35. Halbmarathon in Mörfelden
Fotos: Jochen Höschele
Nur knapp über dem Streckenrekord blieb die überlegene Siegerin, Natascha Schmitt, hier begleitet von Bodo von Eberstein
Melanie Ungar (318) und Marco Präschang (327) gehen ganz locker in Runde zwei und nehmen den warmen Tee ein Stückchen mit
Marc Börkey verteidigt seinen Vorsprung und den dritten Platz denkbar knapp und beendet das Rennen nach genau 1:18h
Natascha Schmitt genießt den Tee im Ziel und unterhält sich dann angeregt mit DLV-Berglaufwart Winfried Raatz
Dieter besiegt sie alle
Mörfelden, 12. Februar 2012 - Zum 35. Mal fand er dieses Jahr statt, der traditionelle Halbmarathon der Leichtathletikabteilung des Sport- und Kulturvereins SKV Mörfelden. Mörfelden liegt wie die meisten aus dem Verkehrsfunk wissen, kurz vor Frankfurt in der Untermainebene zwischen Darmstadt, Wiesbaden und eben Frankfurt. Ebene ist genau das passende Stichwort für das Laufrevier im Naturschutzgebiet Mönchbruch. Die bewaldete Strecke ist brettflach und damit einigermaßen flott zu laufen. Gestört wird das mit zunehmender Streckenlänge intensiver werdende Keuchen der Läuferhorde nur durch die unüberhörbaren Geräusche der Flugzeuge des nahen Frankfurter Flughafens.
Leider musste die schöne Veranstaltung dieses Jahr den eisigen Temperaturen des Hochs Dieter Tribut zollen. Von den über 460 vorangemeldeten Läufern erreichten nur 309 das Ziel. Beim Blick auf das Thermometer hatten sich bestimmt viele des Morgens entschieden, doch nicht den Weg nach Mörfelden einzuschlagen, sondern noch etwas mehr Zeit im warmen Bett zu verbringen.
Beim Start um 9.30 Uhr wurden -14 Grad gemessen, nicht gerade angenehm, um schnell zu laufen. Auch die herrlich scheinende Sonne konnte nicht darüber hinwegtäuschen, warme und mehrlagige Kleiderwahl war angesagt. Ein paar besonders Kälteunempfindliche waren trotz der bitterkalten Temperaturen dennoch auszumachen: mindestens zwei Läufer wurden in kurzer Hose gesichtet.
Einer davon war der Sieger der beiden Vorjahre, Martin Skalsky vom Team Mainzer Laufladen. Er übernahm bereits kurz nach dem Start die Führung und baute diese im Laufe des Rennens immer weiter aus. In Mörfelden müssen die Läufer nach dem Start im Waldstadion eine 10 km lange Runde durch den Wald zwei Mal durchlaufen; die zum Halbmarathon fehlenden 1,1 km werden durch ein kurzes Pendelstück sowie die Stadionrunde ergänzt.
Skalsky hatte am ersten Pendelstück nach etwas mehr als 4 km Laufstrecke bereits einen Vorsprung von über 40 s auf seinen Verfolger Manuel Ruhland (LG Neu-Isenburg). Am Ende wurden für den Sieger gute 1:13:10 h gestoppt. Sein Vorsprung auf Ruhland betrug satte 3 min; 1:16:07 h benötigte Ruhland bis er als Zweitplatzierter im Stadion einlief. Sehr viel knapper ging es auf Platz 3 zu. Marc Börkey (LG Olympia Wiesbaden) sicherte sich mit 7 s Vorsprung und einer Zeit von 1:18:00 h den letzten Podestplatz. Marco Schneider musste sich mit Rang vier zufrieden geben. Sowohl er als auch Ruhland bezeichneten die Bedingungen zwar als "hart, aber noch machbar". Schneider, der vor zwei Wochen beim Ultramarathon in Rodgau mit 3:36 h ein ausgezeichnetes Debüt ablieferte, hatte dieses Mal seine "Achillesferse", den Oberschenkelbeugemuskel, im Griff: "Bei der Marathonstaffel hier in Mörfelden musste ich zwei Minuten vor der Ziellinie meinen Krampf 'rausdrücken und auch in Rodgau ist mir das in der letzten Runde passiert. Heute konnte ich zwar hintenraus keinen richtigen Druck mehr machen, aber hatte wenigstens keine Krämpfe." Dass bei einem seiner Saisonhöhepunkte, dem Ultra Trail du Tour du Mont Blanc Ende August, ähnliche Temperaturen herrschen wie in Mörfelden, ist nicht zu erwarten - und wünschen wollen wir es ihm auch nicht.
