein paar Höhenmeter durch die vier zu durchlaufenden Unterführungen zusammen und nach Jockgrim ist die Straße tatsächlich leicht ansteigend. Um eine Pylone wird gewendet und der Weg zurück ist derselbe wie der hin, mit dem Unterschied, daß für den Rückweg eine halbe Fahrspur L540 abgetrennt ist.
Entgegen sonstigen Rheinzaberner Gepflogenheiten wurde in diesem Jahr beim 15er sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einiges ordentlich durcheinander gewirbelt. Die Sieger des 10 km-Laufs waren nicht am Start, bei den Frauen fehlten von den ersten zehn Frauen gleich sechs, bei den Männern waren es gar acht.
Dabei hätte das Wetter besser kaum sein können: Temperaturen im positiven Bereich, kein Regen, etwas Sonnenschein und ein bißchen Wind.
„Ich hatte meine liebe Mühe, im Dezember unter die ersten 20 zu laufen, das war schon ein sehr stark besetztes Feld“ konstatierte Neu-M45er Marcus Imbsweiler, der beim 10er mit 33:43 min nur 18. wurde. Beim 15er hatte er eine gute Gruppe erwischt, mit der er in 51:40 min dem M45-Sieg entgegen lief. Ungefährdet war dieser Sieg aber keineswegs, denn auch Matthias Koch wurde in 51:40 min im Ziel erfasst, der 3. M45, Christian Bauer, war gerade mal eine Sekunde langsamer. So gingen die Plätze 4 bis 6 an die M45. Die drei schnellsten 15 km-Läufer gehören alle der männlichen Hauptklasse an.
Mit Sven Perleth, Luca Bongiovanni und Fabian Rahn hatte sich anfangs ein Trio vom Feld abgesetzt, von dem sich der Wahl-Wormser Sven Perleth nach vorne verabschiedete. Auf den letzten Kilometern wurde er allerdings weder von Rahn noch von Bongiovanni einkassiert. Vielmehr rannte einer nach vorne, den so wohl niemand auf der Rechnung hatte. Jannik Arbogast wird in diesem Jahr 20 und ist eigentlich eher auf der Bahn anzutreffen. Zwischen 800 und 5.000 m weist seine Statistik 2011 alle Strecken aus. Bei der Jugend-DM in Jena wurde er im August über 3.000 m Vierter, über dieselbe Distanz wurde er im Juni Baden-Württembergischer A-Jugend-Meister. In einem fulminanten langgezogenen Endspurt lief er an Sven Perleth vorbei und holte sich in 50:40 min den Tagessieg. 2011 wäre er mit dieser Zeit allerdings „nur“ Fünfter geworden.
Sven Perleth versuchte gar nicht mehr, sich zu wehren. Ihm ging es einzig und allein um die Serienwertung. Vor vier Wochen war er als Fünfter bei Zeitnehmer Harald Baumann angekommen, aber die vier vor ihm Laufenden fanden sich diesmal alle nicht an der Startlinie ein. Mit 50:50 min sicherte er sich Platz 2 und die Führung in der Serienwertung.
Dritter wurde Fabian Rahn (SSC Karlsruhe). Der 26jährige Triathlet versucht gerade, als Profi Fuß zu fassen, wobei er sich noch auf die Mitteldistanz beschränkt. Außer Liesaus Sports in Karlsruhe, einem Radladen und dem Radhersteller Marengo konnte er noch keine Sponsoren an Land ziehen, so daß er zweigleisig fährt und auch sein Studium fortführt. Wenn er das Schwimmen noch verbessern kann, da ist er sich sicher, klappt es auch mit zusätzlichen Sponsorenverträgen. Das Saisonziel des Wilferdingers ist der Triathlon 70.3 in Wiesbaden. Dafür, daß es Winter ist, ist er sehr zufrieden mit seiner Leistung. Seine Saison beginnt ja erst im Mai und bis dahin sind es noch einige Monate.
Bei den Frauen profitierte zuallererst Julia Wagner von der hohen Ausfallrate der 10 km-Läuferinnen. Vor vier Wochen beendete die Lebensgefährtin von Luca Bongiovanni, der übrigens noch bis auf Platz 7 durchgereicht wurde, den Wettkampf auf Platz 3. Beim 15er marschierte sie ungefährdet vom Start bis zum Ziel durch. Als Gesamt-49. beendete sie ihr Tagwerk nach 57:09 min.
Hier ereilte Josefa Matheis dasselbe Schicksal wie Luca Bongiovanni. Lag sie bei km 6 noch Seite an Seite mit Nicole Leder auf dem zweiten Rang, beendete sie den Lauf nach 59:37 min als Sechste. Bei km 8 lag sie sogar deutlich vor der Triathlon-Konkurrentin, dann aber zwang ein schmerzhafter Stich in der Wade sie unsanft zu zwei Gehpausen. Allerdings konnte ihr den Sieg in ihrer Altersklasse W45 keine andere streitig machen, Tanja Hooß hatte 1:01 min Rückstand.
Aber auch Nicole Leder, für die LLG Wonnegau am Start, wurde noch abgefangen und lief nach 58:36 min als Dritte in den Zielkanal.
Zweite wurde Marion Jakobs (SV Schlau.com Saar Saarbrücken). Die 42jährige war verhalten gestartet und weil es ihr gut ging, legte sie am Ende noch Schippe um Schippe drauf, überholte auf den letzten fünf Kilometern noch „mindestens fünf bis sechs“ Konkurrentinnen. Nach 58:25 h war sie glücklich im Ziel. Die Saarbrücker waren mit einer achtköpfigen Gruppe in die Südpfalz gereist. Marion schwärmte nicht nur von der Rheinzaberner Veranstaltung und der Strecke sondern auch von ihrer Trainingsgruppe und dem guten Zusammenhalt. Ihr Hauptaugenmerk liegt auch in diesem Jahr wieder auf den Deutschen Meisterschaften im 10 km-Lauf und im Halbmarathon, denn zusammen mit Susanne Hahn und Constance Türk sind die Saarländerinnen immer für eine Medaille gut. In Oelde wurden die Drei 2011 Deutsche Vizemeisterinnen über 10 km, in Griesheim gar Deutsche Meisterinnen im Halbmarathon. Sie sieht die Winterlaufserie in Rheinzabern immer als guten Formtest, denn im Herbst pausieren die Saarländer regelmäßig vier bis sechs Wochen. Wobei in der „Pause“ noch immer 30 bis 50 km gelaufen werden. Während der Saison kommt Marion in der Regel auf 70 bis 100 km.
War die Gruppe der „jungen Wilden“ gegenüber dem 10er deutlich geschrumpft, so kam das andere Ende der Altersskala auch diesmal wieder sehr zahlreich nach Rheinzabern. 13 M70er, fünf M75er und ein M80er sind ein stolzer Beweis für die Fitness der Senioren in der Pfalz und drumherum. Der schnellste M70er war Peter Lessing, der als Gesamt-220. 1:04:01 h brauchte. Neun Minuten langsamer war Robert Hinkel, der damit die M75 gewann und als 537. nur denkbar knapp in der zweiten Feldhälfte den Zieltee genießen konnte, der in Rheinzabern nach einem Rezept von „Mutter Roth“ selbst gekocht und nicht aus der Packung ins Wasser gekippt wird.
Wie es im Winter so üblich ist, gehört nicht nur gutes Training dazu, um in vier Wochen den dritten und abschließenden Teil der Winterlaufserie zu absoliveren, sondern auch das Glück, gesund zu bleiben.
Ergebnisse auf der Seite des Zeitnahmeteams Baumann unter www.laufdv.de