Eine Vorbereitung besonderer Art hatte Manuel Ruhland noch am Vorabend absolviert, als er in der 4x200m-Staffel in der Halle gelaufen war. "Es lief eigentlich ganz gut, auch wenn ich von meiner Bestzeit von 1:12:05h weit entfernt war. Aber die Einheit von gestern habe ich dann in der zweiten Runde schon gespürt, und so gesehen ist das ganz in Ordnung, zumal ich auch etwas gerutscht bin." Was aber, wie Marco Schneider mit Blick auf das Schuhwerk des M20ers Ruhland anmerkte, eher an dessen "Rennschlappen" lag. Schneider selbst gab an, er habe "keinerlei Probleme" mit dem Untergrund gehabt, dieser sei insgesamt doch "sehr gut belaufbar" gewesen.
An der Spitze des Frauenrennens war die Angelegenheit noch klarer als bei den Männern. „So warm eingepackt laufe ich gar nicht gerne, daher habe ich mich für die ¾-Hose entschieden“, so Natascha Schmitt von der LG Eintracht Frankfurt. In ihrem dynamischen Laufstil eroberte die Triathletin den Mörfelder Wald und stürmte den Verfolgerinnen auf und davon. 1:21:29 h betrug ihre Siegerzeit, nur knapp eine Minute über dem Streckenrekord von Veronika Ulrich. Dass sie den knacken kann, daran hat sie keinen Zweifel, vielleicht nächstes Jahr. Die Halbmarathonbestzeit der Profitriathletin, die in der ersten Bundesliga für den Krefelder Kanu Klub startet, liegt bei 1:19 h. Schmitt war mit sich und ihrem Lauf sehr zufrieden, „nur knapp zwei Minuten über Bestzeit und das bei solchen Verhältnissen, da geht diese Saison noch was.“
Zuerst geht aber neben dem Training nicht mehr viel. Natascha Schmitt macht gerade Examen, da bleibt keine Zeit für andere Dinge. „Ich ignoriere gerade sogar das Telefon“, so Schmitt lachend. Wenn sie dieses Frühjahr ihr Examen als Sportwissenschaftlerin in der Tasche hat, möchte sie gerne als Personaltrainerin arbeiten.
Die Position hinter Schmitt ging an die Bergläuferin Lea Bäuscher in 1:27:21 h, die im gesamten Rennverlauf nie ernsthaft gefährdet war. Bäuscher startet seit diesem Jahr für den TSV Friedberg Fauerbach. Seit die Sozialpädagogin in Friedberg arbeitet, wohnt sie auch dort und nun läuft sie auch für den dortigen Verein. Ihr diesjähriges Ziel ist unter anderem die Verbesserung ihrer Halbmarathonbestzeit, die bei 1:22:55 h steht. Dafür hat sie sich eigentlich die Deutschen Meisterschaften in Griesheim ausgesucht. Als sie jedoch in Mörfelden von der Griesheimer Streckenführung gehört hatte, wollte sie diese Planung nochmals überdenken. „Aber jetzt gehe ich erstmal ins Trainingslager und in den Urlaub nach Eldoret in Kenia. Wir wollen bei den kenianischen Crossmeisterschaften starten, darauf freue ich mich.“ Angesichts schneebedeckter Laufstrecken in Mörfelden und Temperaturen, bei denen einem im Gesicht Eiszapfen wachsen, traumhafte Aussichten.
Wie bei den Männern war der dritte Platz auch bei den Frauen nicht von vorneherein vergeben. Die Ultraläuferin Nicole Benning des EK Schwaikheim übernahm nach etwa 4 km diese Position und baute ihren Vorsprung auf Daniela Bur (Mainzer Laufladen) langsam aber stetig aus. Am Ende wurden für Benning 1:29:30 h gestoppt. „Angesichts der heutigen Umstände bin ich damit zufrieden, ich laufe nicht gerne so dick verpackt, aber es war ja so kalt. Mir sind beim Laufen sogar die Wimpern zusammengefroren“, so die Drittplatzierte lachend. Ihre größte Sorge war allerdings weniger die Kälte sondern vielmehr der Untergrund gewesen. „Zuhause sind die Wege im Wald total verschneit und vereist, da kann man nur gemütlich joggen, aber nicht schnell laufen. Das war heute hier in Mörfelden zum Glück besser. Die dünne Schneeauflage war recht gut zu belaufen.“
Auch in den Altersklassen gab es einige sehr gute Ergebnisse: besonders fiel der M50er Paolo de Benedictis (LG Stadt Hattersheim) als Gesamtsechster in 1:19:46 h auf. Der Sieg in der M55 ging an Hans Schweitzer (LC Michelstadt) in 1:28:18 h, auch in der M60 musste man unter 1:30 h laufen, um die Altersklasse zu gewinnen, was Joachim Dittrich gelang. In der W65 siegte Helga Napierski in 1:51:08 h.
Dank des heißen Tees an der Strecke und im Ziel mussten keine bleibenden Frostschäden verzeichnet werden und die verloren gegangenen Kalorien konnte man bei ausgesprochen leckeren Kuchen wieder zuführen.
Auch 2013 wird es wieder einen Halbmarathon im Februar in Mörfelden geben, der Lauf lohnt sich – auch bei -14 Grad!
Ergebnisse und direkter Link zur Veranstaltung: www.lg-mw.de


